Forum: Netzwelt
Angela Merkels Digitalpolitik: Witze übers eigene Versagen
ADAM BERRY/ EPA-EFE/ REX

Die Kanzlerin hinterlässt eine digitale Trümmerlandschaft und macht sich darüber auch noch lustig. Unser Kolumnist ist empört - und dankbar, weil sie die Urheberrechts-Propaganda der eigenen Partei entlarvt.

Seite 1 von 14
Niteftef 20.02.2019, 15:30
1. on Point

Sascha Lobo, einer der besten deutschen Journalisten

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DerAndereZauberer 20.02.2019, 15:39
2.

Tja, und nun?

Leider ist es nach wie vor so, dass das Thema - im Gegensatz zu den Bienen in Bayern - eben NICHT die Massen auf die Strasse treibt, NICHT eine neue Farbwesten-Gemeinde oder Wochentags-Demo auf den Plan ruft. Wahrscheinlich weil's keiner versteht, oder man einen vergleichbaren "Erfolg" wie bei Netzsperren und anderen Internet-Regelungsversuchen antizipiert.

Was tut man also? Wen kann man wählen, dass da ein Wandel passiert? Ich hoffe nur, dass nicht die AfD auch noch das Thema entdeckt und damit einen weiteren Gegenpol zu den "etablierten" setzt. Bisher hat noch keine der deutschen (wählbaren) Parteien eine brauchbare Digitalpolitik vorgelegt, und auf EU-Ebene ist man leider noch auf der Ebene der Gurken-Normierung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Rauchbier 20.02.2019, 15:39
3. Wie schon beim Leistungsschutzrecht: das Ziel ist gar nicht Google!!!

Danke für die Kolumne, der ich inhaltlich voll zustimme. Mir ist nur aufgefallen, wie häufig in der Öffentlichkeit viele Journalisten scheinbar immer noch auf das Scheinziel "Google" hereinfallen:

Das Ziel von Artikel 11 und 13 ist nicht Google oder Facebook. Das Ziel sind tatsächlich all die kleinen Web-Sites und Foren, in denen Blogger und die interessierte Öffentlichkeit sich über Nachrichten austauschen.
Diese Web-Sites sind zum Beispiel dem Springer-Verlag ein Dorn im Auge: Sie verbrauchen Aufmerksamkeit und Zeit von Internet-Benutzern, die dann nicht mehr für die Angebote der großen Verlage zur Verfügung stehen.
Wenn man Nachrichten nicht mehr per Suchmaschine findet, sondern nur noch bild.de oder welt.de eintippt, dann gefällt das Springer natürlich besser.

Jetzt kann man natürlich schlecht sagen, dass man ein Gesetz gegen die kleine Konkurrenz macht. Deshalb sagt man, man macht ein Gesetz gegen Google und Facebook und schon sind alle mit dabei…

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Sophiedo 20.02.2019, 15:45
4. Totaler Blödsinn.

"digitale Trümmerlandschaft der Infrastruktur"

Telefon funktioniert in Deutschland. Seit dem 26. Oktober 1861 in Frankfurt am Main, als Philipp Reis „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ sagte.

Internet funktioniert in Deutschland auch per Smartphone ausreichend mit LTE (80 % Gebietsabdeckung). Bis 300 MBit pro Sekunde bietet die Technik in der Spitze heute schon, bei 50 MBit Upstream. G 5 bringt 30 % mehr und das merkt man als Anwender überhaupt nicht. Hier wird nicht informiert, sondern nur eine unnütze Technologie in den Markt gedrängt, weil sie sich so schön für politische Schlagworte eignet.

Für sicheren Datenverkehr betriebswirtschaftlicher Art (just in time production) gibt es die Glasfasertechnik im Festnetz, die heute bereits 20 Terabit den angeschlossenen Unternehmen zur Verfügung stellt. Und zwar abhörsicher. Absurd hier darzustellen, dass die Mainframes und Netzwerke der Betriebe umgestellt werden auf mobilen Empfang.

Festnetz über Glasfasertechnik sind im Gegensatz zum Mobiltelefon, das in der Spitze vielleicht mal 0,5 Terabit erreichen kann (dann sind wohl schon die 100 Terabit-Netze im Betrieb), realtimefähig, nicht nur abhörsicher, sondern auch betriebssicher ohne Störungen. Lobo weiss doch nicht, worüber er schreibt. Für ihn ist Datenübertragung das, was er auf seinem Laptop im Internet macht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tills_spiegel_account 20.02.2019, 15:46
5. Perfekt

Danke für den Beitrag, Sascha! Kannte dich vorher nur von Twitter ^^

Beitrag melden Antworten / Zitieren
KURT E.Schewe 20.02.2019, 15:48
6.

In einer Rede am 16.11.2013 in Erfurt meinte der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger, die EU ist großartig und dass es für Europa am besten sei, wenn sich nichts ändert. Na prima. Ausgerechnet er (aus einem Land kommend, das in Bezug auf Digitalisierung/Breitband noch im Analogen verwurzelt ist und bezüglich 4G-Abdeckung (75%) und Downloadgeschwindigkeit (4,9Mbps) noch hinter Albanien (80% und 9,4 Mbps) liegt), ist/war in Brüssel der Mann fürs Digitale! Wahrscheinlich musste er sich von seinen Enkeln erst einmal das Internet erklären lassen, wie der EU-Abgeordnete Sonneborn in einem Spiegel-Interview spottete.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
T. Wittlinger 20.02.2019, 15:58
7. Eine Physikerin und das >Planck’sche Wirkungsquantum

Mit sehrviel Zustimmung, an Sascha Lobo – die digitalpolitischen Wirkungen, in den Jahren unter Ihrer Richtlinienkompetenz, kann man sicherlich nur als >Merkel´sches Wirkungsquantum< definieren und bezeichnen.
Dabei gilt übergeordnet - für die Neuheiten in der "IT-Welt" dasselbe, wie oftmals bei andern wissenschaftlichen Erkenntnissen: […] „Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“ (Max Planck; Wissenschaftliche Selbstbiographie.)
Schauen wir mal – auf die Heranwachsenden…;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ustojcivaja_Dimokratia 20.02.2019, 16:01
8.

Lieber Herr Lobo,
zunächst vielen Dank für die Antwort auf meinen Kommentar in Ihrem Podcast. Den meisten Punkten kann ich zustimmen.
Doch nun zu Ihrer aktuellen "Rant"-Kolumne (viele Aspekte ähneln ja der von letzter Woche, die möchte ich aber nicht noch einmal kommentieren):
Sie kritisieren die aktuell "herrschende Generation" und meinen damit vermutlich die Menschen, die aktuell um die 50 Jahre alt sind. Sie sprechen oft an, dass man nicht von sich selbst auf die Allgemeinheit schließen möchte. Ich möchte an dieser Stelle die Vermutung aufstellen, dass Sie hier eine Spekulation (nämlich ihre Sicht auf die die herrschende Generation) verallgemeinern. Es ist sicherlich richtig, dass Deutschland im Bereich der Digitalisierung viel aufzuholen hat, dass haben Sie in der Vergangenheit an mehreren Beispielen sehr differenziert wieder gegeben. Ich halte Ihre Aussagen in der vorliegenden Kolumne aber für übertrieben (man könnte fast von einem Overkill in die falsche Richtung sprechen, zwinker zwinker). Denn, ein weiterer Fakt ist die zunehmende Urbanisierung und damit ein mächtiger Effekt, der dafür sorgt, dass die zahlreichen Funklöcher in der Tat peu-á-peu immer weniger Menschen treffen. Ja, es ist nicht schön, dass Sie beim spazierengehen nur Edge haben (und damit de Facto gar kein Netz), aber in welchem Verhältnis steht diese Situation mit dem Aufwand das Funkloch zu schließen? Mein Eindruck: in keinem vernünftigen Verhältnis. Frau Merkle verspielt hier also nicht die Zukunft einer ganzen Generation (die ihr, denke ich, am herzen liegt), sondern sie managt den Einsatz von Ressourcen und lenkt sie dahin, wo sie am effektivsten eingesetzt werden können. Ja, der von Ihnen genannte Architekt, der mit 5G große Auto-CAD Modelle verschicken kann fällt für mich ebenfalls darunter. Das ist ein schönes Beispiel, aber ich vermute es kommt in der Praxis selten bis sehr selten vor (das ist aber eine Behauptung von mir, wenn es hier Fakten dagegen gibt, immer her damit).
Im übrigen erscheint es mir, dass Frau Merkel als Kanzlerin über nichts einen Witz machen kann, ohne dass man damit irgendjemandem auf die Füße tritt (das meine ich gar nicht polemisch, es erscheint als reines Faktum). Aus meiner Sicht also keine Unverschämtheit, im Gegenteil, ich freue mich wenn Frau Merkel auch mal ein Witzchen los wird, macht sie sympathischer. Ähnlich verhält es sich für mich auch mit ihrem Vergleich der Urheberrechtsreform und der Flat-Earth-Bewegung. Ok... ich vermute das soll auch ein Witz sein. Also ja, ich würde mir mal wieder eine Kolumne von Ihnen wünschen, die frei von Rants ist. Dann beschwere ich mich auch nicht über Overkill. In diesem Sinne...

Viele Grüße

P.S.: Natürlich dürfen Sie mich Dimokratia nennen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hinnimann 20.02.2019, 16:03
9. Lieber Herr Lobo,

aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass sich das, was Sie hier schildern auf andere Bereiche der EU beliebig übertragen lässt. Durch die EU werden häufig gut gemeinte Ansätze aus Ahnungs- oder Arglosigkeit der dort Handelnden in das genaue Gegenteil verkehrt. Die Umsetzung der oft kruden Regelungen wird dann von Leuten überprüft, die noch weniger wissen und die sich sklavisch an ihre Vorgaben halten. Man fasst sich an den Kopf und glaubt nicht, was man erlebt. Da kann man die Briten fast verstehen. Allein: die EU ist die schlechteste aller Möglichkeiten, leider gibt es keine bessere.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 14