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Vorwurf der Scheinselbstständigkeit: 400 Deutsch-Lehrer leiden unter Goethe-Chaos
DPA

Mitarbeiter berichten von "skandalösen Arbeitsbedingungen": Zwei Drittel der Sprachlehrer am Goethe-Institut sind seit Jahren prekär beschäftigt. Jetzt wurden die Verträge nicht verlängert.

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poster12345kommentar 07.02.2017, 09:58
1. Tja...

Sieht in anderen Bereichen genauso oder noch schlimmer aus.
Beispiel Hochschulen - es werden massenweise Post-Docs über befristete (1-3 Jahre jeweils) Drittmittelprojekte beschäftigt und dann zu Lehre und Ausbildung herangezogen weil die Unis zur Betreuung der studierenden ja keine/genug "festeStellen" haben.
Eigentlich müssten wir Post-Docs alle mal ein Jahr streiken - sollen sich die Studenten doch selbst betreuen - oh wait, das machen die ja größtenteils eh schon wegen des "Personalmangels".

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opag78 07.02.2017, 09:59
2. Zeitenwende

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.

Wir leben in Zeiten, in denen Google und andere Technologiekonzerne mit Hochdruck an Spracherkennung und vollautomatisierten Übersetzungsprogrammen arbeiten.
Inzwischen sind die englischen Übersetzungen von Google zu 97% grammatikalisch und orthographisch richtig.

Sobald die Software steht, ist die Entwicklung von Hardware nur noch ein Katzensprung.

Insofern ist der Beruf des Sprachlehrers, der wirklich nur Grammatik und Grundvokabeln vermittelt, ein aussterbender Beruf. Ähnlich wie früher Pferdekutscher oder Milchmänner.

Müssen wir jetzt jedem aussterbenden Beruf Tränen nachweinen?

Natürlich ist es für die Betroffenen nicht schön, dass sie ihren Nebenjob beim Goethe-Institut verlieren. Jedoch, es war von Anfang an offensichtlich, dass die dortige Tätigkeit nur ein Nebenjob war. Jeder der heute jammert, dass er jetzt mit nichts dasteht, hat den Schuss nicht gehört, bzw. nicht hören wollen.

Im Übrigen hat das Goethe-Institut im Vergleich zu anderen Firmen sehr gut für diese Nebentätigkeit gezahlt. D.h. die Beschäftigten hatten jahrelang Zeit sich etwas Besseres zu suchen, ohne dass bereits in der Mitte des Monats das Geld aus war.

Man kann es dem Goethe-Institut nicht vorwerfen, dass die Beschäftigten ihre Chancen nicht genutzt haben.

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poster12345kommentar 07.02.2017, 10:07
3. Ortografisch richtig - aber Sinnvoll...?

Zitat von opag78
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Wir leben in Zeiten, in denen Google und andere Technologiekonzerne mit Hochdruck an Spracherkennung und vollautomatisierten Übersetzungsprogrammen arbeiten. Inzwischen sind die englischen Übersetzungen von Google zu 97% grammatikalisch und orthographisch richtig. Sobald die Software steht, ist die Entwicklung von Hardware nur noch ein Katzensprung.
Vielen Dank für die ortografisch richtigen 97% an Google-Translate:
"Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
Wir leben in Zeiten, in denen Google und andere Technologie-Gruppen mit Hochdruck-Spracherkennung und vollautomatischen Übersetzungsprogrammen arbeiten.
Inzwischen sind die englischen Übersetzungen von Google 97% grammatisch und orthographisch korrekt.

Sobald die Software verfügbar ist, ist die Entwicklung von Hardware nur ein Katapult.

Insofern ist die Besetzung des Sprachlehrers, der eigentlich nur Grammatik und Grundvokabular unterrichtet, ein Sterbender. Ähnlich wie ehemalige Pferdekutschen oder Milchmänner."

Original => übersetzt nach Englisch => rückübersetzt nach Deutsch

Deswegen braucht man Leute die Sprachen auch sprechen können ansonsten versteht man oft nur Bahnhof.

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Harry1 07.02.2017, 10:09
4. Gesetze gibt es ausreichend, es wird nur nichts gemacht

1. Feststellung der Scheinselbständigkeit durch RV
2. Nachzahlungen der Beiträge durch den Beitragshinterzieher = Arbeitgeber
3. Als Strafzahlung muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmeranteil auch übernehmen
4. Scheinselbständige Beschäftigung wird rückwirkend in ein Arbeitsverhältnis - natürlich unbefristet - umgewandelt
5. Nachzahlung des Arbeitgeberanteiles der Krankenversicherung
6. Auf höchster Ebene bekommt einer das Thema Sozialversicherungsbetrug persönlich um die Ohren gehauen. Höhere Ebene heist "glaubt sich göttergleich & unantastbar"
Das wären meine Anforderungen an einen Rechtsstaat

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pratter 07.02.2017, 10:11
5. @ 1

So kann nur ein festangestellter , gutversorgter Staatsbediensteter oder sonstwie von Steuergeldern Lebender schwafeln.

Fakt ist:
Auch dieses, mir bisher nicht bekannte Beispiel zeigt, dass der Staat bzw. öffentliche Dienst der schlechteste aller Auftraggeber ist und ständig massiv gegen Dinge verstößt bzw. praktiziert, die er von anderen Arbeitgebern fordert, diese damit traktiert.

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csspuhr 07.02.2017, 10:17
6.

Der letzte Satz bringt die Sache auf den Punkt. Aus persönlicher Erfahung weiß ich, daß es in anderen Sprachlehrinstitutionen genauso aussieht. F&U, Berlitz, etc. die einzigen die dort mit Verträgen beschäftigt sind (wenn auch immer nur ein Jahresverstäge) sind die Sekretärinnen.
Das größte Problem bei der ganzen Scheinselbständigkeit und der Prekarisierung all dieser Arbeitsplätze ist aber doch: wenn beim GI 400 Lehrkräfte, bei F&U 800, bei Berlitz 400, bei den VHS 200 die ganzen Sozialabgaben nicht leisten (die sowohl sie als auch die Arbeitgeber eigentlich zahlen müssten), dann ist das genau das Geld was später bei den Rentenkassen fehlt. Weswegen danach einige in Altersarmut reinrutschen und Politiker fordern, daß die Rente auf 70 angehoben wird.
Wie schon der erste Kommentator bestätigt sieht die Sache im öffentlichen Dienst, den Universitäten, den Institutionen und Stiftungen nicht anders aus. Alle Stellen (speziell für Jungakademiker) sind präker, Sozialabgaben werden nicht geleistet, absolute Flexibilität ist Muss. Da kommt in 40 Jahren eine Lawine von Rentnern ohne Rentenabgaben dem Staat entgegen, die noch gar nicht abgeschätzt werden kann.

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Lion 07.02.2017, 10:21
7. Prekäre Situation von 90 Prozent der Deutschlehrer an Sprachschulen

Schön, dass es endlich den dringend benötigten Beitrag zu diesem Thema gibt, denn es betrifft tausende Lehrer für Deutsch als Fremdsprachen in Deutschland und nicht nur beim Goethe-Institut sondern an allen Sprachschulen. Dort arbeiten rund 90 Prozent der Sprachlehrer mit Honorarverträgen, bezahlen die gesamten Kranken- und Versicherungsbeiträge selbst. Das sind rund 800 Euro monatlich für die Kranken -und Rentenkassen. Sie sind aber bei Weitem nicht Arbeitslosenversichert, haben keinen Anspruch auf bezahlten Urlaub oder Bezahlung im Krankheitsfall. Das sieht man langjährigen Honorarkräften von Sprachschulen dann auch an. Sind sie krank oder brechen sich das Bein bleiben sie für die Zeit des Unterrichtsausfalls ohne Einkommen.
Obwohl sie einen enorm wichtigen Beitrag für die Integration von Fremden in diesem Land leisten, leben sie aber selbst zeitlebens in prekären Verhältnissen. Für sie gibt es kein Netz mit doppeltem Boden aber sie sollen Migranten beibringen, wie solidarisch doch unser Sozialsystem ist. Das ist so zynisch. Und die Gewerkschaften können diese Lehrer nicht aktivieren, weil die traditionellen Mittel des Arbeitskampfes nicht fruchten: streikst du, bekommst du keine Aufträge mehr von der Schule. Die Schulen haben sich ja sogar über die dringend benötigte Aufstockung des Gehalts für Integrationslehrer, die letztes Jahr vom BamF verlangt wurde, sehr aufgeregt. Zu mehr Festanstellungen hat auch das nicht geführt.

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Ährengast 07.02.2017, 10:23
8.

Das passt ja mal ganz super zu Julia Klöckners Einwurf, von wegen Deutschland schlecht reden und so. Da müsste es ja jetzt heißen "Deutschlehrer reden Deutschland schlecht". Oder vielleicht "Rentenversicherungsanstalt betreibt Stimmungsmache", weil sie institutionalisierte Scheinselbständigkeit durch das Goethe-Institut wittert.

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leser008 07.02.2017, 10:23
9. Scheinselbstständigkeit

Wenn die ansonsten recht phlegmatische Rentenversicherung dort so beherzt auftritt, läuft es doch wahrscheinlich auf Scheinselbstständigkeit raus. Zumal wenn die Lehrer einzig dort gearbeitet haben. Also sollten die Betroffenen wegen Fristablauf mal schleunigst zum Anwalt und das Goethe Institut auf Feststellung der Arbeitnehmereigenschaft verklagen. Dann muss Rente, Arbeitslosenversicherung und ggf. auch die halbe Krankenversicherung nachbezahlt werden. Und einen anderen Deutschlehrerjob bekommt man heute überall.

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