Forum: Netzwelt
Debatte um Artikel 13: Die Sturheberrechtsreform
IPON/ imago

Im Streit um die EU-Urheberrechtsreform stehen sich Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber. Junge Demonstranten schimpfen auf Politiker - und umgekehrt. Längst geht es um mehr als eine trockene Richtlinie.

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hansgustor 24.03.2019, 18:39
160. @mister_coconut

Ich helfe gerne:
1. Die Filtersoftware kann natürlich jeder entwickeln, soweit ich weiß hat YouTube sie auch eingekauft und nicht komplett selbst entwickelt. Allerdings hat nut Google genug Daten um geschützte Inhalte effektiv zu erkennen.
2: Aus 1. folgt das Google ein Quasi-Monopol bekommt, das sehr schwierig zu durchbrechen sein wird. Man muss zuerst bessere Filter entwickeln und zweitens auch noch die Google-Dienste wie z.B. YouTube übertrumpfen. Doppelt schwierig.

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nur_mut 24.03.2019, 18:47
161. Wenn es nur so wäre..

Zitat von ingoabruns
sie müssen sich um ihr lieblingsforum keine sorgen machen, da dieses von der reform nicht erfasst wird.
Das stimmt nicht, sobald ein Werbebanner (z.B. zur Servierfinanzierung, der Finanzierung der Internet-Domain) geschaltet ist, ist ein Internetdiskussionsforum als gewerblich anzusehen. Sobald es älter als 3 Jahre ist, fällt es auch nicht mehr unter die Ausnahmeregelungen.

Ausnahmen gelten z.B. für Online-Enzyklopädien und bildungsorientierte Seiten. Dazu gehört z.B. Wikipedia, aber leider nicht die ganzen Diskussionsforen zu Haustieren, Krankheiten, Fotocommunities, Modellbau, Abnehmen, Reisen, Selbsthilfegruppen usw.

Bitte informieren Sie sich hier, da ist es ganz gut erklärt:
https://foren-gegen-uploadfilter.eu/

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spon_7933274 24.03.2019, 18:48
162.

Zitat von mister_coconut
1. Gebetsmühlenartig wird ständig wiederholt, dass sich nur Google/YT bzw. Facebook Uploadfilter leisten könnten und diese Unternehmen daher in der Zukunft gigantische Gewinne aus dem Verkauf dieser Technologie generieren würden. Wer hat diese Behauptung in die Welt gesetzt und warum? Warum sollte keine Softwarefirma dieser Welt in der Lage sein, solche Filtersysteme unabhängig von den großen drei zu entwickeln (und zu verkaufen)? 2. Wenn Youtube und Co. wie stets befürchtet im großen Stil Uploads von eigentlich erlaubten Inhalten unrechtmäßig filtern würden, würden sie massiv ihr eigenes Geschäftsmodell untergraben und riskieren, dass User zu Konkurrenzplattformen abwandern. Warum sollten sie das tun???
1. Natürlich kann sich jeder Softwareentwickler an einem Filter versuchen. Er hat nur denkbar schlechte Testmöglichkeiten. Da z.B. auf YouTube jede Minute 400 Stunden Videomaterial hochgeladen wird, ist ein PC etwas überfordert.

2. So ist es. YouTube usw. sind neutral, amoralisch und nur am monetärem Erfolg interessiert.

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tok1 24.03.2019, 18:48
163.

Zitat von 4711_please
Erstaunlich, wie die Debatte um das Urheberrecht flach ist. Es geht nicht nur um Uploadfilter-Zensur, sondern auch darum, wer denn die Rechte verwertet. Wenn ich ein Stück Land hätte und finde darauf eine Ölquelle, habe ich alle Rechte daran oder die Verwerter? Wie koloniale ist die Reform? Warum soll ich als kleiner Kreativer Zwangsmitglied von Verwerten werden und warum wird dieser Zwang als Stärkung meiner Urheberrechte propagiert? Interessant finde ich die vielen Kommentare von Künstlern, die beschreiben wie sie von den Verwerten ausgebeutet werden, welche Einschränkung von Freiheit sie in der Zusammenarbeit mit Verwertern haben. Ich denke, wenn die #niewiedercdu eine Stärkung der Urheber proklamiert, muss sie über eine Regulierung des Verhältnisses von Urheber und Verwerten nachdenken. Das wäre ehrlich, wird aber nicht geschehen, denn sie vertritt einen feudal-kolonialistischen Ansatz bei den Rohstoffen, also auch bei denen der Zukunft.
Seien sie doch so lieb und schlagen Sie mal nach, was eine Verwertungsgesellschaft ist, wie sie sich von einem Verwerter unterscheidet und wo es sowas wie "Zwangsmitgliedschaft" gibt. Ansonsten – wenn Sie keine Ahnung haben …

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tok1 24.03.2019, 18:50
164.

Zitat von jim_beam
Youtube hat einen Vertrag mit der Gema, was wollen Sie denn noch?
Eine Rechtslage, die der Gema eine angemessene Verhandlungsposition einräumt. Eigentlich leicht zu verstehen, oder?

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qoderrat 24.03.2019, 18:55
165.

Zitat von
Der Komponist Matthias Hornschuh sagt, er sei in der Debatte um die Reform als einer der "alten Männer" bezeichnet worden, für die das Internet angeblich "nur aus E-Mail und Pornografie" bestehe, und genau solche alten Männer hätten dieses Gesetz gebaut.
Dieser eine einzige Satz zeigt perfekt, wie man die Wahrheit schreiben und gleichzeitig eine unredliche Aussage machen kann.

Denn wer in diesem speziellen Kontext den Inhalt des folgenden Artikels bei der Berichterstattung "vergisst", darf sich nicht wundern, wenn ihm eine unsaubere Darstellung vorgeworfen wird:
https://www.kulturrat-nrw.de/matthias-hornschuh-in-den-aufsichtsrat-der-gema-gewaehlt/

"Demokratie statt Lobbykratie" wäre tatsächlich ein schöner Ansatz. Viel Spass mit dem Ergebnis der EU-Wahlen, aber bitte hinterher nicht jammern.

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tok1 24.03.2019, 18:57
166.

Zitat von andre_36
Die meisten unkommerziellen Platformen "nutzen" Moderatoren, Beiträge der User nach dem Posten kontrollieren und gegebenenfalls löschen. Nach dem Posten. Insofern werden die Gesetze soweit möglich umgesetzt. Und wenn ich in einem Forum auf ein neues Album eines Interpreten hinweise, dass mir gefällt, wird der Urheber nicht ausgebeutet, sondern erhält Werbung gratis. Leider erkennt die Filtersoftware nicht meine Motivation und wird es sicherheitshalber löschen. Viele Laien glauben heute, dass die Software alles kann. Aber es gibt noch viele Grenzen. Das gilt auch dafür, wenn ich als Musiklehrer Übungsvideos anbiete, die auf bekannten Musikstücken basieren. Stellen Sie sich vor, in der Musikschule würden nur noch Stücke von unbekannten nicht-lizensierten Komponisten gelehrt. Genau das soll im Internet umgesetzt werden. Ein deutlicheres Beispiel: Meine Frau produziert ein Tanz-Video, um vorrangig auf ihre Darbietung aufmerksam zu machen. Dazu benutzt sie Musik eines relativ unbeannten Künstlers. Der Regisseur wird auch namentlich erwähnt. Somit trägt ihr Tanzvideo dazu bei, dass gleichzeitig potentielle Interessenten auf den Musiker und den Videoregisseur aufmerksam werden. So könnte das im Internet funktionieren. Leider wird das Video herausgefiltert, weil die Künstler keine Lizenzvereinbarung mit der plattform getroffen haben. Super!
Mit anderen Worten, sie laden unautorisiert urheberrechtlich geschütztes Material hoch und möchten das auch weiterhin tun. Aus völlig selbstlosen Motiven natürlich – vor allem, um den jeweiligen Künstler bekannt zu machen. Hören Sie, sollten Sie Bäcker, Metzger oder dergleichen sein – beliefern sie doch mal kostenlos meine nächste Party! Das wird Sie bekannt machen.

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spon_7933274 24.03.2019, 19:00
167.

Zitat von tok1
Eine Rechtslage, die der Gema eine angemessene Verhandlungsposition einräumt. Eigentlich leicht zu verstehen, oder?
Die Gema hat doch eine angemessene Verhandlungsposition.
Für ein weltweit agierendes Unternehmen, wie z.B. Google, ist die Gema eine obskure Verwertungsgesellschaft eines mittelgrossen Landes und umsatzmässig gut vernachlässigbar.

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GoaSkin 24.03.2019, 19:01
168. es geht bei diesem Streit garnicht wirklich um den Schutz von Urhebern

Diese Urheberrechtsreform ist nichts weiter als eine schöne Masche, um all den Leuten, die Inhalte ins Netz stellen, das Spiel ein Stück weit verderben zu wollen. Viele Leute (insbesondere aus dem konservativen Lager) können es überhaupt nicht leiden, dass Leute ihre eigenen Videos, Bilder, Musik und Texte ins Netz stellen und das Material dann auch noch wirklich von den Leuten gesehen und gehört wird. Die Befürworter der Urheberrechtsreform erhoffen sich vor allem, dass dieser (in ihren Augen) Spuk sein Ende findet. Offiziell geht es darum, die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material zu verhindern. In Wirklichkeit geht es darum, die Parallelwelt im Internet mit ihren semi-professionellen und amateurhaften Videokünstlern, Verfassern, Musikproduzenten und Fotografen kleinzuhalten, wobei es sich faktisch ebenfalls um Urheber handelt, die vor allem Inhalte verbreiten wollen, bei denen nur sie und niemand sonst die Urheber sind. Die Idee ist nichts weiter, als dass die Menschheit wieder mehr Fernsehen, die normalen Tageszeitungen und Musik aus den Charts hört, statt die semi-professionellen- und Amateurinhalte aus dem Netz.

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nur_mut 24.03.2019, 19:11
169. Keine Ausnahme von Artikel 13 für Internetdiskussionsforen

Das ist die Richtlinie, die am Dienstag zu Abstimmung kommt.
http://www.europarl.europa.eu/doceo/document/A-8-2018-0245-AM-271-271_DE.pdf?redirect

Daraus die wenigen Ausnahmen, für die die Richtlinie auch nach 3 Jahren nach Gründung nicht gelten soll:
"Diensteanbieter wie Plattformen für die Entwicklung und Verbreitung von quelloffener Software, nicht gewinnorientierte bildungsbezogene und wissenschaftliche Archive sowie nicht gewinnorientierte Online-Enzyklopädien sollten ebenfalls von der Begriffsbestimmung von Diensteanbietern für das Teilen von Online-Inhalten ausgenommen sein."

Internetdiskussionsforen wie z.B. Foren zu Krankheiten, Hobbies, Abnehmen, Sport, Haustiere, Reisen, Modellbau usw. sind somit bei den Ausnahmen nicht enthalten, so dass auch sie unter Artikel 13 fallen, sofern sie älter als 3 Jahre sind. Das ist bei den meisten Foren der Fall, da viele schon sehr lange bestehen.

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