Forum: Leben und Lernen
Zitat des Tages: "22-Jährige, in Tränen aufgelöst"

Druck in der Schule, Druck in der Uni: Berufsberaterin Karin Wilcke findet, dass Turbo-Abi und die Verkürzung des Studiums dem Selbstbewusstsein junger Erwachsener schaden. Die Lockerheit sei völlig verschwunden, es herrsche "Schulklassendenken".

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PARANRW 29.09.2012, 17:25
60. ach was....

was für ein Unsinn!! Baujahr 1960, das Abi nach 12 Jahren und einem normalen 9-semestrigen Uni-Studium MIT Abschluss, wie alle meine Studienkollegen, es war eine unglaublich schöne, kreative -zeit, natürlich mit Leistungsdruck. Aber, an unserer Uni gab es von 1979 bis 1984 3 (DREI!!!) leistungsbedingte vorzeitige Exmatrikulationen! Das war damals eine Sensation. Heute, wo etwa 30% aller Studienafänger die Uni OHNE Abschluss verlässt von Verlängerung der Ausbildungszeiten zu reden, ist absurd. Leistungsgerechtes Arbeiten muss wieder gefragt sein, man nennt das auch Auslese. Und das ist auch gut so!!

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Fantail 29.09.2012, 17:37
61. Was hat DAS denn in einer Schule zu suchen?

Zitat von TS_Alien
Z.B. lernen die Schüler in Informatik Sachen, die es vor 20 Jahren noch gar nicht oder erst in Ansätzen gegeben hat (Objektorientierte Modellierung und Programmierung, moderne Kryptographie, funktionale Programmierung, Rechnernetze, ...).
Das sind ja wohl Fachspezifika, die an einer Schule meiner Meinung nach nichts verloren haben. Damit koennen sich interssierte Schueler im Rahmen einer Berufausbildung und/oder Studium beschaeftigen.

Und noch etwas, bevor es OO gab, entstand jede Applikation vermittels "funktionaler Programmierung", also gab es diese Art der Softwareentwicklung schon weit laenger als 20 jahre. "Hallo BASIC", moechte man schon fast rufen...

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maggi1947 29.09.2012, 17:42
62.

Der Preis der Verkürzung und Verschulung des Studiums ist die unfertige Persönlichkeit, die im Arbeitsleben besonders gut einzusetzen ist. Ziel der Ausbildung reduziert sich auf die schnellere Verwertbarkeit der "Fachidioten".

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xiusxius 29.09.2012, 17:46
63. Ich bin G8 in NRW

Zitat von BouvardPecuchet
So sollen dann immer jüngere Leute für die Wirtschaft bereit stehen, während die Frage nach dem gesellschaftlichen Auftrag der Schule, der doch in der Vermittlung von Bildung und nicht ausschließlich von Wissen bestehen sollte, nicht mehr gestellt wird. Für Bildung ist schlicht keine Zeit mehr!
Für Bildung ist keine Zeit mehr? Ich bin selber Schüler der 11. Klasse G8 System. Es war in meinen vergangenen 10 jahren eine Menge Zeit für Bildung seitens der Schule und durch meine Eltern.

Allerdings ist es nicht unauffällig geblieben, dass die Schule mehr und mehr Aufgaben der Eltern übernehmen muss, da diese sich nicht um ihre Kinder kümmern oder sie einfach gar nicht erziehn.
Ein Grund der mir dazu einfällt ist, dass die Kinder meistens keine Geschwister haben und die Eltern beide Berufstätig sind.
Die Schuld weise ich eindeutig dem Karriere Wunsch von beiden Elternteilen zu. Da die Bezahlung Unterschiede aufweist sehe ich die größere Verantwortung bei dem schlechter bezahlten Elternteil. Dies soll nicht bedeuten, dass Frauen an den Herd gehören, sondern, dass viele Eltern ihre Karriere nicht opfern wollen und glauben

Kind und Beruf seien vereinbar, welches der fatalste Denkfehler der Gesellschaft ist.

Daher die stammt die Mangelnde soziale Fähigkeit. Ein weiteres Problem sind die Lehrpläne. Diese wurden absolut unzureichend geschrieben und lassen große Bereiche, in denen unwichtiges über Monate gelehrt wird und wichtiges vernachlässigt. Da Schüler kein Recht auf Streiks haben wäre das Volk verpflichtet dagegen vorzugehen. Aber das Volk ist zu sehr mit seiner Karriere beschäftigt.

Die Schule muss plötzlich die Erziehung und den Bildungsauftrag übernehmen. Dazu erhält sie unzureichende Mittel, Kritik für das scheitern an einer Aufgabe, für die sie nicht geschaffen wurde, und Hindernisse durch Politiker die nicht erkennen wie die Realität aussieht.

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Fantail 29.09.2012, 17:46
64. Was hat DAS denn in einer Schule zu suchen?

Zitat von TS_Alien
Z.B. lernen die Schüler in Informatik Sachen, die es vor 20 Jahren noch gar nicht oder erst in Ansätzen gegeben hat (Objektorientierte Modellierung und Programmierung, moderne Kryptographie, funktionale Programmierung, Rechnernetze, ...).
Das sind ja wohl Fachspezifika, die an einer Schule meiner Meinung nach nichts verloren haben. Damit koennen sich interssierte Schueler im Rahmen einer Berufausbildung und/oder Studium beschaeftigen.

Und noch etwas, bevor es OO gab, entstand jede Applikation vermittels "funktionaler Programmierung", also gab es diese Art der Softwareentwicklung schon weit laenger als 20 jahre. "Hallo BASIC", moechte man schon fast rufen...

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TS_Alien 29.09.2012, 18:25
65. .

Eine solide Bildung auch in den naturwissenschaftlichen Fächern hätte dies verhindert:

Goiania-Unfall 1987: Nuklearkatastrophe in Brasilien - SPIEGEL ONLINE

Das ist nicht zynisch, das ist die Wahrheit. Und genau deshalb sollte man keine Abstriche machen bei der Schulbildung. Im Gegenteil, der naturwissenschaftliche Anteil sollte noch erhöht werden. Das benötigt Zeit. Und daher ist G9 der Königsweg.

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mrotz 29.09.2012, 19:03
66. Eltern, die ihr Kind lieben

Zitat von Scheidungskind
...viele fühlen sich tatsächlich nur noch wie Maschinen. Eltern, die ihre Kinder lieben, schicken sie eh nicht aufs Gymnasium. Sie üben keinen Druck aus und akzeptieren einen Haupt- oder Realschulabschluss.
Eltern, die ihr Kinder lieben, schicken diese auf die passende Schule.

Was soll ein Hochbegabter auf der Hauptschule versauern?
Was soll jemand, der für höhere Mathematik keine Begabung zeigen wird auf dem Gymnasium?

Das Problem: Für die meisten Eltern sind ihre Kinder natürlich alle Hochbegabt.


mfg

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mrotz 29.09.2012, 19:07
67. Zustimmung

Zitat von schandmaul1000
auch die tausendste Wiederholung des ewig gleichen Schwachsinns ändert nichts an den Fakten. 1.Das Neunte Unterrichtsjahr an den Gymnasien verlief praktisch Unterrichtsfrei. 2.Fast die hälfte der Studenten bricht im ersten Semester ab. 3.Die Studienzeiten sind bei ernsthaften Lehrveranstaltungsbesuch absolut ausreichend. Leider scheint die Devise zu gelten "die faulste Sau gibt das Tempo vor"
aber ich fürchte, daß nun das 8 Jahr entsprechend Unterrichtsfrei ist und der Rest dann natürlöich nach vorne geschoben wird.

Es war schon erstaunlich, daß die 13. KLasse (in BAWü) eigentlcih zur hälfte bummelei war.
Man hat am Anfang ncoh UNterrciht, dann kommt um Ostern das Abi. Danach ist Sense. (OK Irgendwann war dann ncoh mündlcih) aber es gab zwar noch UNterricht, man musste nciht mehr kommen, es hat auch ncihts gezählt. Sehr viele sind dann auch schon daheim geblieben. War natürlich toll, denn da konnt man dann ohne die anderen erst die richtig coolen Sachen machen :)

Aber das 13 Schuljahr war weniger als ein halbes.


mfg

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Creepwood 29.09.2012, 19:29
68. ....

Als Beobachter aus dem Ausland befremdet mich die deutsche G8-Hysterie ungemein. Hier in der Schweiz, aber auch in den meisten anderen mir bekannten Ländern, ist es seit langem üblich, dass man die Hochschulreife nach 12 Schuljahren erlangt.
Ein meines Erachtens problematischer Aspekt, der hier bislang nicht diskutiert wurde, hat mit der in Deutschland herrschenden didaktischen Kultur zu tun. Ich absolviere momentan in der Schweiz die Lehrerausbildung (für die Gymnasialstufe), und beim Vergleich zwischen deutschen und schweizerischen Lehrplänen fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Der Plan für ein einziges gymnasiales Schuljahr in meinem Fach umfasst in gewissen Bundesländern um die sechzig bis siebzig Seiten (!!!), während hierzulande die ganze vierjährige Gymnasialzeit gemeinhin in Form von Grobzielen auf zwei bis vier Seiten abgehandelt wird - es ist der jeweiligen Lehrkraft überlassen, diese Grobziele in der gegebenen Zeit dann auch tatsächlich zu erreichen. Für mich ist klar, dass unter derartigen Umständen - mit der Vorgabe von didaktischen Feinzielen in top-down-Manier - massive Probleme entstehen, wenn plötzlich ein ganzes Schuljahr wegfällt. Dann muss sich aber eben die didaktische Kultur Deutschlands ändern, denn es kann doch nicht sein, dass deutsche Jugendliche ein ganzes Jahr länger die Schulbank drücken müssen als ihre peers in den Nachbarländern.

Ich kenne niemanden, der sich nicht tödlich gelangweilt hätte, wenn noch ein 13. Schuljahr zu absolvieren gewesen wäre. Alle hatten es eilig, an die Uni zu kommen, eine Ausbildung zu machen, Praktika zu absolvieren, Reisen zu unternehmen... Kurzum, gewisse Weichenstellungen im eigenen Leben vorzunehmen - dafür ist man mit 18 Jahren nicht zu jung, finde ich.

An der Uni hängt dann leider sehr viel an der "Studierbarkeit" der jeweiligen Studienpläne. Bologna selbst muss kein Problem darstellen, wenn sich die betreffenden Fakultäten und Institute bei der Ausgestaltung ihrer Studienpläne Mühe gegeben haben. Ich hatte das Glück, gute Bedingungen anzutreffen und konnte in Regelstudienzeit, also mit 23 Jahren, meinen Master abschliessen. Wenn das nicht machbar ist, hat entweder die Uni bei der Formulierung des Studienplans versagt oder man hat selber nicht die erforderliche Leistung erbracht (und das kann viele verschiedene und auch sehr legitime Gründe haben, ich will das gar nicht werten) - in Gottes Namen, dann hat man halt den Master mit 24, 25 oder 26, ist auch nicht so schlimm.

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RobinB 29.09.2012, 19:30
69. Arme Jugend!

Ich selber habe in 15 Semestern meinen Dipl-Ing gemacht, danach den Doktor in 9. Dabei habe ich seit dem 12. Semester aktiv in der Forschung und Entwicklung gearbeitet und mein Geld verdient. Der Übergang war also fließend und absolut natürlich. Das muss ich ab und ab einem Personaler erklären, aber ich betreute meine Studienzeit keine Sekunde!

Im Gegenteil: mit tun die heutigen Studenten richtiggehend Leid. Manche Sachverhalte und Zusammenhänge kann man schlicht nicht am Schreibtisch lernen. Die kommen durch Aha-Erlebnisse, die man nicht erzwingen kann. Das hat viel mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun und damit, in ein Fach hinein zu wachsen. Die dazu benötigte Zeit ist individuell verschieden und sicher reichen die paar Semester bis zum BSc den meisten nicht.

Das Ergebnis: viele gestresste junge Leute, unzureichend ausgebildet und mit dem (berechtigten) Gefühl, nicht richtig auf das Berufsleben vorbereitet zu sein. Kein Rezept für einem glücklichen Start ins Leben...

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