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Wissenschaftssprache zum Abgewöhnen: Wie Professoren ihre Studenten quälen
Illustration: Romy Blümel

Häh? Professoren drangsalieren ihre Studenten gerne mit unverständlichem Deutsch. Sie lieben Fremdwörter und Bandwurmsätze. Wir zeigen zehn akademische Grausamkeiten und ihre - eigentlich ganz einfachen - Übersetzungen.

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Berg 28.02.2014, 15:17
30. Geisteswissenschaften - Naturwissenschaften

Die Vorwürfe richten sich gegen geisteswissenschaftliche Texte. - Absolventen technischer Hochschulen, die Maschinenbau, Festigkeitsehre, Kinematik, Werkstoffkunde usw. studierten und ihre Hochschullehrer, streben größte Klarheit, Eindeutigkeit ihrer Texte an: siehe Technische Vorschriften, Regeln der Technik usw.

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monsieurK 28.02.2014, 15:21
31. Herzlichen Dank...

für diese "köstlichen" Ausführungen !

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tpk 28.02.2014, 15:22
32. Erinnert mich an meinen Philosphie-Prof

der da sagte: wer es als Philsopoph zu was bringen will, darf nicht völlig unverständlich schreiben. Er darf aber auch nicht zu einfach und eindeutig formulieren. Das rechte Maß an Dunkelheit will getroffen sein, dann können sich Generationen von Sekundär-Interpreten daran abarbeiten und der Ruhm ist gesichert.

Davon abgesehen hat da oben aber ein Komiker getextet (die Kollegen von SPAM vielleicht). "Übersetzen" geht anders.

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keery 28.02.2014, 15:29
33. Englische Fachbücher leichter zu lesen

Ich habe aus diesem Grund am Ende oft die englischen Fachbücher vorgezogen. Sie waren trotz Fremdsprache einfacher zu lesen und zu verstehen. Galt allerdings vorwiegend für die, die auch von Muttersprachlern geschrieben wurden. Wenn ein Deutscher sich an einem englischen Fachbuch versucht, kommen genau die gleichen verschachtelten Satzkonstruktionen heraus wie im Deutschen.

Kann natürlich auch sein, dass man mit diesem "Geschwurbel" der Plagiatshysterie entgehen will. Bei uns (Naturwissenschaftler) hieß es dann immer, wenn eine Wortkonstruktion einen Sachverhalt präzise wiedergibt, sollte man sie verwenden und ggf. als Zitat kennzeichenen. Das wäre besser als krampfhaft die Wiedergabe in eigenen Worten zu versuchen, mit der Gefahr zu "schwurbeln", ungenau zu werden oder gar den Sinn völlig zu entstellen.

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thomasschöffel 28.02.2014, 15:30
34. Es ist nicht jedem gegeben.

Selbstverständlich sind Fachbegriffe dort nötig, wo sie angebracht sind. Und auch komplizierte und lange Sätze können sich als notwendig erweisen. Das bestreitet ja auch kein normaler Mensch. Was hier aber wohl gesagt werden soll, ist, daß viele versuchen, sich über die Ausdrucksweise ein bestimmtes Image zu geben, anderen zu übermitteln, wie gebildet sie doch seien, kurz: um anzugeben. Es ist allerdings nicht zu übersehen, daß sogar die, die sich mit Sprache bestens auskennen sollten, nämlich Journalisten, zunehmend nicht nur an Ausdrucksfähigkeit verlieren, sondern auch massiv Fehler machen. Momentan ist der Zunächst-Fehler weit verbreitet. Dort wo eigentlich das Wort bislang Verwendung finden sollte, wird jedoch fälschlicherweise das Wort zunächst verwendet. Anstelle, das also gesagt wird, daß der Verbrecher bislang nicht gefunden werden konnte, heißt es in manchen Meldungen, daß der Räuber zunächst nicht gefunden werden konnte. Oder noch was anderes: Überall wird gestorben. Also wenn mein 99-jähriger Großvater an Altersschwäche stirbt, dann stimmt das. Wird er aber auf einer gewalttätigen Demo erschossen, dann wurde er getötet. Bedeutsamer Unterschied, oder ? Lustig wird es dann, wenn Unfähigkeit sich mit Angabe paart und richtig dusseliger Mist gemacht wird. Come in and find out (Douglas-Werbung), Sänk ju vor Träwweling (Deutsche Bundesbahn) etc. Wat hamwa jelacht.

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jelissei 28.02.2014, 15:30
35. Banal ist Ihr versuch zu übersetzen...

Zitat von sysop
verschachtelte Sätze mit vielen Substantivierungen
das ist in der Tat überflüssig. Man muss nicht verschachteln um einen Wissensgegenstand von mehreren Seiten zu beleuchten.


Die Übersetzungen in die Alltagssprache sind allerdings genauso überflüssig.

Zitat von sysop
Wahrscheinlich, weil sie sonst ziemlich banal klingen würden.
Ah ja, vielleicht einfach schlecht übersetzt? Vielleicht alles interessante weggelassen?
Das ist echt zu einfach. Es gibt wissenschaftliche Zusammenhänge, die simpel sind. Es gibt aber auch Genügende, die sehr komplex sind. Angelsächsische Wissenschaftler schaffen es ohne "verschachtelte Sätze mit vielen Substantivierungen" solche Zusammenhänge zu erklären. Das macht sie nicht banal.

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alleinsam 28.02.2014, 15:31
36. Also...

Ich habe alles verstanden. Den Habermas musste ich, zugegebenermaßen, aber vor Jahren schonmal lesen. Auch beim ersten Mal bin ich seltsamerweise ohne Fremdwörterbuch oder ähnliches ausgekommen. Ich musste das ganze nur langsamer und konzentrierter lesen, als das bei sonstiger Fachliteratur der Fall ist. Man muss den Text auch verstehen wollen.
Die "Übersetzungen" sind meineserachtens nach alle schlechter als schlecht, von Wissenschaftlichkeit so weit entfernt, wie ein Schildbürger von einem Doktortitel.
Wenn man bedenkt, dass die Verfasser des Textes als auch der "Übersetzungen" allesamt studiert haben wollen, dann wird mir ganz anders zumute.
Ein Trost bleibt, die Damen und Herren werden als Journalisten wenigstens nicht mehr Wissenschaft und Forschung in ideocracy-ähnliche Zustände stürzen. Ob es so viel besser ist, dass dies dann aber mit dem geneigten Spiegel-Leser passiert wage ich zu bezweifeln.
Pest oder Cholera für die Bildung bzw. den Intellekt...und das nur, weil Leute mit fast nicht vorhandener Auffassungsgabe glauben, dass sich auch in Wissenschaft, Forschung und Lehre ein IQ

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Berg 28.02.2014, 15:33
37.

Zitat von Berg
Die Vorwürfe richten sich gegen geisteswissenschaftliche Texte. - Absolventen technischer Hochschulen, die Maschinenbau, Festigkeitsehre, Kinematik, Werkstoffkunde usw. studierten und ihre Hochschullehrer, streben größte Klarheit, Eindeutigkeit ihrer Texte an: siehe Technische Vorschriften, Regeln der Technik usw.
Lieber Berg, leider enthält auch Ihr Text einen Fehler: es muss sicherlich heißen "Festigkeitslehre". - Kann jedem mal passieren.....

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ewegner 28.02.2014, 15:33
38.

Leider nichts gegen die Sätze, mit denen die Studierenden manchmal die DozentInnen quälen.
Viele scheinen zu denken, dass, wenn sie nur kompliziert und redundant genug schreiben, man vielleicht gar nicht merkt, dass sie die gleiche Aussage über mehrere Seiten strecken, um damit Seiten zu schinden.
Am schlimmsten sind oft die Erstsemester-Texte. Daher mein Verdacht: Das wird denen in der Schule so beigebracht.

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KarateAndi 28.02.2014, 15:34
39.

Die Übersetzung von Armin Himmelrath zu Schlimmem aus der Publizistik ist falsch.

Es geht darum ob die Überzeugungen zum Verhalten passen und nicht untereinander. In der Psychologie nennt man das auch Konsistenz.

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