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VWL-Studenten kritisieren Theorien: Im Zweifel gegen die Lehre
DPA

Zu realitätsfern, zu marktgläubig, zu einseitig: Seit der Finanzkrise rebellieren Wirtschaftsstudenten gegen die herrschende Lehre in ihrem Fach. Allmählich finden sie auch Gehör bei den Professoren.

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skiski-bowski 16.08.2015, 12:46
50. Scientific Guesswork

Ich habe in den 70ern BWL studiert (und damit zwangsläufig VWL in nicht unerheblichem Maße). Uns wurde von Anfang an klar gemacht, wir arbeiten mit Modellen und damit mit nichts anderem als wissenschaftlicher Raterei. War in USA nicht anders als in Deutschland. Modelle sind gut, sofern man sie nicht als der Weisheit letzten Schluß ansieht. Daß es den Homo Oeconomicus nicht gibt, wird übrigens gleich bei seiner Vorstellung deutlich gemacht. Ändert nichts daran, es ist wichtig, ihn zu beschreiben, da die persönlichen Präferenzen, die zu Abweichungen von der reinen Lehre führen, nicht einfach zu fassen sind und sich vielleicht schneller ändern als gedacht. Smartphones: kaum jemand braucht sie, fast jeder will sie haben. Die Ströme ändern sich dadurch, das Modell als solches nicht. Mit anderen Worten: Bei aller Modellbeschreibung die Realität nicht aus den Augen zu verlieren hilft ungemein.

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digepu2010 16.08.2015, 12:47
51. pmeierspiegel

Schön, dass Sie keinerlei Vorurteile haben. Auf diesem Niveau ist jedes Wort zuviel!

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stroh.nm 16.08.2015, 12:47
52.

Zitat von Crom
Warum sollte "ceteris paribus" ein Denkverbot darstellen? Möchte man mehrere Faktoren verändern, so muss man sich eben die Mühe machen, jeden einzeln zu untersuchen oder die Anpassungen in einer Reihenfolge stellen, gegebenenfalls diese variieren. Offenbar waren Sie dabei schlicht zu faul, wenn Sie das als Denkverbot auffassten.
und alle sind diese Personen und Fachleute oder Wirtschaftsweisen oder Finanzexperten oder BWLer oder VWLer usw..........
Kinder der Stochastik und die Betonung liegt hier auf Kinder

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Paddel2 16.08.2015, 12:50
53. So ein Humbug

Zitat von mlehn
... lebt zu einem großen Teil davon, dass es gesetzliche Bestimmungen gibt, dass mathematische Modelle für Finanzprodukte wie Optionen usw. benutzt werden müssen. Und damit wiederum gibt es einen Markt für mathematische Modelle, die berücksichtigen welche Modelle die anderen benutzen. Und das kann beliebig tief geschachtelt werden. Ein perverses Wettrüsten. Das ist wie beim Black-Jack. Dadurch, dass einer (der Dealer) gezwungen ist sich an gewisse Regeln zu halten gibt es erst die Möglichkeit (z.B. durch Karten zählen) seine Gewinnchancen deutlich zu erhöhen. Mit genügend Kapital und Informationsvorsprung kann man damit jede Bank eines Casino sprengen. Aber was passiert, wenn man dabei in Las Vegas erwischt wird weiss man ja :-) Ansonsten kann man mit Mathe kann man wirklich coole Sachen machen.
Wo ist Ihre Demut vor den komplexen Zusammenhängen in der Hochschulforschung? Ganz offensichtlich sind Sie davon sehr weit weg, Sie erlauben es sich dennoch, ein derart ausschweifendes und vor allem fehlerhaftes Urteil zu erlauben!
Allein die Verwendung des Begriffs "gesetzliche Bestimmungen" im Zusammenhang mit mathematischen Modellen unterstreicht dies!
Mathematische Modelle unterliegen stets Annahmen, die jedoch jederzeit hinterfragt werden können. Mathematiker tun dies ständig. Das "Wettrüsten" (unfassbarer Ausdruck) ist die Weiterentwicklung von Modellen, die damit zwar immer komplizierter, aber auch realistischer werden. Die Welt ist nicht linear, nichtlineare Lösungsansätze jedoch schwierig zu verstehen. Ökonomen müssen mehr Mathematik wagen, um sich dieses Verständnis anzueignen. Aus gutem Grund finden immer mehr Mathematiker den Weg in die Finanzindustrie!
"Black Jack" hat übrigens den Komplexitätsgrad von VWL-Vorlesungen des zweiten Semesters. Mit "Karten zählen" können Sie also höchstens ihre Anfängerstudenten beeindrucken, aber keine Bank!

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tallinn1960 16.08.2015, 12:55
54.

Zitat von brainforceone
Was mich tatsächlich beschäftigt [ich habe rein gar nichts mit BWL/VWL zu tun... komme aus der Hardcore Ma/Ph-Ecke ;-) ]: lässt sich (irrationales) Verhalten von Menschen mathematisch modellieren? Eine Stufenfunktion, die in gewissen Intervallen Wahrscheinlichkeiten für bestimmtes Handeln zurück gibt? Ich vermute, dass bei facebook derartige Algorithmen zur Anwendung kommen... Nach dem "Circle" von Eggers bin ich so oder so vorgeschädigt...
Das lässt es sich bestimmt. Die Frage ist allerdings die, ob das "richtige" Modell, dass die richtigen Vorhersagen liefert, einfacher ist als die Realität. Oder ob das richtige Modell nicht doch eher eine Computersimulation einzelner mikroökonomischer Akteure ist, ohne irgendwelche makroökonomischen Regelsätze, die vereinfachen.

Ich glaube schon, dass sich das individuelle Verhalten von Marktteilnehmern mit statistischen Modellen beschreiben lässt. Welche makroökonomische Realität daraus entsteht, muss man dann halt simulieren - wie beim Wetter oder beim Klima.

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Paddel2 16.08.2015, 12:56
55. Zustimmung

Zitat von freespeech1
Wenn man null Ahnung von Ökonomie hat, hat man auch null Ahnung von der Funktion der Kreditwirtschaft in einer Volkswirtschaft. Aus der Tatsache, dass der tertiäre Sektor nichts Materielles herstellt, einfach zu schließen, dass er nicht zur Wertschöpfung beiträgt, ist schon ein ziemlich simples Weltbild. Ohne funktionierende Kreditwirtschaft würde sehr schnell Massenarmut in der Volkswirtschaft herrschen. Mal abgesehen davon, dass die Frage nach der Wissenschaftlichkeit von Wirtschaftswissenschaft ziemlich belanglos ist, auch bei Medizin stellt sich die Frage, ist das Wissenschaft oder Quacksalberei? Sind die wissenschaftlichen Metereologen besser in der Lage, das Wetter vorherzusagen, als der alte Bauer? Interessant auch immer die Fehlleistungen von IT-Wissenschaftlern. Oder ist es nur menschliche Unzulänglichkeit?
Kaum können gewisse Leute Produkte nicht anfassen, glauben sie an Hexen und Magier!
Banken handelt mit Risiken. Sie kaufen Risiken ab und verteilen sie auf andere. Dadurch können Sparer ihre Gelder auch dann noch abheben, wenn Firmen pleite gehen oder der Nachbar seinen Hauskredit nicht mehr bedienen kann. Ohne Banken würden wir in einer wahren Welt des Casinos leben, in der der Wohlstand eines Individuums davon abhängt, ob er den richtigen Leuten vertraut hat und ob das Wetter in seinem Interesse verlaufen ist.
In Deutschland überschätzen sich Menschen derart, weil sie glauben, durch Lesen weniger Artikel bereits ausreichend Kenntnisse zu besitzen. Demut und Respekt sind verlorengegangene Tugenden.

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Paddel2 16.08.2015, 13:00
56. Ja und nein

Zitat von dantheman77
Zitat von oeconomcius heute, 11:19 Uhr:" Unwissende Besserwisser Studenten Auch in meinem naturwissenschaftlichen Studiengang gab es sie. Man sollte sie aus dem Universitätsbetrieb ausschließen."___________________ Ist das jetzt ironisch gemeint? Das hinterfragen bestehender Theorien ist doch der eigentliche Kern jeglicher Universität. Ohne das kann ich mixh auch in eine Bibliothek setzen und auswendiglernen, was mir irgendwer vorgibt. Mit echter Bildung und Theoriebildung hat das dann aber nichts mehr zu tun. In sofern begrüße ich auch die Initiative der im Artikel genannten Studenten. Grade auch der Blick in benachbarte Disziplinen kann extrem erhellend und fruchtbar sein...
Ich stimme ihnen zu, jedoch ist die zunehmende Arroganz von Anfängerstudenten durchaus auffällig. Hier frage ich mich, warum die Professoren der betreffenden Universitäten nicht den Dialog mit den Studenten suchen. So sehe ich hier keine Krise des Fachgebiets, sondern eine Krise der Lehre.
Viele der vorgetragenen Argumente lassen sich sehr leicht entkräften, das sollte für forschungsnahes Universitätspersonal eigentlich leicht möglich sein.

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tallinn1960 16.08.2015, 13:00
57.

Zitat von ruhepuls
Die Politik regiert in die Märkte und verhindert z.B. einen Bereinigung bei Fehlinvestitionen (siehe Bankenrettung), weil sie politische Folgen fürchtet.
Jaja, die böse Politik ist schuld, wenn sie Wirtschaftskrisen bekämpft, die sich selbst überlassen zu Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut führen würden. Sprich: die marktkonforme Demokratie habe gefälligst still zu halten, wenn die Volkswirtschaft aufgrund natürlicher wirtschaftlicher Kräfte zusammen bricht und ihre Ziele nicht mehr erreicht. Wir betreiben Wirtschaft schliesslich nicht zum Selbstzweck, als Kunstform, sondern weil wir uns die materiellen Dingen für unsere Existenz verschaffen wollen.

Nun bin ich seinerzeit bei der Bankenkrise auch dafür gewesen, den Markt hier frei walten zu lassen - allerdings aus einem anderen Grund. Es wäre evident geworden, dass unser vorherrschendes Wirtschaftssystem am Ende ist.

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olicrom 16.08.2015, 13:01
58. Banalitäten! Marx wusste das schon vor 150 Jahren!

Die Lehre in VWL und BWL ist letztendlich nichts anderes als in der DDR zu studieren. Dogmatisch bis in die Spitzen, nur eben umgekehrt. Freie Geister gibt es ganz selten. Wer hier studiert, will Kohle machen.

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Paddel2 16.08.2015, 13:01
59. Korrektur

Zitat von kladderadatsch
für dozierende BWL- und VWL-Dozenten würde helfen, den eigenen Forschungsgegenstand besser zu verstehen.
Die meisten Professoren dieser Fachgebiete sind gut mit der Wirtschaft vernetzt. Sie sind derjenige der zu wenig Ahnung hat.

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