Forum: Leben und Lernen
Werben für Deutschland: Forscher, kommt heim
Dave McHale

Mit Werbeveranstaltungen versucht der Bund, deutsche Wissenschaftler aus den USA zurück zu holen. Doch die fürchten die schlechten Karrierechancen diesseits des Atlantiks - und scheuen die miese Bezahlung.

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whostalking 10.09.2013, 12:52
10. Lächerlich

Zitat von sysop
Mit Werbeveranstaltungen versucht der Bund, deutsche Wissenschaftler aus den USA zurück zu holen. Doch die fürchten die schlechten Karrierechancen diesseits des Atlantiks - und scheuen die miese Bezahlung.
Ausgerechnet Frau Kunst, die gerade in ihrem eigenen Bundesland alles dafür tut, dieses so unattraktiv wie möglich für Studenten und wissenschaftliches Personal zu machen: seit Jahren massive Unterfinanzierung, Rufzerstörung und Demotivation durch Uni-Hochschul-Fusion gegen Expertenrat, gepaart mit SPD-typischer Basta-Politik.

Die gleiche SPD-Politik, die uns diesen Brain-Drain beschert hat. Wir erinnern uns, dass unter Frau Buhlmann, die 12-Jahres-Befristung im Hochschulbereich (ohne das es dort Dauerstellen gäbe) eingeführt wurde, die genau zur Folge hatte, dass fertig promovierte Wissenschaftler in Scharen das Land verliessen und verlassen. Praktisch mein gesamter Freundeskreis hat sich genau wegen dieses Gesetzes bis heute auf die ganze Welt verteilt; von denen kommt keiner mehr zurück.

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medizinmann_1 10.09.2013, 12:57
11. Leute, bleibt bloss wo ihr seid!

Ich bin vor geraumer Zeit aus England zurück nach D gekommen, angelockt von den hiesigen Super-Forschungsstipendien. 11 Jahre später sind alle befristeten Stellen ausgelaufen, inklusive einer zeitlich befristeten Professur (dank der Exzellenzinitiative ist auch so etwas möglich). So, jetzt heisst es Wissenschaft ade, aber wer will einen noch in der Industrie mit 45 Jahren? Fazit: nicht zurücklocken lassen ausser auf eine unbefristete Stelle!

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kumi-ori 10.09.2013, 13:02
12. Das soll wohl ein Witz sein!

Planstellen? Lasst Euch nicht vera...! Ich habe das viel zu lange meitgemacht. Alle zwei Jahre mit der Familie das Ränzel schnüren, alle daumenlang neue Erniedrigungen und Schleimereien gegenüber irgendwelchen Bürohengsten und -stuten. Endlose Büroarbeiten für nichts und wieder nichts, Großgeräte im Wert vieler Jahresgehälter, die unausgepackt im Keller vor sich hin rosten, weil die Person, die sie mal bestellt hat, längst längst nicht mehr auffindbar ist, beständiger Terror von der Verwaltung, aber wenn man selbst mal etwas benötigt, muss man Anträge in Romandicke verfassen, die dann irgendwo im Bermudadreieck versickern.

Ich habe in einem größeren Forschungszentrum der öffentlichen Hand gearbeitet. Wir hatten mehr Verwaltungskräfte als Wissenschaftler auf Vollzeitstellen. Planstellen wurden seit ca. einem Jahrzehnt nicht mehr besetzt. Nur noch befristete Stellen.

Der deutsche Wissenschaftsbetrieb ist ein Kasperltheater. Um seine hart am Rande der Legalität Havarierende Personalpolitik nicht gänzlich in die Kriminalität versacken zu lassen, werden beständig neue abenteuerliche Konstruktionen entworfen, natürlich auf Kosten der wissenschaftlichen Angestellten. Ich bin irgendwann in die Industrie gegangen. Da muss man auch arbeiten, aber man wird fairer behandelt.

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otto1939 10.09.2013, 13:05
13. Bemerkenswert dämlich!

Zuerst finanziert der Staat eine teure Ausbildung. Dann werden die Spitzenkräfte regelrecht vertrieben, weil sie dank Proporz und Seilschaften trotz Bestleistungen keine Stelle an einem Forschungsinstitut in Deutschland finden. Und dann werden Werbemittel ausgegeben, um diese Menschen von einer Rückkehr zu überzeugen. Geht es eigentlich noch dämlicher? - Ach ja, natürlich können jetzt deutsche Institute von der Auslandserfahrung profitieren.

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linx 10.09.2013, 13:11
14. schön wäre es

Passend dazu gab es letztens einen Bericht in der Lokalzeitung:
Allgemeine Zeitung - Protest gegen Arbeitsbedingungen an deutschen Universitäten: Mainzer...

Ich bin Angestellter an der Uni und kann nicht klagen, bekomme aber auch mit, dass es für Wissenschaftler durchaus prekär werden kann. Solche Fälle, wie hier in den Kommentaren geschildert werden, sind mir auch bekannt.

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HansHeinrich 10.09.2013, 13:18
15. Forscher kommt heim?

ich habe einige Bekannte im Umfeld, die als Post-docs an der Uni schuften und völlig mit den Nerven fertig sind, weil sie nicht wissen, was die nächsten Jahre bringen und sie Schiss haben, ihre Familie nicht mehr ernähren zu können. Ich wollte es anfangs gar nicht glauben, aber da gibt es ein Bundesgesetz, das eine wissenschaftliche Laufbahn auf maximal 12 Jahre befristet (oder man finanziert sich selbst, haha!). Danach ist Schluss, es sei denn, man schafft es mit viel Glück, extremer Selbstausbeutung und/oder Beziehung auf eine Professur. Das scheint eine Form des Berufsverbotes zu sein und zeigt ganz deutlich den Stellenwert der öffentlichen Wissenschaft in Deutschland. Bleibt also lieber dort, wo ihr seid.

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tütata 10.09.2013, 13:22
16. Forscher, bleib, wo Du bist...

Zitat von sysop
"Kein anderes Land betreibt einen solchen Aufwand, um Leute zurückzugewinnen, das wird mit Steuergeldern bezahlt", kritisiert Benjamin Schäffner, Projektmanager bei Evonik und einer der wenigen Wirtschaftsvertreter bei Gain. Die Industrie komme kaum als Arbeitgeber vor. "Stattdessen wird der akademische Berufsweg als das Ideal präsentiert.
Solange es an Unis und Instituten nur eine Handvoll feste Verträge für auserlesene Wissenschaftler gibt, ist es auch gar nicht nötig, die Vorteile der Industrie zu preisen. Jeder Forscher, der noch bei Verstand ist (oder eine Familie hat/plant) hält sich das Hintertürchen Industrie offen. Eine echte Perspektive bietet die Wissenschaft leider nur den wenigsten. Man sieht dies übrigens auch am Forschungsstil einiger Post-Docs. Wer keine Aussicht auf Vertragsverlängerung hat, betreibt in seiner Arbeitszeit größtenteils Lebenslaufpolitur, die eigentliche (langfristige) Grundlagenforschung ist auf dieser Basis kaum möglich.

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dschmi 10.09.2013, 13:23
17. Selbst Schuld

Dasselbe haben sie auch bei meiner Verlobten probiert, nur wir leben in der Schweiz... Solang meine Verlobte als Ingenieurin das dreifache in der Schweiz verdient, und ich nach meinem Studium das doppelte als in Deutschland werden wir auch in der Schweiz bleiben.
Deutschland ist selbst Schuld bei seiner eurofanatischen Politik welche das Bildungssystem zerstört (siehe Bachelor und Master)... Oder dieser Eurowahnsinn... Wieso sollte man in einen Staat zurück der diesen ganzen Wahnsinn auch noch unterstützt, nein gar wie eine Religion (um nicht zu sagen Sekte) verteidigt und es der Masse einpredigt, wie die SED die Überlegenheit des Kommunismus , das der Euro unser aller Heil sei...
Nein in solch ein Deutschland gehen glaub die wenigsten gebildeten Menschen zurück... Ich glaub der Statistik nicht, da sie vollkommen gegen meine Erfahrungen aus meinem deutschen Umfeld spricht (alle auch Akademiker die vor diesem Wahnsinn geflohen sind).

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forumgehts? 10.09.2013, 13:30
18. Wenn

Zitat von sysop
Mit Werbeveranstaltungen versucht der Bund, deutsche Wissenschaftler aus den USA zurück zu holen. Doch die fürchten die schlechten Karrierechancen diesseits des Atlantiks - und scheuen die miese Bezahlung.
tatsächlich jemand auf diese "Werbung" hereinfällt, hat er/sie sich für den vorgeschlagenen Posten eigentlich wegen mangelnder Denkfähigkeit schon selbst disqualifiziert und dürfte diesen eigentlich gar nicht bekommen.

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dernordenrockt 10.09.2013, 13:33
19. Ich hau gerade ab....

Ich gehe gerade den anderen Weg, verlasse Deutschland nach der Pensionierung Richtung USA, denn ich kann das rotgrüne Gequengel über die Verwerflichkeit der Stammzellforschung oder die vermeintlichen Risiken zeitgemässer Pflanzenforschung nicht mehr hören. Dann die überbordende Bürokratie, die einen wöchentlich mit neuen Regeln für den richtigen Erwerb von Druckerpapier und ähnlichem zuschüttet. Deutschland hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft, ein dem Wissenschaftsbetrieb adäquates Tarifsystem zu etablieren, es fehlt ein vernünftiger Mittelbau, der auch Aufstiegschancen und Perspektiven hat, also warum zurück?

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