Forum: Netzwelt
Anleitung zur Netzangst: Fürchten Sie sich richtig vor der Digitalisierung
DPA

Deutschland diskutiert über die digitale Revolution voller Angst. Das wäre nicht schlimm, wenn man sich denn vor den tatsächlichen Gefahren fürchten würde.

Seite 6 von 12
pygmy-twylyte 03.11.2016, 06:57
50. Mein Bauchgefühl warnt mich vor Gefahren

Zitat von ede-wolff
Ich kann Ihrer (naturgemäß unvollständigen) Analyse in allen Punkten zustimmen! Den aus meiner Sicht wichtigsten Punkt haben Sie am Ende gebracht: "Der größte Feind des Wissens ist nicht das Unwissen, sondern die Illusion von Wissen." In meiner Zeit als IT-Projektleiter war das allergrößte Risiko, dass wichtige Projektbeteiligte nicht wussten, was sie nicht wussten. Auf die heutige Zeit (Stichworte: Trump, AfD, "Wutbürger") bezogen, erschreckt mich allerdings noch mehr, dass fundiertes Expertenwissen als offen ausgesprochener Nachteil gilt, keine Chance hat gegen noch das dümmste "Bauchgefühl". Aber das ist ja auch schon wieder eine andere Art Angst (oder Furcht?)
Das Bauchgefühl entspricht dem sechsten Sinn oder der Intuition und sagt mir, ob eine Situation gut oder schlecht für mich ist und ob ich einem Menschen trauen kann oder nicht. Es bewahrt mich vor Gefahren und Unheil. Wir sollten auf unser Bauchgefühl hören und es nicht als "dumm" abtun. Mit den vielen Ängsten, die wir haben und die Sie in Ihrem Beitrag ansprechen, zum Beispiel der Angst vor Überfremdung oder der Angst vor den Folgen der Vernetzung, Stichwort: "Big Brother is watching you!", hat das Bauchgefühl nichts zu tun.

Beitrag melden
mielforte 03.11.2016, 07:12
51. Es ist die Schaffung einer Nebenwirklichkeit,

die langsam aber beständig in den Köpfen der Leute Platz greift. Und das macht dem einen oder anderen Angst. Einfach strukturierte Leute erleben dies als das Abenteuer schlechthin. Deshalb stellt Bildung zu viele Fragen und hegt den Zweifel. Ergo...

Beitrag melden
nocheinwort 03.11.2016, 07:43
52. Ein komplexes Thema auf den Punkt gebracht

Danke für den Hinweis sich nicht pauschal sondern vor den tatsächlichen Gefahren zu fürchten. Die ständig wachsende Überwachung führt zu immer mehr, oft fehlerhaften, Schlußfolgerungen. Die hinter den gebildeten Scores liegenden Algorithmen müssen offen gelegt werden und dürfen nicht als 'Geschäftsgeheimnis' im Verborgenen bleiben.

Beitrag melden
pygmy-twylyte 03.11.2016, 07:51
53. Totalüberwachung lässt jedes Röschen welken

Zitat von der Krieger
"What gets measured gets managed." ist nicht mit "Was gemessen werden kann, wird ökonomisiert." zu übersetzen, sondern mit "Was gemessen werden kann, wird gesteuert." - Ein gravierender Übersetzungsfehler, der ums mehr überrascht, as der Autor, der hier wieder einmal ganz nah an der zentralen Erkenntnis entlangstreift es leicht besser wissen könnte. "Messen" und "Steuern" sind die elementaren Komplementäre der Kybernetik. Deshalb droht mit der finalen Verschmelzung von Kapitalismus & kybernetischer Technik das Ende jeglicher menschlichen Freiheit. Davor darf man sich ruhig einmal fürchten.
"Was nicht gemessen werden kann, kann auch nicht gelenkt werden." Diese auf Führung und Management bezogenen Worte von Peter F. Drucker formuliert Sacha Lobo "für das 21. Jahrhundert neu": "Was gemessen werden kann, wird ökonomisiert." Ich glaube Lobo verstanden zu haben, will er damit doch nichts anderes zum Ausdruck bringen als das eifrige Bestreben der Wirtschaft, mit Hilfe von Digitalisierung über jeden und alles möglichst viel in Erfahrung zu bringen, um ohne Rücksicht auf den Menschen und seine Befindlichkeit den Profit zu maximieren. Zum Beispiel durch totale Überwachung von Arbeitern und Angestellten.

Beitrag melden
farbkasten 03.11.2016, 07:51
54. Kleines Rädchen

Auch wenn Lobo immer wieder gern als Menschenversteher und Weltenerklärer auftritt: Er ist letztendlich so ein kleines Rad wie fast alle von uns. Nur weil er uns predigt: " Fürchte dich "richtig" !", kann er die Entwicklung noch längst nicht aufhalten oder "steuern". All das, was der Mensch zum eigenen Segen selbst erschafft und zum neuen Gott erklärt, wird sich früher oder später zum Fluch wandeln. Genau deshalb weil, wie schon ein anderer Forist schrieb, der Mensch alles im Griff haben will, aber sich selbst nicht im Griff hat. Die Gier und Selbstüberschätzung wird sich immer durchsetzen und den Segen in Fluch verkehren (Erfindung des Geldes, Industrialisierung, Atomkraft, Digitalisierung, WWW). Früher oder später werden wir ohne WWW nicht mehr am Handel teilnehmen können.

Beitrag melden
managerbraut 03.11.2016, 08:00
55. Warum sollten wir uns vor der Digitalisierung der rasend wachsenden KI in allen Lebensbereichen fürchten?

Niemand wird diesen technischen Aufstieg der Digitalisierung unserer Lebensbereiche - Alltagswelt - Arbeitswelt und wachsende verbreitung künstlicher Intelligenz, lernfähiger künstlicher Intelligenz aufhalten können.
Nur die derzeit dafür noch stark begrenzten Rechenleistungen, geringe Speicherkapazitäten im Microbereich setzen dem nach starke Grenzen.
Um autonom handelnde, lernfähige künstliche Intelligente Maschinen - Robotter mit menchlichen Fähigkeiten digital nachahmen zu wollen, reicht die heutige digitale Reicheleistung, wie Speicherkapazität bei weitem nicht aus. Dazu wird die Menschheit - Wissenschaft - Forschung - Ingenieure noch min. 50 Jahre brauchen.
Folglich muß Niemand vor einer plötzlich einsetzenden Digitalisierung unser aller Lebensbereiche Angst verspühren.
Einsetzen ließen sich digitale KI Maschinen heute eher stationär mit Rechennetzwerken verbunden welche heute noch Schrankgröße bedürften.
Große Einschnitte - Umgestaltung unserer Arbeitswelt mit Auswirkungen auf aller Lebensbereiche hatten wir bereits einmal in ende der 60 - 70 Jahre erlebt wo große Konzerne - Unternehmen mit Rationalisierungsmaßnahmen - Automatisierung der Produktionsstraßen Millionen Arbeitnehmer freisetzend auf die Straße setzten, sich in anderen Berufen umschulen lassen mußten, auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren mußten. Auch vor diesen gewaltigen Umbrüchen hatten Millionen Arbeiter - Angestellte eine heiden Angst. Viele damalige Berufe sind längst ausgestorben, nochmehr einstige Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig vom Markt verschwunden.
Dennoch wurden die Ängste überwunden und hat unsere Gesellschaft geschafft sich neu zu orientieren so, das die Mehrheit wieder ein Leben in Arbeit - Auskommen und gewohnten Bahnen verläuft.

Beitrag melden
Das Pferd 03.11.2016, 08:12
56.

ich stell mir gerade vor, wie die Leistung eines Berliner Bauarbeiter auf einer Straßenbausstelle per Software vermessen wird. Die indische Softwarebude sucht jahrelang verzweifelt den Fehler. Auf die Idee, daß der wirklich nur die Absperrungen für den Autoverkehr errichtet hat, und dann Monate nicht auf der Baustelle war, kommen die nicht.

Beitrag melden
mrotz 03.11.2016, 08:12
57.

Zitat von hubert heiser
Wenn es um "debugbare" Algorithmen ginge, wäre es weniger ein Problem. Das Problem ist vielmehr der Einsatz von immer komplexeren Machine-Learning-Verfahren (ML). Wie diese Verfahren als mathematische Modelle arbeiten, kann man zwar verstehen. Wie ein einmal trainiertes Modell aber zu einem konkreten Ergebnis (z.B. "nicht kreditwürdig") kommt, ist oft gar nicht mehr nachvollziehbar. Dazu müsste man nämlich sehr genau interpretieren können, was z.B. ein Gewichtsfaktor von vielen tausend in einem "tiefen" Modell bedeutet. Das ist in etwa so, als wollte man aus der Aktivität einiger Neuronen auf den Gedankengang eines Gehirns schließen. (OK, der Verleich ist sicher etwas schief, sollte aber zur Verdeutlichung der Problematik einigermaßen taugen). Aus genau diesem Grund ist die Furcht vor der Dominanz solcher Verfahren in alles Lebensbereichen durchaus berechtigt.
Der Vergleich ist nicht schief.

Man dachte, man könnte über Neuronale Netze das Gehirn besser verstehen.

Jetzt versteht man aber weder das Gehirn noch die exakte Funktionsweise eines trainierten neuronalen Netzwerks....


mfg

Beitrag melden
tomrobert 03.11.2016, 08:27
58. Es geht auch einfacher!

Der Staat wirft in einer Industriellen Revolution seine Bürger dem freien Markt zum Fraß vor.
Er könnte die Bürger sozial besser unterstützen
anstatt Sozial Kürzungen und Gängelung!

Beitrag melden
pygmy-twylyte 03.11.2016, 08:29
59. Wer nicht schnell genug die Sense führte, musste mit Verletzungen rechnen

Zitat von pygmy-twylyte
"Was nicht gemessen werden kann, kann auch nicht gelenkt werden." Diese auf Führung und Management bezogenen Worte von Peter F. Drucker formuliert Sacha Lobo "für das 21. Jahrhundert neu": "Was gemessen werden kann, wird .....
Nachtrag: (Total-)Überwachung gibt es nicht erst seit der Digitalisierung. Man denke an die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft in früheren Zeiten (Mähen mit der Sense in Reih und Glied) und auch noch heute (z.B. beim Spargelstechen) oder an Fließbandarbeit im Zuge der Industrialisierung. Oder an Objektschutz, wo bei Rundgängen bestimmte Punkte "gestochen" werden müssen. Vordergründig dient diese Maßnahme der Sicherheit des Objektes, tatsächlich aber der Überwachung des Wachmannes.

Beitrag melden
Seite 6 von 12
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!