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Anreiz zum Netzausbau: Oettinger will Wechsel des Internetanbieters einschränken
DPA

Günther Oettinger möchte Telekommunikationsfirmen mehr Anreize bieten, Geld in den Netzausbau zu stecken. Deshalb schlägt er vor, die Kunden für eine gewisse Zeit an einen Anbieter zu binden und den Wechsel zu "untersagen".

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tearix 08.11.2014, 14:31
190.

Der Gedanke ist grundsätzlich richtig. Der Netzausbau auf dem Land funktioniert nicht, weil die Netzbetreiber unterm Strich draufzahlen. Die Bundesnetzagentur macht beispielsweise der Telekom Vorgaben, die Glasfaser auf dem Land zum Zuschussgeschäft machen.

Das ist ähnlich wie bei den jungen Hausärzten, die auch keine Praxen auf dem Land eröffnen, da die bundesweit einheitlichen Abrechnungsmodelle eben nur in Städten funktionieren und auf dem Land ebenfalls Zuschussgeschäft sind.

Eine Idee wäre, dass der Gesetzgeber keine bundesweiten Einheitspreise mehr vorschreibt, sondern sich Anbieter und Kunden über den Preis finden können. Ein Netzbetreiber sagt dann beispielsweise: Ich baue Gemeinde X aus, wenn sich mindestens 100 Kunden finden, die für den Tiefbau bis in ihren Keller jeweils 5.000 Euro Erschließungskosten zahlen und ein Glasfaser-Produkt für mindestens 60 Euro im Monat bestellen.

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Justitia 08.11.2014, 15:19
191.

Zitat von tearix
Der Gedanke ist grundsätzlich richtig. Der Netzausbau auf dem Land funktioniert nicht, weil die Netzbetreiber unterm Strich draufzahlen. Die Bundesnetzagentur macht beispielsweise der Telekom Vorgaben, die Glasfaser auf dem Land zum Zuschussgeschäft machen. Das ist ähnlich wie bei den jungen Hausärzten, die auch keine Praxen auf dem Land eröffnen, da die bundesweit einheitlichen Abrechnungsmodelle eben nur in Städten funktionieren und auf dem Land ebenfalls Zuschussgeschäft sind. Eine Idee wäre, dass der Gesetzgeber keine bundesweiten Einheitspreise mehr vorschreibt, sondern sich Anbieter und Kunden über den Preis finden können. Ein Netzbetreiber sagt dann beispielsweise: Ich baue Gemeinde X aus, wenn sich mindestens 100 Kunden finden, die für den Tiefbau bis in ihren Keller jeweils 5.000 Euro Erschließungskosten zahlen und ein Glasfaser-Produkt für mindestens 60 Euro im Monat bestellen.
Öttingers Vorschlag geht aber genau wieder in eine bundesweite, ja sogar europaweite einheitliche Regelung hinaus, wonach Verträge eine längere Zeit nicht kündbar sind. Wieso sollen Kunden in gut ausgebauten städtischen oder gar grossstädtischen Gebieten den Provider nicht wechseln können? Hier werden dann 90% der Kunden sinnlos drangsaliert, nur weil bei 10% ein Ausbauproblem besteht, wobei die vorgesehen Regelung noch nicht einmal Einfluß auf eine Lösung des Problems hätte.

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tearix 08.11.2014, 15:33
192.

Zitat von Justitia
Öttingers Vorschlag geht aber genau wieder in eine bundesweite, ja sogar europaweite einheitliche Regelung hinaus, wonach Verträge eine längere Zeit nicht kündbar sind. Wieso sollen Kunden in gut ausgebauten städtischen oder gar grossstädtischen Gebieten den Provider nicht wechseln können? Hier werden dann 90% der Kunden sinnlos drangsaliert, nur weil bei 10% ein Ausbauproblem besteht, wobei die vorgesehen Regelung noch nicht einmal Einfluß auf eine Lösung des Problems hätte.
Sie haben recht, dass Oettingers Vorschlag schlecht ist, gut ist aber die Diskussion, die er anstößt. Viele Menschen verstehen ja nicht, warum die Netzbetreiber auf dem Land nicht ausbauen und denken, es wäre ein reine Willensfrage.

In Deutschland sind wir es gewohnt, dass das Wohnen auf dem Land vom Stadtbewohner subventioniert wird. Bis hin zu gesetzlich geregelten Einheitspreisen bei Medikamenten, Büchern oder dem Porto, obwohl all das auf dem Land viel teurer sein müsste.

Wir bevorteilen in Deutschland das Wohnen im ländlichen Raum, weil wir keine Megastädte wie Paris, London oder Tokio wollen. Dieses Prinzip greift aber nur dort, wo die Akteure kein Geld verdienen müssen, etwa weil sie staatlich sind. Für Netzbetreiber oder Hausärzte ist die Fläche schlicht unrentabel. Und deshalb bauen sie dort keine Infrastruktur.

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movfaltin 08.11.2014, 22:19
193. Dumm gelaufen

Da haben wir Baden-Württemberger den Salbaderer, dessen Ideen jeweils wie schales Billigbier den Kopf dumm machen, auf ein reines Versorgungspöstchen abgeschoben - und dann fehlt der entgegen seines expliziten Auftrags nicht nur bei Abstimmungen zum Thema Energie, sondern dimmt sein Licht mit derlei Spam in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, die man bald nicht mehr in mbit/s messen kann.

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Immanuel_Goldstein 09.11.2014, 11:25
194.

Verstehe ich das richtig? Oettinger plant, den freien Markt und damit die Marktwirtschaft abzuschaffen?

Nach der Neugründung der Gestapo-Stasi und der Totalüberwachung aller Bürger, kann das eigentlich nur der logische nächste Schritt sein.

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joachimscholz 09.11.2014, 20:47
195. Dirigismus hat noch nie etwas gebracht.

Am Beispiel BTX kann man deutlich sehen, welchen schädlichen Einfluss durch Politik geschaffene Monopole hatten. BTX war der größte Rohrkrepierer aller Zeiten.
Ursache waren masslos überhöhte Preise, die eben nicht das Geld für den Ausbau gebracht haben, sondern den Rückzug der Kunden aus dieser Technik verursachten.

Öttinger sollte aus der Geschichte lernen und besser in Zukunft die Vergabe von Lizenzen daran knüpfen, dass ein flächendeckender Ausbau bis zum letzten Hinterhof erfolgt. Was nutzt uns die modernste Technik in der Stadt, wenn in abgelegenen Dörfern nichts passiert.

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Desobediencia_Civil 10.11.2014, 01:23
196.

Könnten solche Luftköpfe wie Oettinger ihren Schwachsinn als tägliche Humorsendung ausstrahlen, könnte ich vielleicht darüber lachen.
Da es aber wohl ernst gemeint ist und mich, wie auch Millionen anderer, direkt betreffen soll, sind meine Emotionen eher gegenteilig.

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Kraehe 12.11.2014, 16:19
197.

Zitat von eryx
Ja tolle Idee. Monopol ist ja gerade bei mir das Problem. Hier herrscht die Telekom, die seit Jahren nicht mit dem Netzausbau vorran kommt. Ich hätte gerne mehr Wettbewerb. Danke.
bei uns auch...Telekom hat auch kein Interesse, die Anzahl der 16k Anschlüsse zu erweitern. Hier gibt es allerdings einen engagierten regionalen Anbieter, der mal angefragt hat, wie hoch das Interesse ist. Nach 400 Unterschriften (nur Anfrage, keine Verträge) eine sechsstellige Summe investiert und schon kommt VDSL 50.

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Olaf 12.11.2014, 16:37
198.

Das wird nur zu einer Verschlechterung des Service führen, denn die Kunden können einem ja nicht mehr weglaufen zu einem Anbieter mit schnellerem Netz.

Die Provider belohnen mit ihren Preismodell ja gerade den Wechsel, während Altkunden bestraft werden, weil sie nicht in den Genuss neuer Preismodelle kommen. Die Kunden wurden von den Anbietern ja geradezu darauf abgerichtet, dauernd zu wechseln.

Wenn also Kundenbindung so wichtig ist, brauchen die Provider ja nur besonders gute Tarife für Bestandskunden anzubieten.

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Tobias Claren 12.11.2014, 16:56
199. 24 Monate ist gesetzliches Maximum

Mehr als 24 Monate sind gesetzlich bei Verträgen in Deutschland nicht möglich.
Egal ob Sky Abo oder VDSL, Kabel etc..

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