Forum: Leben und Lernen
Zwischenruf eines Lehrers: Gebt den Kindern die Verantwortung zurück
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Helikoptereltern sind tückisch, findet Lehrer Felix Nattermann: Sie ziehen unselbständige Kinder heran, die schon an einer Busfahrt scheitern. Was sollen aus diesem Nachwuchs später für Erwachsene werden?

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Wunderläufer 13.06.2016, 08:45
20. Klasse

"Letztlich machen unsere Schüler Abitur". Früher war das das Reifezeugnis; damit hat das heutige Abitur nichts mehr gemeinsam; dazu trägt auch die fehlende Reife der Eltern bei

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l.augenstein 13.06.2016, 08:52
21. Wie wahr, wie wahr!

Diese Helikoptereltern haben auch noch einen anderen, unangenehmen, Nebeneffekt: Sie stecken die normal denkenden Eltern mit ihren Ängsten und ihrer Überversorgung auch noch an bzw. machen ihnen fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn die ihre Kinder normal erziehen wollen.

Ich frage mich, wie diese überumsorgten Kinder später gegen die Konkurrenz aus anderen Ländern und Kulturkreisen erfolgreich bestehen sollen?

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mantrid 13.06.2016, 08:54
22. Aus Fehlern lernt man

Man muss Kindern zugestehen, auch einmal zu scheitern. Man muss auch mal verlieren, sich blaue Flecken holen, eine Aufgabe völlig versemmeln. Die Kunst besteht nicht im Hinfallen, sondern im Aufstehen, um den nächsten Anlauf zu nehmen. Erfolge können arrogant, satt und selbstzufrieden machen. Fast alle großen Geister sind zunächst jämmerlich gescheitert, bis sie Erfolg hatten.

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0forearth 13.06.2016, 08:55
23.

Natürlich liegt der Lehrer richtig. Aber Kinder im Grundschulalter allein im Supermarkt oder ganz allein in öffentlichen Verkehrsmitteln zu sehen ist so selten geworden, dass selbst unbeteiligte Erwachsene sich Sorgen machen. Ich nehme auch an, dass es gar nicht der Mangel an Vertrauen in ihre Kinder ist, die Eltern so handeln lässt, sondern vielmehr der Mangel an Vertrauen in andere Menschen, wenn man an die Nachrichten über Kindesentführungen denkt. Zweifellos zieht ein einzelnes junges Kind Aufmerksamkeit auf sich, vielleicht auch nur, weil sein Anblick so selten ist. Und um ehrlich zu sein: Wenn ich an all die schrägen Typen, zugedröhnten Alkis oder sonstwie psychisch auffälligen Männer und Frauen denke, die ich schon in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Großstadt gesehen habe oder wegen derer ich auch schon mal den Wagen gewechselt habe, würde ich ein eigenes Kind auch nicht vor einem Alter von ca. 15 Jahren da ganz allein lassen wollen. In der Kleingruppe geht das schon eher, aber ganz ohne Aufsicht? Man sollte nicht vergessen, dass Eltern auch rechtlich gesehen eine gewisse Aufsichtspflicht haben.

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Indigo76 13.06.2016, 08:56
24.

Was soll man da diskutieren? Der Lehrer hat Recht! Und zwar uneingeschränkt. Aber einer Helikoptermutter (oder Vater) kann man das mit Neonfarbe auf die Innenseite der Augenlieder tätowieren - es wird nichts ändern.

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mwieder 13.06.2016, 08:57
25. Im Kern richtig, aber bitte nicht übertreiben ...

Hallo,

im Kern sind die Aussagen schon richtig - wir müssen frühzeitig lernen auch mal loszulassen und den Kindern Freiheiten einzuräumen mit dem Risiko des Scheiterns.

Einige kritische Aspekte zu dem Artikel:
- weil der Schulweg sehr weit war habe auch ich mir die Freiheit genommen meinen Sohn und meine Tochter zur Grundschule zu fahren - zurück ging es ab der 2. Klasse zu Fuss, ab Ende der 3. Klasse per Fahrrad - dennoch sind beide durchaus selbständig, können Bus fahren und sind sozial (selbständig) engagiert. Also bitte die Kirche im Dorf lassen ...
- die Arbeit der Vereine darf nie unterschätzt werden - dort wird sehr viel Erfolg-/Frustbewältigung gelernt. Auch das stärkt fürs Leben.
- und Motivation für den Unterricht kann vor allem der Lehrer aufbauen - auch bei meinen Kindern ist wie immer alles dabei - geniale Lateinlehrer, sehr engagierte Chemielehrer, unvermögende Mathelehrer und leider ein Lehrer, der in einem Wahlpflichfach den Kindern den Spass an den Naturwissenschaften raubt. Nur wer motiviert, wird den Kindern auch die Konsumhaltung nehmen.

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Deddy 13.06.2016, 08:57
26.

Bereits 2004 veröffentlichte der Stern einen Artikel, dessen Verfasser unbekannt ist. Er beschreibt genau das, was Herr Nattermann hier geschrieben hat, nur für die früheren Generationen. Stimmt 100%
Hierzu finden:
http://www.med.uni-magdeburg.de/fme/prmed/Kindheitserinnerungen2.pdf

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kr-invest 13.06.2016, 08:59
27. Interessante Meinung

Die Meinung des Autors stellt - meiner Meinung nach - ein völlig verzerrtes Bild der Realität dar, dass sich natürlich aus seiner Funktion als Lehrer ergibt, der diese Kinder nur von der schulischen Seite kennt. Realität ist, dass die Kinder heute viel selbständiger sind, als wir das früher waren. Früher war alles einfach, die Eltern hatten Zeit, der Freundeskreis war das Nachbarskind und die Schule war um 1 Uhr aus. 10% meiner Klassenkameraden haben Abi gemacht, die anderen habe ich seit der Grundschule nicht mehr gesehen. Diese 10% haben studiert, sind heute Mitte 40 und wir sind gut vernetzt, viele haben Kinder, viele sind vermutlich "Helikoptereltern" aus Sicht des Autors.

Realität ist, dass auch die Kinder mittlerweile einen "Arbeitstag" haben, der beginnt eine Stunde vor meinem, nämlich um 8. Er endet um 15 Uhr, wenn sie vom DayCare geholt werden. Dann sind die Hausaufgaben fertig und die Kinder haben sich selbständig von Schule zu Hort gefahren. Meistens haben die Kinder irgendwo dazwischen was ausgemacht mit Freunden um sich danach noch zu treffen oder sie gehen tatsächlich in einen Sportverein. Computer spielen in der Tat eine wichtige Rolle. Das ist bei uns klar gefördert von Eltern-Seite, weil die Schulen nach wie vor nicht in der Lage sind einen umfassenden Informatik-Unterricht anzubieten, trotz toller Produkte wie Scratch, Lego Mindstorms und MineCraft. Bis das in den Lehrplänen auftaucht ist wieder eine Generation von Schülern ohne Informatik-Bildung erzeugt worden. Die hängen dann nämlich als "Computer-Konsumenten" bei Youtube rum oder spielen irgendeinen Schrott. Anstatt die Eltern zu kritisieren, sollte man sich als Informatik-Lehrer lieber Gedanken machen, wie man Drittklässern Zugang zu Computersprachen vermittelt (damit fördert man Kreativität statt Konsum), aber das gelingt meines Wissens an den meisten Grundschulen (und vermutlich auch Gymnasiumsunterstufen) nur, wenn Eltern solche AGs selbst organisieren. Auch weil die meisten Informatik-Lehrer selbst kaum mehr können als die Variablentypen aufzuzählen und "Hello World" anzeigen zu lassen.

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ostseewal 13.06.2016, 09:02
28. Ich bin Vater/Mutter - also bin ich!

Gut und differenziert auf den Punkt getroffen. Ergänzend eine alternative Interpretation, warum Eltern die Selbstständigkeit ihrer Kinder nicht wollen und nicht aushalten: Die Rolle als wichtigster, unersetzbarer Mensch im Leben eines anderen schafft eigene Bedeutung. Wenn man die alltägliche Inszenierung der beschriebenen Eltern sieht, entsteht oft der Eindruck, dass das Kind zumindest auch Vehikel für die Eigendarstellung sein muss. Oft sind es die Elternteile, die das als rücksichtslos empfundene Theater lautstark inszenieren - die Kinder passen sich irgendwann an.

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premiere92 13.06.2016, 09:02
29. Thema verfehlt, setzen, ...

Was Kinder können sollten, bis denn dann mit 18 volljährig sind, ist hinlänglich bekannt. Jemand, dessen Eltern selbst Öffis benutzen, wird sich damit genauso sicher bewegen, wie jemand, dessen Eltern ein Fahrrad benutzen. Sie selber bewegen ist dabei das Stichwort.
Insofern schon klar, was Kinder können sollten; nur, wie motiviere ich die sicherheitsverliebten Eltern dazu, ein wenig Risiko zuzulassen. Mit welchen Anreizen lassen sich Eltern darauf ein, Herausforderungen als Chance zu sehen, damit sich ihr Kind selbständig zu einer selbständigen Person entwickeln kann?

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