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Debatte um Artikel 13: Die Sturheberrechtsreform
IPON/ imago

Im Streit um die EU-Urheberrechtsreform stehen sich Befürworter und Gegner unversöhnlich gegenüber. Junge Demonstranten schimpfen auf Politiker - und umgekehrt. Längst geht es um mehr als eine trockene Richtlinie.

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knuty 25.03.2019, 07:17
190.

Zitat von Elkarlo77
Das ganz große Problem an den Gesetz in der jetzigen Form: Mein Vater (69) ist davon betroffen, er ist Kirchenorganist und nutzt das Internet nur sporadisch, aber es gibt eine Seite wo sich die Organisten selbst geschrieben Vorspiele gegenseitig austauschen. Kostenlos frei hochgeladen. Auf einer nicht Profit Seite. Die aber älter als 3 Jahre ist. Nun muss der Betreiber der Seite von jeden der Hochgeladen hat, die Lizenz für seine Werke einholen, das diese weiter vertrieben werden können. Die Seite wird höchstwahrscheinlich schließen müssen, wegen zu großen Aufwand. Also wird er sich wieder die Vorspiele für viel Geld in Papier kaufen müssen. Teacher vor you ist auch so eine Plattform wo sich Lehrer gegenseitig erstelltes Material frei für andere Lehrer zur Verfügung gestellt haben. Die haben bereits angekündigt das sie höchstwahrscheinlich dann dicht machen müssen. Auch eine non-profit Seite aber älter als 3 Jahre. Die DSGVO war gegen das was nun das Urheberschutzgesetz verlangt ein Witz. Nur macht es diesmal alle Kleinen kaputt und die Großen profitieren da nun die Verlage nicht mehr im Erwerb von Sachen die andere Leute kostenlos in das Netz gestellt wurden behindert werden.
Der Betreiber der Seite muss nicht unbedingt eine Lizenz von den Urhebern einholen.
Der Betreiber ist in Zukunft aber dafür verantwortlich, wenn dort jemand Werke von fremden Urhebern einstellt. Dann kann der geschädigte Urheber sich an den Betreiber der Seite halten und von ihm Schadensersatz fordern und der Betreiber kann sich diesen Schadensersatz wieder von demjenigen zurückholen, der das geschützte Material bei ihm eingestellt hat.
So lange ihr Vater nur eigene Werke ins Netz stellt bleibt alles beim Alten.

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jim_beam 25.03.2019, 07:57
191.

Zitat von tok1
Eine Rechtslage, die der Gema eine angemessene Verhandlungsposition einräumt. Eigentlich leicht zu verstehen, oder?
Meinem Verständnis nach ist die GEMA Monopolist per Gesetz. Viel besser kanns doch fast nicht werden. Aus Konsumentenperspektive habe ich auh Zweifel an der Faktizität der Geschichte vom ausgebeuteten Kreativen. Für jede Festplatte, für jede Speicherkarte und jeden USB-Stick zahle ich eine Pauschalabgabe. Wir zahlen für die Streamingdienste von Netflix, Amazon und Spotify. Grade der Erfolg der Streamingdienste zeigt doch auch, dass die oft beschworene "Kostenloskultur" ein Ammenmärchen ist.

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mister_coconut 25.03.2019, 08:19
192. Was mir noch keiner erklären konnte... Teil II

Zitat von HansUeli
1) Sie unterschätzen die technische Komplexität eines solchen Systems erheblich. Die notwendigen Ressourcen (neben technischer Ausrüstung vor allem Fachwissen und Testdaten) um ein solches Filtersystem zu entwickeln sind gigantisch und nur von Unternehmen wie den genannten zu stemmen, insbesondere da nur diese das notwendige know-how dazu haben. Zudem beweisen die Unzulänglichkeiten der existierenden Systemen (Youtubes ContentID z.B.) recht deutlich, dass das was diese Filter leisten müssten bis dato völlig utopisch ist. Viele Themen sind in diesem Zusammenhang Gegenstand aktueller Forschung und weit von Alltagstauglichkeit entfernt. Und als jemand der auf einem technischen Gebiet doktoriert masse ich mir an, genug von diesen Zusammenhängen zu verstehen um dies beurteilen zu können. 2) Wenn Youtube (und eventuell ein-zwei andere) die einzigen sind welche ansatzweise eine Filterinfrastruktur zur Verfügung stellen können sind die Filterergebnisse für alle gleich. Was auf einer Platform gefiltert wird wird dann auch bei jeder anderen aussortiert und somit entsteht kein Nachteil für z.B. Youtube.
Angenommen Ihre Annahmen zu 1 und 2 stimmen (was ich ehrlich gesagt nicht glaube), und Google/Youtube würden dadurch wie ebenfalls in Dauerschleife behauptet tatsächlich zu den einzigen monetären Nutznießer der Einführung von Filtern (von zu erwartenden Milliardenumsätzen mit Filtertechnik ist gar die Rede), WARUM sträuben sich diese Firmen dann so vehement gegen die Reform? Das ergibt für mich null Sinn und passt auch nicht zu den üblichen Geschäftspraktiken dieser Unternehmen.

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Köln4000 25.03.2019, 08:52
193.

Fast Knuty, lesen Sie gern kurz auf der Vorseite: Der Vater müsste seine Kirchenkompositionen bei einer Verwertungsgesellschaft anmelden, dann wäre es urheberrechtlich geschützt.
Die betreffende Plattformen erkennen dann dieses Material mit Software, die es dort schon lange gibt (u.a. gegen Pornigrafie und Terrot, was aber viel schwerer ist, weil sie Bewegungsmuster, Töne und Farben erkennen muss), in diesem Fall recht einfach anhand von Codes, Wasserzeichen u.ä.

NUR diese Plattformen sind überhaupt betroffen: Unternehmen, deren Hauptziel es ist, mit urheberrechtlichem Material Gewinn zu erwirtschaften und -dem untergestellt!- länger als 3 Jahre existieren oder (ja, ja) mehr als 5 User haben oder mehr als 10 Mill Umsatz generieren.
"Whateverino", ich bin übrigens nicht Mitglied der GEMA und ich habe auch kein urheberrechtlich geschütztes Material bei der GEMA. (Da wird auch nicht "Mitglied", sondern meldet sein Material an, um es urheberrechtlich zu schützen und an der Verwertung berechtigt (!) beteiligt zu werden. (Das ist übrigens etwas völlig anderes als ein "Lobbyverband", der gewinnorientierte Formen vertritt, lesen sie mal nach.))
Nein, ich habe mich ganz einfach eingelesen - und bin inzwischen ernsthaft in Sorge um unsere Bürgerrechte und unsere Demokratie. - Ein rechtsfreier Raum, der die Entscheidungen, was online geht und was nicht und die Gewinne im Milliardenbereich, die durch das Material der kleinen Künstler generiert werden, bei den gewinnorientierten Plattformen belässt, die diesen Gewinn mit dem urheberrechtlichen Material generieren, ist dauerhaft fatal.

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Mikrohirn 25.03.2019, 09:14
194. Für die Reform!

Ich bin voll für die Urheberrechtsreform. Geistiges Eigentum gehört geschützt und darf nicht von Kreti und Pleti unrechtmäßig verwendet werden. Die Gegner der Reform wollen genau das! Uploadfilter werden zwar nicht funktionieren, aber an freiwillige Selbstkontrolle der User glaube ich nicht, die gibt's ja jetzt schon nicht. Sie wäre eine Frage des Respekts vor den Leistungen anderer.

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knuty 25.03.2019, 09:20
195.

Zitat von Köln4000
Fast Knuty, lesen Sie gern kurz auf der Vorseite: Der Vater müsste seine Kirchenkompositionen bei einer Verwertungsgesellschaft anmelden, dann wäre es urheberrechtlich geschützt. Die betreffende Plattformen erkennen dann dieses Material mit Software, die es dort schon lange gibt (u.a. gegen Pornigrafie und Terrot, was aber viel schwerer ist, weil sie Bewegungsmuster, Töne und Farben erkennen muss), in diesem Fall recht einfach anhand von Codes, Wasserzeichen u.ä.
Nein, muss er überhaupt nicht. Der Urheberschutz hängt nicht von der Registrierung bei einer Verwertungsgesellschaft ab.

Codes und Wasserzeichen kann man entfernen, was z.B. Facebook beim hochladen von Fotos macht.

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tok1 25.03.2019, 09:28
196.

Zitat von spon_7933274
Die Gema hat doch eine angemessene Verhandlungsposition. Für ein weltweit agierendes Unternehmen, wie z.B. Google, ist die Gema eine obskure Verwertungsgesellschaft eines mittelgrossen Landes und umsatzmässig gut vernachlässigbar.
Sie finden die Gema obskur. Nun, da tappen Sie im Dunkeln wie so viele Ahnungslose. Immerhin haben Sie erkannt, warum es wichtig ist, die Rechtsposition der Gema zu stärken.

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Köln4000 25.03.2019, 09:29
197.

jim_beam, die Streamingdienste ehmen von einzelnen Usern ein, bezahlen die Künstler aber nur pauschal - unabhängig davon, wie oft deren Material gestreamt wird, d.h. wie erfolgreich es ist. Mit 5 Mill verkauften Platten (verdient) reich werden ist derzeit nicht, das gleiche gilt für sehr erfolgreiche Filme.
coconut, nein, die Silicon Valley Firmen müssten mit der Richtlinie deutlich mehr abgeben an diejenigen, die ihr Material urheberrechtlich schützen lassen.

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tok1 25.03.2019, 09:35
198.

Zitat von HansUeli
Leben Sie hinter dem Mond? Selbstverständlich hat Youtube Verträge mit Verwertungsgesellschaften und bezahlt die Urheber der dort verfügbaren Werke. Und selbstverständlich werden Werke gelöscht wenn der Rechteinhaber dies fordert. Sind Sie wirklich so naiv und denken Youtube könnte massenhaft Urheberrechtsverletzungen begehen und damit Milliarden Umsätze auf Kosten der Rechteinhaber erwirtschaften ohne dass dies Konsequenzen hätte? Ihre ganze Argumentation ist ohnehin total hinfällig denn durch die neue Gesetzgebung wird sich für Youtube nichts ändern. Es ging bei der Kritik an Artikel 13 nie um Youtube, denn gerade Youtube verschafft dieses neue Gesetz Vorteile. Youtubes Geschäftsmodell ist bereits jetzt legal und es wird auch mit der Reform legal bleiben!
Dank der herrschenden Rechtslage begeht Youtube seit Jahren massenhaft Urheberrechtsverletzungen und erwirtschaftet damit Milliardenumsätze auf Kosten der Rechteinhaber, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Natürlich nur in der wirklichen Welt, nicht bei Ihnen daheim im Taka-Tuka-Land.

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Köln4000 25.03.2019, 09:48
199.

knuty, das stimmt natürlich. Aber wir reden doch hier über die neue Richtlinie, oder? Und darüber, wie man das Urheberrecht schützen kann. Das Material wird angemeldet und bekommt dann ein Wasserzeichen o.ä. zur Kennzeichnung im Hintergrund. Facebook zb. dürfte das dann nicht mehr willkürlich entfernen, und das Material dürfte nicht automatisch Facebook gehören.
@ Jim_beam: Lesen Sie sich ein, es gibt noch mehr Verwertungsgesellschaften.
Interessant ist auch die Seite der Initiative für Urheberrecht.

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