Forum: Leben und Lernen
Wissenschaftler im ARD-"Tatort": Forscher als Freaks
DPA

Er seziert die Leichen und blickt akademisch-hochnäsig auf die Welt herab: So wie den Gerichtsmediziner Boerne zeigt der ARD-"Tatort" fast jeden Akademiker als Karikatur, analysiert das Hochschulmagazin "duz". Wissenschaftler werden zu Intriganten und Mördern. Warum nur?

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rabbilaberer 19.12.2013, 14:15
1. .

Man nennt das "Anti-Intellektualismus". Die Studierten erweisen sich als eiskalte perverse Machtmenschen, die hinter dem Ruecken der Braven undenkbare Missetaten verueben. Dann kommt die brave aber stumpfsinnige Polizei als Stammtisch-Sympathietraeger und loest es. Die fernsehenden Volksschueler brechen in Hochrufe aus und verspueren ein Gefuehl ausgleichender Gerechtigkeit.
Dies ist als massenwirksam erkannt, seit es die "Entartete Kunst" gab.

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cassandros 19.12.2013, 14:17
2. Lachen mit Lichtenberg

Zitat von sysop
Er seziert die Leichen und blickt akademisch-hochnäsig auf die Welt herab: So wie den Gerichtsmediziner Boerne zeigt der ARD-"Tatort" fast jeden Akademiker als Karikatur, analysiert das Hochschulmagazin "duz".
In der Überschrift ist von "Forschern" die Rede. "Prof. Boerne" ist Mediziner. Das sind schon mal 2 Paar Schuhe.
Dann wieder ist von Wissenschaftlern die Rede. Das sind schon 3 Kategorien, die nicht synonym sind.

Ich finde nun gerade "Boerne" äußerst lebensecht. Er ist ein MEDIZINProfessor, wie er im ... Leben steht!
Näher kann man dem wirklichen Habitus dieser Berufsgruppe nicht kommen.

Desweiteren gilt zum Thema, was der Wissenschaftler und Forscher Prof. Lichtenberg, von Berufe Physiker, zu sagen wußte:

"Die hitzigsten Verteidiger einer Wissenschaft, die nicht den geringsten scheelen Seitenblick auf dieselbe vertragen können, sind gemeiniglich solche Personen, die es nicht sehr weit in derselben gebracht haben und sich dieses Mangels heimlich bewußt sind."
Georg Christoph Lichtenberg

Der Mann verstarb 1799!

Tatort ist Unerhaltsfernsehen. Schon das ständige "Kriminalhauptkommissar" ist affig.

Man müsste, um den Genre Fernsehkrimi in vollem Maße gerecht zu werden, "Boerne" mit dem cognactrinkenden Kommissar Keller oder dem stumpenqualmenden Columbo zusammentun!

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missing_link 19.12.2013, 14:44
3. Realismus in Krimis?

Boerne ist in seiner überzeichneten Art gleicherweise Provokateur wie Sympathieträger für die Wissenschaft. Wenn Krimis realistisches Abbild der Gesellschaft sein sollten, müsste Vieles geändert werden.
Vielleicht kann dennoch der Tatort gelegentlich den tristen Alltag von gescheiterten gescheiten Akademikern zeigen, die sich als Taxifahrer oder Kneipenaushilfe durchschlagen müssen, weil sie in unserer Gesellschaft keine passende berufliche Chance bekommen.

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Newspeak 19.12.2013, 14:56
4. ...

Als Akademiker kann ich nur sagen, daß viele Klischees über den Berufstand leider nur allzu berechtigt sind.

Z.B. das intrigante, opportunistische Verhalten. Woher kommt das wohl? Tja, wenn man mal darüber nachdenkt, daß Nachwuchswissenschaftler in der Regel quer durch die halbe Republik reisen müssen, um "vorzusingen", d.h. um sich eine Stelle zu erkämpfen, gegen ihre Konkurrenten im selben Alter und Fach, dieselben Leute dann aber nach erfolgreicher Berufung zusammenarbeiten sollen, dann braucht es einen starken Geist, um über dieser schizophrenen Ausgangslage nicht zu einem intriganten Opportunisten zu werden. Dergleichen gelebte Paradoxien gibt es zuhauf auf dem Karriereweg eines Nachwuchswissenschaftlers. Wer nur fähig ist, bekommt keinen Job. Psychopathische Charakterzüge sind schon deutlich besser aufgestellt. Merkt man auch fast immer, bei jungen Professoren. Die können quasi gar nicht anders, als den auf sie ausgeübten immensen Druck irgendwo abzuleiten. Es ist eigentlich verwunderlich, warum es nicht wöchentlich zu Amokläufen kommt.

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ironbutt 19.12.2013, 15:02
5. Drehbuchautoren sind eben nur Schreiberlinge

und haben von Naturwissenschaften keinen blassen Schimmer. Die meisten Autoren haben vermutlich noch nicht mal studiert, geschweige denn pronoviert. Was soll man da anderes als Unkenntnis und Neid erwarten?
Dass zum Beispiel drei Jahre nach Studieanabschluss/Bachelor/Master rund 80% der Mitarbeiter in der Forschung nur befristete Arbeitsverträge haben, kommt ime TV nicht vor. Im Tatort werden eben Vorurteile geprägt ujnd dann weiter bedient

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barragan 19.12.2013, 15:02
6. Charakterentwicklung

Naja, um die Abbildungsgüte der Tatort-Charaktere einzuschätzen, reicht es doch schon aus, die Fernseh-Kommisare mit jenen Dumpfbacken zu vergleichen, die bei Aktenzeichen XY allmonatlich versuchen, ihre auswendig gelernten Hintergrundinformationen im feinsten Polizei-Protokoll-Deutsch fehlerfrei aufzusagen...

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Brillenschlumpf 19.12.2013, 15:08
7. Zielgruppe

Schade, sind es doch gerade sehr viele Akademiker, die den Tatort sehen und verstehen. Der Rest schaut halt Cobra 11 und guckt sich den geschrotteten M5 in Zeitlupe an.

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großer bruder 19.12.2013, 15:46
8. wieso

die Wissenschafts- und Wissensfeindlichkeit ist doch in unserer Gesellschaft allgemein verbreitet. Und ich möchte behaupten, daß sie bei den Menschen, die sich als "Progressiv" oder "links" bezeichnen, noch viel ausgeprägter ist.
Während der Konservative in der Regel noch glaubt, daß ein Doktortitel für Anstand und Seriosität steht und daß der Ingenieur seine Atomkraftwerke und Chemiefabriken zum Wohle der Menschheit errichtet, wittert der progressivee Linke hinter jeder Impfung ein Komplott der Pharmaindustrie und jedes technische Gerät,und sei es das Perpetuum mobile, ist nur zur Zerstörung der Natur geschaffen

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weitWeg 19.12.2013, 15:48
9. Man muss schreiben was gesehen werden soll

Die Erklaerung ist traurig. Man muss schreiben was die Zuschauer ansehen moechten und es ist halt einfacher Stereotypen darzustellen als was dahinter steht.

Ehrlich gesagt ist das Leben der meisten Wissenschaftler nicht ganz so spannend. Ich bin einer von der Sorte, und es es nicht ganz so spannend mir beim Denken zuzusehen.

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