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Vorwürfe gegen Althusmann: Kultusminister hat Doktorvater falsch zitiert

Falsche Seitenzahlen, unsaubere Zitate: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann hat in seiner umstrittenen Dissertation nach SPIEGEL-Informationen den eigenen Doktorvater falsch zitiert.

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momost 09.07.2011, 16:21
60. Titel

Zitat von fuzzi-vom-dienst
Also, irgendwie muss ich im Studium etwas falsch gemacht haben. Vielleicht war es schon der Hauptfehler, naturwissenschaftliche Fächer zu studieren, statt Schwafelgelaber wie Juristerei, Psychologie, Politik oder auch Medizin. Ich hatte genau einen Vertipper in meiner ersten Examensarbeit, es war für jeden ersichtlich, dass dies weder geschummelt noch sonst was war. Mein Professor hat mich freundlich, aber überdeutlich darauf hingewiesen, dass so etwas nicht vozukomen hat. Aber hier brabbeln Leute davon, dass sie allein 700 Fußnoten habe. Frage: Was ist dann eigentlich überhaupt noch die EIGENE Leistung im Examen gewesen???????????
Aber den Unterschied zwischen einer Examensarbeit und einer Dissertation kennen Sie? Denkt jetzt jeder, dass er wissenschaftliches Arbeiten beurteilen kann, obwohl er keinen blassen Schimmer davon hat?

Zum Thema: In den ganzen jetzt auftauchenden "Plagiaten" steckt überwiegend jahrelange Arbeit. Und ein Professor, der jede Fundstelle überprüfen sollte und insbesondere NICHT gekennzeichnete Stellen als Plagiat erkennen soll, müsste nochmal so viel Zeit aufwenden. Wie soll das denn gehen?

Konkretes Beispiel: Guttenberg übernimmt einen Teil eines Artikels der FAZ, ohne ihn zu kennzeichnen. Wie zum Teufel soll ein Professor das erkennen, wenn besagter Artikel zwei Jahre zurückliegt und er ihn womöglich nichtmal gelesen hat?

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husker 09.07.2011, 16:24
61. ...

Der Doktor als Titel vor dem Namen sollte einfach nicht mehr geführt werden dürfen. Adelstitel sollte man am besten ebenso entfernen.

Dann würden sich auch geltungssüchtige schwarzgelbe Politiker nicht mehr die Mühe machen, sich einen zu erschleichen, weil es auf dem Plakat so toll aussieht.

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Rainer Daeschler 09.07.2011, 16:32
62. Professoren

Zitat von titurel
Ob nun Promibonus oder grundsätzlich schlampig: wenn das so weitergeht mit dem Entlarven plagiierter Promotionen, sollte man eben auch mal den Professoren auf die Finger klopfen.
Der Fisch stinkt vom Kopf an, allerdings sind Professoren, die gerne auf ihre Unabhängigkeit pochen, keine Knechte, welche den Hof fegen. Man kann also durchaus erwarten, dass sie sich für so etwas nicht hergeben-

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turo 09.07.2011, 16:37
63. ohne Titel

Zitat von titurel
aber wann wird es eigentlich mal peinlich für die hochdotierten Doktorväter in Bayreuth, Bonn oder sonstwo? Mit welchem Recht halten die überhaupt noch Vorlesungen und Seminare?
Ich habe am 03.04.2o11 bei der StA Hof eine Strafanzeige gegen den Doktorvater des v. z. Guttenberg erstattet.
Mit Schreiben vom 04.04. teilte mir die StA Hof mit, dass sie unter dem AZ: 113 JS 2973/11 ein Strafverfahren gegen Herrn Peter Häberle u.a. wegen Verd. der mittelbaren Falschbeurkundung eingeleitet hätte.
Bis heute hat mir die StA Hof nicht mitgeteilt, dass Sie dieses Verfahren eingestellt hat.
Wenn ein Doktorvater eine Doktorarbeit mit "summa cum lauda bewertet und die Prüfungskommission dieses bestätigt, dann hat die Prüfungskommission handwerkliche Fehler gemacht und ist mitschuldig.
Die Prüfungskommission hat die Urkunde ausgestellt und nicht der Prüfling selbst.
Weil ich noch keine Antwort der StA Hof erhalten habe, gehe ich davon aus, dass das Verfahren gegen ihn noch nicht abgeschlossen ist.
Wenn man auf der einen Seite die wissenschaftliche Lehre "rein" halten will, muss man dafür sorgen, dass die Überprüfer der wissenschaftlichen Lehre auch "sauber" arbeiten.

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klemme1952 09.07.2011, 16:43
64. Plagiat, Betrug und neue Erkenntnisse

Es scheint eine neue Sportart zu geben: Die Überprüfung von Doktorarbeiten. Dabei zielt die Überprüfung nicht auf die Inhalte der Arbeit, sondern allein auf den handwerklich korrekten Umgang mit Texten. Das was mit der Arbeit von Althusmann gemacht wird, ist nichts anderes als das, was der Doktorvater hätte tun müssen. Nämlich prüfen, wie der Autor mit Texten und Quellen umgeht und ob bzw. wo die eigentlich neue Erkenntnis geschrieben steht.

Mag sein, dass A. eine dürftige Arbeit abgegeben hat, mag auch sein, dass er handwerkliche Fehler gemacht hat, aber wie es scheint, hat er bei allen fremden Gedanken wenigstens eine Quelle angegeben. Das wertet die wissenschaftliche Arbeit nicht auf, aber es ist weit weg von dem Betrug, den andere Promis mit ihren Arbeiten begangen haben. Und diese Unterscheidung darf nicht aufgegeben werden.

Bei A. liegt die Verantwortung bei den Gutachtern der Arbeit. Sie hätten die Quellen prüfen können und prüfen müssen, die A. angegeben hat. Insofern ist das jetzt vorgelegte Gutachten der ZEIT eher eine wissenschaftliche Bewertung, die aber zu spät kommt (die übrigens auch nichts dazu sagt, ob es irgendwo in der Arbeit nicht doch eine neue Erkenntnis gibt). Wenn auch solche Arbeiten wie die von A. als (betrügerisches) Plagiat qualifiziert und die Promotionsurkunden aus formalen Gründen im Nachhinein wieder eingesammelt werden, dann wäre das Willkür. Denn viele wissenschaftliche(?) Arbeiten enthalten handwerkliche Fehler, aber keine Erkenntnisse, die über das in den Quellen Gelesene hinausgehen, und haben trotzdem den vorgesehenen formalen Beurteilungs- und Bewertungsprozess erfolgreich durchlaufen. Soll jetzt der Wettlauf der Gutachter losgehen, wem man noch was am Zeuge flicken kann?

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Pat-Riot 09.07.2011, 16:47
66. Kauf mich!

Zitat von henrytheeighth
Wo findet sich eine fehlerfreie Doktorarbeit? Langsam wirds peinlich. Nicht für die Promovenden sondern für die Journalisten.
Kaufen Sie meine, in jeder besseren Buchhandlung. Auch bei Amazon. Wenn Sie einen Fehler finden, geben Sie ihn bitte bei mir ab. Finderlohn versprochen.

Die Promovenden mit Doktorgrad sind allerdings schon Promovierte.

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stevie76 09.07.2011, 16:54
67. ..

das hat ja fast was komisches, vielleicht hat der eine schreiben und der andere lesen lassen.
interessant ist auch, dass herr althusmann sich als kultusminister immer noch für tragbar hält.

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Pat-Riot 09.07.2011, 16:57
68. Irrtum

Zitat von rüdiger68
Es gibt auch rechtliche Unterschiede: Der Journalist nutzt das "Plagiat" wirtschaftlich aus; daher wird bei freiberuflicher Tätigkeit ein Betrug ggü. dem Auftraggeber vorliegen und ein Urheberrechtsverstoß. Also ist der Journalist strafbar, der Diss-Fälscher nicht! Nur so am Rande...Aber solche "Details" interessieren wahrscheinlich letztlich nicht.
Ein Plagiator macht sich auch in einer Dissertation wegen eines Verstoßes gegen das Urheberrecht strafbar.

Nur mal so am Rande: Ein wirtschaftlicher Vorteil ist ein Doktorgrad allemal. Übrigens müssen Doktorarbeiten - in der einen oder anderen Form - veröffentlicht werden. Klassisch ergibt das auch ein Buch (siehe Gutti), das im Handel verkauft wird. Auch hier eindeutig "wirtschaftlich" - selbst wenn's ein Ladenhüter bleibt.

Solche "Details" interessieren letztlich sogar sehr. Nur, dass Sie rechtliche Unterschiede machen wollen, wo keine sind. Oder einfacher gesagt: Textklauer sind Verbrecher.

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Pat-Riot 09.07.2011, 17:02
69. Warum?

Zitat von husker
Der Doktor als Titel vor dem Namen sollte einfach nicht mehr geführt werden dürfen. Adelstitel sollte man am besten ebenso entfernen. Dann würden sich auch geltungssüchtige schwarzgelbe Politiker nicht mehr die Mühe machen, sich einen zu erschleichen, weil es auf dem Plakat so toll aussieht.
Weil Sie keinen haben?
Oder weil sich unter tausenden Promovierten ein paar Verbrecher tummeln? Ist doch schön, dass diese nun fallen wie die Dominosteine. Danach ist die akademische Welt ein bisschen sauberer. Und irgendwann ist auch wieder Doktor drin, wo Doktor davorsteht.

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