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Berlin: Kontrolleure nehmen Facebooks Löschteam ins Visier
DPA

In Berlin löscht Dienstleister Arvato für Facebook Nutzerinhalte, laut Mitarbeitern unter unwürdigen Bedingungen. SPIEGEL-Informationen zufolge überprüfen jetzt Behörden den Betrieb - bereits mit ersten Folgen.

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spigalli 24.03.2017, 15:26
1. und jetzt nochmal uncodiert: korrekt interpretiert?

"dass es umfassende Gesundheitsfürsorge sowie Betreuungsangebote für das Personal gebe, die kontinuierlich weiter entwickelt würden. So könne man etwa auch außerhalb der Arbeitszeiten psychologische Hilfe in Anspruch nehmen."

- umfassend: "Jeder hat die Mail gekriegt"
- Gesundheitsfürsorge: "Sieh zu, dass du nicht krank wirst"
- Betreuungsangebote: "Dein Manager berät Dich gern über Alternativen außerhalb unseres Unternehmens, wenn Du das Gefühl hast, Deiner Arbeit nicht gewachsen zu sein."
- kontinuierlich weiterentwickelt: "der Typ, der das macht hatte anfangs keine Ahnung, mittlerweile weiss er, worum es geht, morgen sagt er Dir Sachen, die Du bei Google detaillierter findest,..."
- auch außerhalb: "der Typ der das macht, schiebt Überstunden, um der Flut von Anfragen Herr zu werden" oder "Wenn Sie zum Psychologen müssen, dann bitte erst nach Schichtende!"

Ich könnte kotzen, wenn ich betrachte, wie sehr ich hinter jeder positiven Nachricht das verklausulierte Übel vemute. Zu oft leider zurecht.

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blurps11 24.03.2017, 15:35
2.

Das überrascht nicht gerade. Zwischen der Weltbeglückungsrhetorik von facebook, google, apple usw. und der Praxis dieser Unternehmen gibt es keinen erkennbaren Zusammenhang.

Genau deswegen müssen sie on- und offline deutlich besser reguliert werden und dürfen nicht selbst die Regeln schreiben.

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kleseb9 24.03.2017, 15:53
3. Falscher Weg

Die Kontrolle der Kontrolle, sehr schön. Egal ob auf der Strasse oder im Internet: Illegale Handlungen sind durch die Polizei zu unterbinden und zu ahnden. Es wäre viel logischer es würde eine funktionierende staatliche Stelle geben, an die Verstöße gemeldet werden könnten, anstatt kompliziert die Betreiber wie facebook, Twitter oder theoretisch auch aller anderen Websites damit zu beauftragen. Nur um das wiederum umständlich zu regeln und auch noch kontrollieren zu müssen. Das "Polizeisystem" wäre gut finanziert, wenn man es noch schafft das Betreiber wie facebook oder Twitter auch Steuern in Deutschland zahlen würden.

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pojarkow 24.03.2017, 16:06
4. Betriebsrat?

Warum gründen die Beschäftigten keinen Betriebsrat? Der hätte viele Möglichkeiten, gegen schlechte Arbeitsbedingungen vorzugehen.

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reifenexperte 24.03.2017, 16:18
5. Das ist jetzt nicht erstaunlich,

dass Facebook, obwohl es faktisch steuerfrei Milliardengewinne macht, für diese Aufgaben Billigunternehmen anheuern muss und dort die Mitarbeiter nicht betreut werden. Es sollte sich auch jeder, der Facebook nutzt mitverantwortlich fühlen und schämen!

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hegoat 24.03.2017, 16:27
6. Arbeitsplatzbeschreibung gelesen?

Vielleicht hätten die Mitarbeiter vor Vertragsunterzeichnung sich mal genauer informieren sollen, was sie dort für eine Arbeit verrichten sollen. Dass es da nicht um die Löschung von lustigen Katzenbildern geht, müsste jedem klar sein. Wer sich als Müllmann bewirbt, beschwert sich ja später auch nicht über Gestank.

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brooklyner 24.03.2017, 16:32
7.

Ja mit einem psychologisch geschulten Netz für derartige Jobs nimmt man es hierzulande immer nicht so genau. So flog man nach dem Germanwings "Absturz" erst Mal dafür völlig unqualifizierte Flugbegleiter ein, um die Angehörigen zu betreuen und dann schickte man schnell zusammengecastete Coaches (Möchtegern-Psychologen, die allenfalls einen Kurs belegt haben) hinterher. Eine Bekannte war Teil dieser Truppe und was sie erzählte, war hanebüchen. Und sie meinte in ihrer Hybris auch noch, für diese Betreuung qualifiziert zu sein, unfassbar. Eine andere Freundin,. die diplomierte Psychologin ist und jahrelange Zusatzausbildungen machen musste, um für so etwas geeignet zu sein, schüttelte nur fassungslos den Kopf, als ich ihr davon berichtete.

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james_bond 24.03.2017, 16:39
8. Arvato ist ein Callcenter.

Die Fluktuation unter den Mitarbeitern ist sehr groß, da man irgendwann nicht mehr die Quoten erfüllen kann (Outbound) oder die Nase, von unfreundlichen, (manchmal) dummen Kunden und der Ignoranz von den Auftraggebern gegenüber ihren Kunden, voll hat (Inbound). Solange es auf dem Arbeitsmarkt noch genügend Leute gibt, die in einem Callcenter arbeiten müssen (Arbeitsamt) oder tatsächlich wollen, wir diese Masche weiter getrieben. Für Viele ist es auch eine der letzten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, so dass Angst herrscht diesen Arbeitsplatz zu verlieren. Da nimmt man diesen Qutotendruck (Mitarbeiter führen nach Zahlen) in Kauf. Und viele zumeist junge Mitarbeiter durchschauen das nicht und freuen sich wenn Sie Mitarbeiter des Monats werden. Und wenn sie nächsten Monat die Quote nicht schaffen sind Sie Looser des Monats oder man trennt sich einvernehmlich. Ach ja meistens gibt es eine Mitarbeitervertretung, was als super soziale Errungenschaft von der Führungsebene angepriesen wird und von vielen Mitarbeitern auch so gesehen wird. Das das ein zahnloser Tiger ist, verstehen die Wenigsten. Dann gibts da noch Parties und Incentivs, die alle super sind und der Chef ist ja ach so toll und sozial. Diese indoktrinierten Mitarbeiter glauben, das eine Gewerkschaft das Übel allen Bösen ist, weil der Chef das mal so gesagt hat.

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neowave 24.03.2017, 16:59
9. Die Kontrolle der Kontrolle...

Zitat von kleseb9
Die Kontrolle der Kontrolle, sehr schön. Egal ob auf der Strasse oder im Internet: Illegale Handlungen sind durch die Polizei zu unterbinden und zu ahnden. Es wäre viel logischer es würde eine funktionierende staatliche Stelle geben, an die Verstöße gemeldet werden könnten, anstatt kompliziert die Betreiber wie facebook, Twitter oder theoretisch auch aller anderen Websites damit zu beauftragen. Nur um das wiederum umständlich zu regeln und auch noch kontrollieren zu müssen. Das "Polizeisystem" wäre gut finanziert, wenn man es noch schafft das Betreiber wie facebook oder Twitter auch Steuern in Deutschland zahlen würden.
Es ist doch so, das es der "Staat" in seinen vielfältigsten Formen ist, der diesem Moloch Facebook seine Bedeutung verleiht! Die ganzen staatlichen, halbstaatlichen, Öffentlich-Rechtlichen, der Politikbetrieb, alle, alle füttern Facebook jeden Tag auf des Steuerzahlers Kosten und machen dadurch FB erst so richtig wichtig und bedeutsam. Ich muss würgen, wenn ich im ÖR-Fersehen aufgefordert werde, doch meine Meinung/Wünsche auf der jeweiligen FB-Seite zu hinterlassen.
Wären diese Unterstützung (welcher Agenda folgt die eigentlich?) nicht gegeben, wäre FB das was es ist: Im wesentlichen ein Ort, an dem sich "vernünftige" Leute, Menschen mit Anspruch an sich selbst und andere, nicht aufhalten würden. Und, Facebook, davon bin ich überzeugt, wird seine hässliche Fratze noch offenbaren. Vermutlich haben wir dann aber schon verloren

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