Forum: Netzwelt
Aufgaben in Videospielen: Nach Feierabend geht die Arbeit erst richtig los
Minecraft/ YouTube

Von 1A nach 1B laufen, nach Mineralien graben, Excel-artige Menüs durchklicken: Als Spieler verbringen wir viel Freizeit damit, in Spielen zu arbeiten. Warum tun wir uns das an? Und geht es nicht auch anders?

Seite 2 von 3
großwolke 03.12.2017, 14:20
10. Erm, nein.

Wo das "antisoziale Verhalten" herkommt, ist bereits ganz gut erforscht, da haben Psychologen schon Klügeres drüber verfasst als Herr Rauch. Und dass ein Spiel nicht dennoch Spiel ist, auch wenn es in Gestalt von repetitiver Arbeit daherkommt, wer behauptet sowas? Wer in stumpfsinnigen Jobs jedes bisschen Kreativität ausgemerzt bekommen hat, für den kann es ganz entspannend sein, wenn er sich in seiner Freizeit zumindest mal aussuchen darf, welche stumfpsinnige Arbeit ihm die Zeit bis zum Zubettgehen vertreibt. Dazu kommt noch, dass man das Konzept "Workification" in Computerspielen im Kontrast zu den Alternativen betrachten muss. Die da wären: Modulation des Schwierigkeitsgrades und Zufallsprinzip. Spiele, in denen der Erfolg durch die Schwierigkeit der gelösten Aufgabe definiert wird, frustrieren auf Dauer diejenigen Spieler, die nicht über die nötigen Fähigkeiten verfügen. Und wenn Spielbelohnungen ausschließlich nach dem Zufallsprinzip vergeben werden und somit in manchen Fällen die eingesetzte Zeit gefühlt überhaupt nicht honoriert wird, erzeugt das ebenfalls Frust. Vor dem Hintergrund ist "Workification" einfach nur ein Designelement, das im richtigen Maß eingesetzt absolut seine Berechtigung hat.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Meckerameise 03.12.2017, 17:42
11.

Es stimmt schon, dass viele Spiele nüchtern betrachtet Arbeit sind. In Rollenspielen sammelt man Materialien und Geld, in anderen wiederholt man die gleichen Abläufe, um eine Art Fortschritt zu erzielen. Es gibt Spiele wie der Euro/American Truck Simulator, die das Arbeitsleben eines Lkw-Fahrers simulieren. Es gibt sogar einen ausgewiesenen Job Simulator.
Man sollte aber auch bedenken, dass Hobbies fast immer mit Arbeit verbunden sind. Der eigene Garten z.B. funktioniert auch nur, wenn man sich um die Pflanzen und Tiere kümmert. Am Ende hat man hoffentlich ein Ergebnis, auf das man stolz sein kann und vielleicht auch eine Entspannungsoase ist, wenn man dann im tollen Garten sitzt. So ähnlich verhält es sich dann auch mit manchen Spielzielen. Manche Leute wollen auch etwas zur Entspannung tun. Es gibt ja auch verschiedene Arten von Menschen, die verreisen: die einen liegen verträumt am Pool oder am Strand, andere gehen Wandern, Klettern etc. Es gibt Arbeiten, die man gerne tut und welche, die man erzwungenermaßen tut. Deshalb gibt es auch Spiele, in denen man auch etwas tut und es gibt auch Spiele, bei denen Herumlaufen und Entdecken der Fokus liegt. Aber das tolle bei den "Arbeitsspielen": man sucht sich es selbst aus. Die Arbeit in einem Minecraft wird kreativ verrichtet und sagen wir mal Guild Wars kann ich selbst bestimmen, ob ich wirklich die seltenste Ausrüstung benötige, bei der der Vorteil nur darin liegt, Attribute kostenlos zu ändern anstatt ein paar Ressourcen auszugeben und dass das Zeug anders aussieht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cih 03.12.2017, 20:05
12. Falsches Titelbild

wollte man mit einem Minecraft-Bild Leser locken? Mich hätte das Thema ja interessiert aber es wurde über ein ganz anderes Spiel berichtet. Note: 6

Beitrag melden Antworten / Zitieren
der_weisse_wal 03.12.2017, 21:46
13. Zeit- und Sozialdiebstahl

Darum spiele ich nicht mehr. Grind, Quests, Bonus, Tagesprämien, Pay2Win, nebenher am besten noch Werbung anglotzen müssen. Das kann mir alles gestohlen bleiben. Nach der Arbeit setze ich mich sicher nicht an ein Computerspiel , um noch mehr zu arbeiten. Gratis?
Zum Glück gibt es auch noch´richtige Hobbies. Und einfache Spiele, wie zum Beispiel Mahjongg und Kreuzworträtsel, die man einfach zur Entspannung klicken oder krakeln kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
baninchenrenner 04.12.2017, 01:21
14. Sehr gut erkannt - ahnte ich es doch schon lange!

Lustig und seltsam zugleich, dass erstaunlich verspätet endlich mal einer in einem ellenlangen Essay darauf hinweisen muss, dass mir diese Tatsache nämlich schon vor Jahrzehnten auffiel - aber meine Verwunderung hatte damals einfach keine Sau interessiert. Meine Schwester „spielt“ bis heute ihr komisches „SIM City“ und ich fragte sie auch schon damals, was denn nun dabei den eigentlichen Spielspaß ausmacht - denn was soll so witzig, originell und unterhaltsam, begeisternd, aufregend und kurzweilig daran sein, eine stinknormale Stadt nachzubauen, mit unzähligen stumpfsinnigen, bürokratischen, drögen und lästigen Alltagsaufgaben? Ich hab das bis heute absolut nicht verstanden! Selbst reale Sportarten, wie z.B. Tennis empfinde ich ja ebenfalls grauenhaft stupide, einschläfernd monoton und abgrundtief langweilig. Auf die Spitze der sinntötenden Absurdität dieser Malocher-„Spiele“ treiben es jedoch reiche, weiße, westliche Leistungsidioten, die sich für Abertausende echtes Geld irgendwelche Spiellevel erkaufen, die von irgendwelchen chinesischen Knastbrüdern zwangsweise erdaddelt werden, nur weil sie selbst zu faul sind, sich der zeitfressenden Ödnis des bekloppten Spielarbeitens zu befleißigen. Ich lasse für mich spielen, weil mich dieses blöde Spiel nervt! Hallo ballaballa. Aber auf die Prestigerosinen bin ich ganz scharf, wenn ich mich auf betrügerische Weise dahin tragen lasse, wo ich selbst nicht hinkrauchen will. Sozusagen per Helikopter auf 8840 Meter des Mount Everest bringen lassen und die letzten 48 Meter selber hochrobben. Ich behaupte ja, dass das Spiel an sich grundsätzlich dasselbe wie Arbeit ist, nur eben umcodiert in kulturelle Leistungs- und Wettbewerbsaktivitäten. „Spaß daran haben“ wird einfach behauptet und alle nicken voreilig. Das trifft somit auch auf Sport, Hobby, Ehrenamt und Vereinstätigkeiten zu. Letztlich alles Beschäftigungstherapie zur Bedeutungshascherei als Flucht vor vermeintlicher innerer Leere.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
divStar 04.12.2017, 04:15
15. Interessanter wenn auch subjektiver Artikel

Es sind nicht alle Spiele darauf ausgelegt Erfolgserlebnisse und damit Endorphine zu vermitteln. Nicht jedes Spiel fühlt sich wie Arbeit an - schon gar nicht für den Spieler.

Das Hamsterrad - so es denn eines ist - ist meist nur außerhalb desselbigen sichtbar.

Davon abgesehen trainieren Spiele den Kapitalismus. Dieser ist nicht sozial, schätzt keine Menschen (sondern ausschließlich Profite) und ist die anerkannteste Religion des Westens: Arbeit bedeutet Sinn, idealerweise auch Wohlstand und stellt einen Beleg der eigenen Fähigkeiten dar. Hilfe für die Gesellschaft, die einzelnen Menschen oder dergleichen sind in dieser Religion sogar kontraproduktiv.

Mich wundert es kein Stück, dass die Menschen versuchen so etwas menschenfeindliches lieben zu lernen, um leben zu können. Arbeit ist oftmals auch weder spannend noch erfüllend, sondern ausschließlich zum Überleben wichtig. Aber das begreift man in einem Land, in dem man sich zumeist über den sozialen Status definiert, nicht. Jene, die das doch tun und ihre Konsequenzen ziehen, werden als Faulpelze abgetan.

Unabhängig davon gibt es Spiele (z.B. Musikspiele), bei denen nicht das Ziel Spaß macht, sondern der Weg dorthin. Man hört Musik, die man mag, und bekommt z.b. Punkte. Diese Punkte sind aber nicht so wichtig - es ist der Spaß am Weg, der solchen Spielen gut tut.

MMOs sind hingegen ein ganz anderes Kaliber - so unsozial ist man dort nicht; in Gegenteil: kollegiales Zusammenspiel ist ebenso wichtig wie Pünktlichkeit usw. Das gilt aber auch für andere Hobbys, die mit Elektrogeräten nichts zutun haben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fatherted98 04.12.2017, 08:19
16. sorry...

....aber wer mit solch einem Mist seine Freizeit verbringt, sollte mal den Arzt aufsuchen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
chromatom 04.12.2017, 08:55
17. Schlechte Beispiele

Ich finde die Beispiele schlecht gewählt. Man kann in Minecraft auch kreativ sein, man muß halt wollen. Ähnlich sieht das mit MMO's aus, man kann auch Freunde treffen und quatschen, oder mal die tolle Grafik genießen, oder irgendwelche Secrets finden.
Viel schlimmer sind meiner Ansicht nach die 'kostenlosen' Titel, die einem langweilige Arbeit geradezu aufdrängen, damit man sich durch Ingame-Käufe davon befreien kann. Da bleibt dann am Ende tatsächlich kaum noch irgend eine Art von Spiel übrig. Muß man aber auch nicht spielen oder?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
QPDO 04.12.2017, 09:17
18. Bartle anyone?

Und doch bleibt der Verfasser ein Außenseiter. Vielleicht hätte er sich mal mit der Bartle Taxonomie der Spielertypen auseinander setzen sollen. Selbst die alte einfache Einteilung ist der simplifizierten Darstellung weit voraus. In diesem Essay werden sog. Achiever verunglimpft, weil der Verfasser nicht in der Lage ist unterschiedliche Spielertypen zu erkennen, und daher gleich alle über einen Kamm schert. Er soll doch einfach mal No Man's Sky, This War of Mine oder Oh Sir... The Insult Simulator spielen. Alles Spiele mit einem anderen Fokus als die MMOs, die hier angeführt werden. Selbst Minecraft hat die Erarbeitung der Resourcen als Spielelement, um den virtuellen Schöpfungen einen Zeitwert zu geben. Und wem das Nichts gibt, der kann sich im kreativen Modus austoben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
s.foth 04.12.2017, 09:32
19.

Tja, wer Computerspiele nur als Zeitdieb und Arbeit ansieht, der sollte eventuell einmal reflektieren was man da grade spielt - Rollenspiele, Sandboxspiele und dergleichen sind schon seit Jahrzehnten darauf aufgebaut, dass man konstant Arbeit und Zeit investieren muss um voran zu kommen oder gar auf einem Niveau zu bleiben. Das kann allerdings auch zu echtem Spaß an der Sache führen, ich habe selber auch das ein oder andere "grindlastige" MMO/RPG hinter mir und ich bereue die verbrachte Zeit damit nicht.
Sämtliche Hobbys sind mit einem Zeitaufwand verknüpft, wenn ich mich nach der Arbeit noch zum zeichnen hinsetze, dann ist das für mich auch Entspannung, wo es für andere die kein Interesse daran haben auch nur pure Arbeit wäre. Wer sich über diese Arten von Computerspielen aufregt, dem könnte man herzlich eher story- und charactergetriebene Spiele ans Herz legen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 3