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Bildkritik von Profis: So fotografieren Sie besser
Bernhard Bader

Ein ungleiches Paar in Peru, eine Berglandschaft in Tibet und ein Sommerabend in der Schweiz: Profi-Fotografen analysieren die Aufnahmen engagierter Amateure und geben Ratschläge, wie es noch besser geht. Foto-Tipps vom Fachblog .

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fakeaccount 15.07.2012, 09:27
1. So fotografieren Sie besser

Was will man erwarten in einer Zeit, in der die Kameras vor lauter Automatiken fast alleine in Urlaub können?

Das Beherrschen der Technik, das Wissen um das Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende ist nicht mehr notwendig, sogar richtiges Sehen und Erkennen von Motiven wird zweitrangig.

Es gibt Kameras, die lösen nur aus wenn das Gegenüber lächelt, es werden Voraufnahmen vor der eigentlichen Aufnahme produziert. Der Fokus kann neuerdings nachträglich verlegt werden, HDR findet in den Kameras statt, beim Spaziergang durch den Herbstwald wählt man die Funktion "Buntes Laub".

War vor Jahren mal mit dem Schiff unterwegs und habe vor den Lofoten einen herzergreifenden Sonnenuntergang fotografiert. Stellt sich doch ein Mensch neben mich, holt aus seiner Hemdentasche eine Miniknipse, stellt diese auf die Reling und drückt den Auslöser. Nach 10 x Klick fragte ich dann doch, was das jetzt war . . ."Das war mein Best-Shot-Modus, keine Ahnung was passiert, aber ich suche mir das beste Foto heraus und der Rest wird gelöscht."

Leider zählt nur das Ergebnis, aber es ist furchtbar schade, dass solch ein begeisterndes Handwerk bzw. Hobby so verkommen ist. Von Fotohandies will ich erst gar nicht anfangen. Oder noch besser, neulich im Urlaub die Asiaten mit dem iPad.

Manchmal wünsche ich mir echt die analogen Zeiten zurück . . .

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Blattmann 15.07.2012, 10:04
2.

Zitat von fakeaccount
Das Beherrschen der Technik, das Wissen um das Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende ist nicht mehr notwendig, sogar richtiges Sehen und Erkennen von Motiven wird zweitrangig. *
Da möchte ich gerne wiedersprechen. Vorallem das Sehen und Erkennen ist wichtig für ein gutes Bild. Das ist völlig unabhänging von der verwendeten Technik.

Das Problem liegt eher daran, dass sich die Menschen mit sehr wenig zufrieden geben. Es Urlaubs Schnappschuss reicht ihnen. Wer etwas ambitioniert Fotografieren will, kommt trotz aller Technik nicht um das Grundwissen wie dem Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende, Goldener Schnitt etc. herum.

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fakeaccount 15.07.2012, 10:21
3. Edit

Zitat von Blattmann
Da möchte ich gerne wiedersprechen. Vorallem das Sehen und Erkennen ist wichtig für ein gutes Bild. Das ist völlig unabhänging von der verwendeten Technik.
Sorry, vielleicht hab ich mich nicht richtig ausgedrückt. Gestaltung passiert bei mir stets im Sucher. Bei 21 Mio Pix Auflösung platzieren viele das Motiv in die Mitte und schneiden hinterher per EBV bis es passt. Das meinte ich mit dem richtigen Sehen. Ansonsten bin ich ganz bei Ihnen.

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meinmein 15.07.2012, 10:24
4.

Zitat von Blattmann
Da möchte ich gerne wiedersprechen. Vorallem das Sehen und Erkennen ist wichtig für ein gutes Bild. Das ist völlig unabhänging von der verwendeten Technik. Das Problem liegt eher daran, dass sich die Menschen mit sehr wenig zufrieden geben. .....
Volle Zustimmung. 90% aller Fotos sind Müll.
Häufigster Fehler: Abstand zum Motiv viel zu groß.

Und wenn man näher rangeht, sind Körperteile abgeschnitten, da die Gesichter immer in die Bildmitte gesetzt werden und die obere Bildhälfte leer bleibt.

Bei Landschaftsaufnahmen wird dreiviertel des Bildes von einem uninteressanten Vordergrund eingenommen.

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Sneaky Pie 15.07.2012, 10:32
5.

Das heute viel mehr Menschen fotografieren, ohne es gelernt zu haben, ist grundsätzlich nicht falsch. Sie machen diese Fotos für ihre persönlichen Erinnerungen, selbst wenn das auf dem Gesichtsbuch landet.

Zu den Kameras in Mobiles muss ich sagen, das ich sie gerne nutze, um mich auf ein späteres Shooting vorzubereiten. Im S2 ist eine bessere Kamera mit GPS drin, als man sonst derzeit kaufen kann.

Ansonsten finde ich es toll, dass zu den Bildern tatsächlich etwas geschrieben wird. Wenn ich mir die diversen Foto Zeitschriften so anschaue, in denen unbedingt irgendwelche Leserfotos publiziert werden, dann ist der Artikel diesen Zeitschriften um Lichtjahre voraus. Dort werden mit irgendwelchen Wettbewerben Fotos prämiert, ohne das diejenigen, die diese Bewertung abgeben, diese begründen. Für mich ist das eher das Füllen von Seiten mangels Inhalt um mehr Werbung platzieren zu können.

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Greetings 15.07.2012, 10:38
6. Das Hobby ist doch nicht verkommen,...

Zitat von fakeaccount
Was will man erwarten in einer Zeit, in der die Kameras vor lauter Automatiken fast alleine in Urlaub können? Das Beherrschen der Technik, das Wissen um das Zusammenspiel von Verschlusszeit und Blende ist nicht mehr notwendig, sogar richtiges Sehen und Erkennen von Motiven wird zweitrangig. Es gibt Kameras, die lösen nur aus wenn das Gegenüber lächelt, es werden Voraufnahmen vor der eigentlichen Aufnahme produziert. Der Fokus kann neuerdings nachträglich verlegt werden, HDR findet in den Kameras statt, beim Spaziergang durch den Herbstwald wählt man die Funktion "Buntes Laub". War vor Jahren mal mit dem Schiff unterwegs und habe vor den Lofoten einen herzergreifenden Sonnenuntergang fotografiert. Stellt sich doch ein Mensch neben mich, holt aus seiner Hemdentasche eine Miniknipse, stellt diese auf die Reling und drückt den Auslöser. Nach 10 x Klick fragte ich dann doch, was das jetzt war . . .*"Das war mein Best-Shot-Modus, keine Ahnung was passiert, aber ich suche mir das beste Foto heraus und der Rest wird gelöscht." Leider zählt nur das Ergebnis, aber es ist furchtbar schade, dass solch ein begeisterndes Handwerk bzw. Hobby so verkommen ist. Von Fotohandies will ich erst gar nicht anfangen. Oder noch besser, neulich im Urlaub die Asiaten mit dem iPad. Manchmal wünsche ich mir echt die analogen Zeiten zurück . . .*
...nur weil mehr Amateure (Dilettanten) unterwegs sind. Im Gunde genommen vergrößert sich nur die Bilderflut. Jeder der anspruchsvoll fotografieren möchte, darf sich weiterhin das nötige Fachwissen aneignen.

Es ist aber in der Tat schon lustig zu beobachten, wie Leute ihre großen Smartphones oder Tablets in die Luft halten.

Das erinnert mich an eine skurrile Situation in einem Aquarium mit zahlreichen kleineren Becken. Viele Touristen quetschten sich durch die Gänge und einige machten Fotos. Eine Touristin war besonders eifrig am knipsen. Sie hatte es ziemlich eilig, alle Becken abzulichten. Sie stellte sich vor die Scheibe, richtete die Kamera aus und drückte ab: BLITZ! - ohne mit eigenen Augen auf die Fische zu gucken marschierte sie zum nächsten Becken, richtete die Kamera auf die Scheibe und drückte ab: BLITZ! Das hat sie bei allen Becken gemacht und hat sich keine Sekunde gegönnt, die Fische mal mit eigenen Augen zu betrachten. Ich denke sie war sehr entäuscht als sie die Bilder aus der Entwicklung abholte, nur um Blitze zu sehen. Das war nämlich noch zu analogen Zeiten.

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sappelkopp 15.07.2012, 13:17
7. Wahres Fotografieren...

Zitat von sysop
Ein ungleiches Paar in Peru, eine Berglandschaft in Tibet und ein Sommerabend in der Schweiz: Profi-Fotografen analysieren die Aufnahmen engagierter Amateure und geben Ratschläge, wie es noch besser geht. Foto-Tipps vom Fachblog fokussiert.com.
...beginnt lange vor dem Ansetzen der Kamera, das ist nur Handwerk.

Das Problem ist, das die meisten Menschen mit dem Ansetzen der Kamera erst anfangen zu fotografieren, dann eine Technik einsetzen, die sie nicht begreifen und vom "Komponieren" eines Bildes keinen Schimmer haben.
Was verlangen wir, in einer Zeit, in der Leute Urlaubsfotos mit dem Handy machen?

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kappekarle 15.07.2012, 14:08
8. bescheuerter tipp

...wie ein "profi" ein so klasse foto, wie das der meditativen berglandschaft durch übertrieben viel kontrast und farbe versauen kann, indem eine meditative in eine computerspiel-stimmung verändert wird, ist mir unerklärlich.... für mich eigtl ein anzeichen für jemand, der noch nicht lange fotografiert und denkt mit viel kontrast sieht alles gut aus...

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bärlinär 15.07.2012, 14:20
9. Verbesserung einer Bildstimmung?!

Hallo Gemeinde,
ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Es nützt nichts wenn man blind auf die "neuen" Programme der teuersten AUTO Kameras vertraut, wenn man nicht vorher die Situation in sich "aufsaugt". Eine Stimmung kann man schnell kaputt machen, wenn man mit den falschen Optionen abdrückt oder ... keine Zeit für ein Motiv mitbringt. Folglich sind Touristen immer etwas in der Misere. Entweder es gibt zuviel Amateur-Konkurrenz für ein Motiv oder man will nur Motive sammeln, anstatt zu selektieren und den richtigen Moment zu treffen. Wenn man dann nur Halbwissen über seine Profikamera hat, kann man den richtigen Moment mit falschen Einstellungen schon mal verfehlen... Dann sich doch lieber mit halb-professionellen Bildern begnügen und aus der Erinnerung leben. Bezüglich der Profikommentare möchte ich hier, ungeachtet der womöglichen Kompetenz der Kritiker und der tollen Idee dieses Artikels, nur einen kurzen halb-professionellen Kommentar abgeben: Vergleicht man die Stimmung des Bergmassivs vorher und nachher, fällt mir persönlich auf, dass durch die Nachbearbeitung des Kontrasts die durchaus! wichtige Stimmung des Himmels bei einem solchen Motiv komplett verloren geht... Das Massiv ist zwar zugegeben sehr gut verbessert worden, aber der Gesamteindruck ist für mich schlechter als vorher, da der Himmel in Wirklichkeit wohl er der Variante 1 ohne Bearbeitung gleicht. Zugegeben ist es sehr schwer Himmel und Motiv gleichzeitig zu optimieren, aber selbst in PS kann man durch geeignete Maskenauswahl beide Bestandteile optimieren, ohne dass dadurch etwas von der Stimmung verlorengeht.

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