Forum: Netzwelt
Debatte ums Urheberrecht: Liebe Leserin, lieber Leser,
Julien Bam/ YouTube

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Marvin__ 26.11.2018, 17:47
1. Gut informiert lässt sich offen und differenziert über das Thema reden

Wohl war.

Da stellt sich die Frage, warum die europäischen Institutionen maximale Unsicherheit schüren. Sei es mit dreisten Lügen ("es wird sich nichts ändern", EU-Kommission) mit Halbwahrheiten ("von Upload-Filtern steht nichts im Gesetz", Axel Voss, EU-Parlament) und arrogantem Abwimmeln ("Lesen Sie erst mal den Text" - einen Text, der leider nicht in lesbarer Form publiziert wurde oder wird, sondern nur als Zwischenfassung mit Änderungsvorschlägen).

Wie wäre es, wenn die EU - also Kommission, Rat & Parlament - erst einmal kommuniziert, was eigentlich erreicht werden soll. Wenn sie dann sicherstellte, dass alle Betroffenen und Sachverständigen konsultiert würden und nicht nur Lobbyisten von einer Seite, mit tiefen Taschen und großzügigen Geschenken?

Ein Beispiel zur Komplexität des Themas: Bis vor kurzem hat die Firma Warner Brothers für das Lied "Happy Birthday to you" Lizenzgebühren verlangt und kassiert. 50 Millionen Dollar. Obwohl - wie jetzt ein Gericht fest stellte - Warner gar keine Rechte an dem Lied hatte. Der Anwalt der Kläger, die am Ende Recht bekommen haben, hat übrigens für seine Bemühungen knapp 5 Millionen Dollar kassiert.

Vielleicht können die EU-Experten mal erklären, wie Internetplattformen in solchen Fällen Lizenzen prüfen und einholen sollen. Jedem, der behauptet, Rechte zu haben, Gebühren zahlen? 5 Millionen Dollar locker machen und klagen? Oder doch lieber die Plattform schließen?

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Mike-H 26.11.2018, 19:08
2. 5 Millionen sind für YouTube Kleingeld.

Wenn jemand ein Urheberrechtliches Video, beispielsweise einen illegal mitgeschnitten Blockbuster, hochlädt, hat YouTube die locker verdient, eher der Rechteinhaber das mitbekommt und YouTube veranlaßt das von den Servern zu nehmen. Der Rechteinhaber kann dann den UpLoader verklagen, aber YouTube reibt sich die in Unschuld gewaschenen Hände.
Nach dem neuen Gesetzt könnte der Rechteinhaber auch was von den Million von YouTube abkassieren, die YouTube ja mit dem illegalen UpLoad verdient hat.

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Kurt Klaas 26.11.2018, 19:40
3. Ein schöner Einzelfall...

...aber dann frage ich mich, warum Youtuber, deren einzige "künstlerische" Leistung darin besteht auf ein Musikstück zu reagieren - d.h. die sitzen mit aufgesetztem Kopfhörer da, lauschen einem bekannten Musikstück und geben ab und zu Kommentare dazu ab - keinerlei Urheberrechtsabgaben für die kommentierte zahlen müssen.
Hier wird keine künstlerische Leistung erbracht, das Musikstück wird in voller Länge ohne Änderungen gespielt - und es kostet keinen Penny.
Ja, ich finde auch, dass es bessere Wege geben sollte als so ein Gesetzesungetüm auf die Netzwelt loszulassen. Andererseits scheinen vor allem die großen und reichen Internetgiganten nicht bereit zu sein auch nur ein Fitzelchen ihres Kuchens anderen zu überlassen. Dann müssen sie leider damit leben, dass andere ihr Geschäftsmodell anzweifeln.

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macstabi 26.11.2018, 20:12
4. Ein Leben ohne YouTube?

Die Menschheit wird's verkraften! Die nächste überflüssige Quatschseite steht sicherlich schon in den Startlöchern ...

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Herr Knigge 26.11.2018, 20:13
5. Was man seinen Kindern antwortet?

Vielleicht folgendes: Weißt du, Mama/Papa arbeitet jeden Tag 8 Stunden und die Arbeit möchten wir bezahlt bekommen, damit du lieber Sprössling morgen früh Frühstück auf dem Tisch vorfindest. Leider funktioniert das nicht mehr, weil die Musik, die ich schreibe, auf YouTube geklaut wird anstatt bezahlt zu werden. Deswegen gibt es morgen halt keine Marmelade mehr, sondern nur noch Toast und Margarine. Aber wir werden schon dafür sorgen, dass YouTube weiter mit unserer Arbeit reich wird, mach dir keine Sorgen! Damit du beim Toast wenigstens weiter YouTube gucken kannst.

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Fuxx81 26.11.2018, 20:35
6.

Uploadfilter sind ein Zensurinstrument, dass einer Diktatur gut zu Gesicht stehen würde. Wäre sehr schlecht, wenn die kämen. Um die "Youtuber" tut es mir dabei allerdings am wenigsten leid...

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wiispieler 26.11.2018, 23:45
7. Julien Bam

Das angesprochene Youtube Video von Julien Bam ist wirklich sehenswert und ist nicht nur einsitig gegen den Artikel 13, wie man es vermuten könnte.

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juliaz 27.11.2018, 07:04
8. wie wär's mal mit Reden?

Liebe "Mamis" und "Papis", wenn ihr mal ausnahmsweise mit euren Kindern reden würdet anstatt nur mit anderen Mamis und Papis in der Elterngruppe, dann wüßtet ihr vielleicht ein wenig mehr darüber, was eure Kinder bewegt, was sie zu Youtube zieht und was sie dort machen. Dann könnte man sich auch selber informieren, anstatt sich das alles erst aufs Brot schmieren lassen zu müssen. Übrigens, liebe Frau Kolumnistin, ist Youtube nicht nur react und pranks, sondern auch Unterhaltung, Information und Gemeinschaft. Und bei weitem nicht alle, die sich dort jeden Tag rumtreiben, sind 12 Jahre alt.

Gruß, eine 40jährige mit etlichen abonnierten Youtube-Kanälen, aber ohne Fernseher.

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obstroc 27.11.2018, 07:07
9. Als ob es um Julien Bam ginge

Inzwischen haben sich auf youtube ernsthafte investigative Medienformate etabliert, die den sogenannten Leitmedien ernsthaft Konkurrenz machen. Wärend Spiegel und co. immer mehr Leser verlieren, weil die Zeit für Recherche fehlt, Druck von oben auf die Berichterstattung ausgeübt wird und schlechter bezahlt wird, haben viele Konsumenten erkannt, dass sie gerade auch auf Youtube echte Qualität finden können. Darum geht es, diese Formate unter Kontrolle zu bekommen. Der Unterhaltungskram wird in Zukunft weiter laufen und wahrscheinlich wird es bald nur noch der Verblödungskram sein. Dieses Gesetz ist ein Zensurinstrument, was denn sonst.

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