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Wenn Frauen ohne Mütter schwanger werden: "Ihr Tod betrifft mich nun auf ganz neue We
DPA

Unsere Autorin hat als Kind ihre Mutter verloren. Als sie selbst schwanger wurde, kamen die Trauer und das Vermissen noch einmal richtig hoch - und eine neue Angst.

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louis246 03.04.2017, 09:25
1. Same here

Liebe Autorin,

Ihr Artikel hat mich wirklich gerührt. So sehr, dass ich mitten im Berufsverkehr an einer Bushaltestelle angefangen habe zu weinen. Kann aber auch an dem Hormonchaos liegen. Ich bin gerade gewünscht schwanger, noch ziemlich jung, seit meinem 14. Lebensjahr mutterlos und auch ansonsten nicht "normal". Ich bin ein Mann und schwanger. Meine Mutter war nicht bei meinem outing dabei. Und sie weiß nicht, dass ihr Sohn nun schwanger ist. Auch bei uns war es total unvorbereitet, Anfang 40, Brustkrebs, Hospiz, tot.
Ich schiebe das Bewusstsein um meine tote Mutter eigentlich meist aus meinem Alltag heraus, aber durch Ihren Artikel wurde mir schlagartig bewusst, dass auch meine Mutter ja eine Mutter war, und - logisch, aber mir nicht klar - nie Oma wird, und nie mein Kind halten werden wird, in diesem Leben. Zuletzt wurde mir das bei meiner Hochzeit bewusst, als der Platz von ihr leer blieb. Nun wird sie auch nicht den Oma-Platz einnehmen. Solche Lücken sind schrecklich, aber bei all dem Schrecken ist es auch irgendwo tröstlich, dass es andere gibt, die damit leben gelernt haben - und sich dessen bewusster sind als ich.

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martine-primus 03.04.2017, 09:27
2. Normalität?

Also so leid mir das tut für die Autorin, dass sie so früh endgültig ihre Mutter verloren hat, aber auch Frauen, deren Mütter noch leben, haben nicht zwangsweise eine enge Bindung zu ihren Müttern! Ich weiss nicht, warum solche Bilder immer produziert werden. Wenn die Kindheit mies war, hat man zwar noch Eltern, aber es ist keine Beziehung entstanden. Und somit ist da auch niemand, den man fragen möchte auf der Elternseite. Ich habe das alles alleine durchgezogen. Mein Mann beruflich stark eingebunden, teils monatelang im Ausland. Ich mit Neugeborenem und Hund allein. Aber auch ich habe für mein Kind gebrannt. Somit ging das auch alles ohne Eltern (Großeltern)! Es ist sicher nicht so einfach, aber machbar.
Nun sind es natürlich andere Umstände, ob man aus einer liebenden Beziehung gerissen wird, oder ob eine gestörte Beziehung zugrunde liegt. Nur: eine innige Beziehung wird einfach nie entstehen können - dazu wurde schon viel versucht!
Nun haben wir drei Kinder. Aber so, wie ich es gerade noch kennengelernt habe mit Oma und Opa (bis ich 9 Jahre alt war), ist nie eine Großeltern/Enkelbeziehung entstanden. Schade. Aber Möglichkeiten gab es zu Hauf!

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eine_oma 03.04.2017, 09:42
3.

Zitat von martine-primus
... aber auch Frauen, deren Mütter noch leben, haben nicht zwangsweise eine enge Bindung zu ihren Müttern! Ich weiss nicht, warum solche Bilder immer produziert werden. Wenn die Kindheit mies war, hat man zwar noch Eltern, aber es ist keine Beziehung entstanden.
@ martine-primus:
Sie sind mit diesem Problem nicht allein. Meine Beziehung zu meiner Mutter ist völlig inexistent, obwohl wir mittlerweile in derselben Großstadt leben. Selbst nach jahrelanger Therapie kommen immer mal wieder Schuldgefühle in mir hoch, obwohl mir deutlich geworden ist, dass meine Mutter von Anfang an kein Interesse an mir hatte. Aber selbst damit kann man leben und ein stabiler Freundeskreis ist eine große Stütze.

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maramarie 03.04.2017, 10:00
4. Verstehen

Liebe Autorin, ich kann Sie so gut verstehen. Meine Mutter ist verstorben als ich 27 war und ich vermisse sie jeden Tag. Inzwischen habe ich eigene Kinder, die ihr Oma nur aus Erzählungen kennen. Ich habe über die ersten 6 Jahre meine Kinder jeden Tag Tagebuch (für jedes Kind separat) geführt und ich weiss, dass sie das sehr schätzen. Ihre positiven Gedanken an ihre Mutter werden Sie auch positiv durch Ihr Mutterdasein begleiten und ich weiss heute, dass ich das meiner Mutter auch verdanke. Hadern sie nicht über den Verlust, sondern erfreuen sich, dass ihre Mutter immer bei Ihnen ist. Die Menschen, die wir lieben, sind immer im Herzen bei uns.

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eineleserinmz 03.04.2017, 10:04
5.

Danke, liebe Autorin!!! Ich erwarte mein erstes Baby in wenigen Tagen und habe auch früh meine Mutter verloren - Ganz genau so fühlt es sich an! Danke auch für den schönen Mutmacher am Ende des Artikels

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s2gefunden 03.04.2017, 10:09
6. So eine Schnulze

Die Autorin hat eine positive Erinnerung an eine Mutter, die sie gewollt hat und darüber sollte sie sich freuen. Martine Primus hat recht - nicht jede Mutter hat automatisch eine positive Beziehung zu ihrer Tochter und unterstützt sie auch. Es gibt genug Mütter, die alles andere als eine Hilfe sind und schon gar nicht in der Schwangerschaft. Mütter die ihre eigene Leistungen in den Vordergrund stellen und die Tochter sich bei den Wehen nicht so haben soll, Mütter/Omas die mit der Kippe im der Hand ein Neugeborenes küssen wollen, Mütter die der frischgebackenen Mama permanente Inkompetenz unterstellen und "so haben wir es früher nicht gemacht, du machst es wieder mal falsch"- Sprüche reinwürgen. Die der frischgebackenen Mama das Baby ständig wegnehmen, damit die frisch Entbundene die Wohnung putzt und endlich mal was anständiges Kocht. Hinterher als Oma, die die eigenen Kinder mit dem Gürtel "erzogen" hat, wird auch gern gemieden. Es gibt Familien, die weit von einander Wohnen, wo mehrere Kinder da sind und die Eltern bei anderen sind, wo Eltern pflegebedürftig sind, wo Mütter ihre Ehemänner pflegen....also echt - das was die Autorin schreibt ist eine WUNSCHvorstellung vieler aber ganz bestimmt nicht Normalität. Jemand, der so eine Mutter/Oma zur Verfügung hat, hat einfach Glück und die Autorin hat einfach Glück in einem Intakten und gesundem Umfeld zu leben. Das weiß die Autorin nicht zu schätzen und jammert herum. Außerdem wenn man sich psychisch nicht bereit fühlt und noch was aufzuarbeiten hat (und Tod der Mutter muss vor eigenen Schwangerschaft in Bezug auf die Schwangerschaft und fehlende Oma thematisiert werden) - sollte man die Finger vom Kinderkriegen lassen. Denn Mutter werden ist nicht schwer, gute Mutter sein dagegen sehr...dann muss mann alles das ersetzen was dem Baby fehlt : auch die tote Oma. Denn man braucht nun mal ein Dorf, um ein Kind zu erziehen, machen wir uns nichts vor.

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schgucke 03.04.2017, 10:11
7.

zunächst einmal werden sich jetzt die Maskulinisten melden, die sich stellvertretend für Ihren Vater diskriminiert fühlen.
und dann möchte ich Ihnen sagen, dass es zwar ein Gefühl der Normalität ist, eine lebende Mutter zu haben, aber ein mieses Verhältnis zu ihr das Leben auch schlimm überschatten kann. jeder hat sein Päckchen zu tragen.

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taminy 03.04.2017, 10:15
8. Überhöhtes Bild?

Meine Mutter lebt und ich habe auch Kontakt zu ihr. Das heißt nicht, dass sie mir je mit meiner Tochter zur Seite stand. Sie sagte damals ganz einfach: „Mit kleinen Kindern kann ich nicht so!“ und das war das.
Wenn ich mal ihren Rat wollte, war er für völlig nutzlos. Sie hat nicht gestillt, hat uns nicht im Tragetuch getragen. Wenn meine Tochter den ganzen Tag schrie meinte sie nur: „Das habt Ihr früher nie gemacht!“
Ja, danke Mama!
Auf sie aufgepasst hat sie erst als sie so 2 Jahre alt war. Später hat mir meine Tochter dann gesagt, dass meine Mutter noch dem Erziehungsstil „das hat ja uns auch nicht geschadet“ anhängt und meine Tochter oft und heftig geschlagen hat. Sie war nur zu klein, mir das zu sagen. Heute kämpfe ich noch mit gewaltigen Schuldgefühlen, dass ich meine Tochter je zu meiner Mutter gegeben habe. Erst durch die Erzählungen meiner Tochter habe ich mich selbst an die ganze Gewalt erinnert, der ich als Kind ausgesetzt war.
Überhöhen Sie das Bild der liebenden Mutter nicht. Wie und ob Ihre Mutter Ihnen geholfen hätte, können Sie nicht sagen und manchmal ist es auch einfach besser, wenn man alles alleine macht!

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women_1900 03.04.2017, 10:17
9. Liebe Autorin,

schön, daß Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrer Mutter hatten und es ist sehr traurig, daß Sie die Mutter früh verloren haben. Es ist rührend, daß Sie Ihre Mutter ´vermissen. Ihre Mutter ist bei Ihnen, denn sie ist in Ihnen. Bewahren Sie die guten Erinnerungen an Ihre Mutter in Ihrem Herzen und dann gelingt auch Ihr Mutterdasein.

Ich, bald 60 Jahre, wünsche mir noch heute, ich hätte mich von meiner Mutter besser abgrenzen können. Meine Mutter erzählte mir nur Horrorgeschichten über ihre 3 Geburten und ich war noch sehr jung. Also begab ich mich verkrampft und voller Panik in die Klinik zur Entbindung. Erst als ich die Bilder, die mir meine Mutter in den Kopf planzte, innerlich löschte, wurde es leichter. Auch bei der Erziehung meiner Kinder wurde alles besser, als ich mich abgrenzte.
So untershciedlich kann das Leben verlaufen.

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