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BGH-Urteil zu Ärzte-Bewertungsportal: "Jameda ist eine Plattform für Patienten, denen
DPA

Die Ärztin Astrid Eichhorn wollte nicht auf dem Bewertungsdienst Jameda gelistet sein, nun bekam sie vor dem Bundesgerichtshof recht. Im Interview spricht sie über verwöhnte Patienten und Online-Beleidigungen.

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sammilch 21.02.2018, 16:04
60. Kommentar

Hätten hier einige den Artikel gelesen, wüssten sie um was es geht. Mitnichten um "schlechte Bewertungen".

Trotzdem meinen Senf dazu:

Wie unsinnig Bewertungen von Leuten sein können, zeigt sich bei der Bewertung meines Hausarztes.

Da hat eine Dame alles schlecht bewertet und war sich nicht zu dumm den Grund dafür im Kommentar zu hinterlassen, der da sinngemäß lautete "Schreckliche Parkplatzsituation, man hat mir eine Beule ins Auto gefahren und der Arzt war nicht gewillt den Schriftverkehr mit meiner Haftpflicht aufzunehmen."
Dazu muss man wissen, dass die Parkplätze dem Supermarkt, in dessen Gebäude die Praxis auch mit ist, gehört.
Das schien ihr Anlass zu sein alles mit der schlechtesten Note zu bewerten.

Das da manche Ärzte das nicht gefallen lassen wollen verstehe ich auch.

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kiwi.pro 21.02.2018, 16:05
61. Kernkompetenz

Egal ob Ärzte, Hotels, Werkstätten, Restaurants etc., es gibt Bewertungen und der Mensch von heute sollte in der Lage sein diese richtig zu nutzen.
Dh ein gewisses Maß an Misstrauen ist gegenüber jeder Bewertung angebracht und man muss halt wissen welche Kriterien für mich relevant sind.
Dass ein Arzt der seine Praxis regelmäßig am Samstag oder nach 18:00 offen hat, kann für den einen ein entscheidendes Kriterium sein, meiner Oma ist das wurscht.

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Isolde_S. 21.02.2018, 16:05
62. Systemfehler: positiv überzeichnete Kommentare und Noten

Diese sogenannten Ärzte-Bewertungsportale kann man weitgehend als Orientierungshilfe vergessen. Denn gegen unliebsame Bewertungen der Patienten gehen viele Ärte vor; oft werden sie später vom Betreiber der Plattform wieder gelöscht. Übrig bleiben die positiven Kommentare und Noten, die zu allem Überfluss nicht selten von den Ärzten oder ihren "Beauftragten" selbst erstellt wurden. Im Schnitt sind die meisten Bewertungen also stark positiv überzeichnet, um nicht das böse Wort "Fake" zu nutzen. So viele Ärzte mit Note 1,0 oder 1,1 und Bewertungen, die nur so vor Superlativen strotzen, praktizieren schlicht und ergreifend im wahren Leben nicht.

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Take it or leave it 21.02.2018, 16:14
63.

Zitat von kaischek
"Rufen Sie nächstes Quartal noch einmal an": Wenn ich einen Facharzt brauche und bei Anruf von dessen "Servicepersonal" zu hören bekomme, dass derzeit (also in diesem Quartal) alles voll sei, ich deswegen also bitte nächstes Quartal noch einmal anrufen solle und es mir nicht möglich ist, für das nächste Quartal jetzt schon einen Termin zu machen, dann muss ich einen solchen Arzt auch ohne Termin negativ bewerten können. Schließlich stiehlt er mir meine Zeit und selektiert mich aus. Die Äußerungen der Frau Doktor legen einen milden Hybrisverdacht nahe. Ich fand es schon immer komisch, dass viele Ärzte alle Privilegien und Annehmlichkeiten eines staatlich anerkannten Heilberuflers in Anspruch zu nehmen verlangen (abgesprochene, gleichlautende Öffnungszeiten wie Behörde, Niederlassungsort nur nach Absprache, bitte keine Bewertung auf Arztportalen) und andererseits wie Unternehmer verdienen wollen (Patientenselektion, unterschiedliche Öffnungszeiten und Business Class-Wartezimmer für Privatversicherte). Was spricht dagegen, dass ein Arzt sich niederlassen kann, wo er will? Was dagegen, dass er auch am Samstag öffnet, wenn ihm der Sinn danach steht? Wer das Beste aus beiden Welten will, muss es auch ertragen können, dass er unfair bewertet wird, genau wie jeder Privatunternehmer.
Wenn Sie mit jedem Pickel einen Termin beim Dermatologen machen müssen, kann es möglicherweise zu Wartezeiten kommen. Also gehen Sie erst mal zum Hausarzt, anstatt einem Facharzt mit Bagatellen "die Zeit zu stehlen".
Die "Privilegien und Annehmlichkeiten des Heilberufs" bestehen zunächst einmal darin, sich i.R. einer langwierigen Ausbildung nachts auf der Notaufnahme von Besoffenen vollkotzen zu lassen. Und das "freie Unternehmertum" besteht später darin, mit einem gedeckelten Budget bei vollem unternehmerischen Risiko eine einigermassen effektive Medizin zu machen.
Dass Sie jemanden in die Pfanne zu hauen, den Sie nicht einmal kennen, zeigt, was von diesem ganzen Bewertungsblödsinn durch fachliche Laien zu halten ist.
Bedauerlich allerdings, dass manche Ärzte so dämlich sind, Jameda et al. Schutzgelder zu entrichten, um Ihre Bewertungen aufzupolieren - anstatt diese einfach zu ignorieren.
Denn bei dem sich abzeichnenden Ärztemangel und der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung ist auch künftig mehr als genug zu tun - und Werbung gar nicht nötig.

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CancunMM 21.02.2018, 16:18
64.

Zitat von olli08
... und zwar zur Erkennung und Behandlung von Krankheiten. Der Unterschied zu z.B. einer Autowerkstatt ist nur der, dass "Fehler" in dem einen Fall zu einem wirtschaftlichen Totalschaden am Fahrzeug führen können, in dem anderen Fall zum Tode! Und genau so, wie man dem Werkstattmeister vertrauen muss/kann/will, wenn er "nur" ein defektes Zündkabel diagnostiziert, hofft man der ärztlichen Diagnose ("ach, das ist Nichts") vertrauen zu können, damit nicht 6 Monate später ein anderer Arzt sagt: "Ach, wären sie mal 6 Monate früher zu mir gekommen ...". Insofern ist der Wunsch der Patienten nach Informationen über den benötigten Arzt nachvollziehbar. Oder würden sie ihr Auto in eine miese Werkstatt geben? Dass Portale wie "Jameda" auch Kriterien zulassen, die mit der medizinischen Qualität eines Arztes nichts zu tun haben (Ausstattung des Wartezimmers), steht auf einem anderen Blatt. Auch dass die unvermeidlichen Hassprediger ihren geistigen Unrat über Ärzte ausgießen können, die sie nicht mal gesehen haben, ist ein unschöner Nebeneffekt von "Jameda" & Co. Aber solange keine besseren Informationen zur Verfügung stehen, werden auch diese Portale weiter existieren ...
Nein ist es eben nicht ! Der Mensch ist weder ein Auto noch eine Maschine, an die man mal eben ein Diagnosegerät anschließt. Und wenn Sie zur Autowerkstatt mit Termin fahren, dann können Sie erwarten, dass Sie zum vereinbarten Termin auch rankommen. Das können Sie beim Arzt nicht. Sicher hat man auch Termine, aber wenn ein Patient ohne Termin kommt und er hat starke Schmerzen kommt er eben vor dem Patienten mit Termin und ohne Schmerzen dran.
Und wenn die Arztpraxis nur ein Serviceberieb ist, dann sind Sie auch nur Kunde und dann wird der Kunde natürlich besser behandelt, der merhr Geld bringt. Wollen Sie das wirklich? Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist besonders und der Arzt ist auch nur ein Mensch. Man kann sich nicht über die angeblichen ,,Götter in Weiß'' aufregen, dann aber unmenschliche Eigenschaften von diesen verlangen wie grenzenlose Empathie, Fehlerlosigkeit usw.

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Breston 21.02.2018, 16:21
65. Dienstleister

Zitat von keine-#-ahnung
[...] Und nein, Ärzte sind - zumindest im Bereich der Kassenmedizin - keine Dienstleister. [...]
Tja... diese Nichtdienstleistermentalität können viele Ärzte dann wohl bei Privatpatienten auch nicht mehr so schnell ablegen. Wenn ich einen Termin abmache, erwarte ich, dass dieser - innerhalb eines gewissen Rahmens - eingehalten wird. Trotz Termins eine Stunde im Wartezimmer zu verbringen ist schlicht inakzeptabel. Ja, ich weiß, bei Ärzten können Notfälle dazwischen kommen - aber darüber (und die daraus resultierenden Verzögerungen) kann man die wartenden Patienten dann auch informieren. Geschieht das nicht, mache ich das, was meine Kunden machen würden, wenn ich sie trotz Terminvereinbarung eine Stunde ohne Erklärung warten ließe: nicht mehr wiederkommen.

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scxy 21.02.2018, 16:26
66.

Zitat von keine-#-ahnung
Und nein, Ärzte sind - zumindest im Bereich der Kassenmedizin - keine Dienstleister. Das erkennen Sie schon leicht daran, dass Sie bei einem Dienstleister für die in Anspruch genommene Dienstleistung je nach derem Umfang eine grössere oder kleinere Geldmenge als Gegenleistung hinterlegen müssen ... und nicht mittels einer Plastekarte, für die im ungünstigsten Fall das Sozialamt 90 Euro für Sie und Ihre Familie pro Monat in einen Topf wirft, fast sämtliche Leistungen einer modernen Hochleistungsmedizin in Anspruch nehmen dürfen, wenn denn die Indikation dafür gestellt ist.
Sehr geehrter Herr Doktor, Ihre übrige Antwort in Ehren, dagegen habe ich nichts zu sagen. Das Sozialversicherungssystem in Deutschland ist nicht in allen Belangen perfekt. Das erlebe ich selbst als gesetzlich versicherter Patient und höre es von Angehörigen, die selbst Ärzte sind oder in Arztpraxen arbeiten aus einer anderen Perspektive.
Wenn Sie sich als Arzt nicht als Dienstleister verstehen, dann schätzen Sie Ihre Position in unserem Gesundheitssystem falsch ein. Was wollen Sie denn sonst sein? Und welchen Unterschied soll es für diese Fragestellung machen, ob Sie gesetzlich versicherte Patienten behandeln oder andere? Jeder Behandlungsvertrag ist ein Dienstvertrag, von einigen speziellen Fällen abgesehen.
Für meine Plastekarte, die ich seit einigen Jahren freiwillig habe, zahle ich Beträge, für die ich als privat versicherte Person drei bis vier gleichartige Risikos versichern könnte. Ein Sozialamt hat dazu in meinem Lebenslauf nur selten beigetragen. Und selbst wenn - als niedergelassener Arzt (mit Kassenzulassung) profitieren Sie ja davon, dass Sie sich keine Sorgen um die Bezahlung Ihrer Dienstleistung machen müssen, denn dafür kommt zuverlässig die Kasse auf. (Über die Höhe für die Einzelleistungen zu debattieren, ist da ein anderes Thema, bei dem ich Ihren Ansichten vermutlich mehr Recht geben würde.)
So wie mir dürfte es der Mehrheit der deutschen Bevölkerung gehen: Sie müssen für ihre Plastekarte einen ganz ordenlichen Anteil ihres Bruttolohns abzweigen. Dafür sollten sie auch eine angemessene Gegenleistung bekommen. Das zu oraganisieren, ist Aufgabe jedes niedergelassenen Arztes. Als Dienstleister.

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seinodernichtsein 21.02.2018, 16:31
67. Alternativ:

Ich habe mal von einer Chinesischen Tradition gehört, die ich Jameda & Co vorzöge: für jeden Patienten, der ihm weggestorben ist, muß der Arzt eine schwarze Laterne vor sein Haus hängen.

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CancunMM 21.02.2018, 16:34
68.

Zitat von grmblfix
Leider sind mittlerweile viele Arztpraxen sehr unorganisiert, man wartet lange auf Termine und muss dann trotz Termin teilweise mehrere Stunden warten (ich spreche nicht von einer Notaufnahme!). Wenn Frau Eichhorns Praxis so unorganisiert ist, muss sie auch mit schlechten Bewertungen leben. Eine Arztpraxis IST ein Servicebetrieb!
Nein ist sie nicht ! Eine Arztpraxis ist eine Arztpraxis, ist eine Arztpraxis. Und Sie müssen warten, weil andere auch krank sind und vielleicht mehr Hilfe brauchen. Seien Sie froh.
Ich erlebe ich regelmäßig Patienten, die sich darüber aufregen, dass ein Rezpt nicht unterschrieben ist, während der Arzt im Nachbarraum einen Notfall versorgt oder gar reanimiert. Das treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Die Egomanie ist außer Rand und Band.

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mameluk 21.02.2018, 16:37
69. Service?!

Also, von wegen kein "Eine Arztpraxis ist kein Servicebetrieb" - aber selbstverständlich, und zwar Service FÜR die Patienten und nicht für die Luxusversorgung von Medizinern, dafür haben sie ja inzwischen ein anderes Haustier, den Igel. Bei der in dem Artikel wiedergegeben Lesart der Ärztin bin ich froh, dass sie keine eigene Praxis mehr hat, denn ihr Tenor geht m.E. doch sehr zu Ihren Gunsten. Natürlich liegt bei solchen Wertungen einiges im Argen, sie sind subjektiv, aber trotzdem nicht per se falsch und Patienten haben das Recht, ihre Ärzte auch anonym zu bewerten, denn eine Rückmeldung würde -
ganz allgemein betrachtet -sehr schnell abgebügelt werden bzw. die Angst, dann keine oder, wenn überhaupt die richtige Behandlung zu erhalten, könnte sehr berechtigt sein.

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