Forum: Netzwelt
BGH-Urteil zu Arztkritik: Bewertungsportale müssen Belege liefen

Das Bewertungsportal Jameda hätte die Beanstandung eines Zahnarztes durch einen Nutzer besser prüfen müssen, urteilt der Bundesgerichtshof. Die Entscheidung könnte auch ähnliche Angebote betreffen.

Seite 1 von 3
Hautarzt Bayern 01.03.2016, 12:43
1. verzerrte Abbildung der Realität

Leider wurde im Artikel ein großes grundsätzliches Problem der Ärztebewertungsportale nicht angesprochen: Ein unzufriedener Patient hat IMMER ein erheblich höheres Mitteilungsbedürfnis als ein zufriedener. Die Bewertungen werden also IMMER zum Schlechteren verzerrt sein!

Beitrag melden
sinasina 01.03.2016, 12:55
2. Übest ist auch, dass immer mehr »gute« Bewertungen gekauft werden

Das Urteil ist richtig: 1. gibt es immer mehr Bewertungen, für die bezahlt wird, 2. gibt es immer mehr negative Bewertungen, um einen geschäftlichen Konkurrenten zu diskreditieren, 3. gibt es immer mehr Bewertungen, die z.B. innerhalb eines Scheidungskrieges verfasst wurden, 4. gibt es leider auch Menschen, die sich ihre schlechte Laune durch negative Bewertungen versüßen, 5. werden auch Läden etc. aus politischen Gründen diskreditiert.
*
Bestes Beispiel ist Amazon: Früher konnte man sich sehr gut auf die Bewertungen verlassen. Heutzutage muss man erst die schlechten Bewertungen herausfiltern, um einen Überblick zu bekommen.
*
Übest ist auch, dass immer mehr »gute« Bewertungen gekauft werden.
Scheint besonders unter Ärzten und Rechtsanwälten gang und gäbe zu sein.

Beitrag melden
jujo 01.03.2016, 13:00
3. ....

Andererseits geiern viele Unternehmen direkt um eine Bewertung.
Ich habe einen Immo.Makler mal befriedigend bewertet. Seine Dienstleistung bestand darin mir ein vollständiges, ausführliches Expose zu mailen.
Er fragte zurück warum er nur (!) eine 3 bekommen hätte. Ich schrieb zurück worin sein Problem bestehe, ich sei doch zufrieden mit gewesen mit der Übersendung des Expose und das hätte ich ausgedrückt.
Wenn alle und jeder nur mit sehr gut bewertet oder bewertet wird ist diese ganze Bewerterei für die Tonne.

Beitrag melden
christoph.giehl 01.03.2016, 13:06
4. Warum überhaupt anonym?

Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe - warum meinen User, eine Bewertung anonym abgeben zu müssen? Wenn ich eine Bewertung abgebe, unabhängig ob positiv oder negativ, dann kann ich auch mit meinem Namen dafür einstehen. Alles andere hilft mir nicht weiter, ich ignoriere jede Form der anonymen Bewertung.

Beitrag melden
Opernfan 01.03.2016, 13:09
5. jameda

Natürlich stimme ich Nr. 1 zu, beschweren werden sich eher die, die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Meine Erfahrungen mit jameda gleichen jedoch denen des Kommentators Nr. 2.
Ein hiesiger Facharzt hatte, nicht nur von mir, schlechte Bewertungen, alle hatten die selben Kritikpunkte. Nach meiner ebenfalls schlechten Bewertung bekam ich von jameda eine Mail, der Arzt hätte sich beschwert, er drohe mit Klage, alle schlechten Bewerter sollten nochmal detailliert ihre Bewertung begründen, damit sie im Portal wieder eingestellt würde. Zunächst sei sie gelöscht. Ich habe eine sehr ausführliche Begründung an jameda gesandt, jeden meiner Kritikpunkte nochmal begründet und mit Beispielen belegt. Die Bewertung wurde nie wieder eingestellt, ebenso wenig wie alle anderen, schlechter als 2,0. Der Arzt, der vorher eine 4,3 hatte, hat nun plötzlich eine 1,2, zumal in letzter Zeit ständig 1,0 Bewertungen erscheinen, die alle ähnlich formuliert sind und in der Wortwahl und Fachterminologie eher aus der Praxis des Arztes selber stammen denn von Patienten. jameda hat für mich jeden Sinn und jede Berechtigung verloren!

Beitrag melden
Cäsarenwächter 01.03.2016, 13:10
6. Nachweis

Abzuwägen ist das verfassungsrechtlich verbriefte Recht auf Persönlichkeitsschutz gegen das Recht des Nutzers des Portals auf freie Meinungsäußerung.
Hierbei ist dem Gericht darin beizupflichten, dass dem Portal zumutbare Nachweispflichten obliegen, die dem Arzt bei Bedarf anonymisiert vorgelegt werden können.
Allerdings stellt sich die Frage, wie der Patient (Nutzer) seinen Besuch und Behandlung beim betreffenden Arzt nachweisen kann, wenn er 1. bereits bei einem anderen Arzt in Behandlung gewesen ist und von diesem einen Stempel im Bonusheft erhalten hat; 2. zwar eine Terminbestätigung (Zettel) erhalten hat, aber aus dieser nicht Art der Behandlung hervorgeht; zudem kann der Termin nachträglich abgesagt werden, ohne das die schriftl. Terminbestätigung aus der Welt verschwindet; 3.Rezept: Allenfalls lässt sich aus der Verschreibung eines Medikaments eine bestimmt Behandlung nachweisen; allerdings dürfte dies schwierig werden, wenn es sich um allgemeingebräuchliche Medikamente wie Ibuprofen handelt (Ausnahme: Ibuprofen mit höheren Dosen); 4.sonstige Nachweise: Attest. Dieser Beleg kann zwar eine Aussagekraft bzgl. der Arbeitsfähigkeit besitzen; allerdings werden bei typisches Attesten selten die genaue Behandlungsart (z.B. Zahnwurzelbehandlung) beim Namen genannt. 5.Lösung: Der betr. Patient geht folgendermaßen vor: Es lässt sich behandeln. Dem Patienten ist jedoch bei Aufforderung unverzüglich Einblick in die Patientenakte und die kostenpflichtige Anfertigung von Ablichtungen zu gewähren (s. Patientenrechtegesetz (jetzt: § 630g BGB). Das wäre die sicherste Variante.

Beitrag melden
chukwumeze 01.03.2016, 13:17
7. Jameda - das ist mehr oder weniger in Witz

Ich habe vor ca. 1-2 Jahren dort eine Apotheke bewertet, in der ich öfter meine Medikamente für mich und meine Familie besorge.
Am Ende meiner Bewertung kam die Aussage: "Ihre Bewertung ist zu gut, bitte überprüfen Sie Ihre Bewertung." Allerdings gab es schon abgegebenen und zugelassene Bewertungen. die genauso gut waren.
Meine Frau hat diese Apotheke, nur etwas schlechter, ebenfalls bewertet. Ein paar Tage später weilte eine Besuch aus Südafrika bei uns. Er holte auch prompt eine Erkältung und kaufte selbständig auf Englisch Medikamente ein und war begeistert. Dies wollte er auch bewerten. Später wurden alle Bewertungen während des Verdachts auf Betrug gelöscht. Bewertungen allerdings, die auf eine Gesamtnote 6 kamen und eher pöbelig im Text waren oder unsinnige Bedürfnisse äußerten (ungefähr wie "die Apotheke war voll und ich kam nicht gleich dran, mehr Personal einstellen") waren offenbar objektiv genug.Ich habe der Apotheke übrigens geraten, sich ganz löschen zu lassen.

Beitrag melden
Fakler 01.03.2016, 13:21
8. Bewertung

Wenn da so eine schlechte Bewertung ist, braucht ja nur der Zahnarzt wen finden der macht eine ungeheuer positive Bewertung. Dann kann der Leser ja entscheiden was er mehr glaubt ...

Beitrag melden
andreasbln 01.03.2016, 13:24
9. das Rechts auf Anonymität ist mir auch nicht klar

solange kein Abhängigkeitsverhältnis wie im Arbeitsrecht besteht, sehe ich keinen Grund warum ich anonym jemanden - ggf. auch zu Recht - öffentlich schlecht machen darf. Zu einem schlecht bewerteten Arzt oder Restaurant gehe ich im Zweifel eh nicht mehr und müsste auch damit leben, dass der mich nicht als Vertragspartner will. Wenn ich mitbekomme, dass jemand gegen mein Geschäft gegenüber Dritten schimpft ohne sich vorher an mich persönlich mit seiner Unzufriedenheit zu wende, dann lehne auch jede weitere Zusammenarbeit ab. Aus gutem Grund. Die Bewertungsportale sind kein guter Ersatz für die direkte Kommunikation mit dem Kunden. Ich muss auch den Mut haben, mich im Restaurant über die schlechte Bedienung, kaltes Essen oder sonstwas zu beschweren, um die Chance zur Abhilfe zu geben. Alles andere führt wiederum langfristig zur Verrohung der Umgangsformen und die Objektivität dieser Foren leidet weiter, aus den Gründen, die oben schon mehrfach beschrieben wurden.

Beitrag melden
Seite 1 von 3
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!