Forum: Leben und Lernen
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Nach zwölf Jahren kommt das Nichts
Miriam Migliazzi/ Mart Klein/ www.dainz.net/ UNI SPIEGEL

Erst Ausbeutung, dann Arbeitslosigkeit: Eric Linhart, 39, war zwölf Jahre lang befristet angestellt. Dann ging es für den Juniorprof plötzlich nicht mehr weiter. Wie Tausende ist er Opfer einer unsinnigen Politik geworden.

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rickmarten 18.08.2015, 12:45
50. Ist das der Fachkräftemangel

Ständig hören wir von einem angeblichen Fachkräftemangel. Deshalb brauchen wir ja auch Zuwanderer ohne Ende. Sieht das dann in der Realität so aus?

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skroete 18.08.2015, 12:46
51. Problem nicht verstanden?

Zitat von experiencedsailor
auch staatlich durchalimentierte Akademiker kommen ab und an in der neoliberalen Wirtschaftswelt an: Befristete Stellen, dutzendfach erfolglose Bewerbungen schreiben, Standort wechseln, obwohl man doch hochqualifiziert ist. Der Herr Dozent kann ja mal eine Arbeit darüber schreiben, weiviele Mittvierziger dieses Karriereloch ereilt und für die sich dann auch kein Schwanz mehr interessiert. Welcome to reality!
Das hat rein gar nichts mit neoliberaler Wirtschaftswelt zu tun. Es wäre schon schlimm genug wenn man sich bis 67 von einem befristeten Arbeitsvertrag zum nächsten hangeln müsste. Das Problem, dass Wissenschaftler zusätzlich haben ist, dass sie per Gesetz nicht länger als 12 Jahre auf befristeten Vertägen arbeiten dürfen (und unbefristete Stellen gibt es quasi nicht, schon gar nicht im Mittelbau).

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maikalex 18.08.2015, 12:49
52. Hintergedanken

Das System der befristeten Wissenschaftlerstellen ist doch mit Absicht eingeführt und immer weiter ausgedehnt worden; nur über die Hintergedanken spricht man nicht. Selbst die Max-Planck-Gesellschaft, die vor Jahrzehnten ihre Wissenschaftler noch unbefristet beschäftigt hat (alle Planstellen könnten ohne Probleme ohne Befristung vergeben werden, wenn man denn wollte), vergibt praktisch nur noch Zeitverträge. Die Wissenschaftler nach der Promotion, also mit rund 30 Jahren, stehen auf dem Höhepunkt ihres Wissens und ihrer Motivation. Dies möchte man möglichst lange nutzen und hält ihnen die Möglichkeit einer Festanstellung bei Bewährung quasi als Wurst vor die Nase. Über die Jahre veraltet das Wissen, die Wissenschaftler werden abgeklärter, die Motivation sinkt vielleicht ab, es gibt Krankheiten, die Familien und Kinder fordern, und es kommen neue, junge Leute von den Universitäten hinterher, mit neuestem Wissen, die auch wieder Planstellen brauchen. Da liegt es doch nahe, die Verträge der "alten Hasen" auslaufen zu lassen (man braucht noch nicht einmal zu kündigen), leider, leider...

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tyxh 18.08.2015, 12:50
53. Yeah!!!

Lebenslange Professorenstellen für alle!!!

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spon72 18.08.2015, 12:51
54. Ein weiteres Beispiel...

...dass der 0815-Lebensentwurf (Haus, Kinder, Ehe) nicht mehr mit der Jobrealität unserer durchgestylten Profitgesellschaft übereinstimmt. Flexibilität ist angesagt, ansonsten gibts ja noch den Beamtenstatus oder man macht einen Handwerkerbetrieb auf und lebt damit in Wahrheit am Existenzminimum.
Ach ja, der Facharbeiterkräftemangel (was für ein tolles Wort) bezieht sich nicht auf theoretisch basierte Wissenschaftsberufe im Dozentenbereich, sondern auf diejenigen Jobs, bei denen es auf Grips, Logik und handwerkliche Fähigkeiten ankommt. Aber auch davon sind tausende langzeitarbeitslose Facharbeiter und Ingenieure hierzulande nur eine klitzekleine Qualifizierung entfernt. Für diese müssten unsere steuersubventionierten Großkonzerne aber in "Manpower" investieren und das geht natürlich gar nicht. Lieber wird gejammert und auf die Heerscharen von überqualifizierten Asylbewerbern gewartet, die man dann genüsslich im Billiglohnsektor schuften lässt. Willkommen in der deutschen Realität!

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molokai 18.08.2015, 12:52
55. DIE Professoren

solange der Spiegel die Klischees von den faulen Profs verbreitet, denen der Mittelstand spätmorgens den Hintern abputzt, d.h. Vorlesungen halten, die ganze Forschung machen, alle Anträge für Drittmittelfinanzierung konzeptionell entwerfen und schreiben, muss sich jeder Gesetzgeber leider selbst die Wirklichkeit erschliessen.
Selten so einen Schmarrn gelesen. Natürlich gibt es Probleme, die liegen aber nicht darin, dass alle Profs generell mit Beginn ihrer Ernennung in den geistigen und physischen Ruhestand gehen, oder auf Diktator umschalten.
Herr Linhart mag sehr intelligent sein, wie viele andere auch. Vermisst wird die rechtzeitige Sensibilität, ob man mit dem, was man macht, letztlich gefragt ist und auch eine Chance hat. Da macht man gerne die Augen zu und geniesst einfach mal die sog. akademische Freiheit: keine Stechuhr, keine Urlaubskartei, Selbstverwirklichung eben. allerdings heisst aka. Freiheit auch: es fdarf mehr gearbeitet werden als man muss. Nicht mehr so oft eine prägende eigenschaft von Jungakademikern.

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Micael54 18.08.2015, 12:53
56. Warum fragt er nicht, wie andere Leute ihr Geld verdienen?

Was will ein Politologe, der da in T-Shirt und kurzer Hose in seinem Büro jammert, der Menschheit lehren, wenn er selbst auf die leichtverständliche Hochschulpolitik hereinfällt? Und was hat er gelernt, wenn er sein Wissen nicht in Geld umsetzen kann? Warum fragt er als Gesellschaftswissenschaftler nicht die Leute auf der Straße, womit die ihr Geld verdienen?

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der_vogel 18.08.2015, 12:54
57. Die Lösung kann...

...doch nicht sein, dass wir immer weiter Professoren (innen) schaffen, das ist doch Blödsinn. Dieser Mensch hat einfach das Pech, so wie jeder Erwerbstätige, dass er am Arbeitsmarkt mit anderen konkurriert. Wenn er bis jetzt keine ach so begehrte Professur bekommen hat, weil ein anderer Kandidat zum Zuge kam - Pech gehabt.

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kommentor 18.08.2015, 12:54
58.

Zitat von
Wie viele Versuche er schon unternommen hat, eine der Stellen zu bekommen, möchte Linhart nicht sagen: Er fürchtet, es könnte seinem Ruf schaden.
Das ist tatsächlich rufschädigend? Da ist das System ja noch kaputter, als es bis jetzt den Anschein hatte. Auf dieser Basis dürfte diese Reportage darüber dann aber jetzt auch nicht hilfreich gewesen sein …

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pecos 18.08.2015, 12:56
59. das ist leider ein Beitrag ...

Zitat von lupidus
was mich noch ein wenig wundert: die leute sind doch nicht gerade die dümmsten im lande. warum schaffen sie es nicht, sich zu organisieren und einfach mal 2 wochen keine vorträge zu halten oder was sie sonst tun. dann bleibt das mal alles an den profs hängen, die ja quasi keine sorgen haben.
... ohne profunde Sachkenntnis, den die allermeisten Profs machen schon heute die Arbeit der Mitarbeiter - weil sie nämlich gar keine Mitarbeiter mehr haben. Die wurden ihnen bereits weggespart.

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