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Cebit wird eingestellt: Die Messe ist gelesen
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Was auch immer die Cebit-Veranstalter in den vergangenen Jahren versucht haben, die alten Glanzzeiten blieben unerreicht. Jetzt wird die Messe eingestellt. Was das über den IT-Standort Deutschland sagt? Rein gar nichts.

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chlorid 28.11.2018, 19:11
50.

Zitat von diestimmevomdach
Ich teile die Einschätzung des Autors nicht. Das Ende der CEBIT ist durchaus ein Indikator für den aktuelle Zustand Deutschlands. In unserer Arroganz glauben wir immer noch, alles zu können und in den wichtigsten Branchen die Besten zu sein. Dabei haben uns andere Länder längst den Rang abgelaufen. Das wird noch ein böses Erwachen geben!
Glaube ich nicht. Es gibt noch sehr viele weltweit führende Leitmessen in Deutschland. Einige davon: Die IAA, die bauma, die Powtech, die Hannovermesse, die Medica, die Frankfurter Buchmesse... und und und. Das Konzept der Cebit funktioniert heute nicht mehr, die Gründe wurden in dem Artikel schon richtig beschrieben.

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blurbs 28.11.2018, 19:12
51.

Zitat von L_Gurow
Warum muss die Aufzählung der Gründe mit "Hannover ist nicht Las Vegas" beginnen? Das ist doch ein Allgemeinplatz oder unnötige Häme.
Braucht man wohl als cooler journalistischer "Analytiker" des SPIEGEL aus Hamburg - dieser merkwürdige Artikel soll ja eine "Analyse" sein. Den/die Hannoveraner lässt dieses abgenudelte Geschwurbel mittlerweile kalt.

Zum Thema:
Als IT-Mensch und Hannoveraner war es für mich jahrzehntelang selbstverständlich, die CeBIT zu besuchen (schon, als es noch eine Themenschau in Halle 1 der Industriemesse war). Direkt vor der Haustür gab es die IT-Neuigkeiten der Welt zu bestaunen, z. B. die Intel-CPU 80286 mit unglaublichen 12 MHz Taktung statt 8 MHz - dichte Menschentrauben bildeten sich um das Exponat. Für spezielle Fragen war ich froh, direkt die Experten aus den USA ansprechen zu können, mit denen man ansonsten nur per Fernschreiber oder sündhaft teuren Telefonaten halbwegs reaktionsschnell in Kontakt kam. Da waren noch Ingenieure an den Ständen und nicht wie später nur Marketing-Figuren und Standpersonal, das nur die Visitenkarten einsammeln und Antwort eines Herrn Sowieso nach der Messe versprechen konnte.

Mit dem Aufkommen des Internet machte es dann selbst für mich mit ein paar Minuten Anreise keinen Sinn mehr, mir über das große Gelände die Füße platt zu laufen. Informationen und Datenblätter gab's übers Netz, Fragen wurden zeitnah per Email beantwortet. Warum sollte ich mich noch durch Scharen tüten- und prospekteinsammelnder Kids zwängen und das Getöse bei Microsoft und in Halle 8 mit PC-Komponenten ertragen? Die Standparties begannen immer früher, ab 17:00 Uhr konnte man kaum noch Gesprächspartner ohne Alkoholfahne finden. Laute Konzerte und teuer eingekaufte Stars überdeckten wohl oft die fehlende fachliche Substanz. Die Notwendigkeit einer IT-Messe, wenn es nicht wie bei Apple zur sakral-kultischen Zeremonie hochstilisiert wird, für IT-fachliche Besucher erschließt sich mir angesichts des schnellen und umfänglichen Informationsaustausches übers Internet nicht mehr. Von daher finde ich's als Hannoveraner schade, dass "unsere" dereinst weltgrößte IT-Messe CeBIT eingestampft wird, als IT-Mensch ist es mir egal.

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chlorid 28.11.2018, 19:12
52.

Zitat von marclarsen
Sie hätten es treffender nicht auf den Punkt bringen können. Und warum sind wir soweit: weil wir hier in entscheidenden Positionen nur gequatscht wird! Und jeder noch so kleinste Positions-Inhaber meint er müßte noch mehr palabern.....
Ganz ehrlich scheint mir das am meisten in diversen Foren der Fall zu sein. Da macht sich dann auch reichlich Überheblichkeit breit.

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haydar 28.11.2018, 19:14
53. Alles (ge)Cloud

Die lokale IT schafft sich selbst ab. Heute wird alles in die Cloud ausgelagert, zu US-amerikanischen Anbietern wie Amazon (AWS) und Microsoft (Azure). Die öffentliche Verwaltung in München beispielsweise wendet sich von der örtlichen IT-Wirtschaft ab und schickt das (Steuer-)Geld lieber nach Redmond zu Microsoft. Und dann wundert man sich, dass es in Deutschland keine innovationsfähige IT-Branche mehr gibt. Das Ende der CeBIT ist nur ein Symptom davon.

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skeptiker97 28.11.2018, 19:23
54. Folgerichtig

Seit Jahren hat man als Computer-Interessierter dort nichts mehr zu sichen. Früher habe ich die Cebit gerne besucht, habe dort manches Interessante gesehen und viel Literatur günstig kaufen können. Inzwischen wurde das mehr und mehr abgeschafft und wurde zur Selbstdarstellungs-Veranstaltung einiger big Player. Für mich wirde es uninteressant und anscheinend für viele andere auch. Als Impulsgeber taugt die Messe lange nicht mehr.

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genugistgenug 28.11.2018, 20:06
55. Letzter Besuch 2005

Damals war schon das Ende absehbar - die Fachinformationen wurden immer weniger - Neues gab es kaum noch, auch nicht im Zubehörbereich (das hatte man vorher schon über Internet gesehen) - dann die hohen Eintrittspreise - wir hatten Firmenkarten und hatten so um 09/00 (Öffnung) schon die ersten zwei Hallen abgelaufen. Damals gab es auch noch Anwort wenn die Frage nicht vor Ort geklärt werden konnte. Von Fachliteratur und auch dem persönlichen Kontakt ganz zu schweigen..
Wie sich die CeBit für die Unternehmen rechnet war unklar - denn die Standpreise - Aufbau - Personal - Hotel - waren für Klein/Mittlere Unternehmen nicht zu erwirtschaften.
Das CeBit Ende war auch absehbar beim NDR- da gab es früher noch täglich QUALIFIZIERTE Sondersendungen - später nur noch blablabla und dann nur noch zweimal in der CeBit Woche.

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olli0816 28.11.2018, 22:01
56. Messen sind schon lange auf dem absteigenden Ast

Die Cebit ist schon länger überflüssig. Der Hauptsinn der Messen war damals, Abschlüsse zu erzielen und Neuigkeiten vorzustellen. Mangels der Digitalisierung war das damals die beste Möglichkeit. Ich habe selber noch die Hochzeit in den 90er-Jahren mitbekommen und den in dieser Zeit bereits einsetzenden Abstieg durch das beginnende Internet und Fernbleiben großer bekannter Firmen. Apple war einer der ersten, die auf die Cebit verzichtet haben. Danach folgten immer mehr.

Von daher könnte man sagen: OK, ist der Lauf der Zeit und jetzt verfolgen die Firmen halt andere Wege. Hier muss man sagen, dass Europa in der IT so ziemlich gar nichts mehr zu sagen hat. Wir haben zwar noch einige erfolgreiche IT-Firmen wie SAP oder Infineon, aber eigentlich wird die Musik ganz woanders gespielt. USA ist mit Software und einigen Hardwarebereichen (wobei hier sehr große Verschiebungen nach Asien stattfinden) führend, Asien hat die Vorherrschaft im Hardwarebereich.

Da ich mein Geld in Aktien investiere, habe ich im Technikbereich fast auschließlich amerikanische und asiatische Aktien. Manche kennt man gut wie Apple, Intel, Facebook, Microsoft und Co. Andere wie z.B. Taiwan Semiconductor Manufacturer (200 Mrd. Marktkapitalisierung), Tencent (390 Mrd. Marktkapitalisierung) oder Avago (100 Milliarden Marktkapitalisierung) kennt man hier kaum. Zum Vergleich: Siemens 94 Mrd., Infineon 23 Mrd. und SAP 128 Mrd. Sagt eigentlich alles.

Deutschland ist trotz immer noch starkem Mittelstand auf dem absteigenden Ast und steht trotzdem noch unvergleichlich gut ggü. dem Rest Europas da, was Technologieentwicklung betrifft. Aber das ändert sich nicht erst seid den letzten 5 Jahren. Hauptproblem ist die falsche Schwerpunktsetzung (Unterstützung veralteter Technologien durch Subventionierung), große Technikfeindlichkeit und eine Politik mit Personen, die nicht den Hauch von Ahnung haben und entweder eine dumme Entscheidung nach der anderen treffen oder aus Ahnungslosigkeit einfach keine Entscheidungen treffen. Da es sich nicht ändern wird, wird Deutschland in 50 Jahren dem Mythos Wirtschaftswunderland nach dem 2. WK zurücksehnen. Aber die Zeiten werden nicht mehr zurück kommen, auch wenn es heute wenige glauben wollen.

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MatthiasPetersbach 29.11.2018, 08:20
57. Dass jetzt ausgerechnet der Wegfall....

....einer MESSE hier bedauert wird, verwundert mich. Ausgerechnet beim Nischenprodukt IT.

Da werden ja mit Schweiß und Arbeit physisch Stände aufgebaut, da gibts persönliche Gespräche vor Ort von Mensch zu Mensch und da kann man Prospekte sammeln.

Mehr "oldschool" und vorgestrig geht ja eigentlich garnicht.

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