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BGH-Urteil: Facebook muss Mutter Zugriff auf Nachrichten verstorbener Tochter gewähre
DPA

Erben dürfen auf das Facebook-Konto eines Verstorbenen zugreifen. Dieses Grundsatzurteil verkündete der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. In dem Fall ging es um den Tod einer Jugendlichen in Berlin.

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unglaublich_ungläubig 12.07.2018, 20:55
80.

Zitat von manno18
vorzubeugen ist es unabänderlich wichtig, das Eltern von allen Internetzugangsdaten - Logindaten - Passwörter der eigenen Kinder sicher verwahrte Kopien haben. Das gehört mit zur elterlichen Fürsorgepflicht. Wo noch minderjährige Kinder sich weigern Zugansdaten - Logindaten - Passwörter ihren Eltern zu überlassen müssen Eltern auf anderen Wegen, etwa spezielle Tools sich die Daten beschaffen.
Aber sonst geht's noch? Wir Eltern sind doch nicht die Stasi! Falls Sie Kinder haben, tun die mir echt leid. Das auch noch als Gold-Standard darzustellen ist der Obergipfel.

Nebenbei: Das war in diesem Fall NICHT das Problem. Die Eltern hatten die Zugangsdaten. Die hier zu klärende Frage war, ob es sich bei der internen facebook-Kommunikation um einen Nachlass handelt, wie ihn beispielsweise Briefe darstellen. Das hat das Gericht bejaht, und es wird Sie nicht überraschen, dass ich darüber entsetzt bin. Die Verwendung von Kommunikationsmitteln wie Chat-Tools wird von den Benutzern als flüchtig gesehen, wie ein Telefonat; im Gegensatz zu einem Brief, bei dem man davon ausgeht, dass er irgendwann einmal anderen in die Hände kommen kann. Ich kann nur hoffen, dass die Firmen (hier: facebook) sehr schnell eine Vererbung in ihren AGBs und ähnlichem ausschließen. Traurig, wenn facebook die Privatsphäre besser schützt als die Rechtsprechung! Ein Schnüffeln, auch post mortem, in privater Kommunikation ist nur zur Abwendung einer unmittelbaren Gefahr akzeptabel!

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unglaublich_ungläubig 12.07.2018, 20:58
81.

Zitat von max-mustermann
Warum denn nicht, hätte die Tochter ihre Gedanken in Form eines Tagebuches oder Briefen auf Papier niedergeschrieben hätten diese die Eltern/Erben doch auch bekommen.
Aber was sie anderen vielleicht anvertraut hat, hat sie ihren Eltern eben NICHT anvertraut. Entweder gibt es da nichts (meiner Meinung nach wahrscheinlich), oder sie wollte nicht, dass ihre Eltern es erfahren. Das ist zu respektieren!

Chats sind kein Briefwechsel und keine Tagebücher. Briefe und Tagebücher werden mit dem Bewusstsein geschrieben, dass andere sie sehen könnten, speziell nach dem eigenen Ableben.

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unglaublich_ungläubig 12.07.2018, 21:04
82.

Zitat von Willi Wacker
Erklären Sie uns, warum FB bei einem ERBE anders behandelt werden soll als seit Jahrhunderten bei Erbschaften üblich.
Das haben hier schon viele getan. Es geht nicht um Aufzeichnungen, es geht um private Kommunikation, die bei Chats (das liegt in der Natur der Sache) technisch bedingt eben gespeichert ist, und die kaum einer gewohnheitsmäßig löscht, auch weil man das meist nur für ganze Chats kann und nicht für Nachrichten ab einem gewissen Alter. Es handelt sich nicht um Erbmasse nach der Meinung derer, die hier widersprechen. Insofern handelt es sich um Abhören post mortem, und es gibt keinen Grund, warum das irgendwie legitimer oder gar legaler sein sollte als zu Lebzeiten.

Aus meiner Sicht wäre es okay, wenn ein neutraler, zur Verschwiegenheit verpflichteter Dritter die Daten sichten und die für die Eltern dringende Frage, ob da was drin ist und wenn ja was, so weit es zur Klärung der Umstände des Todes erforderlich ist, beantworten würde. Aber der eigentliche Inhalt geht sie nichts an!

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unglaublich_ungläubig 12.07.2018, 21:20
83.

Zitat von mwroer
Im vorliegenden Fall hatten die Eltern offenbar die Erlaubnis der Tochter, nämlich das Passwort, und diese Erlaubnis wurde von Facabook schlicht ignoriert bzw. durch den 'Gedenkmodus' ausgehebelt.
Das ist meiner Meinung nach keine erlaubte Schlussfolgerung. Sie wissen noch nicht einmal, ob die Tochter den Eltern das Passwort gegeben hat oder ob die es zufällig mitgekriegt haben. Und wenn sie es ihnen gegeben hat, wissen sie nicht, zu welchem Zweck das geschah. Ich kenne beispielsweise etliche Passwörter aus meiner Verwandtschaft; die wurden mir aber zu dem Zweck gegeben, ihnen bei technischen Problemen zu helfen, und nicht mit dem expliziten oder impliziten Einverständnis, dass ich ihre private Kommunikation lese, und ich würde den Teufel tun, mir das, auch nach deren Tod, anzumaßen!

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h.weidmann 12.07.2018, 22:02
84.

Zitat von spon_4312625
Wieso sollte man sich als Kommunikationspartner bitte nicht darauf verlassen können, dass das Gegenüber - wie eigentlich normal - sein Passwort niemandem weitergibt?
Das zeigt doch das ganze Dilemma mit Facebook und Co. Da wird das privateste vom Privaten in die Tastatur gehämmert und losgeschickt. Und niemand weiß, über welche Leitungen, Router, Server usw. die Daten laufen und wer Zugriff darauf hat. Keiner weiß, auf welchem Server die Daten ankommen, auf welchem Datenbankserver die Daten gespeichert werden, wer zu welchem Zweck Zugriff hat, wer wann wo die Daten spiegelt, Backups schreibt usw.
Und dann soll das alles von einem einzigen Passwort abhängen?
Die sogenannte Privatsphäre bei Facebook steht auf ziemlich wackeligen Füßen.

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loboloco 13.07.2018, 00:03
85.

Ich frage mich, ob die Kommentatoren die vorherigen Kommentare lesen... wohl eher nicht.

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Hardy000 13.07.2018, 08:12
86. Versicherung

Zitat von Korken
Schadenersatzansprüche des U-Bahn-Fahrers? Ich glaube nicht, dass er körperlich verletzt wurde und die seelischen Qualen für die Eltern dürften um ein vielfaches höher liegen als die des Fahrers.
Das hat mich auch zunächst überrascht, von Schadenersatzforderungen des U-Bahn-Fahrers zu hören. Ich vermute mal, die mußte er anmelden aufgrund des Rats irgendwelcher Winkeladvokaten. Aus versicherungstechnischen Gründen oder so.

Man stelle sich das vor: Deine Tochter wurde von einer U-Bahn erfasst und getötet, und der Fahrer hat dann noch Ansprüche an Dich. Eigentlich müßte die Mutter die BVG verklagen wegen fahrlässiger Tötung. Also genau andersrum.

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Moormann 13.07.2018, 09:41
87.

Zitat von doppelpost123
Selbstverständlich lese ich die Briefe und das Tagebuch meiner Tochter. Alles klar, völlig normal....
Es geht hier nicht um die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnis. Die Tochter war verstorben.
Beschäftigen Sie sich mit den Hintergründen über den Tod des Mädchens unter rätselhaften Umständen.
Wohl zu viel 68er Erziehung in Kinderläden genossen?

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Moormann 13.07.2018, 09:50
88.

Zitat von cor
...und das berechtigt Sie automatisch dazu, sämtliche Nachrichten und Briefe Ihrer Kinder lesen zu dürfen? Na, hoffentlich haben Sie mit dieser Einstellung keine Kinder.
Ich habe 2 Söhne groß gezogen mit meiner Frau, alle in anständigen Berufen, keine Drogen, nichts! Alles preußisch korrekt verlaufen und erzogen, keine posttraumatische Belastungsstörung durch die Erziehung. Wer Geheimnisse zwischen Kindern und Eltern für normal findet sollte keine Kinder in die Welt setzen.

Wissen Sie überhaupt um was es hier ging. Schon andere Foristen haben in diesem Thread zurecht den Vorwurf an ihes gleichen gerichtet, doch vielleicht den Artikel zu lesen und den Grund für das Verfahren zu kennen.
Facebook verweigerte den Hinterbliebenen des minderjährigen toten Mädchens den Zugriff auf ihren Account, ja geht es noch?

Aber natürlich, wer durch die 68er Nachkommen immer nur Fernsehfilme vorgesetzt bekommt, bei denen schon 10 jährige einen Ton gegenüber ihren Eltern anschlagen, der einem die Sprache verschlägt, der schreibt auch solche Kommentare.

Merke, es iwrd immer betont welche Rechte die Kinder haben, Kinder haben auch Pflichten, lesen Sie einmal das 4. Gebot.

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Herr_Jeh 14.07.2018, 00:43
89. Der Facebook-Chat ist eben kein Chat

Ein Chat hat eher den Charakter eines Gespräches. Im Normalfall gibt es keine aufgezeichnete Historie. Beim "Facebook-Chat" bleiben die ausgetauschten Nachrichten standardmäßig erhalten. Damit handelt es sich um einen Messenger. Folgerichtig gehen die ausgetauschten Nachrichten in die Erbmasse über, genau wie ein Stapel alter Briefe oder ein Schuhkarton mit Zetteln. Wem das nicht passt, der kann zum chatten ja eine andere Plattform einsetzen. Und wer seine Daten geschützt sehen möchte ist bei Facebook ohnehin falsch. Im übrigen finde ich es eigenartig, dass es Polizei und Staatsanwaltschaft nicht für nötig gehalten haben, das Profil zu sichten. Auch ohne konkreten Anfangsverdacht wäre eine Untersuchung der Begleitumstände durchaus angemessen gewesen. Und 20 Stunden Polizeiarbeit wäre auch deutlich sinnvoller investiert gewesen, als 5 Jahre Gerichtsprozess und Ungewissheit

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