Forum: Netzwelt
Attacken auf Flüchtlingsheime: Nennt sie endlich Terroristen!

Was sich in Deutschland gerade vollzieht, ist die Geburt eines neuen Terrorismus. Völkisch motivierter, mit "Notwehr" begründeter Terror, beheizt vom Hass im Netz, vorangetrieben von Abernazis. Es wird Zeit, ihn auch so zu nennen.

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agua 29.07.2015, 14:36
100. An#54 kuac

Dem,was Sie geschrieben haben,schliesse ich mich an.
Und ich bedanke mich bei Sascha Lobo für eine weitere gute Kolumne.

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evanildo 29.07.2015, 14:36
101. Fassungslos

Auch von mir uneingeschränkte Zustimmung zu diesem Artikel.
Es macht mich fassungslos, wohin sich dieses Land gerade rasant entwickelt, was diese Problematik betrifft. Das hätte ich nie für möglich gehalten. "Die Welt zu Gast bei Freunden" hieß es noch vor nicht allzu langer Zeit einmal... Was mich fast noch sprachloser macht als die Hetze und die Straftaten an sich, ist die Gleichgültigkeit, mit der wir alle (ich will mich selbst gar nicht ausnehmen) darauf inzwischen reagieren: wir haben uns regelrecht daran gewöhnt. Die Meldungen über neue Hetzjagden und brennende Unterkünfte, wenn sie es denn überhaupt noch bis in die Nachrichten schaffen, laufen so "nebenbei", quasi unter "Buntes/Vermischtes". Niemanden stört es mehr, gleich darauf folgt mit einem Lächeln die Ankündigung der neuesten Sportnachrichten. So als ginge es um gar nichts. Hier geht es aber um MENSCHEN, die aus ihrer Heimat vor Tod, Terror, Unterdrückung oder "nur" (?) vor Armut geflohen sind und die hier vom braunen Mob empfangen werden. Eine öffentliche Diskussion darüber aber gibt es nicht, es wird, wenn überhaupt registriert, so nur achselzuckend hingenommen. Ist es uns wirklich egal, dass die Menschlichkeit in unserem Land vor die Hunde geht? Eine klare Benennung der Taten als Terror, wie hier gefordert, wäre schon ein erster Schritt, denn die Sprache ist immer wichtig für das sich entwickelnde Bewusstsein.
Vor einem aber warne ich, das war der einzige Punkt, der mir unterschwellig im Artikel nicht gefiel: es sollte nicht so getan werden, als gebe es in Wahrheit nur den braunen Terror hierzulande und den anderen, ebenfalls real existierenden islamistischen Terror nicht. Auch den gibt es, wie leider zahllose enthauptete Menschen beweisen. Und vor eben jenem Terror fliehen ja die Menschen, die dann hier den braunen Horden ausgesetzt sind.

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derjonny 29.07.2015, 14:36
102.

Zitat von Hornet63
Jemand, der Häuser anzündet und dabei billigend in Kauf nimmt, dass Menschen sterben oder schwer verletzt werden, begeht eine schwere Straftat. Passiert eine solche Straftat und das Objekt ist kein Flüchtlingsheim, käme kein Mensch auf die Idee, die Täter als Terroristen zu bezeichnen.
Ist ja auch logisch, da in einem normalen Fall von Brandstiftung in der Regel keine politische Absicht zu erkennen ist. Hier ist sie jedoch offensichtlich und das Ziel ist es durch Gewalt der Gesellschaft ein anderes Verhalten gegenüber Flüchtlingen aufzuzwingen. Daher ist es keine normale Brandstiftung, sondern gemäß Definition Terrorismus.

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halitd 29.07.2015, 14:37
103. Ein klares ja

zu diesem Artikel. Es sind Terroristen. Wieso soll es einen Unterschied geben? Nur weil es deutsche Nazis sind und es noch keine Toten gab? Hallo?
Woher die Berührungsangst mit dieser Bezeichnung? Kommt sie vll daher, dass wir mit V-Leuten das Verbieten ihrer Partei(en) verbieten, dass unser Staat sich nach wie vor ziert gegen diese Leute vorzugehen? Warum kommt der NSU-Prozess nicht voran, wo sind die Konsequenzen in Thüringen? Wohin sind die Nazis vom Staatsschutz und dem Verfassungsschutz abgetaucht? Ja ... ich bezeichne auch die Unterstützer und Sympathisanten unserer staatlichen Stellen so. Wer das duldet, mit Geld und Vertuschung Unterstützung leistet, der gehört dazu.
Und letztendlich muss auch dort gesucht werden, warum dieser Fremdenhass so bei uns aufblüht.

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Ismir Uebel 29.07.2015, 14:37
104. Ist hier auch so.

Zitat von gott777
Leider erzeugt ein Nazi mehr Angst und Aufmerksamkeit als zehn geistig gesunde Bürger wieder aufwiegen können.
Demo zum Erstaufnahmeheim: Über die 150 Thügida-"Spaziergänger" wird bundesweit berichtet. Von den 300 Gegendemonstranten liest man allenfalls in den Lokalzeitungen. Und von den tausenden Leuten, die seit Monaten Klamotten für die Flüchtlinge spenden hört man medial null-komma-garnichts.

Daß sie mit ihrer negativ-orientierten Berichterstattung die Dumpfbacken glauben machen, ihre Dummheit wäre gesellschaftsfähig und mehrheitlich, interessiert die 4. Macht im Staate anscheinend nicht. Hier gilt: "Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten."

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cwernecke 29.07.2015, 14:40
105. Auch wenns schwer zu ertragen ist...

... so möchte ich doch darauf hinweisen, dass in all den Fällen von Brandanschlägen noch keine Täter ermittelt wurden. Zwar liegt eine Motivation durch Rechtsradikale nahe, doch kann auch Versicherungsbetrug, Streitereien von Nachbarn untereinander und Flüchtlingen untereinander nicht ausgeschlossen werden. Sogar Motivation durch Linksradikale, die die Situation absichtlich verschärfen wollen, ist denkbar. Jetzt hier von Terrorismus zu sprechen wäre völlig überzogen.

Vielmehr sollten die Probleme des Zuzugs angegangen werden, statt nur zu verharmlosen und schönzureden. Den Menschen kann das Multikulti-Glück nicht einfach aufgezwungen oder ohne weiteres abverlangt werden. Ohne Einverständnis der Menschen, die hier leben und nun Platz machen sollen, geht nunmal nichts.

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hubertus001 29.07.2015, 14:40
106. Der Terrorist von nebenan

Sascha Lobo hat völlig Recht.

Vielleicht nennen wir die Terroristen nicht Terroristen, weil sie "Golf-Fahrer mit Sky-Abo" (DIE ZEIT) sind, weil sie uns so verdammt vertraut sind. Genau wie man dem Kinderschänder sein Verbrechen nicht unbedingt ansieht, weil dieser in Anzug, Designerjeans oder Soutane gekleidet ist, fällt es manchem schwer, den brandschatzenden Nachbar von nebenan als Rechtsterrorist zu bezeichnen.

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clint east wood 29.07.2015, 14:41
107. Ebenfalls Zustimmung. Nur noch eine Frage...

Zitat von darksystem
... Anschläge sind Anschläge, Terroristen sind Terorristen.
... Wenn die Politiker solch klare Worte ans Wahlvolk scheuen - wer wüßte nicht, warum. Aber da war doch noch die 4. Gewalt, die Journaille. Sascha Lobo gelobt , nun aber mal aber ausgenommen....
Wenn die Haupt-Leib-und-Magen-Journalisten der "großen" etablierten Medien: Spiegel, Zeit, FAZ, SZ, (die Münchner, naja...) vielleicht sogar Bild oder auch Tagesschau-, heute-, 3sat-, WDR- Redaktionen diesen Begriff nun partout nicht anwenden wollen, obwohl sie da bei anderen gar nicht zögerlich sind .... darf man die dann "Lügenpresse" nennen.
Nee, ne? Aber was wäre die "politisch korrekte" Bezeichnung? Schwachjournalisten, Rechte Schreiber, Einäugige, Volksempfinder, Volkssprecher, Unterstützer-Szene?
Ich bitte um Vorschläge...
Denn es ist doch mehr als ein Ausweis individuellen professionellen Versagens, es ist ein Zeichen einer gemeinschaftlichen Wahrnehmungssperre, einer Geisteshaltung....

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Anthropos 29.07.2015, 14:41
108. Terror ist nicht automatisch Terrorismus

Keine Frage: Brandanschläge sind schwere Verbrechen, die mit aller Macht verfolgt und geahndet werden müssen. Fraglich ist aber doch, ob hier bereits der Terrorismus-Begriff angebracht ist, oder ob es sich nicht vielmehr um den ausgeübten Terror einzelner Menschen handelt.

Denn dass es sich bei den gemeinten Straftaten um Akte des Terrors gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe handelt, sollte unbestritten sein. Meiner Meinung fehlen (bisher) aber einige Elemente, damit aus Terror Terrorismus wird:
* eine relativ klar definierte politische Botschaft, die sich in Pamphleten, Videos, Flubblättern etc. Ausdruck verleiht, und das Selbstverständnis und die Zielsetzung der Täter wiedergibt
* irgendeine Form von Organisation, und sei es nur ein gemeinsam benutzter Begriff oder Name, unter dem die Akte des Terrors begangen werden

In Wikipedia werden Quellen angegeben, nach denen Terrorismus weniger eine militärische, sondern "primär eine Kommunikationsstrategie" ist. Diese Ansicht teile ich, und dieser wichtige Aspekt ist hier (noch) nicht zu sehen.

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aufdenpunktgebracht 29.07.2015, 14:42
109. vernetzte Welten

Die Radikalisierung der Gesellschaft ist eins der Phänomene der Netzwelt. Ich gehe davon aus, daß sie sogar noch zunimmt mit der Zeit. Im Netz kann man sich ganz ungeniert, weil anonym, zu allen Themen äußern und findet sehr schnell Gleichgesinnte. Es fehlt ganz einfach das Korrektiv der persönlichen gesellschaftlichen Kontrolle. Schon im Kindesalter beteiligt man sich am sogenannten "Shitstorm". Das ist ein Nachtreten aus dem Herdentrieb heraus, völlig unsinnig und unreflektiert. Nur weil es die anderen auch machen. Man will dazu gehören. Diejenigen, für die das im Kindesalter schon "normales" Verhalten ist, werden sich mit zunehmendem Alter vermutlich auch nicht zurückhalten. Man rottet sich in einschlägigen
Foren zusammen und stachelt sich gegenseitig an. Dann ist der Schritt zur physischen Gewalt nicht weit. Kinder schmeißen mit Steinen auf Asylsuchende. Erwachsene brandstiften.

Religiöse und politische Radikalisierung wird zum zentralen Problem des 21. Jahrhunderts. Die kriegerische Auseinandersetzung ist nicht mehr fern.

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