Forum: Netzwelt
Amazon-Streit: "Der Buchmarkt bewegt sich in Richtung Flatrate"
DPA

Christian Handke ist Fachmann für die Frage, wie sich Kultur finanzieren lässt. Im Interview spricht der Ökonom über den Amazon-Streit und erklärt, warum eine Kulturflatrate Künstlern mehr Geld einbringen könnte.

trolleyhog 05.09.2014, 16:25
1. haptik

ich bevorzuge auch nach dem erwerb und nutzung eines kindle immer noch die haptik eines richtigen buches. mag "old school" sein, aber da steckt für mich einfach mehr emotion drin.einem buch sieht man an dass es gelesen wird. eselsohren kaffeeflecken post its bleistiftgekritzel...so lebt ein buch...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
großwolke 05.09.2014, 17:20
2.

Habe mit elektronischen Büchern nur ein Problem: die Präsentation. Wenn ich Bücher kaufen gehe, dann tue ich das in Buchläden. Internet-Shops wie Amazon mit ihren kleinen Bildchen wecken mein Interesse nicht so, jedenfalls nicht an Büchern. Ich würde mir wirklich wünschen, dass E-Books die Möglichkeiten des Mediums besser nutzen würden. Ohne Druckkosten kann man Buchcover und Illustrationen herrlich kreativ gestalten. Würden die Verlage sich das bewusst machen und die Buchläden schicke Präsentationsmöglichkeiten für E-Books schaffen, der Tod des Paperbacks würde augenblicklich eintreten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whocaresbutyou 05.09.2014, 22:10
3. Totgesagte leben länger...

Zitat von großwolke
Ohne Druckkosten kann man Buchcover und Illustrationen herrlich kreativ gestalten. Würden die Verlage sich das bewusst machen und die Buchläden schicke Präsentationsmöglichkeiten für E-Books schaffen, der Tod des Paperbacks würde augenblicklich eintreten.
die reinen Druckkosten bilden einen vergleichsweise geringen Anteil der Kosten eines Buches. Der mit Abstand größte Kostenfaktor sind Transport, Lagerung und/oder die Kosten für den "Point of Sale".

Der Vorteil eines eBooks ist ja eben, dass ich zum Ausprobieren nicht vor die Tür muss, sondern Sonntags nachts um drei ein Buch meiner Wahl im Netz probelesen und bei Interesse auch sofort kaufen und nutzen kann.

Im Buchladen digitale Presenter aufzustellen, an denen man eBooks probelesen kann, würde die Vorteile des eBooks eher pervertieren.

Das eBook wird das gedruckte Buch genau so wenig ausrotten wie die eMail den Brief, die CD die Schallplatte, die DVD die Videokassette, das Tablet den PC oder das Internet die Tageszeitung vom Kiosk.

Spätestens, wenn sie mal mit ihrem Tablet nach einer Fliege schlagen oder einen Fisch darin einwickeln wollen, wissen sie auch warum ... ;o)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whocaresbutyou 05.09.2014, 22:27
4. warum haben Handwerker Werkzeugkoffer?

Zitat von trolleyhog
ich bevorzuge auch nach dem erwerb und nutzung eines kindle immer noch die haptik eines richtigen buches. mag "old school" sein, aber da steckt für mich einfach mehr emotion drin.einem buch sieht man an dass es gelesen wird. eselsohren kaffeeflecken post its bleistiftgekritzel...so lebt ein buch...
Weil es kein universelles Werkzeug gibt.

Ich kann dem Trend alles in ein digitales Frühstücksbrettchen zu packen auch nichts abgewinnen...

Ich besitze zwar eines, aber eine alte Leselampe und stapelweise herumliegende Bücher haben einen deutlich höheren Gemütlichkeitsfaktor als eine Neoröhre und ein Reader mit ständig verschmierter Scheibe.

Natürlich kann man(n) mit einem Hammer eine Schraube deutlich schneller versenken als mit einem Schraubendreher, aber ein echter Handwerk bekommt alleine bei dem Gedanken daran bereits nässenden Ausschlag...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Floh1973 06.09.2014, 01:25
5. Ich möchte nicht nur Bestseller lesen

Herr Handke erhofft durch die Kulturflatrate mehr Anreize für den Handel, sich auf die besten Bücher zu konzentrieren. Ich lese sehr viel und finde auch immer wieder gute Bücher außerhalb der Bestsellerlisten. Dass diese Geschichten geschrieben und verkauft werden können, verdanken wir unter anderem der Buchpreisbindung. Wenn im Buchmarkt die Marktwirtschaft Einzug hält, verarmt die Buchkultur.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
frank883 06.09.2014, 08:57
6. Das Format ist egal.....

solange man auf Software wie Calibre zurückgreifen kann. Damit wandelt man jedes Ebook in jedes Format um und lädt es auf jeden x-beliebigen Reader.
Sollte man der englischen Sprache mächtig sein so bekommt man ca.85% aller Bücher umsonst durch Websites wie Z.B. TUEBL oder freebooks.net
Wer dann noch ein Wörterbuch kauft kann sich unbekannte Worte durch einfaches Antippen übersetzen lassen.
Nur wenn man unbedingt die neuesten Mainstreamtitel braucht sollte man bezahlen oder warten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
klaus meucht 06.09.2014, 09:17
7. Technik ändert Monopol

Mir fällt auf dass ich meine EBooks immer öfters über ein Tablet als über ein EBook Reader lese. Die Akkus werden mit der Zeit besser, die Displays auch.

Somit kann ich sowohl Bücher im EPub als auch im Kindle Format lesen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lastwebpage 07.09.2014, 10:41
8. Kultur und Wissen.

Bei Musik lässt sich vielleicht noch darüber streiten, ich würde aber, bei der heutigen Pop-Musik, meistens nicht von sowas wie "Kultur" sprechen.
Aber bei Büchern? Es muss ja nicht unbedingt ein Klassiker wie Goethe, Franz Kafka, Mark Twain, Thomas Mann usw. oder von mir aus auch etwas speziellere Literatur wie z.B. "Das Kapital" sein, aber selbst ein Stephen King ist mit Sicherheit um Längen gehaltvoller, als das RTL und Sat1 Fernsehen. Es ist doch eigentlich gut, wenn mehr Leute (wieder) lesen.
Ein für mich durchaus wichtiger Punkt, der mir bei der ganzen Diskussion um gedruckte Bücher, eBooks und Amazon etwas zu kurz kommt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ein.maifelder 08.09.2014, 15:52
9. E-Flatrate versus physische Datenträger

Ich begrüße die Idee einer wie auch immer benannten "Kulturflatrate" ausdrücklich. Ich würde sie nutzen, und trotzdem weiter physische Datenträger kaufen!
Ich habe einen Kindle der 1. Generation, und ein Premium-Abo eines großen Musikstreaminganbieters, v.a. weil dieses meiner pubertierenden Tochter ermöglicht, problemlos die Musik zu hören, die sie mag, ohne Tauschbörsen nutzen zu müssen - und es mir zudem ermöglicht, gleichzeitig mich interessierende neue Musik zu finden (schön wäre, wenn diese Anbieter familienfreundlichere Abomodelle anbieten würden, damit auch meine beiden volljährigen, aber noch in Ausbildung befindlichen Söhne den Dienst ebenso über das gleiche Abo nutzen könnten). Ich sehe nicht fern, sondern nutze einen Video-on-Demand Anbieter.
Und trotz alledem kaufe ich ständig Bücher, Filme und Musik, die mir wirklich wichtig sind bzw. mir etwas bedeuten, weiter auf Papier, CD, DVD oder BluRay. Warum?
Ein physischer Datenträger braucht Platz und verstaubt, aber er hat neben der Haptik oder dem "Gemütlichkeitsfaktor" einen für mich ganz entscheidenden Vorteil: niemand kann ihn nachträglich still und heimlich verändern! Kein Amazon kann mal eben so einfach ein gedrucktes Buch aus meinem Wohnzimmer löschen (so bereits geschehen), kein Apple kam Liedtexte, die der gerade herrschenden Weltanschauung des Firmenmanagements nicht passen, durch eine in der Wolke "gesäuberte" Version ersetzen (auch so geschehen).
So bitte her mit der Flatrate bei gleichzeitiger Anbietervielfalt! Ich bin überzeugt, dass diese weder das Ende des gedruckten Buches noch der auf Scheiben gepressten Musik herbeiführen wird. Sie kann, wenn vernünftig, offen und fair gestaltet, den Urhebern und den Konsumenten nützen. Mehr noch, sie kann den sich derzeit abzeichnenden Bemühungen riesiger Konzerne, marktbeherrschende Positionen zu erlangen und Urhebern wie Konsumenten ihre Bedingungen zu diktieren, vorbeugen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren