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Zensus-Helfer wider Willen: Tagelang Leute löchern für zwei Leistungspunkte

Wer für die Volkszählung Mitbürger befragt, wird bezahlt - normalerweise. Einige Studenten in Dresden aber wurden von ihrem Soziologie-Lehrstuhl dazu verdonnert, mit Stift und Papier durchs sächsische Freital zu ziehen. Sie fühlen sich zwangsverpflichtet, das Statistikamt lobt das "Ereignis Zensus".

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jinky 15.06.2011, 07:59
20. sdf

Zitat von homeuser
Nein, da haben Sie das Prinzip der Marktwirtschaft aber nicht verstanden. Zumal wir ja auch eine "soziale Marktwirtschaft" haben. Die Schaffung von Infrastruktur wird eben nicht automatisch durch den Markt geregelt.
Der Forist hat das Prinzip im Gegenteil genau verstanden. Ihre Unterscheidung zwischen "Wirtschaftsgut" und "Infrastruktur" ist völlig willkürlich. Oder gibt es einen anderen Grund als den der politischen Entscheidung, der aus der Staatsbahn ein Unternehmen macht?

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ACroonen 15.06.2011, 08:40
21. -

Zitat von Korken
......Und dann soll kein Geld für Rückporto (Antwortbrief Gebühr bezahlt Empfänger) vorhanden sein bei Leuten, die den Fragebogen selber ausfüllen? ...
Dem Schrott ist ein Briefumschlag mit den Worten ANTWORT beigelegt. Somit lässt er sich kostenlos versenden. Da dies das Magic Word zur Portobefreiung ist.
Einfach eintüten und gut ist. Allerdings finde ich es schon stark, dass im Briefmarkenfeld nicht explizit steht, dass das Porto bereist bezahlt ist. Da steht irgend so ein quatsch wie bitte freimachen oder so.....

Ist übrigens die VIERTE staatliche Befragung in DREI Jahren für mich gewesen. Obwohl ich zwangsverpflichtet wurde für den Microzensus, durfte ich den Quatsch nochmal mitmachen.

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joey55 15.06.2011, 10:31
22.

Wenn es nicht so traurig wäre, müsste ich lachen.

Liebe Soziologie-Studenten,
ihr werdet nicht für die Erbringung von Studienleistungen bezahlt? Ich bin schockiert.

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sp0cky 15.06.2011, 11:21
23. Wenn der Schnüffler dreimal klingelt

Vorab: die zwangsverpflichteten Studis tun mir leid, trotzdem sollten sie den Zensus boykottieren.

Die meisten sind aber freiwillige Schnüffelhelfer. Und dagegen hilft nur, die Erhebung so teuer wie möglich zu machen, bis der Staat endlich aufgibt.

Sollte bei mir so einer auflaufen, dann gibt es folgendes Programm:
- Oh, ich brauche nur noch einen Moment bitte.
..., wenn es dann nach 5 Minuten nochmal klingelt:
- Ich sagte doch einen Moment, oder wollen Sie etwa, dass ich Ihnen nackt öffne?
... falls dann die Frage kommt, ob ein anderer Termin...?
- Nein nein, das wäre noch schlechter.
... beim nächsten Klingeln: einen winzigen Augenblick noch, das Telefon hat gerade geklingelt.
... falls der Schnüffler den Fragebogen einfach einwerfen will:
- Was soll die Drängelei??? Jetzt werden Sie mal nicht unverschämt! Wenn Sie den Fragebogen einwerfen, werde ich mich über Sie beschweren!
... usw.

Wenn die Erhebungsschnüffler bei möglichst vielen Haushalten solche Erfahrungen machen und je eine halbe Stunde ohne Erfolg benötigen, werden sie irgendwann hinschmeissen. Oder die Fragebögen selbst ausfüllen.
Und damit wäre das Ziel erreicht, den Zensus so unbrauchbar zu machen, dass nie wieder jemand auf die Idee kommt ,diese Frechheit zu wiederholen.

Oder glaubt irgendjemand, dass nach diesem Zensus keine Kindergärten, Altenheime und U-Bahnen fehlen werden?

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Jackie 15.06.2011, 20:44
24. praxisfremd?

Ich frage mich gerade wie das technisch ablaufen soll, wenn ein Großteil der Befragten von ihrem Recht gebrauch macht, die Bögen selbst ohne Hilfe der Zensusbeauftragten auszufüllen. Dürfte in der Praxis schwierig werden, 50 Menschen zu finden die so naiv sind, eine wildfremde Person in die eigenen vier Wände zu lassen, um auf intimste Fragen Rede und Antwort zu stehen. Und die armen Studenten sind dann durchgefallen, oder wie?

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kdshp 16.06.2011, 11:51
25. Volkszählung

Zitat von sysop
Wer für die Volkszählung Mitbürger befragt, wird bezahlt - normalerweise. Einige Studenten in Dresden aber wurden von ihrem Soziologie-Lehrstuhl dazu verdonnert, mit Stift und Papier durchs sächsische Freital zu ziehen. Sie fühlen sich zwangsverpflichtet, das Statistikamt lobt das "Ereignis Zensus".
Hallo,
find ich ne super ide und der staat würde viel geld sparen.

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kathia 21.06.2011, 17:11
26. Nur eine Minderheit regt sich wirklich auf

Ich bin eine der betroffenen Studentinnen und ich finde die Diskussion überzogen, wie auch viele andere, mit denen ich gesprochen habe. Wir waren anfangs verwirrt, weil es sich nach viel Arbeit anhörte, die nicht entlohnt wird und es klang als wären wir billige Arbeitskräfte. Außerdem gab es anfangs kaum Aufklärung, was uns pbergeholfen wurde. Aber am Ende war die Aufregung aus meiner Sicht umsonst und es sind auch nur vereinzelte Studenten, die sich groß aufregen.
Herr Häder hatte sich schließlich auch zu Augengesprächen bereit erklärt und die Studenten unterstützt.
Ich finde es toll, dass wir die Möglichkeit hatte beim Zensus mitzumachen, statt am Telefon Umfragen zu machen, das hätte uns nämlich sonst geblüht. So mussten uns die Personen auskunft geben, da es eine Auskunftspflicht beim Zensus gibt. Am Telefon legen sie schon mal schneller auf und man hätte länger gebraucht, um die Befragungen zusammen zu bekommen.
Über das Geld hätte ich mich natürlich gefreut, aber ich finde es nicht schlimm, dass es keines gibt, schließlich ist es eine studentische Leistung, die man auch schnell hinter sich bringen kann, wenn man sich gut organisiert.
Weiterhin hat beinah jeder Student das Sachsenticket und hat damit kaum Aufwendungen.
Es gab auch ein Zusammenkommen mit Herrn Häder und dem Herrn vom Statistischen Landesamt und es waren kaum Studenten dort, die Probleme hatten, weil es kaum Probleme gibt. Gerade mal zwei der ungefähr 25 anwesenden haben sich aufgeregt und viel heiße Luft rausgelassen.
Natürlich ist es unangenehm, wenn man in fremde Haushalte muss, aber es gibt kaum schüchterne Soziologen und wenn man angst hat, dass man überfallen wird, dann spricht man sich ab und meldet sich nach jeder Befragung bei jemanden, so dass man sich sicher sein kann, dass jemand weiß, wo man zuletzt war. So habe ich das gemacht und ich war innerhalb von 3 Wochen mit meinen Befragungen fertig und konnte alles abgeben.
Es stimmt übrigens nicht, dass man nur in der Stadt Freital eingesetzt wurde. Sondern in der Gemeinde Freital und man konnte die Orte gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

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Jackie 21.06.2011, 18:30
27. Re

@kathia: danke für die Info. Wie wurde eine Befragung als Studienleistung gewertet, wenn ein Befragter den Fragebogen online bzw. alleine ausfüllen möchte (wozu er ja berechtigt ist)?

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mandyseb 21.06.2011, 20:50
28. Aufregung für nichts

Als ich diesen Artikel gelesen habe, ist mir fast mein Abendbrot im Halse stecken geblieben.
Ich bin selbst Studentin für Soziologie im vierten Semester an der TU Dresden und kann nicht verstehen, wieso Frau Heiler meint, sie müsse für alle Betroffenen sprechen.
Wenn nur ein oder zwei Studenten dieses Modul für gut befanden, kann ich mir nicht erklären, warum dann zum angekündigten Termin dieses Treffens nur um die 25 Studenten aufgetaucht sind, wovon so einige Kommilitonen defintiv nur anwesend waren, um zu erfahren, was es denn überhaupt bei Anderen für Probleme gab.
Des Weiteren hat Frau Heiler sich so oft im Laufe des Gespräches widersprochen, dass es schwer ersichtlich war, was nun der genaue Grund für ihre theatralische Aufregung war.
Sie hat selbst gesagt, sie würde das Pensum an ca. 50 Haushalten nicht schaffen, berichtet aber hier, sie wäre fast fertig?
Kurz nachdem sie versicherte, es ginge ihr nicht um das Geld, betonte sie, wie wichtig es sei, für diese Arbeit bezahlt zu werden. Dann widersprach sie den Äußerungen einer anderen Kommilitonin, dass die für den Zensus wichtigen Papiere schwierig auszufüllen seien, in einem leicht herablassenden Ton, nur um kurze Zeit später die gleiche Aussage selbst zu treffen.
Kurzum: Eine schlechtere Wahl für eine Sprecherin der betroffenen Studenten in diesem Artikel hätte man gar nicht treffen können.
Ich finde es schade, dass keine weiteren direkt betroffenen Studenten herangezogen wurden, sich fast nur auf die Aussagen dieser einen Studentin bezogen wurde, welche eine absolute Extremmeinung vertritt und für dramatische Darstellungen bekannt ist.

Wie Kathia schon feststellte, es war zu bewältgen, wenn man sich eingermaßen gut organisieren kann, wobei sich der Aufwand an sich gering hielt.
Dass wir, im Vergleich zu anderen Befragungsbeauftragten kein Geld bekommen sollten, kann ich verstehen, es ist nunmal ein Pflichtmodul, das aufgrund der fehlenden Gelder nicht hätte stattfinden können.

Zu dem Kommentar von "sp0cky", wie man doch mit den Befragungsbeauftragten umgehen könne, um diese "loszuwerden", kann ich nur sagen: Die, die ausführen, sind die kleinsten Lichter, können also nichts dafür. Wenn man meint, eine Rechnung mit dem Staat offen zu haben, ist es sinnlos, diejenigen bestrafen zu wollen, die in der Hierarchie selbst die Pyramide von unten sehen.

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kathia 22.06.2011, 13:16
29. Aufregung umsonst

Zitat von Jackie
danke für die Info. Wie wurde eine Befragung als Studienleistung gewertet, wenn ein Befragter den Fragebogen online bzw. alleine ausfüllen möchte (wozu er ja berechtigt ist)?
Also bei mir gab es da gar keine Probleme. Es war ein guter Teil, der bei mir online- oder selbstausfüllen wollte und ich bezweifle, dass es so detailiert an Herrn Häder weitergegeben wird, dass er weiß, dass dieser oder jener Student so und so viele erfolgreiche Befragungen hatte.

Ich wollte auch noch sagen, dass der Zeitaufwand viel geringer war, als bei der Telefonbefragung, die sonst zu machen gewesen wäre, da wir dort noch eine Hausarbeit hätten schreiben sollen, in der vorlesungsfreien Zeit. So hat man das schnell gemacht und dann alles hinter sich.

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