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Vorwurf der Untreue: Lehrer "leiht" sich fast 100.000 Euro aus Schulkassen
DPA

Das Geld war für Klassenfahrten gedacht: Ein Lehrer aus Unterfranken soll in drei Jahren fast 100.000 Euro aus Schulkassen zeitweise auf seinem eigenen Konto gebunkert haben. Jetzt droht ihm ein Prozess.

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Scriptmaster 27.06.2016, 16:31
10. Wer lesen UND rechnen kann ist klar im Vorteil

Nehmen wir an, es geht um eine Schulfahrt im Wert von sagen wir 300 Euro pro Schüler. Bei einer Jahrgangsstufe von 90 Personen macht das 27.000 Euro pro Fahrt.
Sagen wir mal, es fahren die Jgst. 7, 10 und 13 auf Ski-, Klassen- bzw. Abschlussfahrt, macht das 81.000 Euro auf dem Schulkonto. Im beschriebenen zeitraum lagerten also über 320.000 Euro (nicht auf einmal) auf dem Konto. Er hat 15 Überweisungen getätigt, also immer mal so ungefähr 7000 Euro. So kommt man dann in 4 Jahren auf 100.000 Euro.
Die Veruntreuung liegt darin, dass er das Geld dem Zugriff der Schule entzogen und seinem exklusiven Zugriff zugeführt hat. Man stelle sich vor, er wäre gestorben, dann hätte die Klassenfahrt womöglich nicht bezahlt werden können, weil bei den Erben erst eine Rückzahlung eingeklagt werden muss. Das dauert. Die Erben könnten das Geld ausgeben und nicht zurückzahlen können. ein solches Verhalten heißt untreue.

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jorgos 27.06.2016, 16:42
11. Treuhänderisch, schon klar.

Zitat von PaulMeister
So weit man es dem Artikel entnehmen kann, mangelt es für die Erfüllung des Untreuetatbestandes schon am Vermögensschaden!? Zumindest klingt es ja so also ob er jederzeit die Summe hätte wieder ausgleichen ......
Ich stelle mir gerade vor, einer meiner Mitarbeiter überweist sich Geld von unserem Firmenkonto. Um es treuhänderisch zwischenzulagern. Völlig normal, oder? Der Mensch wäre nicht nur seinen Job los, sondern hätte in saftiges Verfahren am Hals!

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Vinetus 27.06.2016, 16:51
12. Chaos-Organisation

An vielen (großen) Schulen in NRW ist es langjährige unzumutbare Unsitte, dass die Lehrer das Geld der Schüler für Ausflüge/Klassenfahrten persönlich bar einsammeln oder es sich auf ihr Privatkonto überweisen lassen müssen. Ein spezielles Schulkonto dafür gibt es nicht. Verwaltungsrechtlich sind das eindeutig "schwarze Kassen" !! der Lehrer haftet zudem noch persönlich dafür, dass ihm bei Barzahlungen kein Falschgeld untergeschoben wird !
Zudem kommt es vor, dass er die für ihn selbst nicht unbeträchtlichen Beträge in der Aktentasche tagsüber mit sich herumschleppt, weil die Verwahrung dieser Tageseinnahmen (zählen, kontrollieren) dem personell völlig unterbesetzten Schulsekretariat nicht zumutbar ist. Diebstähle aus den Taschen der Lehrer seitens der Schüler sind zudem ein weiteres Risikothema.
Beschwerden seitens der Lehrer bei den Bezirksre- gierungen gegen diese unhaltbaren Zustände verliefen im Sande, die Konteneinrichtung und -verwaltung obliegt allein dem örtlichen Schulträger. Die örtlichen Schulträger fühlen sich bei dieser Aufgabe aber überfordert !!

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Stefan Hartmann 27.06.2016, 17:02
13. Sorgen des Lehrers

Die einzigste Sorge scheint wohl der Verlust der Beamtenrechte zu sein, die, so wird uns immer suggeriert, kaum ein "mehr" gegenüber dem normalen Rentner zu sein scheinen. Ich denke der Richter wir ddas schon so hindrehen, dass der gute Mann nicht rückwirkend mit A2 gesetzlich versichert wird, wie es üblich wäre.

Ich kenne einen Fall, da würde eine Postbotin aus dem Beamtendienst entlassen, weil sie ein Handy aus der Post entwendet hatte. Mal schauen wie hier geurteilt wird.

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thseeling 27.06.2016, 17:13
14. klassenkasse

Das grundsätzliche Problem ist hier, dass eine Amtsperson eine Klassenkasse für Fahrten der Klasse führt. Diese Konstruktion wird in vielen Bundesländern verwendet, weil nach dem jeweiligen Schulgesetz der Elternbeirat keine juristische Person ist (die Schule selbst übrigens auch nicht) und deshalb kein Konto führen darf.
Ansonsten wäre das einfach: der Elternbeirat verwaltet das Geld pro Klasse und stellt es erst zur Fälligkeit zur Verfügung oder bezahlt die Rechnungen der Reiseunternehmen/Jugendherbergen ohne Beteiligung der Schule.

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Goimgar 27.06.2016, 17:24
15.

Zitat von fatherted98
....welche Schule...(auch mit vielen Klassen) hat denn 100.000 Euro in den Klassenkassen? Also bei uns waren das (noch in DM) höchstens mal 50,--...die ganze Schule zusammen wäre nicht über 10.000 Mark gekommen....heutzutage muss es den Schülern ja ganz schön gut gehen.
hm mal Rechnen: "Was kostet die Durchschnittliche Klassenreise?" Hm so eine Abschlussfahrt in der 10 oder 12 nach Rom oder so kostet wohl schon gerne mal 500€. "Wie viel Schüler hat eine Klasse heute?" Also zumindest vor 10 Jahren waren wir ich glaube 28-32 Schüler in der Klasse. Die Reisen werden natürlich im Vorraus gezahlt. Multiplizieren wir mal 30 mit 500 kommen wir für die Klassenreise einer Klasse bei 15.000€. Über 3 Jahre 100.000€ zusammen zu leihen ist da natürlich nicht ganz unsportlich. Ich denke mal da werden durch aus die Gelder mehrerer Klassenfahrten und Schulausflüge zusammen noch knapp werden aber unmöglich scheint mir das nicht. (Wie groß sind Klassen heutzutage? Wie sieht das in der Oberstufe aus, macht evtl einer die Kasse wenn oft alle Klassen des Abijahrgangs zusammen ihre Abschlussreise nach Prag oder so machen?)

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vonlipwig 27.06.2016, 17:39
16.

Zitat von Stefan Hartmann
Die einzigste Sorge scheint wohl der Verlust der Beamtenrechte zu sein, die, so wird uns immer suggeriert, kaum ein "mehr" gegenüber dem normalen Rentner zu sein scheinen. Ich denke der Richter wir ddas schon so hindrehen, dass der gute Mann nicht rückwirkend mit A2 gesetzlich versichert wird, wie es üblich wäre. ...
Wenn der Betreffende aus dem Beamtenverhältnis entlassen wird, verliert er sämtliche Pensionsansprüche. Er wird nicht "rückwirkend gesetzlich versichert", fällt also direkt auf Hartz IV.

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territrades 27.06.2016, 17:48
17. Besonders schwerer Fall?

Natürlich ist das Verhalten strafbar und es muss ermittelt werden, aber warum soll der Fall besonders schwer sein? Immerhin ist das ganze Geld noch da und es ist effektiv kein Schaden entstanden.

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itolduso 27.06.2016, 17:51
18. Schulen haben oft gar kein Klassenfahrten-Konto

So viel ich weiß, verfügen die einzelnen Schulen in Rheinland-Pfalz zum Beispiel über gar kein Konto, auf das für Klassenfahrten eingezahlt werden kann. Der Lehrer MUSS also entweder ein Konto eröffnen und später wieder schließen oder er verwendet sein eigenes. Da können kurzfristig tatsächlich auch mal 15.000 Euro anfallen. Da der Fahrtenbeitrag meist in Raten überwiesen wird, die Schüler anders heißen als die Eltern, viele Eltern säumig sind und man am Ende beim Reiseveranstalter in Vorleistung treten muss, ist das ein riesiger Verwaltungs- und Zeitaufwand, natürlich alles neben dem Unterricht. Wenn ich jetzt auch noch deswegen verurteilt würde, würde ich den Job quittieren!!!!!

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jorgos 27.06.2016, 17:58
19. So einfach ist das nicht!

Zitat von territrades
Natürlich ist das Verhalten strafbar und es muss ermittelt werden, aber warum soll der Fall besonders schwer sein? Immerhin ist das ganze Geld noch da und es ist effektiv kein Schaden entstanden.
Hier wurde eine Vertrauensstellung missbraucht. In jedem Unternehmen hätte der Gute sofort den Job verloren und wäre strafrechtlich angezeigt worden. Wenn ein Bankraub missling ist das Geld ja auch noch da - ist der Raub deshalb weniger schwerwiegend? Gerade als Beamter steht man in einem besonderen Treueverhältnis, dafür bekommt man ja auch Privilegien. Die werden einem genommen, wenn man sich derer nicht würdig erweist.

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