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VWL-Studenten kritisieren Theorien: Im Zweifel gegen die Lehre
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Zu realitätsfern, zu marktgläubig, zu einseitig: Seit der Finanzkrise rebellieren Wirtschaftsstudenten gegen die herrschende Lehre in ihrem Fach. Allmählich finden sie auch Gehör bei den Professoren.

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inver 16.08.2015, 13:38
70. Die Suche nach zweckmäßigen ökonomischen Theorie sollte beginnen!

Schon die unbestreitbare Tatsache, dass die meisten Rohstoffe endlich sind, negiert die auf Wachstumsmodellen basierenden Theorien. Diese ökonomischen Theorien sind vor Jahrzehnten mithilfe von empirischen, induktiven Methoden erstellt worden, die sich schon per Definition immer nur auf Vergangenes beziehen können. Die Verwerfungen der Finanzwelt, das unzweckmäßige Schuldgeldsystem, die Endlichkeit der Welt gegenüber Modellen, die auf unendliches Wachstum basieren - all diese Fragestellungen sollten ideologiefrei und human gelöst werden, in dem eine zweckmäßige und innovative Wirtschaftstheorie erstellt wird, die auch zukunftsorientiert ist. Selbstverständlich müssten sich die Ökonomen auch mal mit der Methodenlehre, bzw. Wissenschaftstheorie beschäftigen, um überhaupt zu verstehen, mit welcher Logik möglichst sichere Theorien erstellt werden können: In der Komplexität sind mithilfe der induktiv Methode erstellte Theorien immer unsicher; die richtige Methode ist die deduktive Logik verbunden mit der Induktion (z.B. Statistik, empirische Ergebnisse, etc.) als ständige! Nachprüfung/ Falsifizierung. Denn ohne eine systematische Anbindung an die Veränderungen der Wirklichkeit wird keine Theorie in einer überaus komplexen Welt bestehen können!

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skiski-bowski 16.08.2015, 13:46
71. Nichts anderes habe ich gesagt.

Zitat von tallinn1960
Wir Naturwissenschaftler arbeiten auch mit Modellen, und doch raten wir praktisch nie. Unsere Modelle sind mittlerweile so gut, dass man schon sehr genau messen muss, um Abweichungen zwischen Modell und Realität sehen zu können. Selbst unser Modell der Gravitation, von dem wir wissen, das es grob (auf der Skala des Universums) falsch ist, arbeitet in allen anderen Skalen erstaunlich präzise. Bis wir dann anfangen, uns solchen Dingen wie Strömungen, dem Wetter oder dem Klima zuzuwenden. Das sind chaotische Systeme (mit nichtlinearen Bewegungsgesetzen), die wir zwar prinzipiell verstanden haben, aber aufgrund ihrer Natur (Schmetterlingseffekt) dennoch nicht zuverlässig berechnen können. Eine Volkswirtschaft zu modellieren ist wohl nicht weniger komplex als ein Klimamodell, für dessen Berechnung wir Physiker unter anderem einen "Earth Simulator" betreiben. Dem könnten wir im übrigen das bisschen an volkswirtschaftlichen Regelwerk, das es gibt, auch noch beibringen.
Will ich in die Zukunft schauen (und nichts anderes behauptet ja ein Modell), muß ich Annahmen unterstellen, die ich durch nichts belegen kann. Niemand von uns kennt die Zinsentwicklung der kommenden Jahre, trotz basieren Modelle darauf. Kann klappen, vielleicht aber auch nicht. Scientific guesswork eben. Ich füttere ein wissenschaftliches Modell mit Daten, von denen ich "glaube", sie könnten stimmen.

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Sibylle1969 16.08.2015, 13:58
72. Wirtschaftswissenschaft ist keine exakte Wissenschaft

Die Wirtschaftswissenschaften sind keine exakte Wissenschaft wie Mathematik, Physik oder Chemie, sondern vielmehr eine empirische Wissenschaft, wo man aus der Beobachtung in der Vergangenheit versucht, die Zukunft zu prognostizieren. Die vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten, die die Wissenschaftler aufgrund der Beobachtung der Vergangenheit erkannt zu haben glauben, müssten demnach auch für die Zukunft gelten. Dass das nicht stimmt, wissen wir hinlänglich. Die Wirtschaft ist viel zu komplex, als dass sie ein einfacher Regelkreis wäre, so nach dem Motto "Senkt man die Leitzinsen um soundsoviel Prozentpunkte, dann passiert stets genau das und das". In der Wirtschaft spielen noch ganz andere Faktoren eine Rolle, nämlich ein gerüttelt Maß Zufall und auch Psychologie.

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cerberus66 16.08.2015, 14:01
73. Echte Marktwirtschaft ist ein Stück gelebter Demokratie

In der sogenannten neo klassischen Theorie geht es immer darum, ökonomische Entscheidungen aufgrund bestehender Marktpreise zu treffen. Marktpreise, die sich aus Angebot und Nachfrage gebildet haben. Jeder Mensch ist ein Marktteilnehmer, jeder ist Ein Teil der Volkswirtschaft. Das ist jetzt kurz und ganz knapp beschrieben. Im Grundstudium ist Volkswirtschaft eine im Grunde sehr einfache Sache.
Ebenso einfach zu verstehen ist aufgrunddessen auch der Umstand, dass die Preise nicht mehr ohne weiteres als Entscheidungsgrundlage genutzt erden können, wenn Politikern das Ergebnis von marktwirtschaftlichen Prozessen nicht mehr passt - Schöne Grüße vom Mindestlohn, der noch viel "Spaß" bereiten wird. Die Menschen regen sich zurecht auf, wenn die Deutsche Bank Zinssätze manipuliert. Wenn die Bundesregierung Arbeitsmarktpreise manipuliert, sind alle dafür. Welch eine Inkonsequenz.
Und letztendlich ist auch die Finanzkrise von 2007 nichts anderes als eine Folge staatlicher Manipulation von Marktgeschehen. Hätte die Clinton-Administration nicht dem US-Banken die Pistole auf die Brust gesetzt und sie gezwungen, jedem Menschen mit zweifelhafter Bonität auf Anfrage eine Kredit zu gewähren, dann hätte die Krise nicht solche Ausmaße erreicht. Und letztlich lässt sich auch die Weltwirtschaftskrise von 1929 damit erklären, dass die Fed seinerzeit ohne Vorwarnung die Leitzinsen viel stark erhöht hatte.
Wir brauchen also keineswegs weniger Wissen über Marktmechnismen. Wir brauchen aber anscheinend wieder Mut, den Marktmechnismen und ihren Ergebnissen ins Auge zu blicken, ohne sie zu verteufeln. Die Freiheit, unverfälschte Marktetgebnisse als Entscheidundsgrundlage überhaupt zulassen zu wollen ist vergleichbar mit der Freiheit, unverfälschte Pressenachrichten nutzen zu wollen.

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j.c78. 16.08.2015, 14:01
74. Typisch Links

.... dann ändern wir halt die Wissenschaft :-). Das haben der Ostblock und China bereits ausprobiert. Das Ergebnis ist bekannt. In der Tat scheint es eine erfolgsversprechende Alternative zu geben. Nationalegoistischer Kapitalismus mit autoritären Herrschaftsstrukturen.

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Pipopax 16.08.2015, 14:19
75. Holzweg

Zitat von j.c78.
.... dann ändern wir halt die Wissenschaft :-). Das haben der Ostblock und China bereits ausprobiert. Das Ergebnis ist bekannt. In der Tat scheint es eine erfolgsversprechende Alternative zu geben. Nationalegoistischer Kapitalismus mit autoritären Herrschaftsstrukturen.
Da sind Sie völlig auf dem Holzweg. Völlig. Weder China noch die Ostblockstaaten haben jemals die Wissenschaften geändert, oder versucht sie zu ändern. Gerade bei Fachgebieten wie Physik, Chemie, Luft- und Raumfahrt usw. waren/sind sie sogar vorblidlich. Das was die damals geändert haben, das war die Ökonomie. Aber die ist bekanntlich keine Wissenschaft, sondern viel eher mit Denktabus belegte Religion und/oder Glaube.

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wekru 16.08.2015, 14:31
76. nicht Komplexität ist das Problem

sondern Verständnisfehler.
Wenn das Handeln des Menschen primär auf Raub abzielt und er immer nur dann (gerecht) tauscht wo Raub unmöglich ist, dann liegt ein großer Teil des Handelns außerhalb der ökonomischen Modelle. Wo Menschen die Macht dazu haben, manipulieren sie eben Zinssätze oder verschulden den Staat und bezahlen sich öffentliches Eigentum privat aus, etc. Ganze Gesellschaftsordungen verfolgen kein anderes Ziel als den organisierten Raub in Gesetzesform zu bringen, siehe Syrien. Was nun aber die mathematische Kompetenz der System-Verfechter angeht, so ist diese ohne Nutzen, solange die Grundannahmen der Modelle derart daneben liegen. Nur weil man schnell rennen kann, ist man noch lange nicht auf dem richtigen Weg. Was aber richtig und falsch ist, hat mit Hochleistungsmathematik nichts zu tun, sondern mit Wahrnehmung. Dazu gehört nicht nur der Umstand, dass ökonomische und politische Mittel voneinander abzugrenzen sind, letztere aber vielfach das reale Geschehen dominieren, wie auch der Umstand, dass Menschen nicht geldökonomisch denken, sondern zeitökonomisch. Das eigene Leben ist begrenzt, für Geld kauft und verkauft der Mensch Zeit, um später Zeit zu sparen investiert er heute Zeit etc. Die große Frage des "Homo Oeconomicus" lautet: wie komme ich an all die Dinge derer ich bedarf ohne mehr Lebenszeit dafür herzugeben als unbedingt nötig." Das passt dann wieder zu dem Räuber, der nur dann arbeitet und tauscht, wenn es gar nicht anders geht, ihm die Gesellschaftsordnung also tatsächlich rein ökonomisches Handeln abzwingt. Ohne Aufklärung in diesem Punkt gibt es keine "reine Ökonomie". Die Modelle verbleiben im luftleeren Raum solange ausgeblendet wird, was reale Ordnung werden müsste, damit der ökonomische Teil des Handelns, in dem das ökonomische Mittel das einzig zulässige ist, wesentlich die zustandekommende Wirklichkeit bestimmt. Sollte man das mal irgendwann schaffen, reduziert sich die auf diesem Fachgebiet benötigte mathematische Komplexität nach meiner Überzeugung auf die Anwendung der Grundrechenarten.

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DerNachfrager 16.08.2015, 14:50
77. Genau SOLCHE Studenten und genau DIESE Sprüche...

...kennen wir aus den Sechzigern. Später kamen genau DIESE Menschen in politische Verantwortung. Das war die "Generation Schröder". Noch Fragen ?

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Greybird 16.08.2015, 14:52
78. Olle Kamellen

Das Thema ist doch schon lange durch, die Kritik uralt. Die orthodoxen Dinosaurier sind fast ausgestorben.

Die Empirie hat die Modelltheorie, unterfüttert mit "stilisierten Fakten" doch schon lange überholt.
Die Zahl ökonometrisch unterlegter Veröffentlichungen ist in den letzten 15 Jahren exponentiell gestiegen, wer hoch veröffentlichen will braucht heute mehr denn je Empirie.

Was das Bachelor-Studium angeht. Mein ehemaliger Makroprof (Keynesianer!) hats mal auf den Punkt gebracht: "Wenn wir die Neoklassik nicht hätten, dann müssten wir sie erfinden!" Warum: Weil man erst mal das vollkommen einfache, verzerrungsfreie und materiell optimale Gleichgewicht kennen muss, um es dann mit der Realität zu VERGLEICHEN und Stück für Stück Annahmen aufzuweichen.

Der Rest kommt dann im Master oder der Promotion.

Nur dieses Problembewusstsein sollte man den Studis eben schon früh vermitteln...

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tom_muster 16.08.2015, 14:53
79.

Zitat von tallinn1960
Wir Naturwissenschaftler arbeiten auch mit Modellen, und doch raten wir praktisch nie. Unsere Modelle sind mittlerweile so gut, dass man schon sehr genau messen muss, um Abweichungen zwischen Modell und Realität sehen zu können. Selbst unser Modell der Gravitation, von dem wir wissen, das es grob (auf der Skala des Universums) falsch ist, arbeitet in allen anderen Skalen erstaunlich präzise. Bis wir dann anfangen, uns solchen Dingen wie Strömungen, dem Wetter oder dem Klima zuzuwenden. Das sind chaotische Systeme (mit nichtlinearen Bewegungsgesetzen), die wir zwar prinzipiell verstanden haben, aber aufgrund ihrer Natur (Schmetterlingseffekt) dennoch nicht zuverlässig berechnen können. Eine Volkswirtschaft zu modellieren ist wohl nicht weniger komplex als ein Klimamodell, für dessen Berechnung wir Physiker unter anderem einen "Earth Simulator" betreiben. Dem könnten wir im übrigen das bisschen an volkswirtschaftlichen Regelwerk, das es gibt, auch noch beibringen.
Widersprechen Sie sich da nicht gerade?

Erst geben Sie zu, daß die Klimaberechnungen auch mehr Kaffeesatzlesen als präzise sind, dann glauben Sie aber, daß die Entscheidungen und das Verhalten von Milliarden Menschen eben auch noch einmal eingepflegt werden kann?

Zum Thema selber: Zum einen muß man endlich zwischen BWL und VWL trennen. BWL ist auf die Praxis bezogen, unterliegt mathematischen (Rechnungswesen/Controlling), juristischen (Steuern, Rechnungslegung etc..) oder psychologischen (Marketing, Personal etc.) Regelungen und ist ziemlich exakt. VWL ist Theorie. Kann richtig sein, ist es häufig aber nicht, dazu ist die Realität zu komplex. Hat daher viel mit Glauben zu tun. Wer ein marxistisches Menschenbild hat, wird Dinge nun einmal anders sehen wollen als die, die ein realistisches Bild haben.

Wenn nun einige Linke nicht glücklich mit den herrschenden Meinungen sind, dann ist das natürlich, genauso natürlich wie die Tatsache, daß sie von ihren Lieblingen wie Pickerty unterstützt werden. Aber Besseres haben sie nicht wirklich anzubieten.

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