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Bildglättung in TV-Geräten: Seifenopern-Effekt polarisiert die Fernsehnation
Panasonic

Filmfans streiten: Ist die Bildglättung moderner TV-Geräte Freude oder Ärgernis? Manche User schwärmen, Hollywood zeigt sich entsetzt. Darum geht es - und so reagieren die Hersteller.

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Filmmaker 16.12.2018, 10:43
30. Funktion zerstört Intention

Ich selbst bin in der Branche tätig und produziere hauptsächlich Werbung und Kurzfilme. Beim Stil orientiere ich mich bzgl. des Framings, Schnitts, Farbe etc. an Hollywood. Das heißt natürlich auch, dass ich für gewöhnlich in 24FPS filme. Es ist mir dann immer wieder ein Graus, wenn ich meine Werke auf den Fernsehen von anderen sehe, die entweder völlig überzogene Farb-/ und Helligkeitseinstellungen haben oder eben die benannte Funktion aktiviert ist. Meine Filme sehen dann häufig so aus, als hätte ich sie direkt von einem Camcorder importiert und ohne weitere Bearbeitung zusammengeschnitten. Eine Katastrophe. Die ganzen Stunden vor dem PC, um das Bild zu optimieren waren dann für die Tonne.
Die Funktion zerstört die Intention der Schaffenden und mischt sich dadurch in den kreativen Prozess ein. Das geht mE gar nicht.
Wenn der eine oder andere Kameraschwenk mal ein wenig ruckelt, ist das mE vollkommen hinnehmbar, wenn dafür die anderen 99,8% der bewegten Bilder dafür gut aussehen.

Natürlich gibt es Ausnahmen: Sport wurde schon genannt. Auch schnelle Actionfilme, in denen auch viel CGI angewandt wird, sind für bis zu 60 FPS geeignet. Und wenn es eine bewusste Entscheidung der Regie und Kamera sind, einen entspannenden Look Zu kreieren, soll das gerne getan werden. Dann aber bitte alles in-Camera und nicht nachträglich durch einen Algorithmus.

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s.l.bln 16.12.2018, 10:43
31. Danke...

Zitat von Hazard Hermann
Als ich vor Jahren mit meiner Frau den ersten LCD gekauft habe und freudig die erste DVD eingelegt habe, war unsere Enttäuschung maßlos... Wir konnten uns nicht erklären, warum das Bild so künstlich, so überzeichnet, farblich so übersättigt war. Hatten alle Idioten in damaligen Foren etwa doch recht, nämlich dass die gute alte Röhre ein besseres Bild mache? Nein, hatten sie zum Glück nicht. Grund war der hier beschriebene "Soap-Effekt", der Filme wie eine billige Soap Opera wirken lässt. Das musst man aber erstmal rausfinden und dann auch noch deaktivieren. Heute mache ich das bei jedem neuen TV - nach einer kurzen Prüfung, ob mir das Bild immer noch nicht gefällt. Und das tut es weiterhin nicht. Ich merke es regelmäßig in Hotels, wo es selbst auf kleinen Monitoren mir zumindest spontan auffällt. Nun gibt es aber offensichtlich wirklich viele Leute, denen das gefällt. Ich finde, jeder sollte es so schauen, wie er oder sie mag. Ich bin da aber offenbar sehr konservativ. Allerdings gebe ich gerne zu, dass ich auf 3D in Kinos sehr stehe. Insbesondere Animationsfilme sind so einfach der Hit. Eine generelle Technikablehnung lässt sich mir also wahrlich nicht vorhalten. Andererseits war "Der Hobbit" in HFR im Kino für mich kaum zu ertragen. Als Lösung bleibt offensichtlich nur: Die TV-Hersteller investieren in Bildverbesserungstechniken. Das sollen sie auch. Daher kann ich damit leben, dass diese defaultmäßig aktiviert werden. Ich werde die Zwischenbildberechnung aber voraussichtlich noch einige Zeit abstellen. Für alle hier, die Vergleiche mit ABS und ESP anstellen und meinen, 60FPS seien nunmal per se besser als 24 oder 25 denen möchte ich sagen: ABS und ESP haben ihre unleugbaren Vorteile und sollten im Straßenverkehr unbedingt eingeschaltet bleiben - Sicherheit geht vor. Auf Rennstrecken wird aber mindestes das ESP deaktiviert oder minimiert. Ich würde gerne das Heimkino eher als Rennstrecke denn als den Straßenverkehr betrachten. Und der Aussage zu den 60 FPS würde ich ja gerne zustimmen. Allerdings werden die zusätzlichen Bilder ja nicht "geschossen", sondern berechnet. Und der Effekt, dass unbewegter Hintergrund sehr stationär ist und dass sich die Schauspieler vor diesem stationären Hintergrund offenbar losgelöst bewegen, ist schon sehr nervig - Stichwort Immersion. Mahlzeit!
... für die Beschreibung.
Hatte nach griffiger Erklärung für den Effekt gesucht. Tatsächlich wirkt es auf mich, als ob die Figuren nachträglich in einen starren Hintergrund eingefügt wurden und irgendwie nicht dazu passen. Ich hätte gar kein Problem mit flüssigeren Bildern und höherer Bewegungsschärfe, wenn dieser Effekt ausbliebe, der nicht dem entspricht, was ich real sehe.Das wirk auf mich wie ein schlecht gemachter 3d Effekt.
Evtl. sind Menschen dafür aber individuell unterschiedlich empfindlich, ähnlich dem Regenbogeneffekt bei DLP Beamern, den ich gar nicht wahrnehme, während er für manche Leute ein KO Kriterium darstellt, weil sie den besonders stark wahrnehmen.

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Little_Nemo 16.12.2018, 10:48
32. Der Stuhl zwischen den Stühlen

Ich habe diesen Effekt noch nicht gesehen, kann ihn also nicht konkret beurteilen. Grundsätzlich wäre ein ruckelfreies Ablaufen von Filmen natürlich zu begrüßen, und ich würde mich wundern, warum es darüber überhaupt Diskussionsbedarf geben sollte. Allerdings ist mir schon bei der Einführung digital gefilmter und hochauflösender Filme aufgefallen, dass Fortschritt auch auf Kosten des Filmerlebens gehen kann. Bei dem Film "Public Enemies" von Michael Mann etwa, den ich prinzipiell großartig finde (Johnny Depp in seiner vielleicht besten Rolle). Dramaturgisch und schauspielerisch grandios, enttäuscht der Film durch teils flach und künstlich wirkende Sequenzen, was darauf zurückzuführen ist, dass er mit digitalen Kameras gedreht wurde. Was auf Kosten der Atmosphäre ging. Und ich denke, dass dies ein Aspekt ist, der Vorrang vor einem einheitlich hohen technischen Qualitätsanspruch haben sollte. Letztlich sind es ja doch die Handlung, die Dramaturgie und das Schauspiel, die den Film ausmachen. Was nützen mir SuperHD, THX, Dolby Athmos und aller sonstiger technischer Firlefanz, wenn der Film ansich platt, belanglos und langweilig ist? Hitchcock, Ford, Lang, Leone, Kurosawa und andere sind selbst in Mono und mit Bildrauschen auch heute noch Referenzklasse in Sachen Film. Nichtsdestotrotz kann man sie allerdings in der digitalen Restauration mitunter besser genießen, wenn es gut und sinnvoll gemacht ist.

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sparrenburger 16.12.2018, 10:57
33.

Ich glaube das der normale Zuschauer den Unterschied gar nicht bemerkt. Außerdem -bei guten Filmen sollte es um die Handlung gehen. Nicht darum wie glatt gebügelt ein glatt gebügelter Scientologe über den Bildschirm schwebt.

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redneck 16.12.2018, 10:57
34. Kritik an Ausgabegeraeten

Die 18-24 Bilder haben mich eigentlich immer gestoert. 640-760 px Aufloesung war noch grausliger. NTSC konnte das noch etwas schlechter als PAL. Kameravermieter Red und Arria bieten 24/2k/4k/6k.

Kinevision und BM gehen da schon etwas vor mit 30-60 bei 4k Aufloesung und 10bit.

Was auch stoert sind die kleinen Linsen der Moviecams mit fast punktfoermigen Schaerfezentrum zwischen 35 und 100mm

Das Styling der Filme ist Dogma - ich mag aber moderne scharfe, tiefenscharfe Weit- bis Fisheyeaufnahmen mit grossen Sensoren.

Ich mach 4k/30/8-10bit. Das geht ordentlich. Ein Samyang 8mm declicked Fisheye ist da gerade richtig.

Der springende Punkt ist: Es sieht toll aus auf meinem Proofscreen von Benq mit HDR, angetrieben von einem 1800x und einer 1080 Graka und beschissen auf jedem TV mit oder ohne Bildglaettung.

De Bildglaettung der 5-8bit TV ist billigst und oft eben auch nicht gut.

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Matsemitsu 16.12.2018, 10:58
35. Solange das Abschalten machbar bleibt...

... ist das nur ein kleines Problem. Es gibt viele Leute in meinem Umfeld, die ich schon mehrfach auf das (mich extrem störende) Phänomen aufmerksam gemacht habe, die es aber schlicht nicht bemerken, dass sie einen Kinofilm sehen, der optisch daherkommt wie die billigste Fernsehsoap. Wenn man diese (nennen wir es mal so) Wahrnehmungsstörung hat, dann soll man die Zwischenbilder gerne genießen. Wer allerdings wie ich etwas Ahnung hat vom Filmemachen und darauf Wert legt, dass Kino ästhetisch gesehen noch etwas anderes zu sein hat, der schlägt die Hände überm Kopf zusammen und will die Funktion ausschalten. Die TV-Hersteller sollten hier in ihren Bedienungsanleitungen transparenter sein; bei meinem Fernseher jedenfalls brauchte es eine lange Suche, um die entsprechende Option im Menü zu finden.

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winterlied 16.12.2018, 11:55
36. Mehr technischen Hintergrund bitte

Bei der ganzen Diskussion geht es im Wesentllichen um physikalische und biologische Gegebenheiten, die heutige Fernsehgerätehersteller aus marketingtaktischen Abgründen komplett ignorieren.
Die 24 Bilder pro Sekunde des Kinofilms sind zum einen biologisch begründet, denn wir sehen auch nicht mehr an Bildern pro Sekunde. Zum anderen reduziert sich die Belichtungszeit mit schnellerer Bildwiederholrate, was nur mit größeren Blenden kompensiert werden kann und damit die optischen Gestaltungsmöglichkeiten reduziert. Allenfalls kann mit höherer Lichtempfindlichkeit dagegen gearbeitet werden was aber die Bildqualität insgesamt einschränkt.
Beim klassischen Kinofilm ruckelt gar nichts, denn durch den lange geöffneten Verschluss werden die Bilder durch de Bewegungsunschärfe ineinenander überblendet. So sehen wir das auch in der Realität. Testen Sie selbst, drehen den Kopf und sehen Sie bewußt hin.
Das Ruckeln entstand durch die Fernseher, die ohne Notwendigkeit die Bildrate erhöht haben. Bei 800 Hertz kommen auf ein echtes Bild 19 errechnete. Da die meisten Hersteller aber am Prozessor sparen sind das gestochen scharfe Bilder. Da das menschliche Gehirn auf das korrekte Sehen von scharfen Bildern in schneller Folge nicht eingerichtet ist, scheint es zu Ruckeln. Das Gehirn erwartet Unschärfe wenn sich Objekte bewegen.
In Folge wurden immer mehr Bilder zwischengerechnet, die immer weniger echte Informationen enthalten. Folge ist, dass das Bild schlechter aussieht, weil so gut wie alle Details fehlen.
In die gleiche Richtung geht die Auflösungsdiskussion. Filmkameras schaffen heute maximal 6,5 Bildauflösung. Das sind Kameras der 200.000 € Klasse, die wirklich nur sehr wenige Produktionen sich leisten können. D.h. Das meiste sendefähige Material liegt in 2K und darunter vor. Was also bitte soll ein 8K Fernseher bringen, der die 16 fache Auflösung wie das Rohmaterial hat, außer schlecht hochgerechneten Bilder?

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cybernic 16.12.2018, 11:56
37. Film ist immer Illusion

Er stellt immer eine künstliche Wirklichkeit her. Dieser Effekt funktioniert nicht, wenn man versucht, die gefilmten Szenen technisch möglichst wirklichkeitsgetreu abzubilden. Das Optimum der Illusion liegt demnach genau in der "veralteten" Aufnahme mit 24 fps - im Endeffekt wird die Illusion für den Zuschauer "zwischen den Zeilen" erzeugt.
Nicolas Rutschmann

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curiosus_ 16.12.2018, 12:02
38. Was sagt das über die Namensgeber aus, wenn...

...man die Reduzierung des Gaps zwischen realer Welt und Film als "Seifenoperneffekt" bezeichnet? Denn um nichts anderes handelt es sich wenn die Bildwiederholfrequenz erhöht wird. Die reale Welt läuft mit einer nahezu unendlich höheren "Bildfrequenz" ab, und selbst 48 Hz sind da noch nahezu unendlich weit weg davon.

Ich verstehe ja, dass man in Einzelfällen den natürlichen Ablauf aus künstlerischen Gründen zerhackt. Aber eben nur in Einzelfällen, in der Regel will ich das, was ich sehe zumindest optisch so realitätsnah (im Sinne von unmanipuliert) wie möglich.

Und wenn jemand eine realitätsoptimierte optische Darstellung als "Seifenoper" (ein eher negativ besetzter Begriff, etwas für Leute auf die man herabsehen kann) bezeichnet, dann scheint er doch etwas Probleme mit der Realität zu haben.

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Freitagabend 16.12.2018, 12:03
39. Wieviel Korn darf es sein?

Nolans Dark Knight glattgebügelt und weissgewaschen wie eine Zahnpasta-Werbung? Ist das nur ignorant oder ist das schon Kunstvandalismus? Naja, es gibt eine einfache Lösung. Ins Kino gehen!

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