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BGH-Urteil: Facebook muss Mutter Zugriff auf Nachrichten verstorbener Tochter gewähre
DPA

Erben dürfen auf das Facebook-Konto eines Verstorbenen zugreifen. Dieses Grundsatzurteil verkündete der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. In dem Fall ging es um den Tod einer Jugendlichen in Berlin.

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Zauberhexe 12.07.2018, 13:46
60. Endlich mal ein Urteil im Namen des Volkes!

Dass digitales und analoges Erbe jetzt ENDLICH gleichgestellt sind, war nötig.
Traurig, dass man dafür sechs Jahre gebraucht hat mit allen Instanzen.
Den Eltern wünsche ich alles Gute und vielleicht ein wenig mehr Klarheit, was den Tod Ihrer Tochter betrifft. Ich kann verstehen, dass sie alles versucht haben, diese zu bekommen.

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altai 12.07.2018, 13:50
61. Ist eben nicht das Gleiche wie mit Briefen und Tagebüchern

Einen gesendeten Brief können die Eltern eben nicht mehr lesen. Nur wenn der Empfänger diesen zur Verfügung stellt. Und ein Tagebuch kann unauffindbar versteckt werden.
Mit einem Schritt haben die Eltern jetzt Zugriff auf alles (erschlichen).
Ist es gesichert dass die Aussage das Passwort sei bekannt gewesen den Tatsachen entspricht? Vielleicht wurde das Passwort ja von der Nutzerin kurz vorher auch geändert.

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unglaublich_ungläubig 12.07.2018, 13:52
62. Kein gutes Urteil

Die Kommunikation auf facebook (oder sonstwo) ist eben nicht vergleichbar einem Tagebuch oder aufgehobenen Briefen. Sie entspricht eher nicht gelöschten Aufzeichnungen von Telefonaten, über deren Dauerhaftigkeit man sich keine Gedanken gemacht hat. Die Kommunikation ist sehr viel privater. Wer Tagebuch führt, weiß, dass es nach seinem Tod wahrscheinlich gelesen werden wird, und vielleicht wird es genau dazu auch geführt. Ich wäre nicht damit einverstanden (würde man mich fragen), dass alles, was ich vielleicht in einer Chat-App mit anderen ausgetauscht habe, meinen Erben zufällt.

Wir sind eben in "Neuland". Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich die Rechtsprechung der neuen Situation angepasst hat.
Ansonsten kann man auch davon ausgehen, dass, wenn jemand eine Selbsttötung beabsichtigt und er möchte, dass seine Angehörigen wissen, dass er das wollte, er schon dafür sorgen wird, dass sie es erfahren. So schwer ist das ja nicht.

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frantonis 12.07.2018, 14:03
63. Ein weises Urteil

Denn ist nicht nachvollziehbar, warum Eltern zwar auf Briefe der Verstorbenen Zugriff haben, aber nicht auf die Facebookeinträge. Die Urteile der Vorinstanzen waren hanebüchen.

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jeby 12.07.2018, 14:16
64.

"Sie hofft auch, dass ihr die Nachrichten helfen, Schadenersatzansprüche des U-Bahn-Fahrers abzuwehren."

Wieso will der Fahrer Schadensersatzansprüche? Das hätte der Artikel näher ausführen sollen.

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drunem 12.07.2018, 14:18
65. gar nicht so einfach...

Spontan würde ich sagen, es geht niemanden etwas an, was ich mit wem im Internet kommuniziere. So gesehen würde es mich persönlich sehr stören, wenn da nach meinem Tot irgendwer anders Zugriff darauf hätte. Im gegebenen Fall war das Mädchen aber minderjährig, und die Eltern hatten eh schon, zumindest in der Theorie, Zugriff auf den Account. Für einen volljährigen Menschen finde ich, daß das nicht geht. Das ist einerseits die Privatsphäre des Accountbesitzers, und andererseits die Privatsphäre des Gesprächpartners. Also wenn es da keinen wirklich gut begründbaren Verdacht auf eine Straftat z.B. gibt, halte ich das für nicht tragbar. Der Vergleich mit einem Tagebuch hinkt gewaltig. In der Regel ist ein Tagebuch eine sehr persönliche Angelegenheit EINES Menschen. Der Blick auf sein Leben aus eigener Sicht, wenn man so will. In diesem Fall aber betrifft das auch alle Menschen, mit denen das Mädchen kommuniziert hat. Auch diese Menschen haben Rechte bezüglich ihrer Privatsphäre. Das wird mit diesem Urteil, sollte es nun allgemeine Gültigkeit haben, also auch für Volljährige in Zukunft gelten, untergraben. Und das finde ich nicht richtig. Die in für so einen Fall vorgesehen und gegebenen Optionen seitens Facebook halte ich auf den ersten Blick für absolut ausreichend. MMn ist das besondere am gegebenen Fall die Minderjährigkeit des Mädchens. Ich kann die Eltern schon verstehen, und ich denke, daß so lange sie die Fürsorgepflicht für ihre Tochter haben (sprich bis zum 18. Lebensjahr), geht das auch in Ordnung. Nichts desto Trotz habe ich persönlich nicht wirklich ein gutes Gefühl dabei. Das ist ein Fall, der Aufgrund der Ausgangslage nicht unbedingt auf die Allgemeinheit übertragbar ist.

Gruß

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demokrit2017 12.07.2018, 14:18
66. Urteil ist inakzeptabel

Es müsste beweisbar sein, dass das Mädchen das gewollt hat. Wenn es stimmen sollte, dass sie das Passwort hatten wäre das ein solcher Beweis. Wenn nicht, haben die Eltern nichts in den privaten und möglicherweise intimen Nachrichten zu suchen. Sonst kommt doch auch wegen jedem Piep der Datenschützer angerannt und verweist auf das (vom BVG erfundene) Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung.

Das "Erben" eines Facebook Vertrages bei einem *persönlichen*Account ist doch einfach nur Nonsens.
Der Vergleich mit Papierbriefen zieht nicht, da man bei diesen Maßnahmen treffen kann, wenn die Eltern sie nicht lesen sollen. Bei FB gibt es diese Konfiguration nicht.
Hoffe, dass FB einfach seine Geschäftsbedingungen so ändert dass das Urteil de facto aufgehoben ist.

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Sueme 12.07.2018, 14:19
67.

Zitat von cvk
Gerade in dem Alter und dann noch auf einer Plattform die von den Jugendlichen oft für private bzw. intime Chats, Verabredungen und den Tausch von Bildern genutzt wird. Per gerichtlicher Gewalt und post mortem gezwungen den Eltern zu zeigen was man nicht zeigen wollte. Das hätte sie nicht gewollt. Das Portal verliert auf ...
Genau und weil Sie das nie gewollt hätte, hatten die Eltern zu Lebzeiten das Passwort für den Account.
Aber trösten Sie sich, Sie sind ja nicht der einzige mit mangelhaften Leseverständnis hier im Forum.

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mcmercy 12.07.2018, 14:21
68.

Zitat von jowie78
Ich finde das geht gar nicht.. die Tochter hat der Mutter dazu keine Erlaubnis gegeben und ich finde sowas sollte verboten werden.. privat ist privat und sollte so auch bleiben.
Privat endet eben mit dem Tod, ist ja im reallen Leben nicht anders, nach Ihrem Tod durchstöbert auch ein Verwerter Ihre Wohnung und sieht Ihre Korrespondenz oder Ihre gebrauchten Unterhosen durch. Ihnen kanns egal sein, denn Sie sind tot. Niemand käme auf die Idee nach ihrem Tod Ihre Wohnung für immer und ewig zu versiegeln und ein Kondolenzbuch an die Türe zu hängen. Und das es im Internet nichts privates gibt sollte mittlerweile selbst dem Dümmsten aufgegangen sein.

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mcmercy 12.07.2018, 14:31
69.

Zitat von Plausible.Reasoning
Damit ist die Freundes-Vertraulichkeit bei Facebuck praktisch ausgehebelt - du weisst nie, wer deine Beiträge später liest.
Ja das ist auch gut so, dann überlegen sich manche vielleicht besser was sie für Unsinn schreiben. Du weisst auch nie wer deine Briefe liest, wenn der Empfänger verstirbt.

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