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"Counter-Strike" und Co.: Was wurde aus der Killerspiel-Debatte?

Kann man in "Counter-Strike" wirklich Schulmädchen erschießen? Nein. Doch mit solchen Argumenten wurde eine ganze Debatte geführt. Politiker und Journalisten forderten mit kruden Behauptungen ein Verbot von "Killerspielen". Und heute?

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Atheist_Crusader 25.09.2015, 21:50
1.

Und heute sind Videospiele so sehr zum Massenphänomen geworden, dass man 1.) mit diffusen, realitätsfremden Theorien darüber kaum noch Jemanden ängstigen kann und 2.) wahrscheinliche eher die Leute gegen sich aufbringen würde.
Noch dazu sind die Zocker von damals eben heute so 5-15 Jahre älter und können nicht mehr wie kleine Kinder behandelt werden, denen man alles verbieten muss. Manche sind sogar in die Politik gegangen und können ihren Parteikollegen dann direkt erklären, was das für ein Blödsinn ist.

Was der Artikel übrigens verschweigt, sind zwei Dinge, die ebenfalls unter die Killerspiel-Debatte gefallen sind, obwohl sie keine Videospiele sind: Paintball und Softair. Aber da ist wohl das gleiche passiert: die Kinder von damals sind erwachsen geworden und ihre Hobbys inzwischen zu weit bekannt und akzeptiert.

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aspro86 25.09.2015, 22:15
2. Welche Debatte?

Alles schön und gut, aber es wäre naiv zu glauben, dass die Dummschwätzer von damals zur Vernunft gekommen wären, siehe Bosbach. Die Debatte ruht, weil es zum Glück lange Zeit keine Gewalttaten gab, bei der man auf irgendeine Weise die Killerspiele verantwortlich machen konnte.

Sobald wieder so etwas passieren würde, die Debatte würde wieder von Null beginnen, mit der gleichen Polemik, den gleichen Scheinargumenten. Die Rentner stehen nunmal bei den Wählerzielgruppen an erster Stelle. Denen Angst vor Computerspielen zu machen und sich mit scheinbarer Law-and-Order-Politik zu profilieren, ist halt einfacher und verführerischer, als sich konstruktiv mit dem Thema zu beschäftigen. Wenn man dabei ein paar Gamer abschreckt, die wahrscheinlich sowieso kaum Union wählen, wird da billigend in Kauf genommen. Wenn man die auch noch so nachhaltig von der Politik im Allgemeinen vergrault, dass die gar nicht mehr wählen, hat man nicht mal was zur Opposition verloren.

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hksm 25.09.2015, 22:18
3.

Und 3.) sind "Ballerspiele", besonders solche mit 3D, prozentual geschrumpft, auch dank des immer noch steigenden Absatzes von "kleinformatigen Endgeräten mit Telefonfunktion", auf denen sowas einfach nicht praktisch spielbar ist. 4.) Es auch irgendwann langweilig wird. War anno dazumal noch *jeder* Titel ein Hit (Doom, Quake, Unreal), war unter aller technischer Weiterentwicklung bei Rage und dem noch zu erscheinenden Doom 4 nur ein Gähnen zu hören. Mit anderen Worten, das Genre hat sich ausgelebt, was auch zum Rückgang der Diskussionen führte, meine ich jedenfalls.

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mirroronwall 25.09.2015, 22:35
4. abgeflaute Debatte

Der Grund, warum die "Debatte" (es war eher eine Hetzjagd) nicht fortgeführt wurde, ist dass andere Nachrichten im Wahlkampf das Thema verdrängt haben - statt dass sich die Ansichten der Generation 50+ geändert hätten. Ein erneutes reflexartiges Aufflammen populistischen Aktionismus' ist nach Gewalttaten schon fast eine Gewissheit. Neue Medien sind schon immer in der Geschichte von älteren Medien denunziert worden, weil letztere um ihr Dasein fürchten mussten.

Schade ist lediglich, dass in solcherlei Debatten wirklich Ursachenforschung nicht betrieben wird. Bei einer solchen wären gewalthaltige Medien nur als ein Aspekt von vielen, die zur Destabiiisierung von bereits instabilen Individuen beitragen, erkannt worden. Aber Autoritätspersonen machen es sich gerne mit Verbotsforderungen leicht, obwohl diese nie zum Ziel führen (vor allem nicht im Internetzeitalter).

Ganz folgenlos ist die Debatte dennoch nicht geblieben: Seit Anfang des Jahres gilt ein verschärfter §131 StGB, der erstmals eine Versuchsstrafbarkeit einführt und damit unter dem bekannten Deckmantel des Jugendschutzes versucht, einen Straftatsbestand zu erweitern. Mit USK18., Indizierung und Beschlagnahmung wird immer mehr die Erwachsenenunterhaltung beschnitten, anstatt (technische) Jugendschutzkonzepte und Medienkompetenz voranzutreiben, ohne die es im Internetzeitalter keinen funktionierenden Jugendschutz geben kann.

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NoUse4aName 25.09.2015, 22:41
5. Bosbach

So sehr ich Bosbach sonst schätze, sein "in meiner Familie kauft niemand "Killer"-spiele" ist an sich schon ein schlechter Witz - hat er doch lediglich Töchter, die an solchen Spielen in der Regel eher weniger Interesse zeigen.

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Datenscheich 25.09.2015, 23:10
6. Vor 20 Jahren...

Als ich vor 20 Jahren oder so zum ersten mal gesehen habe, wie Jungendliche Counter-Strike spielen, hatte ich eine spontane Erkenntnis: "Da wird eine ganze Generation vorprogrammniert!" Ich dachte, ich sei paranoid, und habe es niemandem erzählt... doch nun sieht man z.B. in Syrien, daß es exakt das (nun leider reale) Szenario des urbanem Guerilla-Kampfes ist, an das die Jugendlichen überall auf der Welt gewöhnt wurden... wobei die Frage lautet: War's der CIA, die NSA, das FBI oder die etwa Illuminaten, deren Spin-Doktoren dies damals so eingefädelt haben? (...den der BND war's bestimmt nicht, höhö).

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kleincbt 25.09.2015, 23:10
7. Populismus

Als jemand der mittlerweile in seinen 30gern ist und damals semi-professioneler Counter Strike Spieler sich den Unsinn der Medien anhören musste, kann ich nur bestätigen dass dies mein erstes Misstrauen gegenüber den Leitmedien verursacht. Letztendlich hat es mit geholfen meine Naive Sichtweise der Welt zu bereinigen.

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pommbaer84 25.09.2015, 23:26
8. Angst der Leute.

Als die erste Eisenbahn erfunden wurde hatten die Leute Angst, die hohe Geschwindigkeit würde sie töten.

Was die Leute nicht kennen ängstigt sie. Mittlerweile sind Spiele überall und in jeder Form. Ich selbst spiele Counterstrike seit 1999 und kenne viele die es ähnlich lange spielen. Alles ganz normale Menschen jeder coleur. Vom Pastor bis zum Ingenieur ist alles dabei..

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kpdsu 25.09.2015, 23:39
9.

Endlich etwas rationaler wird die Wahrnehmung von Spielen zum Glück. Und die Ängstlichen werden ja auch nicht jünger, sondern weniger.

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