Forum: Leben und Lernen
Zorniger Zwischenruf: Lasst mich rein, ich kann Arzt

Ihr Abi ist nicht exzellent, aber sie will Medizin studieren: Lea, 22, machte in drei Jahren eine medizinische Ausbildung, verklagte über ein Dutzend Unis, absolvierte Praktika, arbeitet als Sanitäterin - vergebens. Zwischenruf einer jungen Frau, die in einem Ärztemangelland einfach nur Ärztin werden will.

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testthewest 10.06.2011, 14:21
270. Titel

Zitat von BratSchnitte
Nach dem Eindruck, den mein ehemaliger Hausarzt bei mir hinterlassen hat: Fleiß, Fleiß, Fleiß, Ignoranz.
Woher kommt die Erwartung, alle Mediziner seinen das Gute und Gerechte in Person?
Woher die Annahme, alle lägen immer richtig, was Diagnose und Umgang angeht?

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gankuhr 10.06.2011, 14:25
271. klick

Die Sache ist doch die: unabhängig davon, wie viele Ärzte, Ingenieure etc. gebraucht werden, gibt es nunmal nur eine begrenzte Anzahl Studienplätze. Mehr Plätze würde mehr Geld kosten: mehr Lehrkärfte (bspw. zum Klausuren korrigieren), mehr Hörsääle, mehr medizinische Einrichtungen zu Trainingszwecken usw. Mehr Geld heißt mehr Steuergelder, und das wollen wir ja dann auch wieder nicht. Studeingebühren will auch keiner.

So, das oben beschriebene heißt jetzt wieder auch, dass nur eine begrenzte Anzahl Studenten pro Jahr anfangen können. Wenn jetzt mehr wollen, als Plätze da sind, muss man einige ablehen.

Und jetzt die Frage:

Wonach soll man sonst gehen, wenn nicht nach Noten? Klar, man könnte tests machen - aber das kostet auch wieder Geld (bindet Lehrkräfte, bindet Räume usw.).

Ich finde es daher gut, dass sie es nicht geschafft hat, sich einzuklagen. Denn dann wäre statt ihrer irgend ein anderer Student abgelehnt worden, der vorher bessere Leistungen erbracht hat. Wäre in meinen Augen unfair.

Eine ganz andere Frage ist es natürlich, ob man nicht etwas weniger Finanzhilfen an Unternehmen, Banken oder Länder hätte zahlen sollen, oder das Geld lieber in größere Unikapazitäten hätte stecken können. Aber das steht hier grade nicht zur Debatte.

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moex 10.06.2011, 14:26
272. .

Die Abiturnote hat nach meiner Erfahrung viel mehr mit Fleiß als mit Intelligenz zu tun.ich bezweifle auch,dass eine gute Note automatisch eine Begabung zum Medizinstudium bzw. eine Begabung als Arzt bedeutet.Da aber bekannt war,wie es hierzulande läuft,egal,ob man das nun für gut oder schlecht hält,muss sich die Dame die Frage gefallen lassen,warum sie sich nicht frühzeitig um eine gute Abinote bemüht hat.

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maximo31 10.06.2011, 14:27
273. typisch für unser Land

Typisch Deutschland, hier werden Menschen nicht nach ihren Fähigkeiten bewertet, sondern nur nach irgendwelchen auf Papier gedruckten Zahlen....

Ein Zeugnis sagt absolut nichts über die Fähigkeiten eines Menschen aus.

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commentatora 10.06.2011, 14:29
274. Die Wartezeit einfach nutzen

Liebe Lea,

nutze ganz einfach diese 6 Jahre möglichst effektiv um für das Studium vorzulernen und um Geld (vor)zu verdienen. Beim Studium selbst bleibt, wenn du noch etwas Freizeit haben möchtest, kaum Zeit dazu. Und wenn du schon alles vorgelernt hast, dann geht nachher alles ganz viel einfacher. Durch die Praxisausbildung hast du schon sehr viel an Erfahrungen voraus. Auch die Patienten und Kollegen nehmen dich nachher höchstwahrscheinlich schon viel ernster, da du schon ein paar Jahre mehr auf "dem Buckel" hast. Und du wirst später schon viel mehr Menschenkenntnis besitzen, als die meisten frischen Schulabgänger.

Summa summarum:
Mein Tip ist - zaudere nicht so sehr mit deiner Situation, nimm es wie es ist, aber konzentriere dich auf die positiven Seiten. Manchmal sind die negative Seiten nur vermeintlich negativ...

Viel Erfolg!

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kessel 10.06.2011, 14:29
275. ..

tja, nichts neues :)

In einzelnen Fachbereichen einzelner Universitäten wird mittlerweile glücklicherweise umgedacht und dort gibt es dann zb Eignungsfeststellungsverfahren, welche (immerhin) gleichwertig in die Abitur-Durchschnittsnote reingerechnet werden!

:)

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Betonia 10.06.2011, 14:30
276. x

Zitat von hdwinkel
...Der Ärztemangel ist patiell unterschiedlich. Wer ist z.B. bereit auf dem Land zu arbeiten?....
Dazu sind wohl nur wenige berufen...

Woran mag das wohl liegen, an der vielen Arbeit oder am geringeren Einkommen?

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mathmag 10.06.2011, 14:30
277. Artikel lesen!!!

Ich zweifel immer mehr, ob die Foristen, die der Artikelautorin Faulheit und ähnliches vorwerfen, selbst gewisse Verständnisfähigkeiten haben...
Zitat von
Daher hoffte ich auf das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH), das es Abiturienten wie mir erleichtern soll, einen Studienplatz zu ergattern. 60 Prozent der Studienplätze sollen demnach an Bewerber gehen, die eine Berufsausbildung hinter sich haben, die gute Leistungen im Test für medizinische Studiengänge schaffen, die ehrenamtlich gearbeitet haben oder andere Leistungen vorweisen können. Einer Klausel habe ich damals wohl noch nicht genügend Bedeutung beigemessen: "Die Abiturdurchschnittsnote muss bei der Auswahl einen maßgeblichen Einfluss behalten."
Eigentlich geht es hier darum, dass es offiziell einen weiteren Weg neben dem reinen NC geben soll, dieser aber in Praxis kaum gangbar ist.

Das zu kritisieren ist doch völlig legitim, was die ganze Häme soll, erschliesst sich mir nicht.

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condor20 10.06.2011, 14:32
278. die Arme....

Zitat von JacksonBlood
sie sollten vielleicht mal lesen lernen. Initiative, fleiss? Wo, wenn nicht bei der jungen Dame ist dieser vorhanden? Welchen Jugendlichen findet man, der um Zeit zu überbrücken und zusätzliche qualifikation zu schaffen eine Ausbildung + Ehrenamtliche tätigkeiten übernimmt?
Tja, leider ist sie da nur eine von vielen.....
Fast alle Möchte-Gern-Mediziner, deren Wartesemester Zahl n>2 ist, beginnen ihr "Engagement" durch das absolvieren irgendwelcher Ausbildungen im Medizinbereich (Pflegekraft, Rettungsassistent, OTA, MTA, med. Fachangestellte) und/oder durch ehrenamtliche Tätigkeiten als Sanitäter bei den HiOrg zu beweisen. Als Auswahl- oder Bevorzugungskriterium taugt dies deshalb nichts.

Andererseits, wer mehrere 1000 € übrig hat, um einen Rechtsverdreher zu bezahlen, Unis zu verklagen, kommt sicher nicht aus einer benachteiligten Schicht. Leider ist es aber so, dass dieses Vorgehen sogar eher von Dummheit den von Intelligenz zeugt, da die hohe Erfolgsrate, mit der die entsprechenden Anwälte gerne werben, in der Realität deutlich niedriger ausfällt.

Die Abinote ist zwar kein "faires" Auswahlkriterium, aber ein halbwegs nachvollziehbares und eines, auf das man isch einstellen kann. Wer unbedingt Medizin studieren möchte, kann sehr einfach herausfinden, dass dies mit Hilfe einer sehr guten Abineote deutlich einfacher fällt, als nur mit einer durchnittlichen oder gar schlechten. Und wer das weiss, kann sich auf seinen Hintern setzen, und entsprechend büffeln. (Und damit schon mal das trainieren, was den Studienerfolg in den ersten 4 Semestern Medizin entscheidend ausmacht: Viel lernene, darunter auch unnütze, wenig medizinische und motivationsdämpfende Dinge wie Chemie.)

In der Tat ist es so, dass die Wahrscheinlichkeit, die ersten 4 Semester des Medizinstudium erfolgreich zu absolvieren, eng mit der Abinote korreliert. Ob man das gut findet, oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Und es ist nunmal so, dass der grösste Teil derjenigen 25% Studienanfänger, die das Medizinstudium abbrechen (müssen), dies in den ersten 4 Semestern tun. Wer das Physikum hinter sich gebracht hat, schafft es dann auch bis zur Approbation.
Im übrigen kenne ich keine Untersuchung, die beweisen würde, dass diejenigen, die lange auf einen Studienplatz hinarbeiten, eine niedrigere Abbrecherquote haben (oder gar "bessere" Ärzte (und wie wird ein "guter" Arzt definiert) wären), als diejenigen, die sofort nach dem Abi einsteigen, wie hier von manchen postuliert wird.

Die Auswahlverfahren, die einige Unis bereits getestet hatten, sind letztendlich eine sehr subjektive Auswahl, die auf der einen Seite für die Unis einen hohen personellen und auch finanziellen Aufwand bedeuten, auf der anderen Seite aber wenig Benefit bringen, da, je nach Uni, zwischen 40 und 85% derjenigen, welche eine Studienplatz angeboten bekommen hatten, diesen letztendlich abgelehnt hatten. Zudem kam es zu nicht wenigen Versuchen von abgelehnten Bewerbern, die Ergebnisse der Auswahlverfahren auf dem Klageweg zu verändern......

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Betonia 10.06.2011, 14:33
279. x

Zitat von kessel
...In einzelnen Fachbereichen einzelner Universitäten wird mittlerweile glücklicherweise umgedacht und dort gibt es dann zb Eignungsfeststellungsverfahren, welche (immerhin) gleichwertig in die Abitur-Durchschnittsnote reingerechnet werden!...:)
Oh je, das wird ja immer schlimmer.
Und was ist, wenn man an so einem Prüfungstag einfach einen schlechten Tag hat und die Prüfung versemmelt?
Das ist für Berufene doch menschenunwürdig... :-)

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