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Von Pisa zu Iglu - deutsche Schulen verbessert?

Sechs Jahre nach Pisa kommt nun die neue Iglu-Studie. Hat sich in deutschen Schulen etwas getan? Können unsere Schüler inzwischen international mithalten? Ein aktueller Artikel zum Thema:

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Andreas Heil 02.12.2007, 11:13
460.

Zitat von rudihaase
"Soll" oder "kann"? Das ist die Frage! In der normalen Ausbildung bringt man Lehrern bei, wie man mit durchschnittlich Begabten umgeht. Förderung der unteren und der oberen Qualitätsstufen kommt in der normalen (!) Ausbildung so nicht vor. Wir bekommen schon mal Post von MENSA, in der nach Hochbegabten an der Schule gefragt wird. Problem: siehe oben. Zu einer Fortbildung zum Thema würden wir wohl jemanden schicken, wie ich den Boss kenne ...
Ja. Ich denke auch, dass es nicht möglich ist. Hier in NRW haben wird die Regierungswechsel-Groteske, dass der Rechtsanspruch auf "individuelle Förderung" nun Gesetz und einklagbar ist. Parallel wurden die wenigen vorhandenen Ressourcen abgebaut, mit dem Erfolg, dass alle Ansätze mehr oder weniger zerschlagen sind und die Arbeitsgruppen auf Regierungsbezirk-Ebene umbenannt wurden.
Im Prinzip macht jede Reform deutlich, dass man es immer noch ein bisschen schlechter machen kann, obwohl man es vorher kaum für möglich hält. Es ist möglich.

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simie 02.12.2007, 11:25
461.

Zitat von Piri
DIESE verdammte Unehrlichkeit mit Begabungsunterschieden ist es, die uns beim Thema Gesamtschule von anderen Ländern unterscheidet.

Sie wissen aber sicherlich, dass auch begabtere Schüler durchaus davon profitieren mit weniger begabten zusammen in einer Klasse zu sein?

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hjg 02.12.2007, 11:33
462. Mathe-Allergie

Zitat von Shiraz
Spätestens, wenn sie einem widerwilligen pubertierenden Mädchen das 10ste Mal erklären, wie man eine einfache Gleichung auflöst, oder dass 20 Prozent von 100 Äpfeln 20 Äpfel sind, und es sie immer noch anschaut, als würde sie unmögliches verlangen, spätestens dann würden auch sie schauen, dass sie ihren Stoff durchbringen.
Vielleicht sollte es eher Anlass sein, darüber nachzudenken, den Stoff anschaulicher zu präsentieren.
Die Ursache des überwiegenden Teils der Matheallergie ist bei den Mathelehrern zu suchen. Ich bin froh,
bei Ihnen keinen Matheunterricht gehabt zu haben. <puh>

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Rainer Helmbrecht 02.12.2007, 11:34
463.

Zitat von Silvia
.....Wer sich sowas ausdenkt! Anstatt das Niveau zu heben, wird es immer weiter abgesenkt. Anschließend können wir dann alle wieder auf die unähigen Lehrer schimpfen. Es reicht ja, wenn man einen Doofen hat, der die Schuld trägt.
Wenn ich das Konzept von Frau vdL sehe. Kinder unter 3 Jahren solle von Kindergärtnerinnen betreut werden, die Abi haben, mindestens 2 Fremdsprachen können und dann...... setzt man die Kinder auf den Topf wartet bis sie in eine richtige Schule gehen, in der ihre Leistungen soweit abfallen, dass sie weder etwas vorlesen können, noch einen Antrag ausfüllen können und die Schule abbrechen.

Wenn man das unter dem Begriff Bildungspolitik und Jugendförderung verkaufen kann, dann sind Eltern (Wähler) noch blöder, als ich dachte. Sprechblasen werden von Bildungspolitikern, als Programme verkauft.

MfG. Rainer

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peterfreimann 02.12.2007, 11:34
464. Was nicht passt , wird passend gemacht!

Zitat von Piri
Zum stichwort 'Gleichmacherei': An meiner ehemaligen Gesamtschule wurde ich einmal mit folgendem chinesischen Sprichwort in der Schülerzeitung verewigt. Sinngemäß: Es gibt keinen Menschen, der nicht irgendwetwas hat, um das ihn hunderttausend andere beneiden können. Die persönliche Ergänzung 'Das muss nicht unbedingt eine mathematische Hochbegabung sein' erregte derart den Zorn meines damaligen Schulleiters, dass ich eine ordentliche Abmahnung erhielt. Begründung: ich würde die Gesamtschulphilosophie mit Füßen treten und die berechtigten Erwartungen der Schüler im Fundament erschüttern. ...
Um den Nuancen gerecht zu werden, möchte ich zunächst mal einräumen, dass es - auch - an Gesamtschulen diesen oder jenen "klassischen" Lehrer gibt, mit Freude an seinem Fach, in diesem Falle häufig Mathematik oder Physik.

Möchte einfach mal zwei Miniaturen als symptomatisch zu dem Thema beisteuern, die aus meinen unzähligen Gesprächen mit Nachhilfeschülern resulieren: Mit Schülerin A, die nach großen Anstrengungen und mit Ach und Krach die Gesamtschule später mit einem Realschulabschluss verließ, unterhielt ich mich über die Leistungsanforderungen der unterschiedlichen Realschulen hier vor Ort. Ihr unmissverständlicher Kommentar:"Um Gottes Willen, dazu bin ich zu doof!" Was sie natürlich keineswegs ist, denn sie hat intelligent und geschickt das enorme Leistungsgefälle auf dem Bildungsmarkt für sich zu nutzen gewusst.

Schülerin B, besonders sprachlich hochbegabte Einwanderin aus einem osteuropäischen Land, betrieb zu ihrem Vorteil "schoolhopping" wie keine zweite. Eine Zeit lang besuchte sie die Gesamtschule, zuerst gab es negative Beachtung schon aufgrund des Dresscodes, einem Teil der "legeren" Lehrerschaft war es unübersehbar ein Dorn im Auge, dass sie noch in der Tradition ihres Heimatlandes eine gewisse "Adrettheit" pflegte.
In einem Deutschaufsatz erhielt sie von ihrem bereits recht betagten Lehrer eine sehr schlechte Note. Das Aufsatzthema lautete:"Ist Thomas Mann ein Star?". Die Schülerin richtete sich nach ihren eigenen Konnotationen und beharrte darauf, dass man doch schließlich zwischen Schlagersängern, Bundesligaelfmeterschützen und bedeutenden Vertretern der Hochkultur unterscheiden sollte. Es kam zu einer langen Debatte zwischen Lehrer und selbstbewusster Schülerin. Der Philologe konnte bei seiner egalitären ideologischen Ausrichtung die Gedanken seiner Schülerin in keiner Weise nachvollziehen!

Mit netten Grüßen

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Andreas Heil 02.12.2007, 11:35
465.

Zitat von dickebank
Negieren, was nicht sein kann auch nicht sein darf. Im besten fall wird ein Förderkonzept mit allen Beteiligten abgestimmt und das kann daauern. Bis dahin hat der Schüler aufgrund seines "Störpotentiales" den ganzen Kanon an pädagogischen Maßnahmen, den die Konferenz über Ordnungsmaßnahmen im Angebot hat, über sich ergehen lassen und ist schlussendlich auf einer Förderschule gelandet. Aber hin und wieder haben diese Schüler auch streitlustige Eltern und Klassenlehrer (am besten noch aus der 68er Zeit), die es gewohnt sind der Obrigkeit zu widersprechen und die Pfade im Dickicht der Schulgesetzgebung erkennen...
Das hinterlässt enorme Kollateralschäden bei allen (!) Beteiligten. Die Lehrer können's den Eltern auf keinen Fall recht machen - einige Lehrer bringen ja wenigstens noch die nötige Opfermentalität mit. Die Förderkonzepte werden beim Individuum entweder individuell schleichend beerdigt, spätestens wenn wieder Anmutung von Normalität rekonstruiert wurde. Und spätestens wenn ein wichtiger Lehrer auftaucht, der an Intelligenz im Allgemeinen, im speziellen Fall oder abweichend von Schulleistungen nicht glaubt, ist Schicht im Schacht. Und die sprießenden Neurosen der Sprösslinge sind da ja noch außen vor.

Der Junge aus der ehemaligen Fünf meiner Tochter hat dieses Gymnasium nach einem Jahr verlassen und seine Mutter zieht wegen ihm zum nächsten Schuljahresbeginn nach Braunschweig, weil sie sich von der dortigen CJD-Schule mehr erhofft.

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peterfreimann 02.12.2007, 11:41
466. Profitieren Schüler tatsächlich von einem "Gefälle" in ihrer Klasse?

Zitat von simie
Sie wissen aber sicherlich, dass auch begabtere Schüler durchaus davon profitieren mit weniger begabten zusammen in einer Klasse zu sein?
So generell und pauschal möchte ich das einfach noch nicht unterschreiben, simie. Zwischen einer geringen Differenz und einer großen liegen Welten. Diese Unterschiede sind in Realitas auch nicht immer nur in der individuellen Begabung zu suchen, sondern oft viel weitgehender, bis hin zu enormen kulturellen Differenzen. Was sollte ich schon davon haben, wenn jemand in seinen sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu begrenzt ist oder ein Verhalten an den Tag legt einer mangelhaften Sozialkompatibilität und ich diesen individuellen "Verhaltensentwurf" für mich selber zutiefst ablehne.

Mit Gruß

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Andreas Heil 02.12.2007, 11:46
467.

Zitat von Willie
Wenn wir auch sonst meist nicht einer Meinung sind, alles was sie hier ueber ihre Schulerfahrungen mit ihrem Kind geschrieben haben, ist mir genauso aus eigenen Erfahrungen bekannt ...
... und deswegen kann ich Ihre Vorschläge auch nicht rundheraus ablehnen, sondern sehe darin vieles tendenziell richtiges.

Klasse überspringen haben wir natürlich hinter "uns". Gespräche mit anderen und mittlerweile die Erfahrung zeigen aber, dass diese Medizin erstens nur relativ kurz wirkt, ein (geringeres) Problem Wissens- und Übungslücken sind, die dadurch entstehen, der Wechsel aber vor allem die notwendige Stabilität im Umfeld immer wieder zerstört, auf die viele dieser Kinder ja auch noch sehr sensibel reagieren. Und nächstes Problem sind natürlich die erheblichen Ungleichverteilungen von einzelnen skills.

Mir liegen aber nicht nur die HBs im Magen, sondern auch die anderen, die mit dem Schulsystem gar nicht selten auf andere Art ähnliche Problem haben.

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peterfreimann 02.12.2007, 11:47
468.

Zitat von discipulus
Unterschied Ingnorant und Experte? Keiner, der Experte darf zu Anne Will in 's Fernsehen. Bildung neu denken!
Naja, discipulus, dann wäre der Ignorant ja im Vorteil, weil er wenigstens nicht ins Fernsehen muss. Es gibt noch einen großen Unterschied: Ich kenne wirklich jede Menge "Ignoranten", die ganz offen und ehrlich sagen: "Von (Automechanik/ Differentialrechnung/ Agrarpolitik) verstehe ich nichts!"

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Andreas Heil 02.12.2007, 11:53
469.

Zitat von Populist
Roland Koch hat es gesagt, und jeder Lehrer kann es mehr oder weniger bestätigen. Wir haben einen sehr hohen Ausländeranteil...Nach meinen Erfahrungen in der Schule sind in der Regel nur ca 20% vonn ihnen lernfähig oder willens. Das liegt weniger an den Begabungen, sondern an der Tatsache, dass sie wissen: Ohne Arbeit kann man in Deutschland recht flott leben. ...
Dazu ist eine inhaltliche Stellungnahme eigentlich überflüssig.

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