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Vornamen-Diskriminierung: "Keiner will einen Ali im Team haben"
DPA

Zwei Bewerber mit gleichen Qualifikationen, aber unterschiedlichen Vornamen - wer wird eingeladen: Hakan oder Tim? Eine großangelegte Studie gibt eine erschreckende Antwort. Deutschland hat ein ernstes Diskriminierungsproblem.

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psychologiestudent 26.03.2014, 13:45
30.

Zitat von mattx1977
Eine kurze Info über Zitat Text "eine Diskriminierung deutet sich an... war statistisch nicht signifikant. " Ähem... wenn etwas statistisch nicht signifikant ist, dann deutet sich da auch nix an. Oder will haben die Studienleiter etwa Vorurteile oder eine bestimmte Erwartungshaltung gehabt? Dann wäre es auch keine ECHTE Studie gewesen sondern nur Firlefanz.
ich hab die Studie nicht vorliegen, aber ich nehme mal an, der Effekt in der Untergruppe (generell gibt es einen Effekt) war "marginal signifikant", d.h. sagen wir mal mit 92% Wahrscheinlichkeit ist die Nullhypothese, dass es keinen Unterschied gibt, abzulehnen. Da aber erst ab einer 95% Wahrscheinlichkeit ein Effekt signifikant ist, schreibt man eben marginal signifikant, d.h. ein Trend deutet sich an und man nimmt an, dass er vmtl. bei höheren Fallzahlen oder anderen Messmethoden auch völlig signifikant würde.

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koelnrio 26.03.2014, 13:45
31. Namensänderung

In den vergangenen Jahrhunderten habe ausgewanderte Deutsche ihre Namen gerne mal den sprachlichen Gegebenheiten vor Ort angepasst. Warum nicht auch hier?
Leider ist unser Namensrecht verknöchert bis zum Dorthinaus und es kostet alles Unsummen, um seinen Namen ändern zu lassen.
Habe selbst im Ausland gelebt und meinen Vornamen konnte man dort nicht behalten, also habe ich mir einen gesucht, der so ähnlich klingt. Ging auch.

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su27 26.03.2014, 13:46
32. Es stimmt

Die Ergebnisse der Studie können ich (deutsch) und meine Frau (russisch) voll bestätigen. Hierbei ist übrigens nicht die "offene" Ausländerfeindlichkeit das Problem. Die erkennt man wenigstens gleich. Das Problem sind die Leute, die sich selbst für ach so tolerant halten, aber es dann doch irgendwie "komisch" finden, wenn der ein oder andere Ausländer dann doch sein Leben bei bestimmten Dingen ganz anders gestaltet als der Durchschnittsdeutsche. Solche Leute erkennt man im allgemeinen am distanzierten Schweigen oder an Themenwechseln, wenn ein Ausländer über Dinge erzählt, die ihm aus seiner Heimat/Vergangenheit wichtig sind und dabei nicht ganz ins deutsche Schema passen.

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chb_74 26.03.2014, 13:47
33. Namen und Persönlichkeit

Zitat von psychologiestudent
Aber haben Sie irgendwelche Belege dafür, dass, sagen wir, ein Ali Yilmaz schlechter integriert ist als ein Nicolas Yilmaz? ... Horst Schimansky ist übrigens eine Fernsehfigur, daher kein besonders gutes Beispiel, und Nicolas ist ein Name, den es auch in Ungarn gibt, wo die Vorfahren von Sarkozy herkommen. Vom Namen auf Integration oder Persönlichkeit zu schliessen ist ziemlich schwach.
Genau das wird den Arbeitgebern jetzt aber nachgewiesen: vom Namen auf Charaktereigenschaften zu schließen. Ob Horst Schimanski nun eine Fernsehfigur ist, ist völlig egal, weil der Name eben ein prototypischer Ruhrgebietsname aus der "Arbeiterschicht" ist (und genau deswegen heisst die Filmfigur ja auch so!): Nachname Einwanderer, Vorname "urtypisch" deutsch. Deswegen der Hinweis auf die Familiennamen Libuda, Zibilski, Stroczyk, Frakowiak und wie die ganzen Wirtschafts- und Armuts-Immigranten des 19. Jahrhunderts noch so hießen, die zwischen Duisburg und Hamm Arbeit fanden und seßhaft geworden sind: die haben sich irgendwann den Repressionen bzw. Zurücksetzungen entzogen, indem sie ihre Kinder "deutsch" genannt haben, und daher wird es irgendwann auch den Martin Yilmaz geben, um den Nachteil der platten Vorbehalte etwas auszugleichen.

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heiko1977 26.03.2014, 13:50
34.

Zitat von uban1
wenn zwei personen, bis auf den vornamen, identische lebensläufe, ja wie soll dann unterschieden werden?
Wie wäre es beide einladen, kennenlernen und dann entscheiden wer am besten ins Team passt. Nur so ein Vorschlag.

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tellerrand 26.03.2014, 13:52
35.

Zitat von brux
Irgendwann geben Zuwanderer ihren Kindern Namen, die im Zuwanderungsland üblich sind: Reinhard Libuda, Nicolas Sarkozy, Horst Schimanski etc... Dann stellt sich das Problem gar nicht. Anders herum zeigt das Beharren auf der Kultur des Ursprunglands eine gewisse Trägheit bei der Integration. Und das ist in der Regel nicht hilfreich und wird von Arbeitgebern empirisch auch so erlebt.
Naja, auch sie können nichts für Ihren Namen, oder? Den haben schließlich Ihre Eltern für Sie gewählt.

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e-hugo 26.03.2014, 13:56
36. Mediziner?

Zitat von clive2182
Tuerken werden in Deutschland diskriminiert, das ist Realitaet. Auf der positiven Seite, es werden Tuerken oder "Deutschen with Migrationshintergrund" auch Moeglichkeiten in Deutschland geboten, die sie so nicht in ihren Heimatlaender haetten. Ich zum Beispiel konnte Medizin in Deutschland Medizin studieren, quasi umsont, bekam sogar ein Stipendium. Ich bin Deutscher with Migrationshintergrund und lebe in den USA seit langer Zeit. Ich fuehle mich mehr akzeptiert hier, werde fairer behandelt und fuehle mich rundherum wohler. Obwohl ich und meine Familie "perfekt" assimiliert waren, ist es nie genung fuer manche Deutsche und die deutsche Gesellschaft. Tuerken werden als minderwertig angesehen, traurig aber wahr. Die Vorurteile kommen durch. Falls jemand das Argument zitiert, dass die USA nicht besser ist, das is nicht korrekt. Vielen Amerikaners ist es ega woher ich kommen und ob mein Name Hakan oder Ali. Auch eine traurige Wahrheit ist, dass manche meiner Kommentare vom Spiegel nicht veroeffentlicht werden. Der Spiegel publiziert oft Artikel die auslaender-unfreundlich sind und im Grossen und Ganzen damit die deutsche Gesellschaft und ihre Abneigung zu Auslaendern widerspiegelt, im besonderen Tuerken. Hakan
Kein Wunder, das Sie sich für manche Deutsche nicht genug integriert waren.
Denn ihre Wahrnehmung ist etwas schief, wenn Sie sich selbst als perfekt integriert wahrnehmen, aber sogar nach einem Medizinstudium die deutsche Sprache nur mangelhaft beherrschen (einschließlich der Rechtschreibung, aber auch in der Anwendung, Beispiel "Amerikaners"). Schließlich gibt es an den Universitäten Sprachlernzentren in denen Studenten, für die Deutsch eine Fremdsprache ist, die Sprache lernen können.
Aber auch bei Ausbildungsstellen, Flüchtigkeits- und Rechtschreibfehler in einem so kurzen Text hätte ich nicht mal einem/einer Bewerber/in mit Volksschulabschluss durchgehen lassen. Da wäre mir der Vorname völlig egal.

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TOST 26.03.2014, 13:57
37.

Zitat von Tom Joad
Da kann man allen türkischen Mitbewohnern nur raten, ihren Kindern gute deutsche Namen wie Kevin oder Chantall zu geben. Nee, ich stelle mir das schon witzig vor, wenn ein Horst oder Robert zum Vorladungsgespräch gebeten wird und der dann gar nicht aussieht wie Horst oder Robert. Wäre doch mal ein Ansatz ...
Ich kann Ihnen das als "Urdeutscher", der nicht wie das blond-blauäugig-oben schlicht gestrickte Nazi-Ideal vom "Urdeutschen" aussieht sagen: In so einem Fall wird, z.B. Peter oder Klaus gefragt, ob er auch wirklich deutsch sei. Und der Verlauf des weiteren Gesprächs kann dann auch durchaus eisig sein. So ist das!

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ralphspricht 26.03.2014, 13:59
38. das klappt genau so, wie ..

Zitat von heiko1977
Wie wäre es beide einladen, kennenlernen und dann entscheiden wer am besten ins Team passt. Nur so ein Vorschlag.
... der eigentlich vernünftige Vorschlag (als solche werden Gesetze hier offenbar wahr genommen), dass langsamere Fahrzeuge auf der Autobahn rechts - und die schnellerfahrenden eben links fahren sollten ...

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peddersen 26.03.2014, 13:59
39.

Zitat von andre_jordan
also in meinem beruflichen Umfeld sind die Namen sehr schön bunt gemischt und das ist auch gut so. Und auch im privaten Leben trifft man beim Arzt, in der Werkstatt, beim Bäcker, Schlachter, Supermarkt sehr viele Einwanderer bzw. deren Nachkommen an, die dort arbeiten! Aber, das ist eben nur meine eigene Wahrnehmung!
Nöh. Das ist so. Und das ist auch gut so. Aufm Bau turnen alle Nationalitäten auf dem Gerüst rum, bei der Apothekerin steht irgendwas mit vielen Ü s auf dem Namenschild und an der Alldikasse sowieso. Mein Hautarzt hat einen (wohl?) iranischen Namen, und meine Nachbarn, die sich hier in der Straße gerade ein Haus sanieren, heißen auch nicht Hans oder Klaus. Sind aber Deutsche, leben schon in der 2.Generation hier und sprechen deutsch.

Was ich für das allerallerwichtigste Kriterium halte - und ich kann mir auch vorstellen, daß das bei Einstellungen auch ne kleine Rolle spielt - die Angst, mit jemand nicht adäquat kommunizieren zu können.

Scheint mir auch der Grund zu sein, weswegen man einen Tim lieber anruft, einem Ali eher ne Mail schickt.

Wobei ich das ausgerechnet mit Ali eher nicht verstehe - das ist doch mittlerweile ein Allerweltsname in der xten Generation.

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