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Demos in deutschen Städten: "Lasst euch das Internet kurz erklären, bevor ihr es kapu
Paul Zinken/ DPA

München, Berlin, Hamburg & Co: Der Widerstand gegen die umstrittene EU-Urheberrechtsreform hat seinen Höhepunkt erreicht: In vielen deutschen Städten trugen Zehntausende den Protest vom Netz auf die Straße.

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DieterKühne 23.03.2019, 19:53
10. Panikmache der "Generation Kostenlos"

Das Geschäftsmodell der großen Plattformen ist Milliarden mit Werbung machen mit Inhalten, das von vielen Kreativen kommt, und diese dafür nicht zu bezahlen. Wenn die Kreativen aber nicht mehr von ihrer Arbeit leben können, wird das Internet um viele interessante Inhalte leerer. Also muss eine adäquate Bezahlung her. Ich finde am Gesetzesvorschlag sehr gut, dass der User nicht mehr für den Download von Inhalten haften soll, die von dem Anbieter ohne Wahrung der Urheberrechte (also illegal) auf seiner Website platziert wurden. Schluss mit Abmahn-Anwälten, die die User in Haft nehmen wollen. Ansonsten empfinde ich die Demos als Panikmache pur (Hilfe, die wollen das Internet abschalten). Auch Wikipedia ist gar nicht betroffen, schaltet aber seine Seite einen Tag schwarz, das ist doch Populismus pur. Ich habe allerdings heute gelesen, dass die großen Plattformen auch große Spender von Wikipedia sind. Somit gilt wieder der alte Leitsatz: wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Das gilt scheinbar auch bei Generation Kostenlos.

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kalsu 23.03.2019, 19:54
11. Ich versteh die ganze Aufregung nicht ganz!

Was viele, und wohl auch die Politiker nicht wissen oder ignorieren: Seit 1971 gibt es die Pauschalabgabe - auch Urheberrechtsabgabe genannt oder Leerdatenträgervergütung in der Schweiz oder in Österreich die Speichermedienvergütung. Auf praktisch jedem Gerät, das zur digitalen Wiedergabe oder Reproduktion von Inhalten dient, ist eine Abgabe im Preis enthalten. Die Liste ist inzwischen einen halben Meter lang wenn man die auf seinem Drucker ausdruckt. Man muss nur auf jeden Internetzugang einfach z.B: 2€ Pauschalabgabe drauf legen und schon ist das Probelem gelöst. Die Verwertungsgesellschaften bekommen danach ihren Anteil, verteilen ihn und gut ist.

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meglio 23.03.2019, 19:58
12. ist dieser kommentar richtig ?

„Explizit ausgenommen sind Plattformen, die nicht gewinnorientiert arbeiten, beispielsweise NGOs, Online-Enzyklopädien (z.B. Wikipedia) und Plattformen mit anderen Geschäftsmodellen. Hierunter fallen Online-Marktplätze (z.B. Amazon oder Ebay), Cloud-Dienste (z.B. DropBox) und Access-Provider (z.B. Telekom). Auch kleine Netzwerke, deren Hauptgeschäftsfeld nicht darin besteht, große Mengen urheberrechtlich geschützte Inhalte öffentlich zu machen, sind nicht von Artikel 13 betroffen. Für Startups gelten spezielle Ausnahmeregelungen.“

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aneumann 23.03.2019, 20:00
13. Intention Gut, Ausführung Ungenügend

A. Voss: "Wir wollen mit der EU-Urheberrechtsnovelle nichts anderes erreichen, als die Urheberrechte auch auf Internetplattformen besser zu schützen und durchzusetzen"
Zwischen Wollen und Können besteht ein grosser Unterschied. Niemand bezweifelt die Intention hinter der neuen Urheberrechtslinie. Auch ist niemand dagegen, das Kreative besser bezahlt entlohnt werden. Aber die Reform geht in den geforderten Mitteln weit über das Ziel hinaus.
In der jetzigen Form darf die Novelle nicht einfach durchgewunken werden. Zu gross ist der Kollateralschaden der hierbei entstehen würde. Stattdessen sollte man sich die Zeit nehmen für einen neuen Entwurf, der dann nicht nur die Interessen einer Gruppe in den Vordergrund stellt, und die Gesellschaftlichen Interessen darüber vergisst.
Gerade diese einseitige Interessenvertretung der EVP, schadet dem Europäischen Gedanken. Da helfen auch keine Willensbekundungen und Interviews, in denen Voss falsche Analogien aufstellt und mit technischer Inkompetenz glänzt. Der Image Schaden für das Europäische Parlament, als auch für die CDU und die anderen Befürworter ist jetzt schon riesig. Gerade bei denen, die das technische Wissen haben um beurteilen zu können, welche Konsequenzen diese Reform mit sich bringt. Und das ist offensichtlich eher die jüngere Generation. Ich bin gespannt, wie sich das in den Zahlen bei der nächsten Wahl niederschlägt.

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disklord 23.03.2019, 20:04
14. Leider...

Zitat von Margaux
... gehen in Deutschland immer nur die auf die Straße, die GEGEN etwas sind. Wer weiß denn, was die Mehrheit will. Man sollte allen Meinungen zu dieser Thematik genügend Raum geben. Auch die, die das Urherberrecht geschützt sehen wollen. Wenn es nach unserer Youtube-Generation geht, wäre alles erlaubt, was ihren Interessen nutzt. Es sollte möglich sein, beide Gruppierungen an einen Tisch zu bekommen, um nach Lösungen zu suchen, die beiden Seiten gerecht wird.
... sind Verlage keine Urheber. Hingegen waren auch viele Urheber auf der Strasse und die wollen alle auch das Urheberrecht geschützt sehen. Leider kann es nicht so funktionieren, wie es aktuell vom Vollvossten durchgepeitscht werden soll. Leider können die Befürworter auch nicht erklären, wie es technisch gehen soll. Die Techniker selber sagen ja es geht nicht. Dazu noch die Aussage mit: Dann machen wir es halt später national anders, als wie wir es in der EU abgestimmt haben. Funktioniert bestimmt genausogut wie die Abgasgrenzwerte, die sie erst verzapft haben und dann doch nicht haben wollten. Blöder kann man ja wohl nicht sein.

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stelzerdd 23.03.2019, 20:08
15. Überheblich und anmaßend....

...sind die Auslassungen der jugendlichen "Internet-Erklärer".
Gewohnt, aus dem Netz alles kostenlos zu bekommen, fremder Leute geistiges Eigentum beliebig zu kopieren, jeden geistigen und Datenmüll jederzeit weltweit zu verbreiten meinen sie selbstherrlich, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen und alle jenseits der 40 seien ein bisschen doof.
Virtuos den ganzen Tag auf dem Smartphone zu klimpern und das Fratzenbuch mit Videos, Bildern und Texten zu füttern hat mit Wissen allerdings wenig zu tun.

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JohannesHulsch 23.03.2019, 20:16
16.

Zitat von DieterKühne
Das Geschäftsmodell der großen Plattformen ist Milliarden mit Werbung machen mit Inhalten, das von vielen Kreativen kommt, und diese dafür nicht zu bezahlen. Wenn die Kreativen aber nicht mehr von ihrer Arbeit leben können, wird das Internet um viele interessante Inhalte leerer. Also muss eine adäquate Bezahlung her. Ich finde am Gesetzesvorschlag sehr gut, dass der User nicht mehr für den Download von Inhalten haften soll, die von dem Anbieter ohne Wahrung der Urheberrechte (also illegal) auf seiner Website platziert wurden. Schluss mit Abmahn-Anwälten, die die User in Haft nehmen wollen. Ansonsten empfinde ich die Demos als Panikmache pur (Hilfe, die wollen das Internet abschalten). Auch Wikipedia ist gar nicht betroffen, schaltet aber seine Seite einen Tag schwarz, das ist doch Populismus pur. Ich habe allerdings heute gelesen, dass die großen Plattformen auch große Spender von Wikipedia sind. Somit gilt wieder der alte Leitsatz: wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe. Das gilt scheinbar auch bei Generation Kostenlos.
Die Protesten richten sich weniger gegen die Intention der Reform, als gegen die Umsetzung. Das Leistungsschutzrecht hat in Deutschland und Spanien komplett versagt und verursachte mehr Kosten als alles andere. Artikel 12 der Reform sichert den Verwertungsgesellschaften Geld zu, das den Urhebern zusteht und Artikel 13 ist einfach nicht umsetzbar und macht kleine Plattformen, die klein bleiben wollen (Foren etc.) abhängig von Google oder Facebook.

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JohannesHulsch 23.03.2019, 20:19
17.

Zitat von meglio
„Explizit ausgenommen sind Plattformen, die nicht gewinnorientiert arbeiten, beispielsweise NGOs, Online-Enzyklopädien (z.B. Wikipedia) und Plattformen mit anderen Geschäftsmodellen. Hierunter fallen Online-Marktplätze (z.B. Amazon oder Ebay), Cloud-Dienste (z.B. DropBox) und Access-Provider (z.B. Telekom). Auch kleine Netzwerke, deren Hauptgeschäftsfeld nicht darin besteht, große Mengen urheberrechtlich geschützte Inhalte öffentlich zu machen, sind nicht von Artikel 13 betroffen. Für Startups gelten spezielle Ausnahmeregelungen.“
Fast. Es sind Netzwerke ausgenommen, die keine große Menge von Urheberrechtlich geschützten Material veröffentlichen. Leider ist das so gut wie keine einzige Seite, da jeder Text dort auch Urheberrechtlich geschützt ist. Selbst dieser Kommentar ist Urheberrechtlich geschützt und ergo müsste Spiegel diesen erstmal durch einen Filter jagen.

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soulspider 23.03.2019, 20:22
18.

Tja, so funktioniert Populismus. Man nimmt ein komplexes Thema und reduziert es auf so Begriffe wie Upload-Filtern und Zensur. Und schon treibt man die Youtube-Generation auf die Straße, die damit aufgewachsen ist, dass alles für lau im Netz verfügbar war und das für ein "digitales Menschenrecht" hält. Hinter diesem Framing stecken PR-Agenturen, die mit den Millionen von Youtube und Google den Diskurs steuern. In Wirklichkeit ist das genauso bescheuert wie Build that wall, Take back control oder die Verschwörungstheorien gegens Impfen. Aber in Zeiten digitaler Schuberregung kann man so natürlich Politik machen - und in den Genossen von der SPD finden die Silicon-Valley-Shareholder ihre nützlichen Idioten.

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spiegelwatcher 23.03.2019, 20:25
19. Es gibt weit wichtigere Probleme als diese Reform

Ich bin kein alter Mann und trotzdem bin ich der Auffassung, dass das Wohl der Menschheit davon abhängt, ob irgendwelcher Nonsens auf YouTube hochgeladen werden kann. Leute, habt Ihr eigentlich keine anderen Probleme? Dass in einer Stadt wie München, die vom bayerischen Steuerzahler geküsst ist und gehätschelt und getätschelt wird wie kein anderer Fleck in Bayern, die Leute für so einen nichtigen Grund auf die Straße gehen, ist ja klar. Hier draußen in der bayerischen Provinz, wo es am Nötigsten fehlt, wo man Angst haben muss, dass man krank wird, weil es keine flächendeckende Gesundheitsversorgung gibt, kann man über die Scheinprobleme der Münchner nur müde lächeln. Endlich eine Uniklinik in Niederbayern zu haben, die von der CSU verhindert wird und die einem als Schwerkranken die 130 km weite Fahrt nach München ersparen würde, ist jedenfalls wichtiger als die Freiheit im Netz, finde ich.

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