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BGH-Urteil zu Ebay: Auktion abgebrochen? Das kann teuer werden
AP/dpa

Das Höchstgebot war mau, ein Ebay-Verkäufer brach die Auktion für ein Stromaggregat ab. Der Bieter wollte Schadensersatz - und bekam jetzt Recht vor dem Bundesgerichtshof. Obwohl er einen Mini-Betrag geboten hatte.

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Jan2607 10.12.2014, 20:08
60.

Zitat von j.vantast
Allerdings, denn in der Regel muss ein entstandener Schaden nachgewiesen werden, denn einen Anspruch auf ein entgangenes Schnäppchen gibt es nicht. Welcher Schaden dem 1 Euro-Käufer nun enstanden sein soll wenn er den Artikel nicht erhält muss mir mal einer erklären. Es ist ja nicht vorauszusetzen dass der Artikel auch für 8.500,-EUR verkauft worden wäre. Ich kann da definitiv keinen enstandenen Schaden erkennen. Demnach müsste ich bei Aldi auch einen Schadenersatz von 500,-EUR fordern können wenn der aktuelle Aldi-PC ausverkauft ist? Nein, der Handel wird hier besser gestellt als der mit den juristischen Fallstricken nicht vetraute Privatmann.
Nein, bei Aldi geht das natürlich nicht. Und zwar, weil die Angebote in der Werbung entweder mit dem Hinweis "nur solange der Vorrat reicht" eingeschränkt werden, oder es einfach nur eine Invitatio ad offerendum ist, also eine Aufforderung, ein Angebot abzugeben. Das tatsächliche Angebot erfolgt erst durch den Kunden, der mit der Ware zur Kasse geht und damit konkludent erklärt, dass er sie kaufen möchte. Der Verkäufer (bzw. dessen Angestellter) nimmt das Angebot an, dadurch kommt der Kaufvertrag zustande.

Was den Schadensersatz angeht: Der Käufer ist so zu stellen, als ob der Vertrag ordnungsgemäß erfüllt wurde.
Der Anbieter eröffnet mit dem Verkaufsgegenstand die Auktion, der Anbieter bietet eine bestimmte Summe für den Gegenstand. Beides sind verbindliche Erklärungen, dadurch wird ein Rechtsgeschäft begründet.
Dadurch entstehen besondere Verpflichtungen, deren Nichteinhaltung schadensersatzpflichtig machen.

Sie müssen es so sehen: Wäre der Vertrag erfüllt worden, hätte der Käufer jetzt ein Stromaggregat im Wert von 8500€ - und dies zum Preis von 1€.
Es kommt eben auf den Wert der Kaufsache an, nicht auf die Preisabsprache.

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DMenakker 10.12.2014, 20:25
61.

Zitat von mighty_dwarf
"§ 156 BGB Vertragsschluss bei Versteigerung Bei einer Versteigerung kommt der Vertrag erst durch den Zuschlag zustande. Ein Gebot erlischt, wenn ein Übergebot abgegeben oder die Versteigerung ohne Erteilung des Zuschlags geschlossen wird." Erteile ich meinen Zuschlag durch die Rücknahme meines Angebotes? Seltsames Urteil, ich hätte gerne etwas mehr Hintergrundmaterial.
Es gibt tausend gründe, warum eine Versteigerung geschlossen wird.

Die erste ( und vielleicht wichtigste ), Höchstbieter und Verkäufer sind sich einig. Also muss ich mir einen mir genehmen Höchstbieter besorgen und dem offiziell auch verkaufen. Wenn dadurch ein Rechtsgeschäft zustande gekommen ist, hat ein unterlegener Bieter einfach keine Schnitte mehr.

Es kann aber auch e-bay die Auktion schliessen. Vielleicht passt etwas an dem Artikel oder der angebotenen Dienstleistung nicht zu deren AGB. Selbst in Japan werden wohl gebrauchte MÄdchenschlüpfer nicht akzeptabel sein.

Es kann aber auch sein, dass z.B. an dem Artikel während der Auktion Eigentumsrechte Dritter geltend gemacht werden, z.B. bei Pfändung.

Und es gibt noch viele mehr. Kalte Füße, weil nach 2 Tagen die Gebote noch niedrig sind, ist eben nunmal keiner. Eigentlich ist es doch ganz einfach, oder?

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Finsternis 10.12.2014, 20:29
62. 1€ Wahnsinn

Jungs und Mädels, hört doch endlich auf Angebote mit 1€ zu erstellen, wenn ihr einen MINDESTPREIS haben wollt. Dann nutzt doch einfach die MINDESTPREIS Funktion. Ebay ist schon lange kein Schnäppchen mehr. Viel zu viele Händler haben das Angebot verseucht. Wenn ich etwas verkaufe, dann nur noch als Sofortkauf und ich werde die Dinge IMMER los und wenn nicht, erneut einstellen. Es ist mir unbegreiflich, wieviele Verkäufer die Dinge für 1€ einstellen und dann über die Gebote jammern.

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derAndere 10.12.2014, 20:43
63. Das hat damit nichts zu tun.

Zitat von topaz75
Man kann auch alles uebertreiben, und das Urteil ist ein gutes Beispiel dafuer. Fuer mich ist das ein Zeichen das ebay einfach nichts mehr ist fuer Privatpersonen. Fuer diese konkurriert es mit anderen Plattformen wie craigslist oder auch Kleinanzeigen in der Tageszeitung. Was ist verwerflich daran, etwas bei ebay einzustellen, aber gleichzeitig bei CL, und wenn es dort verkauft wird, beendet man die Auktion? Wo ist da der Schaden fuer den Auktionsteilnehmer? Und das so ein Bullshit bis zum BGH getrieben wird gibt es auch nur in Deutschland. Ich hoffe der Typ freut sich an seinem Notstromaggregat fuer 1 Euro...
Als eBay an den Start ging, waren es überwiegend private Verkäufer und Käufer und ich habe KEINE Abbrüche erlebt. Ist auch jetzt noch selten. Aber ich glaube einfach, dass zu viele private Anbieter mittlerweile zu doof oder zu dreist für eine Auktion sind, weil sie den Sinn nicht verstehen.

Was ist denn daran so "übertrieben", wenn der Verkäufer und verschiedene Käufer sich im Bietverfahren auf einen Preis einigen. Das ist halt keine Kleinanzeige in der Zeitung. Das kann für beide Seiten mal super, mal nicht so super laufen. Das eine nennt sich gutes Geschäft für den Verkäufer, das andere Schnäppchen für den Käufer. Aber welchen Sinn macht es, wenn einer der Beteiligten sagen kann: Ach nö, dann war das Ganze nicht ernst gemeint. Das ist ja wie im Kindergarten.

Ich finde das Urteil komplett in Ordnung und ich wundere mich, dass der BGH das bestätigen muss, nach vielen Jahren eBay und Millionen von Geschäften. Ist endlich mal ein Urteil, welches dem gesunden Menschenverstand entspricht. Und wenn man mit Auktionen ein Problem hat, warum nutzt man sie dann?

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rageagainstthemachine 10.12.2014, 21:24
64. Handbuch für ebay Kleinkriminelle

Zitat von Walther Kempinski
Ganz ehrlich, bevor ich so einem dahergelaufenen (der womöglich sowas sogar professionell macht...hab gehört davon leben sogar einige) Querulanten 8500€ in den Rachen schiebe, stoße ich das Ding lieber die Bordsteinkante runter. Der soll mir dann beweisen, dass es vorsätzlich passiert ist. Man kann immer sagen, dass man es gerade verpacken wollte und einem dabei dies Ungeschick passiert ist. Ich würde die Sache ohnehin konservativ angehen. Zuallererst behauptet man nur das Ding wäre kaputt. Wenn dann Beweise verlangt werden, schraubt man ein wenig dran herum und macht ein Foto davon (je nach Artikel natürlich andere Mängel sichtbar machen, die man jedoch aber wieder zurück bauen kann). Bei Elektronik zB kann man wohl kaum ein Foto machen. Bei sowas sagt man dann, dass bei einer allerletzten Funktionsprüfung vor dem Versand doch noch ein Fehler aufgetaucht ist, der zuvor nicht bemerkt worden ist. Bei Elektronik gibt es zig Möglichkeiten das Gerät zu manipulieren und es danach per neue Firmware oder Sonstigem wieder heile zu machen. Wie dem auch sei. Wenn der Käufer dann doch auf ultimative Beweise pocht und die Sache dann doch irgendwie vor Gericht geht, dann macht man einen Kurzschluß rein. Das ist zwar finanziell auch nicht mehr so attraktiv, aber man muss dann wenigstens nicht die vollen Gerichtskosten tragen wenn mans drauf anlegt. Ich sag nicht, dass man das in der Realität machen sollte...sind ja nur spontane Gedanken die man so hat. Aber solche vor-Gerichtzieher sind mir suspekt und ich weiß nicht ob ich so einem für einen Mausklick 8500 Euro gönnen würde. Ich meine wo hat er denn einen Schaden erlitten, der so teuer bezahlt werden muss?
So, so, Käufer die das auch gerne haben wollen, was sie gekauft haben u. worauf sie (wie u.a. mit diesem Urteil festgestellt) auch gesetzl. ein Anrecht haben, sind also schon mal per se "dahergelaufene Querulanten".

Ich sag Ihnen was. Der dahergelaufene Querulant sind Sie! Davon gibt es bei ebay leider, weit, weit mehr, als solche die das "professionell" machen und nur darauf spekulieren, dass ein Anbieter einen unbeabsichtigten Fehler macht, um diesen dann abzuzocken.

Davon abgesehen gäbe es gar keine "Professionellen", wenn die Anbieter die Funktion des Auktionsabbruches nicht so dermaßen oft, so dermaßen schamlos missbrauchen würden, wie das der Fall ist.

Zu Ihrem kleinen diesbezügl. "Handbuch für ebay Kleinkriminelle" nur soviel: ich sehe in Ihrer "Argumentation" gleich mehrere Löcher bzw. Ansatzpunkte.
Da ich im Gegensatz zu Ihnen hier aber keine Anleitungen zum erfolgreichen behumpsen bei ebay geben will, werde ich mich darüber nicht weiter ausbreiten.

Nur soviel: beten Sie, dass Sie als ebay Verkäufer in einem solchen Fall, wie den um den es hier bei dem Urteil ging, nicht mit mir als Käufer zu tun haben u. mir dann eine der von Ihnen geschilderten Lügengeschichten auftischen..... Wenn Sie nur den geringsten, noch so unscheinbaren Fehler in Ihrer Lügenkette machen, zerlege ich Ihnen das in sämtliche Einzelteile haue sie Ihnen um die Ohren.

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uk2011 10.12.2014, 21:49
65.

Zitat von yang0815
Ich möchte nur hinweisen, hier geht es nicht um deutsches Recht sondern um die AGBs von eBay. Dort steht dass mit der Abgabe eines Gebots eine gegenseitige verbindliche Vereinbarung getroffen wurde. Wäre kein Problem für eBay eine andere Formulierung zu wählen, Vertrag kommt erst zum Zeitpunkt des geplanten Endes der Auktion zu stande.
Um welches Recht soll es sich denn sonst handeln? Hinterindisches???

Wenn Sie von dem Verkäufer eine fehlerhafte Ware bekommen, dann gehen Sie zu einem deutschen Gericht und verklagen ihn dort, schon allein diese Tatsache sollte Ihnen verdeutlichen, daß ausschließlich(!!) deutsches Recht gilt.

Wenn Ebay in seinen AGBs reinschreibt (in AGBs steht viel drinnen, und fast 90% davon sind rechtlich irrelevant), daß Sie vom Käufer immer die doppelte Summe bekommen, die vereinbart war, gilt das auch nicht.

Und nein, der Vertrag kommt in diesem Moment zu stande, in dem Sie das Angebot ANNEHMEN!

Sollten Sie irgendwie Geschäfte machen, erkundigen Sie sich bitte dringend bei jemanden, wann genau Sie ein verbindliches Angebot abgeben und was daraus resultiert.

Wenn der Bäcker zu Ihnen sagt: "Brötchen kostet ein Euro" - ist das ein verbindliches Angebot. Dann kann er nicht beim Bezahlen sagt: "Pustekuchen, sind doch 2 Euro". Wenn Sie dann sagen: "Dann nehme ich 3 Stück", dann haben Sie das Angebot angenommen, dann muß Ihnen der Bäcker die Brötchen für 3 Eruo verkaufen.

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uk2011 10.12.2014, 22:01
66.

Zitat von lachina
4) bei Zurückzug des Angebots angeben, der Artikel ist beschädigt. Natürlich darf man da nicht so dämlich sein, ihn zwei Tage später bei Ebay zu verkaufen. Oder man muss begründen können, dass man eben ZWEI von den Teilen hatte.... so viele Schlupflöcher und der Verkäufer hatte keines gefunden....*roll eyes*
Auch wenn jeder Zweite es vorschlägt:

Diese Aussage wird nicht richtiger.

Wenn Sie mir einen Tisch mit vier Beinen anbieten und ich mache mit Ihnen einen Vertrag, daß ich Ihnen den Tisch für aktuell 1 Euro abkaufe, dann müssen Sie mir, wenn dieser Vertrag zu stande kommt, den Tisch wie in der Beschreibung liefern (egal bei welcher Summe wir dann sind).

Wenn Sie zwischenzeitlich zwei Beine zum Verheizen genommen haben, ist das schön für Sie, aber Sie schulden mir einen Tisch mit vier Beinen (laut Beschreibung). Wo Sie diesen Tisch hernehmen, ist mir egal.

Sie können mir natürlich sagen, daß jetzt zwei Beine fehlen und Sie deshalb den Tisch nicht liefern können. Daraufhin kann ich zustimmen, daß wir die Sache vergessen (ich muß aber zustimmen, daß dürfen Sie nicht alleine entscheiden).

Wenn ich nicht zustimme, dann haben Sie Pech und müssen mir den Tisch mit vier Beinen geben - oder mir eben Geld geben, damit ich den Tisch woanders kaufe - oder Sie kaufen den Tisch woanders und geben ihn mir.

Wenn Sie beim Autohändler ein Auto kaufen, und ,bevor er Ihnen den Schlüssel in die Hand drückt, ein Kran drauffällt, dann verlangen Sie ja auch einen Ersatzwagen. Oder den wahren Wert des Wagens, wenn er beispielsweise Ihnen ein Supersonderangebot gemacht hat, weil Sie zufällig der 100ste Kunde war und Sie müssen nur 50% zahlen. Da werden Sie ja auch nicht sagen: "So ein Pech aber auch, daß der Wagen kaputt ist. Gehe ich eben woanders hin und zahle das doppelte".

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Ulrike E. 10.12.2014, 22:13
67. Sinnvoller

wäre die Option: Sofortkaufpreis - dadurch kann man vorab klarstellen, wie hoch ein *gewünschter Preis* sein sollte.

Optional könnte man dies sogar noch mit der Option: Preisvorschlag koppeln. Bsp: hochwertiger Adapter: Sofortkaufpreis: 25 € - Preisvorschlag 20€ --> dann haben sowohl Anbieter als auch Bieter die Option, was ihnen lieber ist.

Wenn man so oder so bei Ebay für Angebote bezahlen muss, dann wäre es doch besser eine Methode zu wählen, bei der man die Chance auf einen Gewinn hat.

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arr68 11.12.2014, 00:51
68.

Zitat von Ulrike E.
wäre die Option: Sofortkaufpreis - dadurch kann man vorab klarstellen, wie hoch ein *gewünschter Preis* sein sollte. Optional könnte man dies sogar noch mit der Option: Preisvorschlag koppeln. Bsp: hochwertiger Adapter: Sofortkaufpreis: 25 € - Preisvorschlag 20€ --> dann haben sowohl Anbieter als auch Bieter die Option, was ihnen lieber ist. Wenn man so oder so bei Ebay für Angebote bezahlen muss, dann wäre es doch besser eine Methode zu wählen, bei der man die Chance auf einen Gewinn hat.
nett, gilt aber rechtlich nicht.
Wenn niemand kaufen will und jemand bietet, bekommt er es halt für den Bietpreis.
1. Risiko bei 1 Euro Auktionen soll bestehen bleiben; wenn der Anbieter Kosten sparen will, soll er das tun.
2. Jeder Anbieter kann einen Mindestpreis setzen, aber auch das kostet.
3. Hier geht es aber darum, dass eine Auktion, die lief, abgebrochen wurde mit der Begründung "Lange Nase, ist schon verkauft" und das ist ein Verstoß gegen die AGBs und geltendes Recht, da mit Beginn der Auktion schon ein Vertrag mit ebay und bei Gebot mit dem jeweils Höchstbietenden abgeschlossen wird.
Sonst kann ja auch jeder Höchstbietende sagen, ne will ich doch nicht hab ich schon wo anders gekauft.

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happy2010 11.12.2014, 01:58
69.

Zitat von j.vantast
Allerdings, denn in der Regel muss ein entstandener Schaden nachgewiesen werden, denn einen Anspruch auf ein entgangenes Schnäppchen gibt es nicht. Welcher Schaden dem 1 Euro-Käufer nun .....
Das sehen Sie falsch
Sie betrachten das ganze mit dem Bauchgefühl, uns urteilen willkürlich.
Wo ziehen Sie die Grenze?
Wäre ein Betrag von 7999.- für Sie dann ok gewesen, und wären dann 500 Euro Schaden entstanden?

Das Gericht hat klar gesagt, dass es um die Tatsache eines Verkaufsabschlusses durch den Abbruch geht, und daraus der Schaden resultiert.
Die Höhe des Gebotes spieltefür die Geltendmachung keine Rolle, und das ist so auch korrekt.
Oder wollen Sie das Bauchgefühlsrecht einführen

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