Forum: Leben und Lernen
Zorniger Zwischenruf: Lasst mich rein, ich kann Arzt

Ihr Abi ist nicht exzellent, aber sie will Medizin studieren: Lea, 22, machte in drei Jahren eine medizinische Ausbildung, verklagte über ein Dutzend Unis, absolvierte Praktika, arbeitet als Sanitäterin - vergebens. Zwischenruf einer jungen Frau, die in einem Ärztemangelland einfach nur Ärztin werden will.

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raka 10.06.2011, 14:35
280. .

Zitat von sysop
Ihr Abi ist nicht exzellent, aber sie will Medizin studieren (...) - vergebens. (...)
Ein gutes Abitur als wichtigste Voraussetzung für ein Medizinstudium, - ein großer Irrtum!

Wie kommt man zu einem guten Abitur? Fleissig lernen und streben, kein Mucks den Lehrern gegenüber abgeben, immer folgsam sein, immer brav die Hausaufgaben gemacht, schön den Stoff vorgelernt und früh zu Bett, ausgeschlafen sein. Zeit um am Leben teilzunehmen bleibt wenig.

Damals in meiner Klasse waren die Einserabiturienten blasse, pickelige Typen, die zwar immer schon zwei Schulstunden im Voraus präpariert waren, aber ansonsten mit wenig Sozialkompetenz ausgestattete Totallangweiler waren.

Das merkt man dem Medizinbetrieb heute noch an: Bestens in der Diagnose, aber in den Patienten hinein fühlen ist fast gleich Null. Ein richtiges Gespräch zum richtigen Zeitpunkt hilft dem Menschen, der nun für eine Zeit lang Patient sein muss, meist mehr, als jede Medizin.

Die junge Frau hat sich im Leben schon umgesehen und gelernt, für mich wäre sie eines Studienplatzes würdig.

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Betonia 10.06.2011, 14:36
281. x

Zitat von mathmag
Ich zweifel immer mehr, ob die Foristen, die der Artikelautorin Faulheit und ähnliches vorwerfen, selbst gewisse Verständnisfähigkeiten haben... Eigentlich geht es hier darum, dass es offiziell einen weiteren Weg neben dem reinen NC geben soll, dieser aber in Praxis kaum gangbar ist. Das zu kritisieren ist doch völlig legitim, was die ganze Häme soll, erschliesst sich mir nicht.
Die ganze Aufmachung des Artikels fordert doch genau das heraus. Alleine dieses angebliche mehrfache Verklagen von Unis auf Kosten einer Rechtsschutzversicherung. Naja...

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MeineMeinung! 10.06.2011, 14:37
282. Verwundert

Nachdem ich selbst nach dem Abitur mit einem für das Medizinstudium "unzureichenden" Schnitt darstand und mich erst einmal durch den deutschen und österreichischen Auswahltest (TMS und EMS) arbeiten musste, hatte ich durchaus Interesse an diesem Artikel. Nach der dessen Lektüre bin ich jedoch mehr als nur ein wenig verwundert.

Das hat mehrere Gründe:
1. Es bedarf wohl kaum mehr als einer Stunde um sich auf hochschulstart.de (damals noch zvs) über die jeweiligen Auswahlkriterien der Universitäten einen Überblick zu machen. Lea ist jedoch erst NACH zwei Jahren enttäuscht, "dass viele Unis meine Ausbildung in keiner Weise, andere nur gering honorierten. An zwei Unis bekam ich für drei Jahre Arbeit im medizinischen Bereich 0,1 Notenpunkte gutgeschrieben - in Regensburg und München." Allein dieses Verhalten ist für mich nicht nachvollziehbar, aber da hört es ja nicht auf. Freundin Lea hat
2. "den Medizinertest erfolgreich absolviert"... was auch immer das heißen mag, nachdem man für den TMS eine Punktzahl bekommt, mit der man, vor allem noch vor drei Jahren, tatsächlich selbst mit einem Schnitt von 2,4 im Rennen für die ein oder anderen Uni ist (z.B. Heidelberg). Vorausgesetzt man hat sich angestrengt und ist unter den Besten 5% des Jahrgangs, was zwar tatsächlich schwer, aber durchaus, wie ich selbst erlebt habe, nicht unmöglich ist. Ich kann natürlich nur darüber mutmaßen, aber mir scheint als hätte sich da wer wieder nicht ausreichend informiert und entsprechend angestrengt.
3. Was mich letztlich jedoch am meisten verwundert, ist die Tatsache, dass jemand der behauptet dessen Leben mit dem Wunsch Arzt zu sein verknüpft ist, es nicht in Erwägung zieht Deutschland zu verlassen und in ein Land zu gehen in dem man sicher studieren kann um so seinen Traum zu verwirklichen...
Vielleicht ist das jedoch eher ein Wunsch in Richtung: Ich werde Feuerwehrmann!

P.S. An all jene, die sich nur über Auswahlverfahren und -kriterien beschweren:
Nachdem sich jährlich solche Massen für das Medizinstudium bewerben ist es nun einmal notwendig irgendein Auswahlverfahren anzuwenden und da ist da jetztige trotz seiner Mängel zumindest eines, das es ermöglicht diesen Ansturm zu bewältigen und zumindest in gewisser Hinsicht den Leistungswillen eines Bewerbers zu prüfen. Selbstverständlich könnte man auch "einfach" die besten potentiellen Ärzte durch Einzelgespräche und Ähnliches ermitteln, jedoch möchte ich an der Stelle zu bedenken geben, dass man dann wohl Jahre und nicht mehr nur Monate für eine Zusage bräuchte.

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realburb 10.06.2011, 14:38
283. Bhopal

Ich würde mir mehr bodenständige Ärzte wünschen. Den Typ Landwirtssohn, der sein Holz für den Kamin selber schlägt. Um es einmal etwas überspitzt auszudrücken. Das ist auch der Typ von Mensch, der sich "damit zufrieden gibt" Menschen auf dem Land zu heilen. Und nicht der Typ Schicki Micki Lady aus der Großstadt, die Ärztin geworden ist, "um der Welt was gutes zu tun", oder "weil man des mit nem einser Abitur halt so macht". Die Zeiten von Sozialromantik im Gesundheitswesen sind vorbei und ich möchte nicht derjenige sein, der einem 12 jährigen Mädchen sagen muss, dass es in 7 Tagen sterben wird.


Zum Thema Noten: Hier an der Uni kann mann mit dem schlechtesten ABI noch Verfahrenstechnik studieren, ein Beruf der bei mangelhafter Arbeit katastrophale Folgen hat: Katastrophe von Bhopal. Wer müsste da intelligenter sein? Der, der die Verantwortung für 1 oder der der die Verantwortung für 1 Mio. Menschen hat?

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TZR 10.06.2011, 14:41
284. Pro NC

Ich halte die Studienplatzvergabe mittels NC als nicht ideal aber doch als die praktikabelste und fairste Lösung.

Wenn man schon immer den Wunsch hatte Ärztin zu werden ("Der Wunsch, Ärztin zu sein, gehört zu meinem Leben. Ich bin mit diesem Wunsch aufgewachsen und habe nie eine andere Richtung für mich gesehen.") und sein Abitur trotzdem "nur" mit 2,4 bekommt, ist das für mich nicht verständlich. Der NC für das Medizinstudium ist seit langem bekannt und wer so deutlich von diesem NC entfernt liegt, dem fehlt entweder die Motivation oder die Leistungsfähigkeit.

Es wäre für Abiturienten mit einem wesentlich besseren Schnitt, die auch unbedingt Arzt werden wollen nicht verständlich wenn sie zu Gunsten wesentlich schlechterer Abiturienten abgelehnt werden.

Die Plätze in den Studiengängen sind beschränkt und es sollten die hineinkommen, die Ihre Motivation durch Leistungen im Abitur bewiesen haben.

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Camarillo Brillo 10.06.2011, 14:42
285. ...

Zitat von pdp-11/34
Muss ein Mediziner eigentlich gut in Mathe sein ? Ich als Ingenör schon aber nicht umbedingt in Latein :-)
Ja, und Deutsch müssen Sie auch nicht können ... :-) ... !!

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Alexander der Große 10.06.2011, 14:43
286. Regeln...

es ist dann auch in Stein gemeißelt, daß „Cheffe“ so geschrieben wird: „Chef“
→ und? Haben Sie Ahnung von Buchhaltung?
Achja: BWL heißt, das wissen jetzt von mir (Abiturient). Betriebs Wirtschafts Lehre... da ist der Bereich Buchhaltung nur ein Teil davon

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p.tiger 10.06.2011, 14:43
287. Satire ??

Zitat von user56
Das stimmt ganz sicher nicht. Alleine schon der hohe Frauenanteil in den medizinischen Fächern zeigt, daß die Anfoderungen an die Intelligenz dort eher niedrig sind. ...
Hmmm... also ich kann nur hoffen dass dieser Beitrag ironisch gemeint war und mein Sinn für Humor grad Ausgang hat. Oder wollen Sie uns allen Ernstes die alte Mär von der geringeren Intelligenz der Frauen erzählen? Das halte ich - man möge mir meine Kleinkariertheit verzeihen - schlicht für beleidigend. Dass wir hierzulande keinen Kaiser mehr haben ist aber bei Ihnen angekommen, ja?

Vielleicht liegt es ja an meiner mangelhaften und durchaus männlichen Intelligenz; ich jedenfalls kenne durchaus Frauen, die sich in Sachen Intelligenz keinesfalls hinter ihren männlichen Kollegen verstecken müssen - im Gegenteil (Grüße, mein Hase ;-) ).

In diesem Sinne: Frohe Pfingsten.

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tph 10.06.2011, 14:44
288. ...

Zitat von Joe Ghurt
Es ist sicherlich eine schwierige Frage, wie man eine beschränkte Studienplatzzahl verteilt. Derzeit ist es allerdings so, dass von allen bekannten Faktoren die Abitursnote der beste Prädiktor des Studienerfolgs ist (z.B. deshalb wurde auch der Medizinertest abgeschafft). Daher ist die Argumentation durchaus nachvollziehbar: Man will nicht einfach nur möglichst motivierte Ärzte, sondern eher möglichst gute, die dann auch schneller fertig sind... Joe
Immer wieder dieselbe Leier...
Die Schulnoten sind zwar, wie es so schön heißt, ein valider Prädiktor für den Studienerfolg. Sieht man sich allerdings mal die Daten d.h. die Korrelation an (in DE etwa 0.35, Bestimmtheitsmaß gerade einmal 0.1225) und vergleicht dies z.B. mit der Korrelation von IQ-Test-Ergebnissen und Studienerfolg (in DE etwa 0.44) ist die Schulnote alles andere als optimal.
Hinzu kommt das Noten (dann die Diplom/Master/etc Noten) als Prädiktor für Berufserfolg verwandt werden, wohl wissend das diese Korrelation zwar für die ersten paar Monate gilt, nach zwei, drei Jahren aber gegen Null tendiert und andere Faktoren bestimmend sind.

Zum Thema möglichst gute Mediziner: Warum ist dann ein alles andere als geringer Anteil der Dissertationen gerade mal auf dem Niveau von Diplomarbeiten und z.T. darunter?

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ACroonen 10.06.2011, 14:47
289. DER NC ist kein EIGNUNGSKRITERIUM

Um es ganz Klar zu sagen der NC ist kein Eignungskriterium.

Der NC ist vielmehr ein Mittel die Vergabe von Studienplätzen zu steuern. Er sagt nichts darüber aus ob man mit 1,0 oder 4,0 im ABI sein Studium schafft oder nicht. Die Hochschulreife hat man nämlich selbst mit 4,0 erreicht. Der NC sagt auch nichts darüber aus ob man für den Beruf geeignet ist. Er sagt lediglich aus, das ab einer bestimmten ABI Note jemandem ein Studienplatz garantiert wird. Der NC dient eher zur Regelung von Angebot und Nachfrage. Wollen auf einmal alle Ärzte werden, steigt der NC. Ist der Job nicht mehr gefragt fällt er unter umständen sogar weg.

Insofern beißt sich die Aussage Ärztemangel und NC von 1,4. Hätten wir einen Ärztemangel, hätten wir keinen NC, da allein das ABI und nicht die Note das Kriterium für die Hochschulreife darstellt.


http://de.wikipedia.org/wiki/Numerus_clausus


Was den Fall angeht: Da will jemand Medizin studieren und der NC reicht nicht aus. Also sollte er sich was anderes suchen (wie wäre es mit Pflegewissenschafften) oder in einem Land studieren wo der ABI Schnitt ausreichend ist. Ich denke da spontan an die Niederlande, England oder Ungarn. Sich es mit 20 Potentielen Arbeitgebern über den Klageweg zu verderben halte ich irgendwie für unvernünftig und dürfte in Summa nicht zielführend gewesen sein.

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