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Chaos um beA: Die Postfach-Pleite

CC BY 3.0 DE BRAK Ab Januar müssen alle Anwälte ein spezielles Postfach nutzen. Doch kurz bevor das System zur Pflicht wird, gibt es ein Softwareproblem. Das hat ernsthafte Folgen für Zehntausende Juristen.

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Velociped 27.12.2017, 19:36
1. Verkorste Architektur

Nicht nur der Client, auch der Server hat eine merkwürdige Architektur. Auf der einen Seite gibt es da eine "Ende-zu-Ende" Verschlüsselung, die dann aber nicht wirklich eingehalten wird, da es auf dem Server ein Modul gibt, welches die Nachrichten entschlüsseln kann. Auch wenn dieses Modul - genannt HSM wie Hardware Sicherheitsmodul - tatsächlich sicher wäre, dann müssen die privaten Schlüssel in dieses importiert und zudem gegen Hardwareausfall in einem Backup gespeichert werden. Sollte dadurch die Quadratur des Kreises erreicht werden? Ein scheinbar völlig sicheres System, welches aber von Polizei und Verfassungsschutz abgehört werden kann?
Als Begründung der BRAK für diese merkwürdige, unnötig aufwändige und unsichere Architektur wird die Vertretungsregelung angegeben. Allerdings wäre dafür diese Konstruktion gar nicht nötig gewesen - die Umschlüsselung dazu hätte auch im Client stattfinden können.
In FAZ-Einspruch wurde daher formuliert, dass es viele weitere Probleme gab und gibt. Was hier hochgekocht ist, ist nur die Spitze des Eisbergs.

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RA von Engelhardt 27.12.2017, 19:50
2. Peinlich = BRAK +beA

Mich erbost es, wenn man das Rad für viel Geld neuerfinden muss. Die Infrastruktur ist doch schon mit EGVP doch schon da. das hätte vielleicht nur etwas verbessert bzw. aktualisiert werden müssen. Nicht die eKommunikation ist das Problem sondern die zu hohen und vermeidbaren Kosten. Offensichtlich kennt der zuständige Sachbearbeiter sich nicht mit IT aus. Schade! Es gibt doch so viele kompetente Fachanwälte, die sich damit nicht auskennen.

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p-touch 27.12.2017, 19:53
3. Als Laie

fragt man sich schon was für Pappnasen eigentlich an unsern Unis ausgebildet werden wenn denen solche Anfängerfehler unterlaufen.

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chalchiuhtlicue 27.12.2017, 20:09
4. @p-touch (#3)

An den Unis werden genau so viele Pappnasen ausgebildet, wie in Ausbildungsbetrieben. Oder glauben sie ernsthaft, dass nur Studierte Fehler machen und KfZ-Mechaniker, Friseure, Krankenpflegekräfte etc. würden fehlerfrei arbeiten? Falls ja, dann leiden sie unter dem Dunning-Kruger-Effekt.

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RalfWenzel 27.12.2017, 20:12
5. Der Problem-beA

Wieso man ausgerechnet Atos diesen Auftrag gibt, nachdem sie in der Vergangenheit schon mehrfach aufgefallen ist (Stichwort Gesundheitskarte), ist wohl nicht zu erklären. Es ist keine Raketentechnik, einen sicheren digitalen Kommunikationsweg zu bauen. Aber eben auch nix für Anfänger, sondern für Profis, die sich mit Sicherheitstechnik auskennen. Das Angebot des CCC, die Lösung zu prüfen, hat die BRAK ja in den Wind geschlagen. Nachdem meine Frau (Anwältin) mir Woche für Woche beA-Pointen erzählte, ist DAS nun der Worst Case, der einen kompletten Neubau notwendig macht.

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spontifex 27.12.2017, 20:12
6. Das Recht wird eher von Innen bedroht

So lange die betreffenden Personalien sich mit Parteiverrat für hohe und höchste politische Ämter qualifizieren - die für die Strafvereitelung im Amt verantwortlichen Beamtinnen und Beamten für Richterämter am Bundesverfassungsgericht - , um dann auch noch der Staatsanwaltschaft Weisungen geben zu können, so lange kann man über einen common nonsense wie 'beA' doch nur lachen. Oder weinen.

MP Hessen Volker Bouffier ist ein strahlendes Beispiel.

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BUKL 27.12.2017, 20:36
7. Perfektionismus

Der Michel möchte halt alles perfekt machen und vergallopiert sich in den letzten Jahren immer häufiger dabei. er möchte perfekte Flughäfen, Bahnhöfe und natürlcih auch Software bauen. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht.

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tamna 27.12.2017, 20:44
8. lassen Sie das!

...rief ein kollege auf der jahresversammlung vor 2 oder 3 jahren dem vorstand entgehen...hätte man mal besser auf den gehört! wieviel vergebene, unnütze arbeit, was für ein zeitaufwand in jeder büro: für nichts, fürmdie tonne...von dem finanziellen aufwand für jeden berufsträger mal zu schweigen. hoffentlich hat wer vom BER gelernt! nicht reparieren, sondern alles neu konstruieren.

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kfr_berlin 27.12.2017, 20:56
9. Staatlich gemanagte Kompetenzdefizite sind kein Einzelfall

Ich habe schon länger den Eindruck, dass es nicht die Aufgabe der Amtsträger ist, den Staat in Ordnung zu bringen, sondern nur möglichst bequem und möglichst billig (die Reichen sollen ja Steuern sparen) beim Bürger den Eindruck zu erwecken, dass alles kein Problem ist. Die Täuschung ist gelungen ! Bis gestern habe ich mich als Ex-Anwalt geärgert, das schöne einfache BeA-System gegen einen für mich komplizierter erscheinenden Datev-Datenverkehr eingetauscht zu haben. Aber das liegt dann wohl an der größeren Datev-Kompetenz. Auch vom Umgang der staatlich beauftragten Softwareschmiede ITSG mit Kleinstunternehmern, die Minijobber verwalten wollen, ist man ja schon abgehärtet, wenn man in einem Newsletter erfährt, dass man mit nur ca 5 Tagen Frist eine neue Softwareversion downloaden muss. Qualität haben die Staatsdiener anscheinend nirgendwo nötig.

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