Forum: Netzwelt
Daten-Leak: Die Lösung bin ich!
DPA

Die große, deutsche Hilflosigkeit im Digitalen lässt sich an einem schlichten Muster erkennen. Nach dem Daten-Leak meldeten sich viele Leute mit Lösungsvorschlägen zu Wort. Sie empfahlen fast durch die Bank sich selbst.

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Margaretefan 10.01.2019, 19:09
140. @ #137 von Bondurant

Die Postkarte war noch nie von jedermann lesbar - auch nicht im Prinzip. Die Postkarte war nur von ein paar wenigen Bediensteten der Post aller involvierten Länder lesbar. Ansonsten wird eine Postkarte zu Anfang in einen Postkasten eingeschmissen und landet dann im verschlossenen Briefkasten des Adressaten. Es sei denn, Sie meinen mit: "im Prinzip von jedermann lesbar"; dass theoretisch jedermann Post-und Briefkästen recht leicht, ähnlich einem schwachen Passwort, knacken kann?

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Motzi_4711 10.01.2019, 19:26
141.

Zitat von Margaretefan
..., der ein wesentlicher Teil des Problems ist, ist von Herrn Lobo nicht angesprochen worden. Es gibt staatliche Institutionen, die ein sehr großes Interesse daran haben, dass das Leaken möglich bleibt. Das sind z.B. alle Verfassungsschutzbehörden und der Bundesnachrichtendienst. Technisch dürfte es kein wirklich großes Problem sein Daten Einzelner auf allen genutzten Accounts, sei es bei Twitter, Facebook und Co, oder nur der olle E-Mail-Account. Technisch, ohne großen Kostenaufwand Nutzer z.B. dazu zu zwingen sicherere Passwörter zu verwenden - wohl immer noch sind unzulängliche Passwörter eines der größten Scheunentore beim Datenklau - ist es wohl recht einfach möglich. Nur scheint es gar nicht gewünscht zu sein. Der Staat bzw die Staaten und ihre Geheimdienste haben halt nicht minder wie Firmen aus kommerziellen Gründen ein Interesse an möglichst gläsernen Bürgern. Geheimdienste brauchen Schlupflöcher, damit sie an Daten herankommen können. Wer Daten vor dem Zugriff Unbefugter schützt, der sperrt auch Geheimdienste wirkungsvoll aus. Das Problem ist schon aus diesen Gründen schlicht nicht zu lösen. Jeder Politikprofi mit Land- oder Bundestagsmandat weiß das auch. Wer wirklich politisch anstrebt Datensicherheit zu erzwingen, scheitert nicht an der angeblichen Unmöglichkeit, sondern am Überwachungsinteresse des Staats bzw der Staaten. Dass wesentlich "sicherere" sogenannte Darknet ist Staaten ein Dorn im Auge. Dessen Sicherheitsstandards ist kein Hexenwerk, es ist für die Allgemeinheit nur schlicht ungewollt.
Genau so ist es.
Ergänzen Sie noch die milliardenschweren Interessen der Wirtschaft, dann kommt man zwangsläufig zu dem Schluß, dass solche Diskussionen nur einen Unterhaltungswert haben.

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tüttel 10.01.2019, 20:19
142.

Zitat von e-cdg
Jeder sollte das 'Ich' im Ziel seines Handelns sehen. Mag es manch anderem dann auch seltsam vorkommen. Aber das ist Demokratie und Freiheit.
Erster Satz ist eine Binsenweisheit, zumal auch noch unglücklich formuliert (Ich würde statt "Ich" eher "sich selbst" sagen).
Die entscheidende Frage ist dabei eben, wie redlich man sich selbst verfolgt. Ob man tatsächlich sich selbst entwickelt oder darunter vor allem versteht, andere zu zerstören, auszusaugen, zu manipulieren usw.
In einem Gesellschaftsberuf wie dem des hier besprochenen Politikers ist die alleinige Orientierung auf sich selbst außerdem naturgemäß ziemlich beschränkt. Wer als Politiker nur sich selbst zum Ziel hat, verfehlt seinen Beruf, denn Inhalt seines Berufs ist schließlich Organisation und Gestaltung der Gesellschaft.

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Bernd.Brincken 10.01.2019, 20:57
143. Freunde

Zitat von Bondurant
von [Habeck] habe ich etwas ganz vernünftiges gehört. er sagte: und wenn ich mein E-Mail Konto richtig abgesichert habe und meinen Facebook Auftritt etc. etc., was ist dann mit den Konten meiner Kinder oder meiner Eltern oder meiner Geschwister oder meiner Freunde, an die ich schreibe?
Vielleicht eine andere Email benutzen?
Und bei Facebuck und Twitter muss man privat gar nicht auftreten, da lässt man als Berufspolitiker sein Team hin und wieder die aktuellen Entwicklungen berichten und gut.
Und das kann man auch so da herein schreiben, dass man diese Medien nicht als Beweis für Natürlichkeit, Bürgernähe o.ä. betreibt.
Wer den Menschen Habeck kennenlernen will, möge in den Kalender schauen, wann die nächste öffentliche Veranstaltung ist.
Alles kein Problem.

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linksrechtsmitte 11.01.2019, 00:53
144. Nachdenken

Social Media sind eine Erweiterung und Bereicherung unseres analogen Lebens. Der Umgang mit diesen bringt aber eine neue Verantwortung mit sich, die zugegebenermaßen nicht immer leicht in der Umsetzung ist.
Robert Habeck ist ein gutes Beispiel dafür, was auch mir schon passiert ist – einfach was machen und los. Das Problem ist das „und Los“! Früher schrieb man Briefe, was sehr unbequem war. Dann kam die Telefonie – schon besser und immer noch ein sehr probates Mittel zur Kommunikation. Dann kamen E-Mails. Diese sind, was die Ausdrucksweise und Formulierung angeht sehr gute Kommunikationsmöglichkeiten, da bei Briefen und E-Mails zumeist eine Nachbearbeitung stattfindet, bevor man sie abschickt. Der Vorteil an der Telefonie ist, dass direkt im Kontext eine Erläuterung des vorher gesagten möglich ist und praktiziert wird, was Missverständnisse meist bereinigt.
Der Nachteil dieser Kommunikationen ist, dass der Adressatenkreis stark eingeschränkt ist.
Und dann kamen Social Media, die plötzlich zum einen sehr kompakte Botschaften an einen fast unbegrenzten Empfängerkreis in kurzer Zeit möglich macht und zum anderen sein Leben oder sein Lebensgefühl mit anderen Menschen teilbar erscheinen lässt. Diese Vorteile werden mit gravierenden Nachteilen erkauft. Weg ist erst mal weg, und es nehmen unter ungünstigen Umständen Menschen an meinem Leben teil, die ich lieber aus meinem Leben ausschließen würde. Robert Habeck ist beides passiert. Ersteres hätte er verhindern können und meiner Meinung nach müssen, denn er ist nicht irgendwer. Zweites ist mit den Strukturen von FB sehr schwierig.
Zum los und weg: Meiner Tochter sagte ich, dass etwas digital übermitteltes mit dem Absenden nicht mehr meiner Kontrolle untersteht. Ein Blaming in WhatsApp ist, wenn es der Empfänger geöffnet hat nicht mehr rückgängig zu machen, deshalb muss man sich das immer ganz genau überlegen. Ähnlich in Twitter, wo man es später löschen kann, aber unter Umständen bereits vervielfältigt wurde. Den Umgang mit diesen Medien sollte man also genau dann unterlassen, wenn man emotional aufgeladen ist – und genau diese Fähigkeit besitzen die meisten Menschen nicht.
Zum zweiten Punkt von Sascha Lobo – dem unbefugten(?) Sammeln von Daten im Netz und deren Weitergabe. Das ist ein ganz großer Punkt! Wann wurden Stalking und Mobbing doch gleich mal zu Straftatbeständen? Was Herr Lobo da anprangert sehe ich weit schlimmer als diese beiden Dinge, zusammen mit Rufmord und Beleidigung, denn es kann eine Existenz nachhaltig zerstören. Dagegen sollten deshalb harte Sanktionen ergriffen werden. Ich finde es in diesem Zusammenhang, auch wenn ich es grundsätzlich verurteile, hilfreich, wenn eine große Gruppe prominenter und einflussreicher Menschen in Deutschland gemeinschaftlich davon betroffen ist, denn das könnte die Gesetzeslage recht bald ändern. Zu vorschnell scheinen einige bei der Beurteilung der Art und Weise der Beschaffung der Daten und der Kritik an Behörden und Ämtern in diesem Fall – die Entwicklung bleibt abzuwarten.

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Krihjin 11.01.2019, 11:59
145. Schuld haben alle - kein Einzelner.

Die ewige Schuldzuweisung geht mit deutlich auf die Nerven, sowohl Digitalkonzerne, die ihre Anwendungen durch entsprechenden Code sicherer (!) machen können (z.B. durch feste Vorgaben für sichere Passwörter), als auch die Nutzer, die sich eben DOCH mit dem Thema auseinandersetzen müssen haben Schuld.

Auch ein sicheres Passwort nützt herzlich wenig, wenn sich der Nutzer seine Passwörter zum Beispiel als Notiz im Handy speichert!

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Bondurant 11.01.2019, 12:04
146. das auch

Zitat von Margaretefan
Es sei denn, Sie meinen mit: "im Prinzip von jedermann lesbar"; dass theoretisch jedermann Post-und Briefkästen recht leicht, ähnlich einem schwachen Passwort, knacken kann?
vor allem aber konnte der Inhalt einer auf Postkarte gemachten Aussage ohne weiteres von den "paar wenigen Bediensteten der Post aller involvierten Länder", die sie sozusagen von Amst wegen zu lesen kriegten, weitergegeben werden (was übrigens Briefträger in vertrauter Nachbarschaft durchaus taten), auch wenn das theoretisch verboten war. Deshalb empfahl es sich kaum, verfängliche Aussagen per Postkarte in die Welt zu beringen. Da haben Sie Ihre Parallele.

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Fuxx81 11.01.2019, 18:51
147. Machiavelli

Zitat von Bondurant
was heißt: vor allem? Ich lese Ihren Beitrag als Bestätigung des meinen: der Zweck heiligt die Mttel.
Durchaus. Bis zu einem gewissen Punkt ist das überall im Leben so. Um eine Person aus einem brennenden Haus zu retten, darf man auch ausnahmsweise mal ein Fenster einschlagen. Die Frage ist immer: was ist der Zweck, und welches Mittel wird dadurch geheiligt? Sicher nicht alle! Welche es im einzelnen sind, ist Gegenstand fortlaufender gesellschaftlicher Debatten.

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Margaretefan 11.01.2019, 20:18
148. @ #146 von Bondurant

Na ja, was Sie da verallgemeinern war und ist ebenso eine Ausnahme wie aufgebrochen Post- und Briefkästen. Weil Sie es selbst ansprechen, ist selbstverständlich fast niemand auf die Idee gekommen auf einer Poatkarte Verfängliches oder Intimes zum Besten zu geben. Der Platz ist eh sehr begrenzt. Anekdoten kennt wohl jeder, taugen nur nicht dazu, sie als allgemeingültig hinzustellen.

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benutzerkennung2 13.01.2019, 20:26
149. Schreiben, was ist

In dem Fall Relotius hat der Spiegel trotz des Scheiterns der Recherche und der "Dokumentation" noch mehr an Glaubwürdigkeit gewinnen können. Wäre da nicht "Die Lösung bin ich!". Hier soll eine Analyse von Beobachtungen vorgenommen werden, um "die große deutsche Hilflosigkeit im Digitalen" zu erkennen. Der erste verlinkte Tweet als Beleg für nerdigen Datenumgang listet keine nerdigen Regeln auf. Der zweite verlinkte Tweet als Beleg für einen geforderten höheren Stellenwert des Datenschutzes kommentiert tatsächlich die Kritik am BSI. Wurde dieser Text gegengelesen?

Die Schönheit der Erzählung rechtfertigt kein Hintanlassen der Tatsachen.

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