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Zulassung zum Medizinstudium: Warum der Wegfall der Wartezeitquote zu kurz greift
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Die Kultusminister der Länder wollen das Zulassungsverfahren für Medizinstudenten neu regeln und die Wartezeit der Bewerber künftig nicht mehr honorieren. Fairer wird das System dadurch nicht.

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Ortho4 19.06.2018, 15:48
1. Verwaltung des Mangels analog zur Mietpreisbremse

Die gerechte Verteilung der Medizinstudienplätze ist schon kompliziert genug. Das Grundproblem kann aber nur durch eine signifikante Erhöhung der Anzahl der Studienplätze gelöst werden.
Zwar gibt es heute so viele Ärzte in Deutschland wie noch nie, von eine Ärzteschwemme wie vor 30 Jahren kann aber keine Rede mehr sein. Die Absolventen in Human- und Zahnmedizin sind heute zu 60-80% weiblich. Das liegt am besseren Abi-Schnitt und an der besagten Gewichtung der Abinote. Diese Ärztinnen sind aus verständlichen Gründen nicht mehr zu selbstausbeuterischen Arbeitszeiten bereit, die eine Familiengründung unmöglich machen. Darum braucht man für das gleiche Arbeitspensum heute deutlich mehr ärztliches Personal in Praxen wie in Krankenhäusern. Derzeit wird der Mangel durch mehr oder weniger kompetente Ärzte aus Osteuropa ausgeglichen. Mit deutlichen Konsequenzen für Patienten, aber auch die deutschen Ärzte, die ihre neuen Kollegen häufig nicht verstehen. Da kommt es schon mal zu Missverständnissen.
Eine Aufstockung der Studienplätze ist aber immens teuer. Dazu sind die Länder aber noch nicht bereit. Die Schmerzgrenze ist wohl noch nicht erreicht.

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nelson76 19.06.2018, 16:03
2. Und nochmal,

damit werden Ausbildungsplätze (die begrenzt sind) für Menschen blockiert die den eigentlichen Pflegeberuf erlernen und dann auch ausüben wollen. Aber über Mangel klagen!

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tommirf 19.06.2018, 16:10
3. Dadurch

gibt es keinen einzigen zusätzlichen Studienplatz, und damit auch keinen einzigen zusätzlichen Arzt, der bereit ist, außerhalb einer Großstadt zu arbeiten. Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum ist das große Problem, und das wird durch eine andere Verteilung der Studienplätze nicht gelöst.

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LarsLondon 19.06.2018, 16:54
4. @#3 tommirf

Zitat von tommirf
Dadurch gibt es keinen einzigen zusätzlichen Studienplatz, und damit auch keinen einzigen zusätzlichen Arzt, der bereit ist, außerhalb einer Großstadt zu arbeiten.
Das soll durch diese Massnahme ja auch gar nicht erreicht werden.

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sa7ra9 19.06.2018, 17:38
5. x

Ich kann mir vorstellen es braucht zukünftig nicht mehr Ärzte ... auch die Digitalisierung wird vor der Medizin kein halt machen, die erste Fachrichtung die fällt oder sich zumindest massiv verändern wird ist , die Radiologie.
Eine Abteilung mit heute 10 - 12 Radiologen wird in 15 - 20 Jahren nur noch 4 - 5 brauchen wenn überhaupt.

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kayakclc 19.06.2018, 18:01
6. Altes Problem, keine Lösung

Die Diskussion NC Medizinstudium ist ein altere. Der Ärztemangel kommt noch dazu, weil immer mehr Leute zwar Medizin studieren wollen, aber am Ende nicht als Ärztin arbeiten wollen. Drei Komponeten wären da hilfreich. (i) Da das Abitur durch viele Reformen und subjektiven Noten wertlos geworden ist, müsste man auch in Deutschland einen SAT (Standard Aufnahme Test) einführen, der einheitlich alle Bewerber absolviere müssen. (ii) Das Medizinstudium sollte noch stärker reformiert werden, in einen schwierigen Theorieteil (kostenlos) am Anfang mit vielen Studienplätzen aber einer hochen Durchfallquote für Leute, die nicht geeignet sind. (iii) Der teurere zweite Praxisteil sollte mit einer Gebühr belegt werden, denn man/frau erstattet bekommt, wenn man dann mindestens 15 Jahre Vollzeit im Beruf gearbeitet hat. Es kann nicht sein, dass wir mit Steuergelder eine Ausbildung, die Mangelware ist und mehrere 100T€ kostet, an die falschen Leute verschwenden, die dann nicht als Arzt arbeiten wollen. In den USA hat man diese Diskussion nicht, weil eben Leute mit 250T€ Studienkredite aus dem Studium herausgehen und diese als Ärzte abarbeiten müssen, und damit sich eben genau überlegen, wo sie auch den Beruf ergreifen wollen oder nicht. In Deutschland fehlt leider völlig das Kostenbewustsein weil wir eine Klima des Abschieben von persönlicher Verantwortung kultivieren. Kosten werden von allen gerne der Allgemeinheit aufgebürdet ohne Risiko für die Einzelen. Die Misere, die wir heute haben, ist damit auch ein Zeichen der falschen Steuerungsmechnismen, die seit 40 Jahren bekannt sind, aber keiner will die richtige Schlüsse ziehen. Es wird von einigen nur noch nach einer weiteren Geldverschwendung gerufen. Das ist bei einem Beruf wie der Ärztin besonders ärgerlich, weil dieser Personenkreis zu den Spitzenverdienern in Deutschland gehören.

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le.toubib 19.06.2018, 18:54
7. Um ehrlich zu sein:

Ich persönlich würde wieder zum guten allten NC zurückkehren, kein Losverfahren, keine Wartezeit, keine untaugliche Ausbildung als paramedic, kein Bewerbungsgespräch!.

Das ist begreifbar, einfach und gerecht. Wenn jemand Medizin studieren will, muss er eben ein gutes Abitur hinbekommen. Basta!

Nur als Beispiel: Stehe ich im OP, muss ich bei Unvorhersehbarem sofort entscheiden! Da kann ich nicht sagen, ein bisschen Wartezeit wäre okay oder müsste noch einmal nachlesen, was ich nun wohl zu machen hätte, ich kann auch nicht mit zig Ordinarii disputieren, ich muss lediglich sofort nach meinem besten Wissen handeln. Also muss ich das gelernt haben. Und Studenten mit gutem Abitur können nun einmal besser lernen als welche mit 3,5 ...

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quark2@mailinator.com 19.06.2018, 20:15
8.

Warum können die Unis nicht das machen, was anderswo in solchen Fällen ganz normal ist, nämlich einen Aufnahmetest, wo jeder teilnehmen kann und diejenigen mit den besten Ergebnissen dann genommen werden ?
Und ich beklage ein weiteres Mal die Auswahl des Bildes bei Spon, wenn es um Bildung geht - immer nur blonde Mädchen/Frauen. Das ist nicht ansatzweise ausgewogen. Dauernd darüber schreiben, wie ungerecht Frauen behandelt werden, aber über Jahre nicht in der Lage zu sein, diese offensichtliche Schieflage beim eigenen Blatt zu korrigieren, ist einfach nur traurig.

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blödbacke 20.06.2018, 07:21
9. Ziemlicher Humbug!

Wer das Abi hat, darf studieren. Punkt. Ist der NC überhaupt verfassungskompatibel? Meine Professoren an der Uni im Studium haben alle nach dem Krieg studiert. Die konnten sich an jeder Uni einschreiben, sind einfach mit ihrem Studienbuch zu der Uni gegangen, wo es für sie interessante Kurse und (!) Lehrkräfte gab (darum stehen in deren Lebensläufen auch soviele Uninamen -"hat dies und das dort und da und dort studiert").
Generell gibt es zu wenig Medizinabsolventen. Meine Firma würde gerne in der Forschungsabteilung einen Mediziner einstellen, aber deren Gehaltsvorstellungen sind utopisch. Bildet einfach mehr Ärzte aus, dann sinken die Personalkosten an den Krankenhäusern und anderswo massiv. Hat doch bei den Naturwissenschaftlern auch sehr gut geklappt. Können die Bundeswehrunis nicht einfach 10.000 Ärzte zusätzlich pro Jahr ausbilden? Könnte man notfalls auch in der Entwicklungshilfe einsetzen.

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