Forum: Netzwelt
Copyright - wie soll das gehen in digitalen Zeiten?

Viele der Regelungen, mit denen Gesetzgeber und Industrie digital vertriebene Waren schützen wollen, sind den Kunden kaum noch zu erklären. Reichen die bestehenden Rechte in Zeiten von DRM und Kopierschutz einerseits, Brennern, MP3-Sticks und Tauschbörsen andererseits überhaupt noch? Was müsste passieren, um allen Seiten gerecht zu werden?

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DJ Doena 04.04.2007, 11:29
1.

Der Haken ist doch, dass die Verwerter (nicht mal die Urheber an sich) gern viel mehr Rechte/Überwachung über digitale Werke haben wollen, als sie mit LP/CD/Video je hatten.

Das wird immer gerne mit der verlustfreien Kopie begründet, die jetzt möglich ist. Ich würde aber Heller und Pfennig verwetten, dass wenn es DRM schon zu LP-Zeiten gegegben hätte, die MI hätte auch dann versucht, ein PPU (pay per use) einzuführen.

Copyrights sollten wie Patente einfach irgendwann verfallen. Und irgendwann meint nicht "forever minus one day"

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Think-Smart 04.04.2007, 11:35
2.

Digitale, kinderleicht kopierbare Medien einzuführen und zu verbreiten, und dabei sich über Kopien zu beschweren, ist so, als würde man einem kleinen Kind eine Rasierklinge zum spielen geben und sagen“ Wehe du schneidest dich!“

Nicht die Nutzer haben die Medien digital gemacht, sondern die Industrie.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie dann bitte die Packungsbeilage.

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Oinki 04.04.2007, 12:11
3.

Zitat von sysop
Was müsste passieren, um allen Seiten gerecht zu werden?
Letzten Endes sind das alles Rückzugsgefechte einer Vermarktungsform, die noch nie funktioniert hat. Seit es die Idee geistigen Eigentums gibt, gibt es auch deren Diebstahl.
Nur ist seit der industriellen Vervielfältigung, angefangen bei Gutenberg, genug für die Urheber und die Vervielfältiger hängen geblieben.
Das digitale Zeitalter hat die Karten neu gemischt und es müssen neue Wege gefunden werden, die Urheber angemessen zu honorieren.
Ich erwähne ausdrücklich nur die Urheber. Musik-, Spiele- , und sogar Buchdruckindustrie bedienen ein Modell, das abgewirtschaftet hat. Deshalb sind diese ganzen Spitzfindigkeiten, die sich diese Industrien einfallen lassen, eigentlich nichts anderes, als das Gejammer der Kohleindustrie nach künstlicher Lebensverlängerung durch Subventionen.

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Patina 04.04.2007, 12:14
4.

Bin gespannt, wie sich der neue Ansatz entwickelt, Musik ohne DRM teurer zu verkaufen. Damit wäre das Thema entspannt.

Ansonsten hat sich die Musikindustrie in der letzten Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Umsatzrückgänge liegen sicher nur zum Teil an den Kopiermöglichkeiten, sondern wesentlich auch an der immer langeweiliger werdenden Musik.

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Pablo alto 04.04.2007, 12:32
5. Noch ein Sozialismus-Versuch?

Zitat von DJ Doena
Copyrights sollten wie Patente einfach irgendwann verfallen. Und irgendwann meint nicht "forever minus one day"
Klar, und die Häuser sollten eines Tages den Mietern gehören, die Fabriken den Arbeitern und der "Spiegel" seinen Lesern.

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Fittiputti 04.04.2007, 13:17
6.

Zitat von DJ Doena
..... Copyrights sollten wie Patente einfach irgendwann verfallen. Und irgendwann meint nicht "forever minus one day"
Tun sie doch!
Je nach Land endet das Copyright zwischen 50 und 95 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Verlage und Musikindustrie wissen das ganz genau. Siehe "Klassiker der Weltliteratur" oder "Klassische Musik".

Beethoven oder Schiller bekommen keine Sträuße aufs Grab gestellt, wenn es mal wieder eine Neueinspielung oder Neuauflage gibt.

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avanche 04.04.2007, 13:27
7.

Die Musik industrie hat doch nur entdeckt, das sie Geld verdienen kann ohne etwas dafuer zu tun, denn die Arbeit und den Aerger haben die USER... und es ist ja nicht so das den Kuenstlern irgendwelcher Schaden dadurch entsteht ..vielleicht ein kleiner da man sich nicht mehr soviele total ueberteuerte Songbooks kauft, weil kommerziel genutzt werden kann die Tabulator aufgeschrieben nach dem hoeren nicht, ist ja nicht so das ich geld damit verdiene wenn ich den song am lagerfeuer spiele. Vielmehr ist es ein kompliment an den kuenstler, das ich sein lied als so wertvoll empfunden habe muehe und zeit in das niederschreiben und spielen seines liedes gesteckt habe.

Das copyright wird ueberzogen interpretiert, in solchen dingen sollte es gehandhabt werden wie mit zitaten, wen man es nicht als sein eigenes ausgiebt sollte es OK sein!

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DJ Doena 04.04.2007, 13:45
8.

Zitat von Pablo alto
Klar, und die Häuser sollten eines Tages den Mietern gehören, die Fabriken den Arbeitern und der "Spiegel" seinen Lesern.
Was ein Glück für sie, dass der Ur-sehr-viele-Urs-Enkel des Erfinder des Rades nicht bei jedem Auto 5 mal Lizenzgebühr kassiert.

Es geht mir nicht drum, Autoren & co. sozialistisch zu enteignen. Aber ich finde, alles, was der Mensch mit seinem Geist geschaffen hat, sollte auch irgendwann für alle Menschen frei verfügbar sei. Wo stünden wir denn heute, wenn Ideen und Konzepte nicht seit Anbeginn der Zeit "geklaut" und weiterentwickelt würden?
Zitat von Fittiputti
Tun sie doch! Je nach Land endet das Copyright zwischen 50 und 95 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Noch. In den USA wird aber das Urheberrecht immer weiter verlängert. Just in dem Moment, wo Mickey Mouse sein Schutzrecht verlieren würde.

http://en.wikipedia.org/wiki/Sonny_B..._Extension_Act

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Scathe 04.04.2007, 14:08
9.

Zitat von DJ Doena
Was ein Glück für sie, dass der Ur-sehr-viele-Urs-Enkel des Erfinder des Rades nicht bei jedem Auto 5 mal Lizenzgebühr kassiert.
Was nicht ist, kann noch werden. Im Jahr 2001 wurde in Australien ein "Innovation Patent" für das Rad ausgestellt:
http://data2.blog.de/media/142/1240142_4f87ff54fa_d.pdf

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