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Adieu, Minitel: Frankreich begräbt sein Textnetz

Es ist so französisch wie Baskenmütze, Baguette oder die Citroën-Ente: das Minitel. Lange vor dem Internet hat der beige Kleincomputer für Videotext die Franzosen ins elektronische Zeitalter geführt - nicht zuletzt durch seine erotischen Aspekte. Ende Juni ist Schluss damit.

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axelkli 25.06.2012, 12:54
1. das waren Zeiten....

als ich in den 80ern als Steppke bei meiner Tante in Paris zu Besuch war, habe ich mich immer gefreut, am Minitel rumspielen zu können. Das war einfach die Entdeckung einer neuen, unbekannten Welt. Und man konnte auch noch Französich dabei lernen. Natürlich habe ich auch mal verbotenerweise in den "Erotik-Bereich" reingeluschert.

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Rainer Helmbrecht 25.06.2012, 13:31
2.

Zitat von sysop
Es ist so französisch wie Baskenmütze, Baguette oder die Citroën-Ente: das Minitel. Lange vor dem Internet hat der beige Kleincomputer für Videotext die Franzosen ins elektronische Zeitalter geführt - nicht zuletzt durch seine erotischen Aspekte. Ende Juni ist Schluss damit..........
Minitel war ein Erfolg und hätte auch in Deutschland einer Werden können. Aber in Deutschland gab es ein anderes Geschäftsmodell. Hier verlangt die Deutsche Post noch für ein 3 Mtr langes Verbindungskabel zwischen Telefon und Steckdose ca 2,20DM. Dieses Kabel musste beantragt werden und der Kunde durfte es nicht selbst anschließen, weil das ein Hoheitlicher Akt, eines Postmitarbeiters war.

Wir zogen 1992 nach F bestellten unseren Tel.-Anschluß und nach etwa einer Std klingelt unser Telefon. Ich dachte, die Post hätte noch eine Frage, aber nein, es war ein Freund, der wusste, dass wir umziehen und der hat versuchsweise im Minitel nachgeschaut und uns dort gefunden...... moderne Kommunikation eben. Keine dt Beamten, die sich als Betriebsbremsen einen Namen machen.

MfG. Rainer

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tommirf 25.06.2012, 13:31
3. Zwei paar Stiefel

Liebe SPON-Rdaktion,
Ihr habt wieder mal lausig schlecht recherchiert.
Das Minitel ist / war das französische Gegenstück zum deutschen btx, das a9 fast niemand wollte weil es b) eigentlich nie richtig funktioniert hat.
Richtig ist, daß es Dienste angebote hat, die "interaktiv" genutzt werden konnten.

Das hat aber ÜBERHAUPT GAR NIX zu tun mit Videotext.
Videotext war und ist ein Zusatzangebot der TV-Sender und wird kostenfrei mit dem Fernsehsignal ausgestrahlt.
Hier hat man nur die Auswahl zwischen den angeotenen Seiten, aber keinen Rückkanal.

Im Artikel wird also sozusagen Zeitung mit Telefon verglichen...

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daskänguru 25.06.2012, 13:52
4. Optional

Zitat von sysop
Es ist so französisch wie Baskenmütze, Baguette oder die Citroën-Ente: das Minitel. Lange vor dem Internet hat der beige Kleincomputer für Videotext die Franzosen ins elektronische Zeitalter geführt - nicht zuletzt durch seine erotischen Aspekte. Ende Juni ist Schluss damit.
könnte man Herrn Ralf E. Krüger mal mitteilen das Minitel einfach nur die französische Form von Prestel war. In Deutschland hieß es BTX, in der Schweiz Videotex, MUPID in Österreich und in den Niederlanden Viditel. Und wie immer brauchen die Franzosen halt ein wenig länger, und halten an veralteter Technik fest, die meisten Länder haben diese Technik bereits vor 10 Jahren beerdigt.

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Sique 25.06.2012, 14:23
5. Man sollte vorsichtig sein mit Begriffen wie "erstmals" und "Urform".

Wie immer bei Berichten zur fernen EDV-Vergangenheit (wobei "fern" hier lediglich 30 Jahre heißt - so lange ist das noch gar nicht her) gibt es unterschiedliche Auffassungen dazu, was früher war und was später. So ist z.B. Videotext-Chat nicht die Urform des elektronischen Instant Messaging. Solche Möglichkeiten besaßen bereits die ersten Time-Sharing-Systeme, die in der Mitte der 1960er Jahren aufkamen - allerdings nur für Benutzer des gleichen Rechners. Mit der zunehmenden Vernetzung von Rechnern ab dem Ende der 1960er Jahre gab es dann auch netzwerkübergreifende Instant-Messaging-Systeme wie z.B. Term Talk (siehe z.B. PLATO People: TERM-talk and Instant Messaging ) von 1973. Das ist aber immer noch rund ein Jahrzehnt vor Videotext. Und ich kann nicht ausschließen, dass jemand noch frühere Einrichtungen findet, die ähnliches anboten - vielleicht teletext-basierend?

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Rainer Helmbrecht 25.06.2012, 18:27
6.

Zitat von daskänguru
könnte man Herrn Ralf E. Krüger mal mitteilen das Minitel einfach nur die französische Form von Prestel war. In Deutschland hieß es BTX, in der Schweiz Videotex, MUPID in Österreich und in den Niederlanden Viditel. Und wie immer brauchen die Franzosen halt ein wenig länger, und halten an veralteter Technik fest, die meisten Länder haben diese Technik bereits vor 10 Jahren beerdigt.
Um das mal auf zudröseln, in Fr konnte jede Hausfrau das Minitel benutzen, aber in D gab es kaum eine Hausfrau die BTX benutzte. Selbst in Firmen war es zwar bekannt, wurde aber nicht benutzt. Ich kann mich an Lieferanten erinnern, die mich lieber zurückgerufen haben, als das BTX System zu benutzen.

Weil es wirklich viel benutzt wurde, hat es auch keiner Beerdigen wollen. Die Franzosen waren/sind? immer noch sehr fortschrittlich was EDV betrifft. Ich habe ein Handy, mit dem ich meine Kreditkarte benutzen kann. Ich habe kein Konto mehr in F darum weiss ich nicht, ob das immer noch geht, aber es ging problemlos. Auch die Bankkarten werden flächendeckend benutzt. In einem Flächenland durchaus ein Vorteil.

MfG. Rainer

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Onlineexperte 25.06.2012, 19:21
7. Onlinehistorie

Viewdata erfand der Brite Sam Fedida 1972, 1979 als PRESTEL der
erste britische Onlinedienst
1976 wurde Viewdata dem britischen Videotext optisch angeglichen.
1979 hat CompuServe die ursprüngliche ASCI-Technologie als
Onlinedienst zögerlich gestartet
1980 Beginn der Btx-Feldversuche in Berlin mit britischer Original-
hardware und -software, 11.12.1980 Weltpremiere von Onlineshopping
(Neckermann, Otto, Quelle ), Onlinebanking ( Verbraucherbank ) und
Online-Reisebuchung von TUI in Bonn.
1.9.1983 bundesweiter Btx-Start
1996 die Erste Btx-Million-Teilnehmer
2001 Ende des allgemeinen Btx-Online-Dienstes
2007 Abschaltung des noch zum Banking benutzen Btx-Netzes
Internationale Normung: Videotex ist Gruppenbegriff für Onlinedienste
Teletext ist der Gruppenbegriff für den deutschen Fernsehtext Videotext.
Weil Videotex dem Telefonnetz Zusatzeinnahmen bringen sollte, wurden weltweit unter verschiedenen Namen Onlinedienste gestartet.
Auch CompuServe wollte nachts Zusatzeinnahmen aus seinem
kommerziellen EDV-Serve-Netz erzielen

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Laugaweckle 25.06.2012, 19:35
8.

Zitat von tommirf
Liebe SPON-Rdaktion, Ihr habt wieder mal lausig schlecht recherchiert. [...] Das hat aber ÜBERHAUPT GAR NIX zu tun mit Videotext.
Sooo schlecht ist das auch wieder nicht recherchiert. Es ist nur ein "t" zuviel - vermutlich weil dem Lektorat der Begriff "Videotex" irgendwie falsch vorkam.

Minitel war tatsächlich das bekannteste und erfolgreichste Videotex-System (ohne "t"). Das war in den 70ern und 80ern der Oberbegriff für Systeme wie eben BTX, Prestel, Videotel, MUPID und wie sie in verschiedenen Ländern alle hießen. Nur in der Schweiz hieß das Ding selbst auch Videotex.

Die nicht-interaktiven Systeme, die mit den TV-Signalen übermittelt werden, hießen und heißen dagegen Teletext-Systeme. Nur in Deutschland wurde das wegen der vermeintlichen Verwechslungsgefahr mit dem damals angebotenen Telex-Dienst Videotext genannt.

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spon-facebook-10000185863 25.06.2012, 19:47
9. Videotex

Zitat von tommirf
Liebe SPON-Rdaktion, Ihr habt wieder mal lausig schlecht recherchiert. Das Minitel ist / war das französische Gegenstück zum deutschen btx, das a9 fast niemand wollte weil es b) eigentlich nie richtig funktioniert hat. Richtig ist, daß es Dienste angebote hat, die "interaktiv" genutzt werden konnten. Das hat aber ÜBERHAUPT GAR NIX zu tun mit Videotext. Videotext war und ist ein Zusatzangebot der TV-Sender und wird kostenfrei mit dem Fernsehsignal ausgestrahlt. Hier hat man nur die Auswahl zwischen den angeotenen Seiten, aber keinen Rückkanal. Im Artikel wird also sozusagen Zeitung mit Telefon verglichen...
Richtig, die internationale Bezeichnung für dieses erste interaktive Onlinemedium war Videotex. In England Prestel, in Deutschland Bildschirmtext (ursprünglich auch als Bildschirmzeitung bezeichnet). Es funktionierte in Frankreich, weil der Staat es zwangsweise einführte indem es keine gedruckten Telefonbücher mehr gab und es so zum Standard wurde, der erst durch das WWW wieder langsam abgelöst wurde.

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