Forum: Netzwelt
AfD und Pegida in sozialen Netzen: Wie der Diskurs aus dem Ruder läuft

Facebook wird zu einem Forum der politisch Unzufriedenen. Der dort gelebte Stil zeigt: Mit den sozialen Medien wird es schwerer, "irrsinnige" Meinungen im Diskurs zu ignorieren.

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Spax73 07.01.2015, 18:18
10. Ursache?

Alles gut und schön Herr Lobo, aber Sie beschreiben lediglich ein Symptom. Die Frage lautet aber, was läuft in unserer Politik derartig falsch, dass den Menschen sogar Irrsinn im Vergleich dazu attraktiv erscheint.

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skorpianne 07.01.2015, 18:46
11. Genau

Zitat von ricson
Aus der Anzahl der Likes lässt sich nicht wirklich etwas ableiten. Ich like auch AfD und Pegida auf Facebook. Das sind einfach die unterhaltsamsten Seiten auf Facebook, was die Anhänger der beiden so von sich geben ist einfach unglaublich lustig. Und wenn man liked dann werden die noch selbstbewußter und fühlen sich bestätigt, und dann wird der Irrsinn immer komischer.
Ich finde "Die Partei" auch witzig. Ich würde sie aber nicht wählen. Äußerungen und Kommentare als "Spiegelbild" der politischen Meinung" zu sehen, ist imho falsch. Und darin liegt wohl das Problem: ich kann mich zu einzelnen Themen äußern ohne dass dies meine generelle Vorliebe für eine politische Richtung spiegelt. Ich z.B. esse, manchmal unbeabsichtigt, mehrmals die Woche vegetarisch. Trotzdem würde ich nie eine Partei wählen, die das zur Regel erhebt.

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agua 07.01.2015, 18:49
12.

Gestern,zur Kolumne von Jan Fleischhauer,wollte ich im Internet auf die Suche nach der uralten Geschichte des Irrsinns gehen.
Europa war ein Schauplatz von:
Die Christen vertreiben die Araber,die Araber lehnen sich gegen die Christen auf...
Hierbei stiess ich auf irrsinnige Foren und Blogs mit dem Titel:
Ab 2012 die Muslime vertreiben.
Ich habe etwas darin herumgelesen und das Lachen ist mir vergangen.
Schlimm ist,dass das,was heute in Frankreich geschehen ist,für genau diese Leute,Wasser auf die Mühlen sein wird.
Ich bin gespannt darauf,wie mit diesem empfindlichen Punkt,auch von den Medien ,umgegangen werden wird.
Es fehlt an Differenzierung !

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kein_untertan 07.01.2015, 18:52
13.

Das Netz ist zum Habitat der Ungehörten und politisch nicht Berücksichtigten geworden; die schlicht und einfach ein Ventil brauchen, und dort Ihren Unmut und Frust gegen Zwangsnannysierung und Meinungsdiktatur des herrschenden politischen Establishments und einem gefühlten Medienkartell von der Seele schreiben.
Nicht nur bei Facebook; auch in den Kommentarspalten der großen Onlinezeitungen.
Die Menschen sind heute leichter in der Lage zu verifizieren, inwieweit und wohin sie gelenkt werden sollen. In der NS oder SED-Diktatur war das nicht möglich, weil die Informationssysteme von heute fehlten und so diverse Formen von Propaganda als einzig vertretbare Meinung wahrgenommen wurden. Wollen wir das wieder ? Nein; und deshalb ist jede Unterdrückung öffentlicher Meinung ein Schritt zurück. Auch wenn uns die eine oder andere weniger gefällt.

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-denker- 07.01.2015, 19:14
14. irsinn hören-irsinn akzeptieren

Ich liebe es Sascha lobo zu lesen, er probiert mit als einziger Journalist den ich kenne distanziert unemotional an die Problematik heran zu gehen.
In einem Punkt muss ich aber einen Einwand einbringen. Es ist ein Unterschied dazwischen Unsinn anzuhören und diesen Irsinn zu akzeptieren oder zu tolerieren. Aber nur wenn man den Irsinn anhört kann man sachlich erklären warum es keinen Sinn macht und denjenigen der es von sich gibt zur Vernunft zu bringen. Wenn man so eine Meinung ignoriert, dann wuchert sie im Schatten vor sich hin.

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vonhier 07.01.2015, 19:20
15. Opposition gegen Merkel

Die AFD hat Angela Merkel geschaffen, "weil" es zum Euro keine Alternative gäbe. Aber das stimmt nicht und die Gründer(Professorenpartei!) sind nicht alle irrational.

Pegida ist eine Bewegung gegen ein Einwanderungsland Deutschland. Sie nehmen Bezug auf die aktuelle Politik der Bundesregierung und das ist nicht irrational. Man kann anderer Meinung sein, nur Opposition gegen die BR ist nichts schlimmes, zumal nur noch die Einzige in Deutschland.

Diese Kritik an den Bewegungen ist realitätsfern und scheint den Diskurs nicht mitbekommen zu haben. Noch gibt es im Land eine Opposition gegen Merkel.

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syracusa 07.01.2015, 19:32
16. schwuppdiwupp ein Massenphänomen

Zitat von Leser161
Interessanter Gedanke. Allerdings glaube ich nicht, dass der Irrsinn im Diskurs etwas mit den sozialen Medien zu tun hat. Sie machen ihn vielleicht nur besser sichtbar
Ja, die sozialen Medien machen den Irrsinn besser sichtbar. Aber relevanter ist: sie bewirken eine Selbstverstärkung des Irrsinns.

Vor dem Internet gab es allenfalls Leserzuschriften zu Tageszeitungen, in denen der Pöbel seinen Irrsinn zum Ausdruck bringen konnten. Und da sorgten die Redaktionen zuverlässig für eine Filterung, so dass der Irrsinn immer eine singuläre Erscheinung war. Er war irrelevant, weil es keine Plattform für die Organisation des Irrsinns gab, und weil Menschen sich davor scheuen, sich öffentlich zum Deppen zu machen, blieb es bei wenigen Einzelerscheinungen.

Nun aber erfahren die Irrsinnigen permanent, dass sie eben nicht alleine sind, sondern dass der Irrsinn extrem verbreitet ist. Je mehr Irrsinn verbreitet wird, um so weniger Hemmungen haben die anderen Irrsinnigen, ihren Irrsinn auch noch dazu zu geben. Und so haben wir schwuppdiwupp ein Massenphänomen

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schwarzwaldbauer 07.01.2015, 20:00
17.

Zitat von Leser161
Interessanter Gedanke. Allerdings glaube ich nicht, dass der Irrsinn im Diskurs etwas mit den sozialen Medien zu tun hat. Sie machen ihn vielleicht nur besser sichtbar, denn: Vor Facebook gab es Diskussionsgruppen im Netz, wer da mitdiskutiert hat weiss etwas über Irrsinn in einer Diskussion. Vorm Internet gab es den Stammtisch, auch dort gab es Irrsinn im Diskurs. Ich denke, Irrsinn im Diskurs passiert einfach bei Diskussionen zwischen Menschen wie Du und Ich. Nicht umsonst war Rhetorik schon in Athen eine Wissenschaft. Also Irrsinn im Diskurs ist nicht neu, aber stets gefährlich. Schauen wir einfach in die Vergangenheit und denken daran wenn wir das nächste mal was posten.
Da haben Sie gar nicht so unrecht. Sogenannte "soziale " Medien sind vielleicht gar nicht "sozial".
Möglicherweise interpretieren die Interpreten wie Herr Lobo einfach die "Likes" nicht als das was sie sind. Klicks, die nur unzureichend das repräsentieren, was der Interpret denkt.
Jeder vielleicht witzig, lustig, zynisch oder übertriebene Beitrag wird von den Interpreten vielleicht einfach zu wörtlich genommen und jedes like überbewertet.

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jeanlucng 07.01.2015, 20:16
18. Vorsicht bei der Ausgrenzung

Ich empfehle dazu den wunderbaren Kommentar aus der NZZ: http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/der-nutzen-der-wutbuerger-1.18448176
Die Ursache fuer Pegida, AFD etc liegt meiner Meinung nach in der von der GroKo praktizierten Art POlitik zu machen - keine echten Debatten und Diskussionen, stattdessen von oben verordnete Alternativlosigkeit in einem engen Meinungskorridor. Wer nicht mitzieht wird systematisch ausgegrenzt und isoliert (Schaeffler in der FDP, Wagenknecht in der Linken, Bosbach in der CDU, Sarrazin und in Teilen Buschkowsky in der SPD). Man vertritt zwar die in Umfragen ermittelte jeweilige Mehrheitsmeinung, grenzt jedoch die Minderheit als "Radikale" aus. Ist das demokratische Kultur? Es fuehrt stattdessen vielmehr zu Frustration, Politikverdrossenheit bei Teilen derjenigen, die ausgegrenzt werden. Insofern ist das Internet sicherlich ein Ort fuer "irrsinnige" Meinungen und Verschwoerungstheorien aber eben auch fuer die Freiheit der Gedanken! Ich erspare mir das Voltaire-Zitat an dieser Stelle.

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naklar? 07.01.2015, 20:21
19. Wer glaubt er könne Facebook einfach so abschalten. Das ganze Internet ist voll mit Foren, da braucht man kein Facebook.

... Facebook ist eher ein Geschenk für den BND und die NSA und eben nur Trendy. Die jüngste Generation ist gar nicht mehr so überzeugt von dem Poesiealbum Facebook.

Aber vielleicht will man ja gleich das Internet in Ganze kontrollieren vom Staat wie in China. Nur wir sollten uns nicht von Meldungen aus China täuschen lassen: China ist auch schon auf einem neuen Weg. Bildung, Fortschritt und Unterdrückung funktionieren eben nicht auf Dauer nebeneinander.

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