Forum: Leben und Lernen
Zitat des Tages: "22-Jährige, in Tränen aufgelöst"

Druck in der Schule, Druck in der Uni: Berufsberaterin Karin Wilcke findet, dass Turbo-Abi und die Verkürzung des Studiums dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener schaden. Die Lockerheit sei völlig verschwunden, es herrsche "Schulklassendenken".

Seite 2 von 14
frankyboy040 29.09.2012, 10:40
10. Timeout statt Burnout

Zitat von sysop
Druck in der Schule, Druck in der Uni: Berufsberaterin Karin Wilcke findet, dass Turbo-Abi und die Verkürzung des Studiums dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener schaden. Die Lockerheit sei völlig verschwunden, es herrsche "Schulklassendenken".
Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass der Druck auf junge Leute im Zuge des Bologna-Prozesses enorm gestiegen ist. Jeder hat Angst, den Anschluss zu verpassen, keine sehr guten Noten zu bekommen und schließlich als ALG II-Empfänger zu enden.

Wenn man auf der anderen Seite bedenkt, dass wir immer älter werden und länger arbeiten sollen, wäre ein Entschleunigung der Ausbildungs- und Arbeitswelt sowie eine gerechtere Verteilung der Arbeit auf viele Schultern ein viel besserer Weg.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schandmaul1000 29.09.2012, 10:49
11. Immer der gleiche Schwachsinn

auch die tausendste Wiederholung des ewig gleichen Schwachsinns ändert nichts an den Fakten.
1.Das Neunte Unterrichtsjahr an den Gymnasien verlief praktisch Unterrichtsfrei.
2.Fast die hälfte der Studenten bricht im ersten Semester ab.
3.Die Studienzeiten sind bei ernsthaften Lehrveranstaltungsbesuch absolut ausreichend.
Leider scheint die Devise zu gelten "die faulste Sau gibt das Tempo vor"

Beitrag melden Antworten / Zitieren
carolane 29.09.2012, 10:52
12. In der Kürze liegt die Würze

In Deutschland gibt es wohl eines der größten international belächelten Missverständnisse. Nämlich dass Schule und Studium eine Art Freizeitpark zur eigenen Erheiterung und unverbindlicher Überbrückungsmassnahme ins Erwachsenenleben ist. Das Ziel einer fundierten Ausbildung und Vorbereitung aufs Berufsleben, das woanders der alleinige Zweck ist, verkam bei uns im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einer Melange aus Heranwachsendenkindergarten, Kulturhappening und Selbstverwirklichungslabyrinth.

Was ist falsch daran dass man, bei dem für mich sehr sinnvollen achtjährigen Abi, auch noch Lehrer einsparen kann. Ist denn die Schule hauptsächlich eine Beschäftigungsmaßnahme für ehemalige Studenten die gerne an der Schule bleiben wollen, und sich die rauhe Welt draussen nicht antun wollen (ein Schelm wer Böses denkt).

Was ist falsch daran wenn junge Menschen mit 24 anstatt 28 in einem richtigen Beruf Erfahrung sammeln. Sollen Studenten durch unnötig langes Studium, Promotion und beliebiges Rumhängen auf einer Assistenzstelle bis kurz vor der Rente weiter sich nur durch Sandkastenspiele bewähren. Nein, eine rasche, solide und fundierte Ausbildung und so früh wie möglich hinaus in die Welt ist viel besser als der deutsche akademische Bandwurm. Wer will kann ja nach einigen Berufsjahren später noch einen Master zur Vertiefung dranhängen.

Alles andere ist schlicht und einfach rumtrödeln und Zeitverschwendung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Plasmabruzzler 29.09.2012, 11:01
13.

Zitat von hirschkaemp
Als Lehrer in der Oberstufe kann ich das nur bestätigen. Die Schüler tun einem leid - wir müssen sie abfüllen mit Daten wie eine Festplatte.
Das muss aber mittlerweile auch die ganze Menschheit, s. Informationsexplosion (Informationsexplosion).

Zitat von hirschkaemp
Nach der Klausur wird alles wieder gelöscht. Nachhaltiges Lernen, bei dem der Lehrer Zeit hat, die Liebe zu seinem Fach die Schüler spüren zu lassen und sie damit anzustecken, bleibt auf der Strecke.
Ich denke, das kommt in erster Linie auf die Lehrerin / den Lehrer an und die Eltern.
Von welchen Fächern sprechen Sie denn?

Zitat von hirschkaemp
Zusätzlich ist die . Wir haben uns z.T. diesen Dreck (Zentralabitur) von den Bayern abgeguckt, die anscheinend ihre Kinder schon längere Zeit nicht lieben (Zitat aus dem Munde einer bayrischen Mutter).
Haben sie Belege dafür? Außer natürlich dem Zitat einer Mutter.

Zitat von hirschkaemp
Die Schul- und Studienzeitverkürzung ist wohl der Anpassung an andere europäische Länder geschuldet. Fragt sich, ob das Erfolgsmodell "Deutschland" nun auch - wie es bei vielen Nachbarländern zu beobachten ist - ins Stocken kommt. Denn zur Persönlichkeitsbildung braucht es halt nun einmal schlichtweg ZEIT.
Für mich klingt das wie Stammtischparolen. Dass die Einführung des Bachelor-/Mastersystems auf wackeligen Beinen steht und die Schul- und Studienordnungen dahingehend kaum überarbeitet wurden, steht wohl außer Frage.
Und was die Persönlichkeitsbildung anbelangt: dafür können die Schule und die Hochschule nichts. Dort soll Wissen vermittelt werden - Erziehung ist in erster Linie Sache der Eltern. Wir leben halt in einer Zeit des lebenslangen Lernens und wenn manch einer denkt, er lernt heute einen Beruf und macht in 40 Jahren immer noch dieselbe Tätigkeit, der steht leider auf verlorenem Posten.

Und zurück zum eigentlichen Thema: Niederlagen einstecken können gehört - finde ich - zur Persönlichkeitsbildung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
touri 29.09.2012, 11:04
14.

Zitat von schandmaul1000
auch die tausendste Wiederholung des ewig gleichen Schwachsinns ändert nichts an den Fakten. 1.Das Neunte Unterrichtsjahr an den Gymnasien verlief praktisch Unterrichtsfrei.
Als jemand mit Abi (Jahrgang 2003, in Bayern) kann ich nur sagen, dass Sie hier quatsch erzählen. Das 9. Jahr war genauso ausgelastet wie das 8., außer das der Schwerpunkt nun auf Abiturvorbereitung lag. Aber man hat genauso seine Prüfungen geschrieben wie vorher und musste genauso seinen Stoff lernen.

Persönlich halte ich ein 8-stufiges Gymnasium für machbar, bei gleichzeitiger Entrümpelung des Lehrplans (viele Themengebiete, insbesondere in Geschichte, Deutsch, Musik, English hat man im Laufe seiner Schulzeit doppelt und dreifach durchgenommen), was leider nicht erfolgt ist, wie mir ein Bekannter, der den Lehrberuf an einem Gymnasium ergriffen hat auch bestätigt hat. Die Arbeit ist eher mehr geworden, und das nicht nur für die Schüler.

Aber selbst bei optimaler Einführung des 8-stufigen Systems frage ich mich nach dem volkswirtschaftlichen Sinn. Es ist ja nicht gerade so, als ob es Deutschland an Arbeitskräften mageln würde. Wahrscheinlich geht es zu großen Teilen darum das Steueraufkommen zu erhöhen, denn umso früher man das Arbeiten anfängt, um so länger zahlt man schließlich auch Steuern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Plasmabruzzler 29.09.2012, 11:16
15.

Zitat von carolane
Was ist falsch daran wenn junge Menschen mit 24 anstatt 28 in einem richtigen Beruf Erfahrung sammeln.
Das sehe ich ähnlich. Vor kurzem erfuhren wir, dass man bei 35 Beitragsjahren mit einem Bruttoverdienst von 2.500 Euro/Monat (das entspricht einer E6-Stelle im öffentlichen Dienst bei mind. 21-jähriger Zugehörigkeit) gerade einmal eine Rente auf Grundsicherungsniveau hat (Millionen Arbeitnehmern droht Altersarmut - SPIEGEL ONLINE). Rechnen wir einmal: bei Rente mit 67 minus 35 Beitragsjahre sind wir bei 32 Jahren. Das ist durchaus ein Alter, in dem man seine Promotion abgeschlossen haben kann.
Also bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als so früh wie möglich in den Beruf einzusteigen. Oder eine Stelle zu ergattern, die exorbitant gut bezahlt wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Andalusier 29.09.2012, 11:22
16. Die Verkürzung der Schulzeit

Worum es nach meiner ganz persönlichen privaten Ansicht geht:

1. Die Berufsanfänger sollen unreifer sein, weil sie dann mehr mit sich machen lassen.

2. Die jungen Menschen sollen schon früher auf dem Arbeitsmarkt auftauchen um die Anzahl der Arbeitslosen zu erhöht. Dadurch lässt sich mehr Druck auf die arbeitende Bevölkerung aufbauen, was wiederum dazu dient die Löhne zu drücken, die Anforderungen zu erhöhen und die Rechte zu beschneiden.

Sinnvoller wäre es in einer Zeit in der die Menschen immer älter werden, den Menschen mehr Zeit für die Ausbildung zur Verfügung zu stellen.

Statt 13 Schuljahre bis zum Abitur sollten 14 Jahre dafür zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sollte die Anzahl der Schulstunden pro Woche reduziert werden.

Wenn die gleiche Anzahl von Schulstunden auf 14 statt 13 Jahren verteilt wird sind nicht einmal mehr Lehrer dazu notwendig. Allerdings müssten mehr Klassenzimmer zur Verfügung stehen.

Bei einem späterem Eintritt ins Berufsleben, würden sich die Menschen vielleicht auch eher damit anfreunden können dieses auch erst etwas später wieder zu verlassen und in einem etwas höheren Alter erst in die Rente zu gehen.

Das würde auch die Rentenkasse entlasten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
stormking 29.09.2012, 11:30
17.

Zitat von sysop
Druck in der Schule, Druck in der Uni: Berufsberaterin Karin Wilcke findet, dass Turbo-Abi und die Verkürzung des Studiums dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener schaden.
Immer wenn ich "Turbo-Abi" lese, kann ich nur den Kopf schütteln. In den Wirren der Wiedervereinigung ist bei mir das fünfte Schuljahr praktisch ausgefallen, Gymnasium gab's überhaupt erst ab der sechsten Klasse (vorher nur ein paar Testklassen) und nach dem zwölften Schuljahr waren dann trotzdem die Abiturprüfungen dran. Also effektiv ein G7-Abi. An übermäßigen Stress kann ich mich aber nicht erinnern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Plasmabruzzler 29.09.2012, 11:34
18.

Zitat von Andalusier
1. Die Berufsanfänger sollen unreifer sein, weil sie dann mehr mit sich machen lassen.
Aus eigener Erfahrung als Ausbilder weiß ich, dass gerade junge Leute in Bezug auf Kritik sehr selbstbewusst auftreten. Wenn Sie Ausbilder im Handwerk wären und einem 16-jährigen einen Besen in die Hand drücken, um die Werkstatt zu fegen, werden Sie ihr Wunder erleben.

Zitat von Andalusier
Sinnvoller wäre es in einer Zeit in der die Menschen immer älter werden, den Menschen mehr Zeit für die Ausbildung zur Verfügung zu stellen.
Ich denke, bei Antritt im Berufsleben lernt man sowieso erst einige Jahre, bevor man seine volle Leistung erreicht hat.

Zitat von Andalusier
Bei einem späterem Eintritt ins Berufsleben, würden sich die Menschen vielleicht auch eher damit anfreunden können dieses auch erst etwas später wieder zu verlassen und in einem etwas höheren Alter erst in die Rente zu gehen.
Ich glaube nicht. Fragen Sie einmal Kinder, ob diese gern zur Schule gehen.

Zitat von Andalusier
Das würde auch die Rentenkasse entlasten.
Keinesfalls. Wer später in den Beruf einsteigt, zahlt demzufolge weniger in die Rentenkasse ein und ist im Alter auf weitere staatliche Hilfen angewiesen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
WolfHai 29.09.2012, 11:42
19. Enorme deutsche Leistungsorientierung

Zitat von sysop
Die Lockerheit sei völlig verschwunden, es herrsche "Schulklassendenken".
Es herrscht in Deutschland eine Grundstimmung der Leistungsorientierung, die etwas Verbissenes hat. Das Klischee lautet, dass andere Völker arbeiten um zu leben, bei den Deutschen sei es aber umgekehrt - und das scheint auch zu stimmen. Im Sport geht es um die Medaillen, unser Stolz ist es, Exportweltmeister zu werden, und Frauen sollen in den Beruf, um die Wirtschaftsleistung zu erhöhen; es gibt sicher noch viel mehr Beispiele. (Viele Menschen sehen als Grund den "neoliberalen Kapitalismus", aber in den USA, die sicherlich "neoliberaler" sind als Deutschland, gibt es nicht so viel Leistungsorientierung, und wenn, dann ist sie insgesamt nicht so verbissen.)

Ich bin gewiss nicht gegen Leistung, aber das Problem sind hohe psychosoziale Kosten - und dass man sich über so erzielte Leistungen am Ende nicht richtig freuen kann. All dies bildet sich im Hochschulbereich ab und ist isoliert kaum zu ändern.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 14