Forum: Leben und Lernen
Vorwurf der Scheinselbstständigkeit: 400 Deutsch-Lehrer leiden unter Goethe-Chaos
DPA

Mitarbeiter berichten von "skandalösen Arbeitsbedingungen": Zwei Drittel der Sprachlehrer am Goethe-Institut sind seit Jahren prekär beschäftigt. Jetzt wurden die Verträge nicht verlängert.

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muunoy 07.02.2017, 13:08
60. Bitte nennen Sie Beispiele aus der Markt- und nicht der Planwirtschaft

Zitat von Lion
Es gibt zu wenige Alten- und Krankenpfleger in diesem Land und die werden bescheiden bezahlt. Es gibt zu wenige Grundschullehrer in Hessen und sie bekommen immer noch weniger Lohn als Gymnasiallehrer.... Ich könnte unzählige anderer Beispiele nennen, die diesen sehr veraltetet Satz aus der "Marktwirtschaft für Anfänger" widerlegen.
Der Satz ist nicht veraltet, sondern bezieht sich auf die Marktwirtschaft. Ihre Beispiele beziehen sich jedoch alle auf die Planwirtschaft des Staates. Ich kenne auch Freiberufler in der Alten- und Krankenpflege mit einem durchaus sehr gutem Einkommen. Das war der Nahles selbstverständlich ein Dorn im Auge, weshalb die DRV auf gut-verdienende Freiberufler angesetzt wurde.
Ich selbst bin übrigens Freiberufler im IT-Bereich und kann definitiv nicht klagen. Aber der ÖD oder Unternehmen, die mehrheitlich in staatlicher Hand sind, stehen bei mir wegen Preisdumpings auf der schwarzen Liste. Die Vergütungspraxis im ÖD oder gar im Beamtensystem ist definitiv nicht marktwirtschaftlich und meistens auch nicht rational nachvollziehbar. Das ist richtig. Und Lieferant für den öffentlichen Sektor zu sein, ist auch kein Spaß. Daher der Tipp an jeden, der sich selbständig machen möchte: Ein Geschäftsmodell kann nur funktionieren, wenn die Möglichkeit besteht, mehrere Kunden in der Privatwirtschaft zu gewinnen. Ist diese Bedingung nicht gegeben, sollte man es lassen, weil man sonst erpressbar und ein Opfer des staatlichen Preisdumpings wird.

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tomrobert 07.02.2017, 13:11
61. Ein Trump muss her!

Was sonst? Das ist neoliberale Politik. Und die dafür verantwortlich sind, get fired!
Raus mit den Verantwortlichen,radikal.

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mac4me 07.02.2017, 13:12
62. Als die erste Meldung darüber bei SPON kam...

...habe ich genau das vorausgesagt.

Die Geldtöpfe sind gedeckelt, wenn man also die Institute dazu zwingen will, Sozialabgaben abzugeben, sparen die als erstes bei den Honorarkräften.

Man kann sie aber nicht zwingen. Was sie tun: das Angebot einschränken beziehungsweise Honorarkräfte engagieren, die nicht als Scheinselbstständige gelten, die also bessergestellt sind. Diese genannten Scheinselbstständigen sind diejenigen Prekären, denen es am schlechtesten geht.

Eingeführt hat dieses unsinnige und unsoziale Scheinselbstständigengesetz Frau Nahles, unbeleckt von jeglicher Realitätsnähe. Danke SPD. Frau Nahles war offenbar völlig egal, was das in der Praxis bedeutet. Ihr ging es offenbar nur darum, die Staatseinnahmen zu erhöhen. Naiv nahm man an, dass man die Institutionen per Orde de Mufti einfach dazu verdonnern könne. Vor den katastrophalen Nebenwirkungen für die Beschäftigten Hartmann, und ich meine absichtsvoll, die Augen verschlossen.

Dass ein Gesetz vor allem vom Ende her gedacht werden muss, d.h., wie die jenigen, die dafür zahlen sollen, es umgehen können, das scheint in der Politik noch nicht angekommen zu sein. Solcherlei Gesetze treffen immer nur die Schwächsten.

Ich kenne die Verhältnisse an den deutschen Volkshochschulen. Die sind nicht anders. Das Scheinselbstständigengesetz hängt immer noch wie ein Damoklesschwert über allen prekär Beschäftigten. Und am schlimmsten sind die Honorarkräfte dran, die immer nur einen Vertrag für den jeweils nächsten Lehrgang bekommen. Die können sogar von Zeitverträgen nur träumen.

Die werden dann von den Volkshochschulen sogar genötigt, auch noch die gesetlich vorgeschriebene sog. Übungsleiterpauschale abzutreten. Selbstverständlich vollkommen freiwillig.

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jmat17 07.02.2017, 13:14
63. Satire im Forum

Zitat von opag78
Inzwischen sind die englischen Übersetzungen von Google zu 97% grammatikalisch und orthographisch richtig.
Häh? Wo ist das denn her? Von der Werbeabteilung von Google oder ist das eine dieser neumodischen "Fake News"

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karin_mainz 07.02.2017, 13:18
64.

Zitat von Lion
Es gibt zu wenige Alten- und Krankenpfleger in diesem Land und die werden bescheiden bezahlt. Es gibt zu wenige Grundschullehrer in Hessen und sie bekommen immer noch weniger Lohn als Gymnasiallehrer.... Ich könnte unzählige anderer Beispiele nennen, die diesen sehr veraltetet Satz aus der "Marktwirtschaft für Anfänger" widerlegen.
/einmisch
Sicher?
Das Angebot scheint immer noch groß genug zu sein, denn die Schule und auch die Pflege "funktioniert" noch.

Auch sehe ich keine Angehörigen von Pflegebedürtigen und auch keine Eltern von schulpflichtigen Kindern auf der Straße um gegen etwaige Mißstände zu demonstrieren.
Insofern scheint die "Schmerzgrenze" noch nicht erreicht zu sein.

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mac4me 07.02.2017, 13:22
65. Das ist an Zynismus nicht zu überbieten.

Zitat von opag78
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Wir leben in Zeiten, in denen Google und andere Technologiekonzerne mit Hochdruck an Spracherkennung und vollautomatisierten Übersetzungsprogrammen arbeiten. Inzwischen sind die englischen Übersetzungen von Google zu 97% grammatikalisch und orthographisch richtig. Sobald die Software steht, ist die Entwicklung von Hardware nur noch ein Katzensprung. Insofern ist der Beruf des Sprachlehrers, der wirklich nur Grammatik und Grundvokabeln vermittelt, ein aussterbender Beruf. Ähnlich wie früher Pferdekutscher oder Milchmänner. Müssen wir jetzt jedem aussterbenden Beruf Tränen nachweinen? Natürlich ist es für die Betroffenen nicht schön, dass sie ihren Nebenjob beim Goethe-Institut verlieren. Jedoch, es war von Anfang an offensichtlich, dass die dortige Tätigkeit nur ein Nebenjob war. Jeder der heute jammert, dass er jetzt mit nichts dasteht, hat den Schuss nicht gehört, bzw. nicht hören wollen. Im Übrigen hat das Goethe-Institut im Vergleich zu anderen Firmen sehr gut für diese Nebentätigkeit gezahlt. D.h. die Beschäftigten hatten jahrelang Zeit sich etwas Besseres zu suchen, ohne dass bereits in der Mitte des Monats das Geld aus war. Man kann es dem Goethe-Institut nicht vorwerfen, dass die Beschäftigten ihre Chancen nicht genutzt haben.
Die schöne neue Zukunft sind dann Ihrer Meinung nach offenbar reinarabischsprachige Flüchtlinge, die mit dem Smartphone-Übersetzer in der Hand versuchen, mit Behörden zu verhandeln?

Sprachlehrer sind ja überflüssig.

Und wieso reden Sie von Nebenjob? Fragen Sie mal die Millionen im Alter um die 40 im Osten nach der Wende, die plötzlich, wenn überhaupt, nur noch Honorartätigkeiten hatten. Von Nebenjob kann da keine Rede sein, gerade für die Scheinselbstständigen ist das der Hauptjob!

Denn diejenigen, die zu Wendezeiten 40 waren, hatten größtenteils kaum noch einer Aussicht auf *irgendeinen* regulären Job, geschweige denn auf einen angemessenen. Besonders dann, wenn sie zur so genannten Intelligenz gehörten, also qualifizierte Techniker und Ingenieure waren. Ihnen fehlte aber das Spezialwissen aus westlichen Firmen, weshalb sie dort nicht eingestellt wurden. Aber intelligente Leute, die sich sprachlich ausdrücken können und Wissen vermitteln können, haben eben als Sprachlehrer und auch als sonstige Lehrkräfte arbeiten können.

Die haben ihre Chancen genutzt, es waren nur sehr wenige.

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muunoy 07.02.2017, 13:32
66. Auch kein eindeutiges Kriterium

Zitat von tfab
Falsch! Die tatsächliche Eingliederung in die Arbeitsstrukturen ist entscheidend. Kann man aber auch alles nachlesen. Ich weiss ja nicht, in welchem Bereich sie "Selbständiger" sind, aber Aufträge ablehen, können leider nur noch die wenigsten Freiberufler. Die Konkurrenz sitzt ja nicht nur direkt vor der Haustüre, sondern auch in China, Indien und wat weiss ich noch wo überall... Hier sieht man ja auch noch mal sehr schön, wie die Politik sich mit dem Thema auseinandersetzt: http://www.sueddeutsche.de/politik/verdacht-auf-scheinselbstaendigkeit-bundestag-soll-millionen-euro-nachzahlen-1.2160939
Auch ich werde in die Arbeitsstrukturen meiner Auftraggeber eingebunden, was alleine aus Sicherheitsgründen häufig gar nicht anders geht. Ich bin meistens nicht weisungsgebunden, sondern gebe eher Weisungen, da ich häufig als Projektleiter o. Interims-Manager engagiert werde. Und ja, ich arbeite meistens mit heterogenen Teams. Die Konkurrenz aus dem Ausland ist daher groß und selbstverständlich viel billiger, da kaum einer so extrem besteuert wird wie ich in Deutschland. Selbst meine ausländischen Kollegen auf Projekten in Deutschland lassen ihre Einnahmen normalerweise über Zypern, Jersey, Sofia oder die Schweiz laufen, wodurch ich automatisch im Nachteil bin. Den Wettbewerbsnachteil, in Deutschland steuerpflichtig zu sein, muss ich halt anderweitig kompensieren. Und ja, auch ich hatte in 2009 eine absolute Flaute. Aber noch einmal: Man darf nie auf das Preis-Dumping eingehen. Da kommt man nicht mehr raus. Daher muss man als Selbständiger immer ordentlich Rücklagen haben. Die braucht man ja sowieso, um gegen Überraschungen des Finanzamtes gewappnet zu sein. Aber eben auch, um Durststrecken überstehen zu können, ohne sich auf Preis-Dumping einlassen zu müssen.
Ihren Link werde ich gleich mal folgen. Aber dass der Staat der größte Arbeitgeber von wirklichen Scheinselbständigen ist, ist nun wirklich nicht neu. Auch sind staatliche Institutionen und Unternehmen im Staatsbesitz normalerweise keine Kunden, um die man sich reißen sollte. Auch im IT-Bereich ist der Staat als Preisdumper verschrien.

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blogreiter 07.02.2017, 13:54
67. Blanke Theorie

Zitat von muunoy
... Aber das Wording hier im Artikel stört mich. Die Lehrer sind jetzt nicht arbeitslos, sondern nur ohne Auftrag. Wie jeder andere Selbständige müssen sie sich nun einen oder besser mehrere Auftraggeber suchen. Und hoffentlich haben sie daraus gelernt und verkaufen sich nicht mehr zu Dumping-Preisen. Für einen Stundensatz von 37,-EUR bekommt man einen IT-Experten noch nicht mal ans Telefon. Für mich sind Leute, die solche Honorarverträge unterschreiben lediglich Preis-Dumper und ein Ärgernis für alle wirklich Selbständigen. Wirkliche Selbständige haben auch kein Interesse an einer Festanstellung, auch wenn meine Kunden mich häufiger mal fragen. P. S.: Der ÖD und Unternehmen, die mehrheitlich im Staatsbesitz sind, stehen bei mir auf der schwarzen Liste. Grund: Preis-Dumping.
Sie gehen von falschen Voraussetzungen aus. Die BAMF ist zur Zeit einer der größten Projektverteiler. Die von den Bildungsträgern anzubietenden Maßnahmen, in die dann die Deutsch-Lehrer integriert sind, müssen der BAMF zu Kostensätzen von 3,9 EUR per Teilnehmerstunde angeboten werden. Bei Mindest=optimaler Zahl der Teilnehmer ergeben sich 46,8 EUR per Lehrgangsstunde, daraus ist aber auch alles abzudecken: Lehrkräfte, Räumlichkeiten, Administration. Und die Lehrkraft sollte mind. 35 EUR pro Unterrichtsstunde bekommen, dann kommt man durch das Zulassungsverfahren. Wer glaubt denn, dass die Träger dann auch nur einen Pfennig mehr bezahlen, wenn noch etwas übrig bleiben soll.
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Ansonsten sind öffentliche Auftraggeber für Selbständige wirklich bedenklich. Es wird sogar ständig versucht, Honorarordnungen zu unterlaufen, die extra gegen diese Praxis geschaffen wurden.

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anark 07.02.2017, 14:10
68. Augiasstall

Da bin ich mächtig gespannt, wie St. Martin und seine Spezialdemokraten den Augiasstall ausmisten wollen, den
Steinmeier, Schröder und Konsorten hinterlassen haben. Schön für ein Land, wenn Foristen wie opag78 immer wieder mal zeigen, wie klein Fritzchen sich die Welt vorstellt. Mit seinen Kenntnissen bzgl. Sprachschulung und Übersetzerarbeit ist es jedenfalls nicht allzu weit her. Aber die Blinden plaudern in diesem Land sehr gern über Farben.

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hagenlaw 07.02.2017, 14:14
69.

Sollte es sich bei den Beschäftigungsverhältnissen um Scheinselbstänigkeiten gehandelt haben und Sozialversicherungsbeiträge nicht angeführt worden sei, ist das sicherlich skandalös. Der Ehrlichkeit halber muss man sich aber auch fragen, was denn die Alternative gewesen wäre. Ein Großteil der Leher wäre dann sicherlich überhaupt nicht beschäftigt worden, weil der fianzielle Rahmen des Goetheinstituts das nicht zugelassen hätte. Einige Wenige wären dann also sozial abgesichert gewesen. Der Rest hätte, wie jetzt die freigesetzten Lehrkräfte, Hartz IV bis zum Abwinken bezogen. Auch wenn der Bedarf für Deutschleher noch so groß ist, werden die Kommunen oder die Länder, die schließlich im Rahmen der Integration von Migranten dafür aufzukommen haben, nicht dazu bereit sein, beliebig hohe Preise für entsprechende Kurse zu zahlen. Alles in Allem war die bisherige Siutation also für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation: Der Staat erhielt günstige Sprachkurse für seine Migranten, das Goetheinstitut konnte viele Kurse anbieten und viele Lehrer beschäftigen, die, mit einem vertretbaren Enkommen entlohnt, zufrieden waren, nicht arbeitslos zu sein. Wie immer also ein Geschäft zu Lasten der Zukunft in der die dann alten Leher auf Grundsicherung angewiesen sein werden und der Staat mehr Geld für Sozialleistungen aufbringen muss. Aber dann sind die Verantwortlichen, insbesondere Politiker, die dies zu verantworten haben, alle nicht mehr im Amt, sondern mit ihren guten Pensionen wohl versorgt.

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