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25 Jahre Hypercard: Wie Apple beinahe das Web erfand
Smackerel

Es hätte der erste Web-Browser werden können: 1987 stellte Apple ein Programm namens Hypercard vor. Damit konnten sich Nutzer durch Bilder und Klänge klicken und Musikrezensionen lesen. Doch das Programm setzte sich nicht durch - seine Macher begingen zwei große Fehler.

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Waveguide 02.06.2012, 20:17
1. Schlank und schön!

Hypercard kenne ich noch aus den 1990-er Jahren, als ich als Student ein Apple Macintosh PowerBook 150 mit 33-MHz-CPU, 8 MB RAM und 250-MByte-Festplatte (!) mein Eigen nannte. Hypercard lief erstaunlich schnell und gut. Ich fand das ziemlich innovativ. Ich glaube, es gab einen Nachfolger namens Supercard. Schade, dass diese Idee nicht weiterverfolgt wurde.

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vantast64 02.06.2012, 21:42
2. Decnet von Digital Equipment wäre auch eine große Chance

gewesen, leider hatten die allzu gierigen Manager nicht die vorhandene technische Expertise ihrer Firma gesehen und genutzt. Hätten sie die vorhandene Technologie so freigestellt wie ihre Bussysteme UNIBUS und Qbus, wäre ihre Netztechnologie vielleicht zum Industriestandard geworden.

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vaikl 02.06.2012, 23:08
3. Das Prinzip ist nicht tot...

...und nennt sich heute halt Flash oder HTML5. Es war nicht die nun hinzugedichtete Webaffinität von HyperCard, sondern die natursprachlichen, objektorientierten Programmiermöglichkeiten von HyperTalk, die HC eine solche Berümtheit verlieh. Jedermann konnte plötzlich ohne Vorwissen kleine Apps ("Stacks") für den persönlichen Bedarf erstellen. Das war damals viel wichtiger als irgendein KlickiBunti-Web. Das Prinzip wurde mit SuperCard wiederbelebt und nebenbei von Macromedia in deren "Director" einbezogen, welcher ja dann mit dem Aufsaugen durch Adobe halt in Flash mündete. Ist also nix verloren, nur macht das Geld halt nun ein Anderer.

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sehdarm 02.06.2012, 23:36
4. Frei und nicht patentierbar!

Zitat von sysop
Es hätte der erste Web-Browser werden können: 1987 stellte Apple ein Programm namens Hypercard vor. Damit konnten sich Nutzer durch Bilder und Klänge klicken und Musikrezensionen lesen. Doch das Programm setzte sich nicht durch - seine Macher begingen zwei große Fehler.
Jetzt soll uns Apple auch noch als gedanklicher Erfinder des WWW verkauft werden?

Konrad Lischka vergisst den allerwichtigsten Punkt: Tim Berners-Lee war "Wichtig (...), dass er seine Ideen und technischen Umsetzungen nicht patentierte, sondern frei weitergab. Auch auf die Maxime des World Wide Web Consortiums, nur patentfreie Standards zu verabschieden, hatte er starken Einfluss."

(dt. Wikipedia)

Das WWW kam aus dem Bildungsbereich, aus dem universitären Umfeld und wurde nur deswegen zu einem überall akzeptierten und genutzten Dienst, weil keine Firma dahinter stand, die ihren Standard versuchte durchzudrücken. Sowohl Microsoft (ActiveX und IE-spezifisches HTML) als auch Adobe (Flash) sind grandios gescheitert.

Vor allem freie Software hat das Internet zu dem gemacht was es ist. Nicht nur die Trennung der Layer!

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Kaygeebee 02.06.2012, 23:57
5.

Ich muss zugeben heute das erste mal von Hypercard gehört zu haben. Das Internet nutze ich seit Ende der 90er, aber da waren die Standards (HTML, WWW) bereits festgelegt und im Haus standen nur PCs mit Windows (95 und 98).
Und da die Anzahl der Apple-Nutzer schon immer überschaubar war (verglichen mit Windows Nutzern) ist es auch kein Wunder, dass sich Hypercard nicht durchgesetzt hat. Apples iPod hätte sich vermutlich auch nicht durchgesetzt wenn iTunes, die nötige Software für den reibungslosen Betrieb, nur auf Macs laufen würde.

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spügel 03.06.2012, 01:30
6.

Ich habe noch XPLORA! - Peter Gabriel’s Secret World hier liegen - eine Multimedia-CD auf einem Niveau, das eigentlich sonst nur mit MacroMind Director erreicht wurde. Multimedia - CSs dieser Art wurden sehr damals sehr teuer verkauft, das war sicher auch ein Fehler.

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gjveltink 03.06.2012, 02:16
7. HyperCard inspirierte das frühe Web!

HyperCard war doch wichtiger für das frühe Web als dieser Artikel vermuten lässt. Ein der sehr frühen Browser -ViolaWWW von Pei-Yuan Wei - basiert direkt auf HyperCard.
Viola war ein 'HyperCard-Klon' für X-Windows (SUN Workstations) und wurde ab 1990 entwickelt. Nachdem Pei-Yuan Wei von dem URL-Prinzip hört, erweitert er Viola innerhalb einer Woche mit WorldWideWeb-Fähigkeiten zu ViolaWWW. ViolaWWW erschien in April 1992, noch vor Mosaic in Januar 1993!
Mosaic war sehr stark inspiriert von ViolaWWW und Midas. Die prominenten Buttons für "Home", "Back" und "Forward" sowie die "Bookmark"-Möglichkeit in Mosaic, sind damit via ViolaWWW direkt auf HyperCard zurückzuführen!

Eine weitere wichtige Web-Entwicklung war auch von HyperCard inspiriert: das Wiki!
Ward Cunningham schreibt, dass er das erste Offline-Wiki erstellte um ein Wissensmanagement-Wiki für Tektronix zu erstellen. Er hatte drei Typen von Karten: Karten mit Ideen, Karten für Menschen mit Ideen und Karten für Projekte, die benutzt wurden um Ideen auszutauschen und zu diskutieren. Damit war das Wiki geboren (1987-1989).
Die erste Web-Version erstellte er im März 1995.

@Waveguide. Die HyperCard-Idee wurde sehr wohl weiterverfolgt und man kann heutzutage sogar das iPad sowie das Android-Handy mit einem HyperCard-Nachfahren programmieren: LiveCode der Firma RunRev!

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Rosine 03.06.2012, 04:27
8. optional

Pardon, aber der Artikel konstruiert eine Wieklichkeit die es nie gab. Das Apple Programm war eines von vielen zu der Zeit die proprietäre Hypertextanwendung erlaubten. Das Apple damit nicht den Markt eroberte hatte viel mit Marktanteilen der Apple Computer zu tun, die recht gering waren. Man vergisst es heute oft, aber Apple war in den 90ern pleite, gerettet wurden sie von Microsoft- aus Eigennutz, es drohte die Zerschalgung Microsofts wegen der fortschreitenden Monopolisierung des Computermarktes. Wie auch immer- der Artikel ist so einfach überzogen. Apple hatte ein relativ frühes kommerzielles Autoringtool das Hypertext verarbeitete. So wie viele andere. Und wie die anderen wurden sie damit nicht Standard. Verdientermassen.

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Hagbard 03.06.2012, 07:29
9.

Es wird ja gerne unterschlagen, dass Apple neben vielen Dingen, die funktioniert haben, sich durchsetzten und wegweisend für andere waren, auch eine Menge Flops fabriziert haben. Oder zumindest Produkte auf dem Markt hatten, die sich nicht so durchsetzten, wie sie es hätten können, wenn...

Gates hat für die Verbreitung seiner Produkte einen einfachen Schlüssel gefunden: "Mach die Plattform billig, verschenk sie, alles andere kommt." Windows und alles, was danach kam, hat nicht durchgesetzt, weil es gut war, sondern weil es da war und wenig kostete.

Diesen Zug hat Apple verschlafen. Im Großen und Ganzen und auch bei Einzelnen Produkten.

Und manchmal waren die auch schlicht ihrer Zeit voraus.

Um Hypercard ist es schade. Aber wie sich gezeigt hat, dreht sich die Welt auch ohne.

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