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Vorwürfe gegen Althusmann: Kultusminister hat Doktorvater falsch zitiert

Falsche Seitenzahlen, unsaubere Zitate: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann hat in seiner umstrittenen Dissertation nach SPIEGEL-Informationen den eigenen Doktorvater falsch zitiert.

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sorata 09.07.2011, 15:53
50. Gleiches Recht

Zitat von friesenstolz
Zum Thema haben sich in den letzten Monaten Gott und die Welt geäußert. Eine Gruppe vermisse ich aber doch. Wann kommen denn all die Professoren aus ihrem Elfenbeinturm gekrochen, um endlich mal Stellung zu beziehen? Es scheint so, als fühle sich der Wissenschaftsbetrieb von all diesen Skandalen überhaupt nicht tangiert.
Um diesen ganzen Doktor Unsinn aus der Welt zu schaffen, sollten allen Neugeborenen, gleich nach der Geburt, der Doktor Titel verliehen werden. Nur damit schafft man den Doktorwahn hier ab.

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CobCom 09.07.2011, 15:58
51. ...

Zitat von rüdiger68
Es gibt auch rechtliche Unterschiede: Der Journalist nutzt das "Plagiat" wirtschaftlich aus; daher wird bei freiberuflicher Tätigkeit ein Betrug ggü. dem Auftraggeber vorliegen und ein Urheberrechtsverstoß. Also ist der Journalist strafbar, der Diss-Fälscher nicht! Nur so am Rande...Aber solche "Details" interessieren wahrscheinlich letztlich nicht.
Presseartikel sind hier nicht Thema.
Sie unterliegen aber nicht ansatzweise den gleichen Zitierregeln wie wissenschaftliche Arbeiten. Bei denen macht das Urheberrecht nur einen Bruchteil der ganzen Thematik aus.
Von einem Journalisten wird beispielsweise nicht unbedingt eigene geistige Leistung erwartet (umso besser, falls da trotzdem etwas kommt), bei einer Diss ist das Voraussetzung oder sollte es zumindest sein.

Soso, Diss-Fälscher nutzen ihre Arbeit also nicht wirtschaftlich aus?
Schonmal die entsprechenden Einstiegsgehälter gesehen?
Bei uns (Grossindustrie) kann der Dr. locker 1.500 EUR/Monat im Einstiegsgehalt ausmachen (allerdings der ing., nicht der jur., wobei man zugegebenermassen anmerken muss, dass man durch den früheren Einstieg ohne Doc einen Gutteil der Lücke auch durch Gehaltserhöhungen schliessen kann. Allerdings ist das kein Automatismus).

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Netcube 09.07.2011, 15:59
52. ...

Zitat von vox veritas
Ach herrje, haben unsere gutmeinenden Sucher wieder etwas gefunden. Ich warte immer noch darauf, daß außer CDU und FDP Politikern auch mal die Politiker anderer Parteien überprüft werden. Die Plagiatsgeschichte bekommt immer mehr ein 'Geschmäckle' - sprich den Anschein einer politischen Hetzkampagne. Also, ran an den Speck und nicht nur einseitig suchen.
Ich finde v.a. interessant, dass da bisher noch nichts aufgetaucht ist. Denn selbst wenn die Gutten/Vroni-Plag-Leute es ausschließlich auf CDU/CSU u. FDP abgesehen haben SOLLTEN (was ich so nicht glaube), haben die ja kein "copyright" auf das Prüfen von Dissertationen. Man darf annehmen, dass sich in den letzten Monaten so einige Dissertationen in unterschiedlichsten Kreisen vorgeknöpft wurden. Immerhin ist das ja offenbar ein gutes Mittel, um einen "Gegner" in Schwierigkeiten zu bringen. Umso interessanter also, dass bei den anderen Parteien bisher nichts auftauchte.

Mögliche Gründe:

1. Die haben weniger Doktoren
2. Unter denen sind weniger Plagiatoren
3. Die Plagiatoren-Jäger aus Kreisen von Union und FDP haben nicht mal das drauf. ;-))

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brain_in_a_tank 09.07.2011, 16:01
53. ...

Zitat von friesenstolz
Zum Thema haben sich in den letzten Monaten Gott und die Welt geäußert. Eine Gruppe vermisse ich aber doch. Wann kommen denn all die Professoren aus ihrem Elfenbeinturm gekrochen, um endlich mal Stellung zu beziehen? Es scheint so, als fühle sich der Wissenschaftsbetrieb von all diesen Skandalen überhaupt nicht tangiert.
Das tangiert Professoren auch nicht wirklich. Eine Aenderung des Systems wuerde fuer sie mehr Arbeit und Muehe bedeuten, und nur wenige Professoren sind noch wirklich ambitioniert und ueben ihre Taetigkeit gewissenhaft aus. Viele haben mit der Professur doch laengst das sichere Endziel ihrer Karriere erreicht, und wollen sich von solchen Banalitaeten nicht stoeren lassen.

Und nach diversen Betrugsskandalen in der deutschen Forschung sollte auch klar sein, dass jemand seine Professur nur schwer wieder verliert. Die sind noch besser abgesichert als Politiker, die trotz ihrer Vergehen nicht gefeuert werden und auf ihre ueppige Rente verzichten muessen.

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Seekatze 09.07.2011, 16:10
54. Nun wird es mir echt zu dumm...

Das folgende Zitat bringt es auf den Punkt:

Zitat von burningbridges
Die Hetzjagd auf Politiker mit Doktortitel ist mittlerweile nur noch daneben. Jetzt werden schon falsche Seitenzahlen hochgespielt. Über sowas regt sich nur jemand auf der noch nie wissenschaftliche Arbeit geschrieben hat. Denn bei hunderten Zitaten ist es völlig normal dass sich Fehler einschleichen. Promovierende sind auch nur Menschen.
Wie wahr! Hätte ich alle Dissertationen und sonstigen wisenschaftlichen Publikationen, in denen mir derartige Fehler aufgefallen sind, "gemeldet", oje... Eine Diss enthält normalerweise Hunderte Querverweise und Zitate und -zig Seiten Literaturhinweise; wo nimmt man da die Selbstgerechtigkeit her, vereinzelte Fehler so unerbittlich anzuprangern? Was den eigenen Doktorvater angeht: Dessen Werke zitiert man natürlich besonders gern (warum wohl?), und wenn der Betreffende ein umfangreiches Oeuvre hat, dann gibt's da Meyer 1998a, Meyer 1998b, Meyer 1998c usw., und wenn man da mal die falsche Quelle angibt und deswegen die Seitenzahl nicht stimmt, ist das bestimmt nicht Dummheit oder Beleg dafür, dass man's nicht gelesen hat, sondern sehr wahrscheinlich einfach ein Versehen - ein Tippfehler. Und da man beim späteren Korrekturlesen natürlich nicht sämtliche Quellen im Zugriff hat - die Bibliothek, die alle Werke enthält, auf die man sich bezieht, gibt es schlichtweg nicht -, läuft sowas dann mit durch. Der Doktorvater merkt das natürlich eher nicht, denn der wird seine eigenen Werke kaum unter "1998a" usw. im Kopf gespeichert haben und, wenn er seine Gedanken korrekt wiedergegeben findet, auch nicht jede selbst verfasste Seite nachschlagen. Also: Wenn das alles ist, was "man" gefunden hat... dann ist das nicht mehr als ein "Sturm im Wasserglas".

Kurz: Guttenplag fand ich gut, spannend und wichtig, aber inzwischen gehen mir diese selbstgerechten Eiferer, die jedes fehlende Komma zum Kriminalfall hochspielen, total auf die Nerven. Hoffentlich können die ihren eigenen Ansprüchen immer, überall, lebenslang gerecht werden. Vorstellen kann ich mir das allerdings nicht, weil: Dann wären es keine Menschen.

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spiegelleser987 09.07.2011, 16:11
55. 2

Zitat von Netcube
... Mögliche Gründe: 1. Die haben weniger Doktoren 2. Unter denen sind weniger Plagiatoren 3. Die Plagiatoren-Jäger aus Kreisen von Union und FDP haben nicht mal das drauf. ;-))
Zwei soll es wohl schon geben. Das Interesse wird vermutlich bei einem Regierungswechsel zunehmen, aber erst dann, wenn die erste - aus Sicht des (Wut-)bürgers -negative Entscheidung fällt.

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derlabbecker 09.07.2011, 16:11
56. das ist eher ein Skandal...

... der seinen Doktorvater betrifft, weniger Herrn Althusmann. Er hat halt falsch zitiert, aber sein Doktorvater hat die Arbeit anscheinend nicht gelesen, nicht verstanden oder schon nicht mehr gewusst was er mal gesagt hat. Sorry, aber wenn ich irgendwo ein Zitat von mir lese schaue ich mir das an dass es stimmt. Ich gehe mal davon aus dass der Doktorvater das Ding schlichtweg nicht gelesen hat.

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fintelwudelwix 09.07.2011, 16:15
57. McCarthy jagte politisch andersdenkende wie Verbrecher. aber hier werden Verbrecher g

Zitat von tola2000
McCarthy jagte politisch andersdenkende wie Verbrecher. aber hier werden Verbrecher gejagt, die sich den Dr. geklaut haben um leichter an ein besser dotiertes Amt zu kommen. Für mich war es seinerzeit die größte Ehre von meiner Professorin gefragt ob ich nach dem Examen nicht weitermachen wolle. Damals konnte ich nicht, keine Zeit, weil ich Frau und Kind hatte und arbeiten musste. Da hätte ich keine ordentliche Doktorarbeit fertiggebacht. Heute muss ich mich von Betrügern regieren lassen, die sich einfach mal eben eine Arbeit zusammenschwindeln (lassen), damit sie sich zur Eliteexcellenz zählen können und der Öffentlichkeit vorlügen, dass sich harte Arbeit wieder lohnen müsse. Wenn diese Elemente dann entdeckt werden jammern sie das Lied von Stress wegen der Mehrfachbelastung vor. Nein solch Leute zu jagen ist nicht verwerflich, das ist nicht anderes als eine längst überfällige Selbstreinigung. Dass sich unter diesen Verbrechern mehrheitlich Angehörige der Regierungsparteien befinden ist bezeichnend, man kann dies aber nicht den Jägern anlasten.
Die anders denken.
Ansonsten d'accord

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hazadeur 09.07.2011, 16:16
58. .

Zitat von sysop
Falsche Seitenzahlen, unsaubere Zitate: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann hat in seiner umstrittenen Dissertation nach SPIEGEL-Informationen den eigenen Doktorvater falsch zitiert.
Das kam mir auch schon Alles verdächtig vor! Wenn man sich mal Seite 326, die es gar nicht gibt, Absatz 5, Zeile 7, Wort 968, Buchstabe 17, Pixel 5/8 dann muss das Zitat doch falsch sein, oder?

Zitat von
So bezieht sich Althusmann auf die Seite 275 einer Veröffentlichung seines Doktorvaters - der entsprechende Band hat aber nur 186 Seiten. Der Verweis kann also nicht stimmen und ist überdies inhaltlich falsch: Der Gedanke, den Althusmann aufgreift, ist in dem genannten Beitrag nicht zu entdecken.
Wenn es Seite 275 gar nicht gibt, wie kann dann das Zitat inhaltlich falsch sein? O.k., korrekterweise hätte man von einer nichtexistierenden Seite höchstens Nichts zitieren können. Daher ist ein Zitat mit entsprechenden Bezug wohl auch inhaltlich falsch, aber ob das der Autor auch so gemeint hat?

Hat denn der Doktorvater die Doktorarbeit seines Doktorsohnes nicht gelesen? In den anderen Fällen hatten sich die Prüfer ja damit rausgeredet, dass sie ohne Computerunterstützung nicht so einfach Plagiate erkennen können, da sie ja nicht alle möglichen Quellen kennen können.
In diesem Fall aber handelt es sich um Zitate aus den Arbeiten des Doktorvaters. Wenn der seine eigenen Arbeiten nicht kennt, wer dann, sein Hiwi, der das Zeug für ihn zusammengechrieben hat?
Der Doktorvater sollte ja schon merken, wenn er inhaltlich falsch zitiert wird und dass eines seiner Werke plötzlich 30% länger ist als es ursprünglich mal war.

Das zeigt doch nur wieder was für eine Verar... diese ganze Doktorei ist. Da lügt und betrügt sich doch jeder was in die Tasche. Da werden die Titel vergeben wie die Orden in den letzten (2. Weltkriegs)Tagen. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

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wibo2 09.07.2011, 16:19
59. Wenn die NEOCONs und NEOLIBs als geistige Tiefflieger enttarnt werden, um so besser!

Zitat von Phi-Kappa
...............Das "Gschmäckle" kommt wo ganz anders her: Nämlich daher, dass offenbar ...............ein ...Teil der politischen "Elite" dieses....Landes nichts anderes sind ...............als billige Möchtegerns, die ihre mangelnde Geistesgröße durch Betrügereien ausgleichen müssen.....?
Wer die NEOs als Dünnbrettbohrer entlarvt tut Gottes Werk. Nur zu!

Die neoliberale Ideologie benötigt Marktschreier und Trommler und keine Geistesgrössen. Ich bin konservativ und habe in den SPON Foren immer wieder zu Guttenberg verteidigt. Weil ich vermutet habe, dass er kein Einzelfall ist. Das hat sich jetzt bestätigt, immer neue Plagiatsfälle werden bekannt. Ist das ein generelles Problem? Oder gibt es das nur bei Jung-Politikern, weil die sehr wenig Zeit haben?

Wer wörtlich abschreibt oder paraphrasiert in seiner Diss. ist einfach überfordert mit dem gestellten Thema. Es ist nicht genug Kompetenz, Kreativität oder Fleiß vorhanden. Es geht dem Polit-Promovenden nur um den Doktortitel. Dass der Doktortitel Vorraussetzung für politische Ämter sein soll halte ich für den eigentlichen Skandal.

Trotzdem vermisse ich zu Guttenberg in der Politik sehr. Seine Entschiedenheit und Klarheit war m.E. vorbildhaft. Seit er weg ist, häufen sich die Fehlleistungen der Regierung. Er war der Kompass, er kannte die Richtung. Er hätte mit den Dumm-Bankern abgerechnet!

Eine Aberkennung einer Promotion sollte ausserhalb des Wissenschaftsbetriebs keine Zerstörung der Karriere bedeuten, wenn für die Position ein Doktortitel nicht zwingend Vorraussetzung ist. Wir haben alle abgeschrieben, das ist nur schlimm, wenn wir dabei erwischt werden. Nicht jeder kann das Rad neu erfinden. In der intertextuellen Analyse steckt auch sehr viel wissenschaftliche Erkennnis.

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