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Datenbrillen werden unser Leben verändern, aber Hysterie ist nicht angebracht - alles
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Brille auf und alles ist schön? Markus Böhm beschäftigt sich intensiv mit der Virtual Reality. Hier erklärt er, wie Datenbrillen unser Leben verändern werden - und wie hysterisch die Medien darauf reagieren.

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claus_debold 09.04.2016, 16:31
1. Hallo Herr Böhm

erst einmal muß ich feststellen, dass dies der längste Artikel ist, an den ich mich bei SPON erinnern kann und zweitens scheint er mir der positive Wegbereiter einer Bewegung zu sein, die -wie sie anmerkten- sowieso kommen wird. So weit, so gut. Ich habe so meine eigenen Bedenken -generationsbedingt- bei krassen Neuheiten, aber eins werden sie nicht wegdisskutieren können: Es ist eine weitere Möglichkeit geschaffen, das Individuum zu isolieren; ist es doch mit den Smartphones schon lächerlich einfach, mit dem Partner von Zimmer zu Zimmer zu telefonieren, im Zug auf einen Bildschirm zu glotzen statt aus dem Fenster, Entschuldigungen fünf Minuten vor der Zeit per SMS zu schicken (man hat seine Pflicht ja erfüllt), u.v.m. Ich sehe -hauptsächlich junge Menschen- mit Brillen vor den Augen durch die Stadt laufen (und wenn der Akku leer ist, sich die Birne am nächsten Lichtmasten anzuschlagen) und sich beschweren, dass die Welt da draussen nicht UHD ist. Das Gehirm tut sich schwer, zwei gleichwertige Sinneseindrücke gertennt zu bewerten und darum befürchte ich, dass sich so manches Hirn bei exessivem Gebrauch nicht mehr auskennt. Wie lange dauert es, bis man den virtuellen Tacho an der Windschutzscheibe ablesen und gleichzeitig auf den Radfahrer zeitgemäss reagiert, der gerade um die Ecke kommt? Wo ist der Gebrauch erlaubt und wo nicht?

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markusob 09.04.2016, 16:37
2. Wann kann man die Brillen ausprobieren?

Gibt es die als Demo-Stationen in Kaufhäusern? Ich würde das gerne mal ausprobieren, habe aber keine Lust, mehrere hundert bis tausende Euro für reine Experimente und Tech-Demos auszugeben. So richtig ausgerift sind die ja noch nicht. Und so rinen richtigen Use-Case gibt es dafür auch noch nicht.

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janmascis 09.04.2016, 17:10
3. @markusob

Oculus Rift und HTC Vive sind bereits raus, wurden bisher aber meines Wissens nur an Vorbesteller geschickt. Preis der Geräte ist 700,- für den Rift und 900,- für den Vive.

Diese Geräte und die Launchtitel sind bereits sehr ausgereift. Die Systemanforderungen kann man den jeweiligen Seiten entnehmen. Einen PC zu bauen, der VR Launch-Titel und auch spätere Titel darstellen kann, dürfte im Moment ca. 1300,- kosten. Als GPU ist für Mindestanforderung eine Nvidia Geforce GTX 970 oder eine AMD Radeon R9 390 angegeben. Diese Grafikkarten kosten je ca. von 300-400€. Sofern mann einen nicht zu alten Multicore Prozessor um die 3-3,5 Ghz fährt, braucht man keinen neuen CPU.

Mit etwas Glück werden Sie ein Videospiel oder Technikfachgeschäft finden, in dem Sie ein Rift oder Vive ausprobieren können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Produkte in schnöden Kaufhäusern landen. Für die nächsten 2-3 Jahre werden hauptsächlich Technik- und Spieleenthusiasten die Zielgruppe sein. Wenn Sie sich nicht zu dieser Gruppe zählen, würde ich empfehlen, noch bis dahin mit dem Kauf zu warten.

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geando 09.04.2016, 18:09
4. Die Zukunft von VR

liegt nun wirklich nicht in emotionalen Opfersimulationen, in denen der Mensch seine Emphatie anhand von Vergewaltigungsituationen oder Bomebenattentaten in Aleppo schulen soll. Solche "Erlebnisse" werden wohl auch in Zukunft ein Nischendasein fristen, auch wenn KünstlerInnen sich von der neuen Technik nun eine Verbesserung des Menschen an sich erhoffen- das war aber bisher bei jeder grossen Neuerung wohl so. Im Bereich der Gaming und Unterhaltungsindustrie wird VR aber mit Sicherheit so ziemlich alles auf den Kopf stellen, was wir bisher kannten. Und: die ganze Sache befindet sich gerade noch in den Kinderschuhen, das Potential ist noch lange nicht ausgereizt. Wenn mittelfristig alle menschlichen Sinne digital angesprochen werden können, wird eine virtuelle Realität nicht mehr von der "echten" Realität zu unterscheiden sein- mit allen Konsequenzen, ob gut oder schlecht.

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FilouSander 09.04.2016, 18:20
5.

Ein wirklich schöner und sehr ausführlicher Artikel.

Ich bzw. wir beobachten die Entwicklungen im VR Berreich derzeit mit großer Begeisterung. Und falls das OK ist würde ich an dieser Stelle gerne auf unsere wirklich noch sehr kleine VR Community unter www.vr-gamer.de aufmerksam machen.

Unter anderem haben wir bei uns auch Anlaufstellen zum ausprobieren der Oculus Rift oder HTC Vive usw. verlinkt.

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diavid 09.04.2016, 18:29
6. Wenn sogar Spielejournalisten Bedenken haben

Hier testen Spiele-Journalisten des Magizenes "Gamestar" ein realistsich aussehendes Zombiespiel mit der Oculus Rift.:

https://youtu.be/PRaK1a1Xnzs?t=2m55s

Und haben Bedenken dabei, obwohl sie sich hauptberuflich damit auseinander setzen und eigentlich schon alles gsehen haben.

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timelock1 09.04.2016, 20:24
7. Headsetentwicklungen für nachtflugtaugliche Waffensysteme

Ich war vor kurzen auf einem Symposium zu VR 360 und auf dem Podium saßen nur Männer die mit glänzenden Augen von den tollen Entwicklungen erzählten und dass die Spiel- und Autoindustrie die treibenden Kräfte dieser Entwicklung wären. Pornoindustrie wurde nur am Rande erwähnt. Und die Militärindustrie überhaupt nicht. Dabei sind gerade die Headsetentwicklungen mit Biofeedback für nachtflugtaugliche Waffensysteme und für VR Drohnensteuerungen hoch budgetierte Projekte. Und das nicht erst seit kurzem. Aber Spieleindustrie klingt ja viel positiver.

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silverhair 09.04.2016, 20:51
8. Noch nicht tiefgreifend genug

Ein gut gemachter Artikel, aber er kratzt erst die Oberfläche der zukünftigen Entwicklung an , da er immer noch davon ausgeht, das diese VR ein, sich von der Realität wesentlich unterscheidende Technische Entwicklung sei.
Die Naturwissenschafte, die Medizin, die Informatik alle die sich in den letzten Jahrzehnten mit dem Menschen und der sog. Realen Welt auseinander setzten, zeigen aber, das unser Denken selber nur eine künstliche Interpretation einer Realität ist, die wir als Objektivität überhaupt nicht erfahren können.

Nur ein Link zu dem was sich so langsam herauskristalisiert: https://www.youtube.com/watch?v=aHA0HbHwiYA

Diese Technischen Entwicklungen funktionieren deshalb so gut, weil sie letztlich nur unsere Begrenzten Sinnesorgane in Reichweite , oder "biologischer Ankopplung" erweitern. Was wir sehen , sind Lichtquanten - elektromagnetische Wechselfelder, was wir fühlen sind impulse aus Sensoren die in den Körperteilen sitzen, aber all das wird gefiltert verkürzt, umgemodelt, und in dem was wir als denken empfinden interpretiert - wir haben einen Simulator im Kopf der uns eine Wirklichkeit "erzählt" die es so überhaupt nicht gibt, und die durch andere Sensoren letztlich nur erweitert wird.
Sogar die Philosophen sind letztllich auf diesen Simulator hereingefallen, den was Sie dort als Bewußtsein hineininterpretiert haben, existiert in dieser Form überhaupt - es ist eine erfundene Wirklichkeit über die wir immer reden, und diese wird letztlich durch weitere Sensoren nur ergänzt, weiter verändert.
Und das wird nicht nur Spiele betreffen, Es wird die Areibeitss und Lebenswelt, das Private und das Gesellschaftliche, die Justiz und die Gesetze verändern, weil wir langsam aber sicher der eigene Simulation im Kopf auf die Spur kommen werden!, und merken wie wir selber davon , auch durch die Philosophen selber manipuliert werden.

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olli0816 09.04.2016, 21:07
9. Guter Artikel

Ich kann mich erinnern, in den 90er Jahren auf der Cebit einen Stand besucht zu haben, wo man für 1 Minute VR ausprobieren konnte. Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen habe und damals war die Technik natürlich ggü. heute in den Kinderschuhen. Trotzdem war es so realistisch, dass ich mich heute noch erinnern kann, was ich damals gesehen habe (war ine Demo eines zensierten Egoshooters).

Ich abeite für eine Firma, die dieses Thema auch entdeckt hat, obwohl Prozessoren das Hauptgeschäft sind. Wenn man mitbekommt, was es alles an Verbesserungen in den nächsten drei Jahren bei der Hardware gibt und man jetzt schon die Bilder sieht und wie z.T. realistisch die Umgebungen sind, kann man von einer Revolution sprechen. All die Gefahren im Artikel sehe ich auch: Die Leute sind wirklich in der anderen Welt und nehmen die Umgebung nicht wahr. Vielleicht ist es Standard, dass in zwanzig Jahren ein Gummiraum anstelle eines Wohnzimmers Standard ist. Hört sich lächerlich an, zugegeben, aber besser als wenn ich die Vase von meiner Freundin abräume.

Wo diese ganzen Sachen hinführen werden, kann man natürlich nicht sagen. Ich schätze, dass VR ein großes Suchtpotential hat. Aber Suchtpotential gibt es mit MMOs oder auch ganz banalen Sopielen heute auch. Die Frage ist: Wie wird sich unsere Arbeitswelt und auch das Privatleben verändern? Wir leben in spannenden Zeiten, aber die Auswirkungen sind noch unübersehbarer. Vielleicht sprengen so islamische Idioten sich dann nur virtuell in die Luft und bekommen nach dem Ableben eine Sequenz mit 90 Jungfrauen. Das wäre zumindest mal eine positive Entwicklung. Ich habe für mich aber beschlossen, noch ein bisschen zu warten. Anschauen werde ich mir das auf jeden Fall.

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