Forum: Netzwelt
BGH-Urteil: Facebook muss Mutter Zugriff auf Nachrichten verstorbener Tochter gewähre
DPA

Erben dürfen auf das Facebook-Konto eines Verstorbenen zugreifen. Dieses Grundsatzurteil verkündete der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. In dem Fall ging es um den Tod einer Jugendlichen in Berlin.

Seite 6 von 9
spon_2999637 12.07.2018, 12:56
50. Falsch.

Zitat von kayakclc
Erben treten immer die Rechtsnachfolge Verstorbener an.
Unvollständig. Es gibt Verträge, die mit dem Tod des Vertragspartners enden. Arbeitsverträge z.B. um mal ein geläufiges und einleuchtendes Beispiel zu nennen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Draw2001 12.07.2018, 13:03
51. In einem Einrichtungshaus.....

habe ich ein Schild zum Aufhängen an der Wand gesehen: „Sehen Sie mal außerhalb des Bildschirmrandes - dort findet das reale Leben statt“. Abgesehen von der hier, eigentlich einfachen Rechtslage sollte der Mensch versuchen, mit dem nahen sozialen Umfeld Kontakt aufzunehmen und den auch zu pflegen. Das ist wesentlich intensiver und da passiert auch wirklich was. Die vielen geschriebenen Buchstaben und geposteten Bilder vom Teller des Abendessens in einem Szene-Lokal sind mehr eine Selbstdarstellung die eine Krücke oder ein Hilfsmittel für fehlende tatsächliche Beziehungen sein soll. Ich kenne einige Bekannte, die 5000 „Facebook-Freunde“ haben, aber die kommen mit nicht einmal mit einem einzigen in ihrer Umgebung klar. Würden die die Summe der Facebook-Zeit in reale Kontakte von Mensch zu Mensch verwenden, wäre ihnen bereits geholfen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spon_4312625 12.07.2018, 13:06
52.

Das sind aber unsinnige Argumente vom Richter. Wieso sollte man sich als Kommunikationspartner bitte nicht darauf verlassen können, dass das Gegenüber - wie eigentlich normal - sein Passwort niemandem weitergibt? Gesprächspartner verlassen sich normalerweise immer erstmal darauf, dass keiner mitliest. Außerdem kann man eine aktive Kommunikation zwischen zwei oder mehr Menschen ja wohl kaum mit einem einseitigen Erlebnisbericht aka Tagebuch vergleichen. Das ist wie der Unterschied zwischen Brief und Postkarte, nur eins davon ist geschützt, das andere kann jeder sehen. Gerade in unserer digitalen Welt sollte man weiter denken und nicht nur versuchen alles auf veraltete nichtdigitale Dinge anzugleichen. Tagebuch und digitale Kommunikation sind ein himmelweiter Unterschied. Ich finde dieses Urteil nicht in Ordnung. Das verletzt mir zu sehr die Rechte der Gesprächspartner. Man könnte das aber leicht lösen, indem diese nach der Änderung des Kontos in ein Todeskonto einen Hinweis bekommen und zumindest ihre Nachrichten köschen können. Natürlich stellt sich nach dem Urteil jetzt auch die Frage, ob die Erben auch den Zugriff bekommen müssen, wenn sie gar kein Passwort bekommen haben oder der Betroffene mal jemandem gesagt hat, dass er das nicht will.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
issernichsüss 12.07.2018, 13:17
53. Auch "zwei Dinge" von mir für Sie!

Zitat von Korken
Mich überraschten hier zwei Dinge: Schadenersatzansprüche des U-Bahn-Fahrers? Ich glaube nicht, dass er körperlich verletzt wurde und die seelischen Qualen für die Eltern dürften um ein vielfaches höher liegen als die des Fahrers. Ebenso: Irgendjemand meldete den .....
Erstens, die Umstände zu den Schadensersatzansprüchen des U-Bahn-Fahrers an denen Sie sich mokieren, können wir hier alle nicht einschätzen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass solche Unfälle und Verzweiflungstaten Dritter, den Fahrern stark zusetzen.
In unserem Bekanntenkreis hatten wir einen Zugführer, welcher im Alter von 50 Jahren frühverrentet wurde. Und Sie können es mir glauben, die Schilderungen dieser Fahrer sind grausig. Dahingehend sind sie in Ausübung ihres Berufs, nachhaltig geschädigt, d.h. traumatisiert worden. Und wenn Ihnen dies in Ihrem Beruf auch mal zustossen sollte, so hoffe ich für Sie, dass Ihnen in Ihrer Not ebenso geholfen wird!

Zweitens, ob in dem beanstandeten Fall Mittäter oder Mitschuldige vorhanden sind, die zum Tod der jungen Frau mit beigetragen haben, das lassen Sie mal getrost die Gerichte entscheiden!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mwroer 12.07.2018, 13:26
54.

Zitat von sincere
Auch das Kind verdient es dass die Privatsphäre respektiert wird. Deshalb sollten die Eltern auch nur INformationen darüber haben und sonst nichts.
Das Kind hat den Eltern das Passwort gegeben - zu Lebzeiten. FB hat den Account quasi eingefroren so das kein Login möglich war. Also das Kind hatte offenbar nichts dagegen und DAS ist entscheidend.

Nicht ob irgendwelche Dritte das toll finden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Egon von Trollingen 12.07.2018, 13:27
55. Traumatisiert

Zitat von Korken
Mich überraschten hier zwei Dinge: Schadenersatzansprüche des U-Bahn-Fahrers? Ich glaube nicht, dass er körperlich verletzt wurde und die seelischen Qualen für die Eltern dürften um ein vielfaches höher liegen als die des Fahrers. Ebenso: Irgendjemand meldete den .......
Der Fahrer der U-Bahn kann durch das Ereignis psychisch schwer geschädigt sein und dadurch u.U. seinen Beruf oder eine andere Tätigkeit nicht mehr ausüben.
Sollte es sich dann um Selbstmord handeln, sind Schadensersatzforderungen nicht unbegründet, ja sogar nachvollziehbar.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vaikl 12.07.2018, 13:38
56. Sie haben aber schon mitbekommen,...

Zitat von muellerthomas
Ich finde das Urteil schockierend. Die private Kommunikation eines Menschen mit weiteren Menschen wird nun Personen zugänglich gemacht, die das alles bisher nicht lesen durften und wo wir auch nicht wissen, ob die Verstorbene das gewollt hätte - von den anderen Betroffenen ganz zu schweigen.
...dass die Eltern schon zu Lebzeiten ihrer Tochter das Passwort für ihren Account hatten?
Kümmern Sie sich als Erwachsener doch einfach selbst um die Sicherung Ihrer Daten gegen unbefugten Zugriff. Oder noch besser: Vertrauen Sie sie einfach *nicht* einer lügenden Datenkrake an!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
archi47 12.07.2018, 13:38
57. sehr richtig

ein Eigenleben der IT-Konzerne im innersten Privaten ist zu unterbinden. Die Erben haben die Nachlaßrechte. Basta.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mwroer 12.07.2018, 13:41
58.

Zitat von muellerthomas
Was ich auch nicht korrekt finde.
Das Erben auf alles, also auch den sehr persönlichen Teil des Nachlasses, Zugriff haben mögen Sie ja nicht korrekt finden - aber es ist geltendes Recht und Facebook ist nicht anders zu behandeln.

Im übrigen ist es auch durchaus nützlich. Ich habe aus dem Tagebuch meines Vater erfahren wie er seinen Nachlass aufgeteilt haben wollte, weil kein 'echtes' Testament vorlag.

Im vorliegenden Fall hatten die Eltern offenbar die Erlaubnis der Tochter, nämlich das Passwort, und diese Erlaubnis wurde von Facabook schlicht ignoriert bzw. durch den 'Gedenkmodus' ausgehebelt.
Erschwerend kommt hinzu dass die Eltern diese Daten durchaus in einem laufenden Verfahren benutzen können - eben um im Zweifel nachzuweisen dass ihre Tochter keine Selbstmordabsichten hegte.
Trifft übrigens auch bei anderen Todesfällen zu, wenn die Lebensversicherung Theater macht oder was auch immer so denkbar ist.

Das alles reicht, für mich, völlig aus um den Eltern Zugang zu gewähren. Und da lasse ich jetzt mal den völlig normalen, rein emotionalen, Wunsch der Eltern beiseite zu erfahren was in ihrer Tochter vorgegangen ist.
Wenn Sie nicht wollen dass Menschen Dinge über Sie erfahren, auch nicht nach Ihrem Tod, dann bleibt Ihnen nur eins übrig: Nicht niederschreiben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
loboloco 12.07.2018, 13:41
59. Dritte

Ich finde das Urteil menschlich verständlich und erstmal richtig. Leider sieht man einmal mehr, dass das www #neuland ist. Selbst für den BGH, werden doch die Rechte Dritter verletzt. Der Vergleich mit dem Tagebuch hinkt da eben auch Beiträge anderer Personen in Wort, Bild und Ton zu erwarten sind! Ich für meinen Teil möchte zb keine erotische Nachricht von den Eltern meiner Angebeteten gelesen wissen. . .

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 6 von 9