Forum: Netzwelt
5G und künstliche Intelligenz: Es war einmal ein Exportweltmeister
JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX

Ein "Start-Ziel-Debakel" sei die Digitalpolitik der Bundesregierung, schrieb Sascha Lobo. Ob 5G oder künstliche Intelligenz - die Große Koalition enttäuscht ihn. Im Podcast reagiert Lobo auf Leserzuschriften.

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ghdstz 29.04.2019, 16:14
30. Vom Internet der Dinge (IoT)

Zitat von MatthiasPetersbach
Aber das Internet der Dinge ist doch genauso ein -umweltschädlicher- Quatsch wie das autonome Fahren. Die WARUM-Frage scheint mittlerweile völlig unmodern zu sein.
Im Elektronikfachmarkt finden Sie Regale mit der Überschrift "Smart Home", und da findet sich tatsächlich neben einigen halbwegs nützlichen Dingen auch sehr viel Quatsch den man nicht wirklich braucht - und der teils auch recht gefährlich ist, weil er Hackern Tür und Tor in Ihre Privatsphäre und ggf. auch Zugriff auf Ihr Bankkonto eröffnen kann.

Andererseits gäbe es in Deutschland schon lange keine Autoindustrie mehr, wenn diese sich nicht schon vor Jahrzehnten eine Art "Internet der Dinge" zugelegt hätte. Damit meine ich eine sehr komplexe und hochautomatisierte Logistik- und Fertigungs-Infrastruktur, die natürlich weitestgehend getrennt vom herkömmlichen Internet betrieben wird. Gerade im Premiumsegment ist auf Grund der vielen Ausstattungsoptionen praktisch jedes Fahrzeug ein exklusives Einzelmodell, es werden an einem Tag kaum mal zwei exakt gleiche Fahrzeuge gefertigt. Alle Teile müssen genau passend "just in Time" an der richtigen Stelle ankommen. Das funktioniert bestens und schon seit vielen Jahren, weil alle Fertigungsstufen nahtlos und elektronisch miteinander vernetzt sind. Heute würde man das "Industrie 3.0" nennen - oft wird uns solche hochintegrierte Fertigung sogar als "Industrie 4.0" präsentiert und alle sind tief beeindruckt. Von "umweltschädlichem Quatsch" kann da keiner sprechen, die alten Produktionsmethoden waren wesentlich schädlicher für die Umwelt (und auch für die dort beschäftigten Menschen).

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www-professor 29.04.2019, 16:17
31. Warum???

Zitat von MatthiasPetersbach
Aber das Internet der Dinge ist doch genauso ein -umweltschädlicher- Quatsch wie das autonome Fahren. Die WARUM-Frage scheint mittlerweile völlig unmodern zu sein. Irgendwas zu fordern und anzuleiern und einzuführen, damit man was Doofes, Unnützes - wo so en passant die Falschen dran verdienen - tun kann, ist doch ziemlich daneben. Klar, man kann auch nen Roboter mit KI entwickeln, der automatisch, vernetzt und selbstständig Dünnsäure im Meer verklappt oder Afrikas Strände mit Elektroschrott überschwemmt und das als "Fortschritt" deklarieren. Ist es aber nicht. Das "moderne Mittel" an sich ist ja kein Argument per se - und sollte auch kein Selbstzweck sein. Wir tun - und brauchen - an Wichtigem nichts anderes als vor 40 Jahren. Der Rest ist nice-to-have. Aber nicht wichtig. Es MACHT sich nur wichtig.
Das Warum ist doch relativ schnell erklärt:
Gemacht wird, was Geld bringt.
Aus diesem Grunde ist 5G nur ein kleiner Zwischenschritt. Allein schon wegen der vernetzten, fahrenden Autos werden schnell gigantische Datenmengen übertragen werden müssen.
Denn, was wird kommen?
Spekuliere ich auf eine vergleichbare Entwicklung des Internets fürs Auto wie es sich für die Rechner entwickelte, dann wird heute der automatisierte Notruf und eine mittlere Datenrate von ein paar kiloByte pro Pkw-km reichen.
Spätestens 5 Jahre später wird das Auto rundum von Werbung und Animations-Apps beschallt und beleuchtet. Das wird dann ein paar MegaByte pro Pkw-km benötigen.
Es ist doch nicht wichtig, was der Mensch braucht. Wichtig ist, was ein paar Leute reich(er) macht ...

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www-professor 29.04.2019, 16:20
32. Lustig!

Zitat von ElkeOspert
Dann stelle ich mal die WARUM-Frage. Warum soll autonomes Fahren umweltschädlicher sein als selbst zu fahren? Auch das "Internet der Dinge" dient ja u.a. dazu logistische Aufgaben zu optimieren was letztlich auch Resourcen spart und damit auch eher umweltfreundlich als umweltschädlich ist. Wenn ihr Auto das demnächst bevorstehende Versagen der Wasserpumpe rechtzeitig erkennt und meldet dann kann die Reparatur idealerweise beim nächsten Servicetermin miterledigt werden und damit evt. vermieden werden dass sie irgendwo unterwegs liegen bleiben und resourcenintensiv abgeschleppt werden müssen. Wenn der Getränkeautomat an einem Bahnhof meldet wann er tatsächlich aufgefüllt werden muss erspart dass die eine oder andere Fahrt des Getränkelieferanten. Und wenn Sie von Unterwegs aus notfalls die Beleuchtung zu Hause abschalten können erspart das auch die eine oder andere Kilowattstunde an Strom durch versehentlich vergessene eingeschaltete Lampen - von Bügeleisen von denen man nicht mehr ganz sicher ist ob man sie wirklich abgeschaltet hat mal ganz zu schweigen. 2016 lag in Deutschland der Anteil der Leerfahrten am gesamten LKW-Verkehr mit 151 Millionen bei rund 58,5 Prozent, der Anteil an Leerkilometern immerhin noch bei rund 23 Prozent mit 6,5 Milliarden. Da ist sicherlich noch ein bisschen Luft für Optimierungen vorhanden die aber eben umfangreiche Daternerfassung und Übertragung erfordert.
Ihrem Beitrag entsprechend müssten die Motoren heutzutage mit Steuerketten statt mit Zahnriemen laufen. Denn die halten länger.
Ich sehe es eher anders. Wenn erst einmal alle Autos vernetzt sind, kann man den Service so weit verschlechtern, dass man ruhig einmal im Monat liegen bleiben kann.
Gelobt sei, was Geld bringt - so verstehe ich die Welt. Sparen gehört dazu.

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pantoffelheldin 30.04.2019, 15:40
33. Aufbruch ins Ungewisse

Meine Vermutung ist, dass gerade Länder und Unternehmen, die in den letzten Jahrzehnten als stabil galten, Schwierigkeiten mit dem digitalen Wandel haben. Wenn der Ist-Zustand gut ist und man aktiv etwas ändert, gibt es keine Garantien, dass es hinterher besser wird. Da scheint vielen Menschen, und Politiker und Unternehmensführer sind auch welche, das Verharren im Status quo sicherer.

Start-ups und Länder, die sich gerade erst im Aufschwung befinden, tun sich vermutlich leichter, sich auf Neues einzulassen. Ich kann deshalb jedem, der die Chancen der Digitalisierung nutzen will, nur raten sich weiterzubilden und Chancen zu ergreifen. Ich stehe kurz vor der Gründung eines eigenen Unternehmens und bin demnächst in Wien auf einem Akademie3 Kongress, bei dem es um KI und mögliche Einsatzgebiete geht. Berufsbegleitend werde ich wahrscheinlich auch noch einen Universitätslehrgang besuchen. Je mehr man weiß, desto leichter tut man sich, sich darauf einzulassen. Gilt nicht nur für Einzelpersonen oder Unternehmen, sondern genauso für Länder und deren Regierungen.

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